Dienstag, 31. Januar 2017

Januar 2017 – Giarmata in den Medien

Vor Ort
InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt
+ + + Eine neue Homepage hat im vergangenen Herbst das Licht der virtuellen Welt erblickt. Der oder die Gestalter – das Verheimlichen ihrer Identität gehört nun mal zu den so geliebten Unsitten des Internets – haben sich vorgenommen, Aktuelles aus dem Leben der zwei zusammengehörenden Ortschaften Giarmata und Cerneteaz in die Welt zu senden, aber auch die Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren. Möge ihr Unterfangen viele Interessenten finden. Über den folgenden Link kommt man auf die Homepage. Es gibt auch eine deutsche Internetübersetzung mit den bekannten Sprachholprigkeiten. Ich werde auch aus diesem Internetauftritt kurze Textpassagen zitieren oder darüber berichten. + + +
Casele sociale au fost atribuite – Die Sozialhäuser wurden übergeben (04.01.2017)
Noch vor Silvester konnten 15 sozial schwache Familien in neue Wohnungen mit Reihenhausstatus einziehen. Eine Wohneinheit hat 38 m². In Giarmata gibt es weitere 16 Fälle von bedürftigen Familien. Auch für sie soll in diesem Jahr gesorgt werden.
+ + + Glückwunsch! Das ist ein guter Start ins neue Jahr. + + +
Strand termal la Giarmata – Thermalstrand in Jahrmarkt (04.01.2017)
Foto: InfoGiarmata.ro
So könnte ein Thermalbad in Giarmata aussehen. Man spricht nicht nur davon, sondern glaubt auch dran – in Giarmata.
+ + + Ich kann mer denke, dass ich des bissje Schwemme, wu ich kann, längst verlernt hun, bis merr in dem Thermalbad aah wirklich bade kann. Awwer e Kur forr mei alde Knoche wär vleicht noch drin. Bis dann muss ich halt mi’m Wonnemar in Ingolstadt zufriede sein. + + +
Dacă aprinzi un felinar pentru cineva, acesta va lumina și calea ta – Wenn du für jemand eine Laterne anzündest, wird die auch für dich leuchten (06.01.2017)
Eine Geschichte aus Giarmata, die in der Weihnachtszeit die richtige Verortung hat. Herr Cozan ist 75 Jahre alt, krank und obdachlos. Er lebt in Giarmata in einem verfallenen Haus. Der unbekannte Autor dieses Artikels hat sich zusammen mit anderen Bürgern der Gemeinde seiner angenommen, ihn mit warmen Speisen und Getränken versorgt und bei der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat vorgesprochen, um dem Obdachlosen eine bewohnbare Bleibe zu verschaffen. Das Vorhaben war von Erfolg gekrönt, so dass Herr Cozan jetzt am „ehemaligen Strand“ in einer Unterkunft mit „elektrischem Strom und Wärme“ wohnt. Viele Dorfbewohner haben ihm Nahrungsmittel, Kleider und Schlafsachen vorbeigebracht.
+ + + Der verwahrloste Mann (es gibt auch erschütternde Bilder von ihm) wird in dem Artikel mit dem Satz zitiert: „Ich glaube nicht, dass Gott mich noch hält.“ Dafür haben Menschen, Bürger der Gemeinde Giarmata, ihn gehalten. Hochachtung!“ + + +
Școlile si grădinițele rămân închise la Giarmata si Cerneteaz – Die Schulen und Kindergärten in Giarmata und Cerneteaz bleiben geschlossen (08.01.207)
Wegen den Wintertemperaturen, die bis  -25° C sinken können, wurde der Schulbeginn nach den Winterferien im gesamten Kreis Timiș / Temesch auf Mittwoch, den 11. Januar verschoben.
+ + + Hurra! Do kann merr am Kercheberch Schlieder fahre!“ + + +
Ceneteaz și podul Austriac, istorie bogată într-un sat mic – Zorn und die österreichische Brücke, reiche Geschichte in einem kleinen Dorf  (09.01.2017)
Foto: InfoGiarmata.ro
Die Brücke über die Alte Bega wird eigentlich Brücke des Türken genannt. Alles deutet aber darauf hin, dass sie erst in der Zeit der Habsburger gebaut wurde. Das Bauwerk soll ein Entwurf der Gebrüder Lechner sein.
Die neue Schulleitung
Foto: InfoGiarmata.ro
Școala Giarmata are o nouă conducere – Die Jahrmarkter Schule hat eine neue Leitung (10.01.2017)
Die neue Leitung der Schule, Klassen 1. bis 8., wurde Mirea Darius (Direktor) und Tomita Valentina (stellv. Direktor) übertragen.
+ + + Mögen sie eine gute Hand haben. + + +
,,Satul Batrân“ prima așezare a comunei Giarmata – „Das Alte Dorf“ die erste Niederlassung der Gemeinde Giarmata (11.01.2017)
Neue morfo-geografische Untersuchungen der Lage (rum.: sit) Giarmatas deuten auf die Existenz einer „offenen Siedlung“ in der Römerzeit (2. – 4. Jh. n. Ch.) und im Mittelalter (14. – 15. Jh. n. Chr.) hin. Es gibt in diesem Text noch einige widersprüchlich anmutende Bemerkungen zu einem Römerwall, der einmal auf der Linie Bencecul de Sus / Deutschbentschek – Muran nördlich von Pișchia / Bruckenau verläuft, und dann wieder zwischen Pișchia und Giarmata erkennbar sein soll.
+ + + Do hall ich mich liewer raus. Des is e Gschicht forr Heimatkundler wie de Geier Luzi, de Prof. Speck un de Junginger Franz. Die känne mit dem Artikel bestimmt meh onfange wie ich. Mer fallt zu so etwas net meh in wie vleicht e Liebestragödie zwischen’me stattliche römische Legionär un’re scheener Dakerin. + + +
Arcușul lui Nica din Cerneteaz a cântat bucuria în zile de tristețe si tot arcușul lui Nica a mângâiat durerea – Der Bogen des Nica aus Cerneteaz hat Freude an Tagen der Trauer übermittelt und ebenfalls Nicas Bogen hat unseren Schmerz gelindert (13.01.2017)
Erzählt wird aus dem Leben des Geigenvirtuosen und Kapellmeisters Nica Iancu Iancovici, der am 21. März 1821 in Cerneteaz geboren wurde und nach einer Kindheit voller Entbehrungen bereits als 14-Jähriger in einem Temeswarer „taraf“, Volksmusikorchester, spielte. Weitere Stationen dieses jungen Musikantenlebens waren Ciacova / Tschakowa, Becicherecul Mare / Großbetschkerek und Vârșeț / Verschetz. Seine musikalische Heimat sollte aber Lugoj / Lugosch werden. Hier tauchte er mit seinen 20 Lenzen in das reiche Musikleben der Stadt an der Temesch ein. Und erst hier lernte er im Orchester Seppi Müllers das Notenlesen.1847 gründete er sein eigenes Orchester, in dem neben Rumänen auch „Deutsche, Juden, Ungarn, Serben und Zigeuner spielten und auch die Trompete nach schwäbischer Tradition“ zum Einsatz kam. Nica Iancu Iancovici hat auch viel komponiert. Aus seinen Stücken sollen sich namhafte rumänische Komponisten wie Ion Vidu und Filaret Barbu inspiriert haben. Der berühmte Volksmusikant ist am 25. Januar 1903 verstorben.
+ + + Ob es sich bei dem erwähnten Seppi Müller (1812 – 1876) um den aus Tolnau stammenden Militärkapellmeister und Komponisten des „62. Regimentsmarsches“, Josef Müller, handelt oder gar um den Komponisten der in der Kirche von Cenad / Tschanad aufgefundenen Lieder „Üdvözlégy Mária“ und „Salve mundi Domina“, Müller József,  muss leider Spekulation bleiben. + + +
Giarmata și Chirvaiul de altădată – Jahrmarkt und die Kirchweih von anno dazumal (14.01.2017)
Der Autor erzählt etwas von der Geschichte des Kirchweihfestes im ehemaligen Jahrmarkt und untermalt seinen Text mit vielen Fotos, die zum Teil mit diesem Fest nichts zu tun haben. Er zeigt sich auf jeden Fall tief beeindruckt von „dem Frohsinn und Optimismus, der Disziplin und Organisation wie von dem Charakter“, die von den Fotos ausgehen.
Ștrandul Giarmata în anul 1971 – Das Jahrmarkter Freibad im Jahre 1971 (14.01.2017)
Der Bau dieses Bades geht auf die Initiative von Peter Oberle, Josef Schäfer und Adam Kernleitner zurück, heißt es in dem Artikel. Weiter wird festgehalten, dass der „erste Manager“ Herr Johann Weber war und der „Strand“ bis 1981 von Direktor Mark Chira betreut wurde.
Handbalul o tradiție la Giarmata încă din anii 1950-1960 – Der Handball eine Tradition in Jahrmarkt seit den Jahren 1950 – 1960 (20.01.2017)
Ein kurzer Hinweis auf den Handball in Jahrmarkt, als Deutsche noch die Mehrheit der Bevölkerung stellten – mit zwölf Fotos.
Ziua recoltei la Giarmata 1934 – Erntedankfest in Jahrmarkt 1934 (22.01.2017)
Dieser Beitrag enthält viele Bilder aus dem Bauernleben in Jahrmarkt.
Parada pompierilor civil Giarmata 1940 – Parade der freiwilligen Feuerwehr Jahrmarkt 1940 (23.01.2017)
Acht Fotos der Jahrmarkter Feuerwehr aus dem Jahre 1940 sind zu bewundern.
+ + + Man sollte es mit den Inhalten aller Beiträge nicht allzu genau nehmen. Denn die oder der Bestücker dieser Homepage geht mit der geschichtlichen Wahrheit seiner Beiträge sehr freizügig um. + + +
15 minute din viața comunității de Șvabi, 1970 Giarmata – 15 Minuten aus der Gemeinschaft der Schwaben, 1970 Jahrmarkt (25.01.2017)
Das hier gezeigte Video enthält interessante Bilder von der Dorfweide, der „Hutwad“, wie die Deutschen in Jahrmarkt sie nannten. Auch einen „Motor“ sieht man fahren.
+ + + Leider werden in dem Film Vergangenheit und Gegenwart so vermischt, dass diese bewegten Bilder von einst und jetzt auch in die Irre führen können. Übrigens: Diese Kerweih fand erst 1972 statt. + + +
O zi de vară la Giarmata 1969 – Ein Sommertag in Jahrmarkt 1969 (28.12.2017)
Bilder vom Umfeld des Freibades.
+ + + Diese Fotos wurden erst in den 70er Jahren gemacht. + + +
Școala cu clasele I-VIII Giarmata 2017 – Die Schule mit den Klassen 1-8, Jahrmarkt 2017  (28.12.2017)
Zehn Bilder zeigen, dass die Schule in Schuss ist – zumindest außen. 

Juniorinnen auf Erfolgskurs
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 15.01.2017
Die Handballjuniorinnen der Altersgruppe IV haben ihre Hallenmeisterschaft im Tourniermodus in der Giarmataer Sporthalle fortgesetzt. Die Mädchen aus Giarmata waren auf der ganzen Strecke erfolgreich:
AS Leu Giarmata – Unirea Sânnicolau Mare  13:7 (5:3)
AS Leu Giarmata – AS Cîtu  17:15 (11:8)
+ + + Acht Mannschaften spielen in dieser Meisterschaft. Das war das fünfte Tournier. + + +

Neue Kräfte
SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 16.01.2017
- C4 (Liga III – Serie IV)
CS Millenium Giarmata hat die Winterpause genutzt und seinen Kader erweitert. „Die Mannschaft aus dem Kreis Timiș / Temesch mit der längsten ununterbrochenen Spielzeitserie in dieser Liga“ versucht junge Spieler zu verpflichten. Unterschriftenreif ist aber lediglich ein Weggang: Marius Călin zu CSM Școlar Reșița.

Enteignungskommission konstituiert
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 18.01.2017
Der Kreisrat Timiș hat die Besetzung der Kommission zur „Enteignung der Grundstücke für den Ausbau der Kreisstraße 691 auf vier Spuren" zwischen der Umgehungsstraße Timișoara und der Autobahn A1 bekanntgegeben. Auch Bürgermeister Virgil Bunescu gehört zu dem zehnköpfigen Gremium.

Zwei junge Torhüter
aus TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar; 27.01.2017
Neben Marius Călin hat auch der Torwart Octavian Rusu die Mannschaft von Millenium Giarmata verlassen. Verpflichtet wurden dafür zwei Torhüter: Robert Mikloș im zarten Alter von 17 Jahren und der 20-jährige Eduard Marinca.
+ + + Keine Frage: Răzvan Leucă bleibt sich treu und setzt auf die Jugend. + ++

Brauchtumsfestival in Giarmata
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Januar 2017
Das Festival der Weihnachtslieder und Winterbräuche wurde zum sechsten Mal in Giarmata abgehalten. FOAIA de GIARMATA widmet sich exklusiv diesem Ereignis. Das Festival fand schon im Dezember Anklang in einigen Medien im Banat. Daher hier nur ein Satz aus dem Bericht im Giarmataer Gemeindeblatt: „Cu mic cu mare, locuitorii comunei Giarmata şi goştii lor veniţi de departe au făcut ca sala să devină neîncăpătoare. – Mit Klein und Groß haben die Bewohner der Gemeinde Giarmata und ihre von Weitem gekommenen Gäste den Saal zu klein sein lasse.“
+ + + Eine schöne Interferenz (Abweichung von der Norm durch den Einfluss anderer sprachlicher Elemente) liegt in dem hier benutzten Wort „goştii“, eine Anleihe aus dem Deutschen und sehr passend in einem Bericht über Bräuche im immer noch vielsprachigen Banat. + + +

Montag, 23. Januar 2017

Seppi und Peppi unterhalten sich über Obama und Trump

Seppi und Peppi sitzen in ihrem Bahnhofscafé. Jeder hat eine Zeitung vor sich.

- Der Obama ist weg. Schade.
- Warum schade?  Der Trump ist doch da. Hast du die BILD nicht gelesen? Ist ein Deutscher.
- Wer?
- Na der Trump. Schau, da steht, was er sagt über das Land seiner Ahnen. Beeindruckend, sag ich dir. Der Kai Diekmann von der BILD hat ihn gefragt nach dem deutschen Blut in seinen Adern.
- Na, les' mal vor.
- Hör zu: „Na, das ist großartig. Ich bin sehr stolz auf Deutschland, und Deutschland ist etwas ganz besonderes. Bad Dürkheim, ja? Das ist echtes Deutschland, nicht wahr? Keine Frage, das ist echtes Deutschland. Nein, ich bin sehr stolz auf Deutschland. Ich liebe Deutschland, ich liebe Großbritannien.“ Na, was sagst du?
- Genial! Liegt England auch in Deutschland? Und diese Sprache, dieser Sprachfluss. Kann jeder verstehen. Oder?
- Na, klar. Ein Mann aus dem Volk, dem deutschen Volk, von der Wurzel her gedacht. Verstehst du?
- Ja, ich gebe mir alle Mühe.
- Das war der Obama nicht.
- Nein, er hat angeblich kein deutsches Blut in den Adern. Aber eine Abstammung hat er doch. Und er spricht sogar darüber.
- Aber nicht in der BILD.
- Nein. In der SÜDDEUTSCHEN. Hier. Soll ich’s dir vorlesen? Pass auf: „Als ich nach Indonesien kam, war ich dieses große, dunkelhäutige Kind, das irgendwie auffiel. Als ich dann von Indonesien zurück nach Hawaii zog, hatte ich wahrscheinlich die Umgangsformen und Gewohnheiten eines indonesischen Kindes. Die Vorstellung also, dass es Welten gibt, die man mitnehmen kann, die einem selbst gehören, in die man einsteigen kann, fand ich aufregend.“
- ? ? ?
- Was schaust du so?
- Kompliziert. Kann man das nicht einfacher sagen?
- Klar. In der Trumpsprache würde das vielleicht so klingen: „Na klar. Indonesien toll. Und Hawaii auch toll. Ich liebe sie. Und Amerika. Aber zuerst Amerika. Ja, ich liebe Amerika.“
- Das ja. Das versteht doch jeder.
- Ja, sogar du … Bedienung bringen sie uns bitte zwei doppelte Whiskys.

Verdammt! Es ist diese Kälte, die einem seit Wochen in den Gliedern steckt. Hört dieser Winter denn gar nicht mehr auf? 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Schwowisch un herrisch

Marianne Ebner: Wann ich net schloofe kann … Gedichte und Erzählungen; Hartmann Verlag, Sersheim, 2013; ISBN: 978-925921-88-9; 249 Seiten, EURO 15,00

De Titel is schwowisch, die Angaben vun de literarische Gattunge uf’m Buchdeckel sin hochdeitsch. So is aah es ganze Buch gschrieb: schwowisch un herrisch. Awwer net dorchnanner: es eerscht schwowisch un noh herrisch.

So Bicher wie des do, mit Gedichter un Verzählcher, les ich eigentlich nie in oom Ruck. Die leije meistens uf meim Naachtskästche, un ich les vor em Inschlofe zwaa, drei vun dee Gedichter odder verzählte Stick. Mit der Kaschpersch Wess Mrijan, des is der Marianne Ebner ehre Dorfspitznome, ehrem Buch war’s desmol rum annerscht. Ich hatt des Buch mitgholl in de Urlaab un hun drin geles wie i’me Roman, asso vill Seide am Stick.

Des Buch geht wie vill Bicher aah on mi’me Vorwort, gschrieb vum Katharina Scheuer, des is es Scheier Kathi aus der Neigass, des wu bei der Kaschpersch Wess Mrijan iwer die Gass gewohnt hot. Do kann merr lese – uf Hochdeitsch -, wer die Autorin, asso die Schreiwerin, vun dem Buch iwerhaupt is odder war (des kann merr siehn, wie merr will, weil Bicherschreiwer  lewe so lang, wie merr vun ehre Bicher redd) un wie des Buch do in die Welt kumm is. Ich schreib mol e Satz aus dem Vorwort ab: „Fünf Jahre nach dem Tod von Marianne Ebner öffnet ihre Schwiegertochter Anna Ebner ihre Schubladen. Aus diesem Nachlass wählt sie die schönsten Gedichte und Kurzgeschichten aus und entschließt sich zu einer Veröffentlichung.“

Es eerscht Gedicht haaßt Unser Johrmark uns zwatt Mei Heimat. Zwischen dee zwaa Gedichter, gschrieb im Johrmarker Dialekt, gebt’s ganz klor e geistiche Zammehang, der wu im Titel vum dritte Gedicht zammgfasst is: Hoomweh. Noo geht’s loss, zrick in die Schwoweheimat (Nr.6). Mit 124 Gedichter is de Wech uf Johrmark un sei Umgebung  - do gheert aah Temeswar dazu – geplastert.

Merr muss do beim Lese oft schmunzle un e paar Mol sogar hart lache. So is es wennichstens mer gang un ich hun des noo bei meiner Fraa ausproweert, asso ich hun ehr vorgeles, un de Effekt war aah so. Un trotzdem stellt merr sogar in sogenannte lustiche Gedichter e ernste, melancholische Unnerton fest. Un wann merr sich noo im Detail mit dem oon odder anner Vers ausnannersetzt, noo muss odder kann merr net immer die gleich Meinung wie die Wess Mrijan hun. Wann’s zum Beispiel haaßt, dass „mer uns Schwowe aa vertrieb“ (Zum Heimattach in Ulm) hot, noo fallt mer de Blummemann in Freidorf un de Bogdan in der Cluj-Gass in Temeswar in. Was sich dort abgspillt hot, hatt nicks, awwer aah gar nicks mit „vertrieb“ werre im schwowische Sinn vun dem Wort zu ton ghatt, awwer umso meh mi’m herrische Sinn: Dort is „vertreiben“ nämlich e Synonym vun „verkaufen“. Vun wu ich des waaß? Na aus eigener Erfahrung.

Es kummt beim Lese vun Gedichter aah immer uf die Stimmung on, in der wu merr grad is. Ich hun jo gsaat, dass ich des Buch mit in de Urlaab gholl hatt: Binz, Summerzeit, loonich mit verstauchtem Vorfuß uf’m Balkon mit Blick in de Kieferwald, uf Sanddüne un sogar (dorch die Beem) uf’s Meer, im Radio Domeniko Cimarosa: Konzert forr Oboe un Orchester. Un in dem Moment hun ich grad die Gedichter Der Schnitt, Der Schnitter un Der Hanfbrecher geles. Ich hun mer do net vill Gedanke gemach, awwer intensiv gspeert, dass es e gleichi Wellenlänge zwischen Barockmusik un Dialektdichtung gebt. Irgendwie passt der Ton vun der Oboe – immer e bissje melancholisch, sogar in tänzerische Motive – zu Zeitenwendebilder, die umso stärker wirke, je gelungener die Metaphern sin, in dee wu die Bilder literarisch gemolt werre. Do hatt die Wess Mrijan schun was druff ghatt, des muss merr ehr losse: „Am Holzhaufe stehn ich un kann’s net packe / de alte Hanfbrecher zu verhacke. / Drum troon ich ne z’rick uff de Bodem nuff, / un heeb, so lang ich leeb, ne uff.“

De sozialkritische Aspekt sellt merr net außer Acht losse, wann merr e Buch lest. Des gilt vleicht sogar noch meh forr die Literatur vun de Ränder, aus dee Regione, wu’s aah noch anre Volksgruppe gebt. Die lewe jo ehre eignes Lewe un des werd oft verherrlicht. Do kummt noo e kritischi Stimm aus de eigne Reihe net verkehrt. Wie ich der Kaschpersch Wess Mrijan ehre Gedicht Es Esse geles hun, is mer em Müllersch Herta sei Schwäbisches Bad ingfall. Awwer aah e wirklich scheeni Ballade vum Zammlewe vun de Volksgruppe hot do ehre Platz: „Un hot er aa in sich Zigeinerblud, / er bleibt mei Freind, er war so gud.“ (Der Freind). Dass des in der Wirklichkeit norr sehr selten so war, steht uf’me annre Blaat, wann’s iwerhaupt irgendwu ufgschrieb is.

Zum idealiseerte Banatbild gheert immer aah e gudi Portion Baureschlauheit, die wu die Dichtre ehre Figure ondichte. Vun der Sort gebt’s einiche bei der Wess Mrijan. Manchesmol klingts sogar noh schwarzem Humor. Die Situationskomik kann, meistens forr de Mann, in e tragisches Enn fließe. Wie zum Beispill noh’m Hoomkumme vun’re Sitzung: „Er fangt on es Kind zu schockle jetz, mit Mieh / un saat, heerscht net schraije es Kind, in der Wieh! / Sei braaf mei Klooner un sei froh, / dei liewer Vattr is weder doh. / Sei Weib schraijt: Du b’soffni Sau, du Depp, / der Kloon leiht bei meehr im Bett!“ (Die Sitzung).

Die Mundartliteratur wirkt oft wie e Atomisieerung vun’re ganzer Welt, ich moon damit, e Ufbreche in ganz winziche Bildcher. Do känne noo schunn mol Einzelpersone uftauche, die wu merr selwer noch gekennt hot, odder Landschafte, in dee wu merr schun rumkumm is. Noh dee 124 Gedichter kumme in dem Buch finef Prosatexte im Dialekt. Asso Erzählunge im wohre Sinn vun dem Wort sin des net, awwer als Skizzen kännt merr se schun instufe. Laut Lexikon wäre des „kurze, bewusst nicht ausgeformte Prosatexte verschiedensten Inhalts“. Do kann merr als Schreiwer jo schunn e bissje meh ausholle wie im Dichte un so e Atomiseerung versuche. Des is der Wes Mrijan im Prosastick Die Wechter vun Johrmark ganz gut gelung. Abgspillt hot sich die Gschicht in der „Neij Gass“ un die handelnde Persone sin de Seppl’s Sepp, de Zink Hans, de Fizigoj Hans, de Kaschpersch Kaschper, die Hannikels Wess Greet un ehre Natz, em Seppl’s Sepp sei Fraa, es Anna, un em Kaschpersch Kaschper sei Fraa, es Mrijan, asso e echtes Alter Ego vun der Autorin. Um was es do geht? Des kriet merr norr raus, wann merr die Gschicht selwer lest.

De letzt vun de Dialekttexte is e autobiografischer Text: Die Fastenzeit. Ich ziteer mol e Absatz draus: „Mei Mottr hot schweer gearwed un ich sin dann als Siewemoonetskind uff die Welt kumm. Mei Großche hot so e art Bruutkaste gemach mit Flasche un immer warmes Wasser drin un vill Watte owwedruff, dass ich gud waaich leije ton. Mei Mottr war aa krank un wann der Dokter kumm is un des g’siehn hot, dann hot der immer g’saat: >Schaad forr die Mieh, sie soll sich liewer um eehre Tochter kimmre<.“

Noh de schwowische Texte kumme noch 48 Gedichter uf Hochdeitsch. Aah der Wes Mrijan ehre in Johrmark johrelang unner ehrer Regie vorgetraane Chriskindche- un Dreikeenichssticker sin abgedruckt. Des steht sich aah, weil die Fraa hot im Johrmarker Kulturlewe ka unerheblichi Roll gspillt. (Mei Kerweihspruch hot se selmols im ’72er aah gedicht.) Noo sin in dem Buch noch e Haufe Gedichter, die wu die Wess Mrijan sich aus ehrer Schulzeit gemerkt hot.

Vleicht sellt merr noch etwas zu der Form soon. (Iwer die Thematik vun de herrische Gedichter muss merr net vill Wärter vleere, weil die is ähnlich wie die vun de schwowische, norr noch etwas nostalgischer. Vor lauder Hoomweh noh der Glickselichkeitsinsel fallt am’s Lese manchesmol schwer, weil sich Langweil instellt. Des kann oom awwer bei’me Gedichtband vum Goethe odder Eminescu  aah schnell passeere. Drum is gut, wann merr sich sei eigni Lesestrategie beim Gedichterlese zurechtleet – net zu vill am Stick.) Alle Gedichter, schwowisch wie herrisch, kenne norr de Paarreim a a b b odder selten aah de Kreizreim a b a b. Des beweist nateerlich, dass e netakademischi Beschäftigung mit Lyrik sich meh um de Inhalt un norr newebei um die benutzte Stilmittel kimmert. Do is e Gfiehl, un des muss raus. Wer brauch in so’re Situation aah noch e Hexameter, e Daktylus,  e Jambus, e freie Rhythmus, e Anapäst, e Trochäus u. s. w. u. s. f.? Dass bei so vill Gfiehl aah Euphemismen ehre Berechtichung hun, is vor Allem der Innerlichkeit, die jeds gudes Gedicht noh Außen vermittelt, zuzuschreiwe. „Was einst mir schien ein Garten Eden“, hot die Kaschpersch Wess Mrijan in Meine Heimat gedicht.  

Die Johrmarker Mundartdichterin hot ehre Gfiehl literarisch rausgeloss un ehre Seenerin, es Krämer Anna, verheirates Ebner, hot des Gfiehl zwischen zwaa Buchdeckle gebrung un sich mi’me eigne Text, der wu schun in der Anthologie Johrmarker Gasse un Gässl’cher erschien is, aah glei damit verewicht. Ich moon, wann merr etwas Gudes macht, kann merr sich doch aah davor belohne. Vor dem Erinnerungsstick vun der Herausgewersch kann merr noch Nachrufe vun Helene Eichinger un Katharina Scheuer sowie vum Albert Müller - des is e banatschwowischer Weltenbummler - un e Artikel vum Ludwig Schwarz, der wu am 12. September 1974 in der NEUE BANATER ZEITUNG in Temeswar erschien is, lese.

Zum Schluss hätt ich noch e Hinweis forr zukinftiche Leser: Losst eich net irriteere, es kummt in dem Buch schun ab un zu vor, dass Hauptwärter kloon un Tätichkeitswärter groß gschrieb sin. Ich moon, des hot nicks mit dichterischer Freiheit zu ton, sondern kummt oonfach vum Vertippe. Mer perseenlich hot des awwer nicks ausgemach. Johrmarker Mundart – absolut rechtschreibfrei – an der Ostsee kann ganz scheen unnerhaltsam sein. Des war forr mich mol e annri Art vun Heimatliteratur. Es muss jo net immer Günter Grass, Siegfried Lenz, Herta Müller, Richard Wagner, Horst Samson & Co. sein. Zur Abwechslung tot’s aah mol e Marianne Ebner (1920 – 2007).

Binz, 2015 – Uf der Schanz, 2017
Berns Toni

Montag, 9. Januar 2017

Weihnachten mit Karl May

Weihnachten mit Karl May? Geht das? Ja, warum denn nicht? An die Sterne –»Süße kleine Himmelsaugen«, »Auf Golgatha ans Kreuz geschlagen« (Osterkantate), Ave Maria – Es will das Licht des Tages scheiden, Ave Maria der Gondolieri am Traghetto della Salute, »Ich will dich auf den Händen tragen« (Nottourne), Nun gehst du hin in Frieden, Vergiß mich nicht, »Zieht im Herbst die Lerche fort« (Serenade), »Siehe, ich verkündige euch große Freude« (Weihnachtskantate). Das alles sind Kompositionen von Karl May, dem geistigen Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand. Was musikalisch möglich ist sollte auch filmisch möglich sein. „Weihnachten mit Winnetou – Der Dreiteiler mit Wotan Wilke Möhring und Nix Xhelilaj spaltet an den Feiertagen die Fernsehnation“, verkündete vor Weihnachten ein Fernsehmagazin auf seiner Titelseite.

Mir war sofort klar, auf welche Seite ich mich schlagen werde. Die RTL-Produktionen Winnetou – Eine neue Welt, Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee und Winnetou – Der letzte Kampf waren für mich ein Muss, trotz nervenzehrender Werbung. (Normal schaue ich kein Privatfernsehen.) Die Begründung liegt auf der Hand: Ich war, seit ich lesen kann, Karl-May-Fan. Ja, viel mehr, Karl May und seine Bücher bedeuten für mich bis heute Heimat, eine vor vielen Jahren freiwillig aufgegebene Heimat. Das hieße aber, das Banat in Beziehung zum Wilden Westen zu stellen. Dieser Vergleich fiel mir in den zurückliegenden Weihnachtstagen ein, weil ich schon einmal öffentlich mit ihm hausieren gegangen war.

Und das kam so: Das Stadttheater Ingolstadt stellt seine Spielzeiten jeweils unter ein Motto. Die Saison 2011 / 2012 trug die Überschrift Fremde Heimat. Intendant Knut Weber schrieb damals im Spielzeitheft: „Der >Erste Abend< am 8. Oktober im Stadttheater ist ein >Heimatabend<, eine Fantasie aller Ensemblemitglieder und vieler der in Ingolstadt beheimateten Menschen: Ein Abend über die Sehnsucht nach Heimat und über die Gewissheit, sie zu haben, über Heimweh und Lust auf Neues, über Abschied und Ankommen.“ Einherging auch ein Aufruf an die Bevölkerung von Stadt und Umland, sich mit Gegenständen, die ihnen Heimat oder Fremde Heimat bedeuten, an dieser Spielzeit zu beteiligen. In Glasvitrinen waren diese Beiträge der Bevölkerung zu diesem Thema dann im Foyer des Theaters ausgestellt. In diesem „temporären Heimatmuseum“ (Formulierung des Theaters) waren auch zwei Bücher von Karl May mit folgendem Begleittext zu sehen:

Fotos: Anton Potche
Mit Karl May aus der alten in die neue Heimat

In meinem Bücherschrank in der Banater Gemeinde Jahrmarkt standen in den 1970er und 1980er Jahren viele deutsche Bücher aus dem Bukarester Kriterion-Verlag. Auch die zwei Bände Old Surehand – Reiseerzählungen von Karl May waren dabei. Sie sind 1970 erschienen und kosteten zusammen 23,50 Lei (ca. 5,50 €).

Es war aber nicht das einzige Karl-May-Buch, das auf dem Jahrmarkter Büchermarkt gehandelt wurde – unter der Hand, natürlich. Ob vor oder hinter dem Eisernen Vorhang, die Sehnsucht nach der Ferne war die gleiche. Karl May hat sie befriedigt. Seine Bücher passierten immer wieder auch die tödlich gut behütete rumänische Staatsgrenze von West nach Ost, in den 1980er Jahren verbunden mit steigendem Risiko, war dem Diktator die Freiheitssehnsucht seiner Bürger doch mehr und mehr verhasst.

So mancher Zeitgenosse hat aber gerade in jenen Jahren diese Grenze in entgegengesetzter Richtung, also von Ost nach West, bei Nacht und Nebel überwunden: schleichend, laufend, kletternd, kriechend, eingenäht in Schafspelze inmitten einer Schafherde, über die Donau rudernd und, und … Der eine oder andere hätte sein Leben bei diesen abenteuerlichen Fluchtversuchen mit einem Karl-May-Helden an seiner Seite nicht lassen müssen.

Mein Old Surehand hat diese blutigste grenze Europas in einer Holzkiste, in friedlicher Eintracht mit Wäschestücken und Haushaltsartikeln, unbeschadet auf dem Postweg überwunden. Es war zwischen Weihnachten und Neujahr im Jahre des Herrn 1984.

Bücher kommen und gehen, machen sich auch in meinem Bücherschrank den beschränkten Platz streitig, aber Old Surehand, dieser aus dem alten Banat, wird bestimmt erst mit dem Untergang meines Geistes eventuellen Existenznöten ausgesetzt sein. Bis dahin sichert meine Erinnerung an die Sehnsüchte der alten Heimat sein Dasein.

Anton Potche

Dieser Winnetou (Nik Xhelilaj) und sein Blutsbruder Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) von RTL waren leider nicht die gleichen Karl-May-Helden meiner Kindheit. Die kamen aber zum Glück eine Woche später auf den Bildschirm beim BR: die große Wildwestsaga in drei Teilen mit Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand und zwei Teile mit Stewart Granger in der Rolle Old Surehands.

Natürlich drängt sich auch mir nach dem Sehen der acht Filme ein Vergleich auf. Und der kann, wie Kunstbeurteilungen das nun mal so an sich haben, nur subjektiv ausfallen, ganz abgesehen von meinen Erinnerungsbeziehungen zu diesem Stoff.  Habe ich die Karl-May-Filmklassiker der sechziger Jahre als eine Symphonie, gespielt von einem großen Symphonieorchester, empfunden, so kam mir der RTL-Dreiteiler wie eine Orchestrierung der gleichen Symphonie für eine Bläserphilharmonie vor. Gut orchestriert, gut interpretiert, aber dem Original dann doch nur bedingt ebenbürtig.
Anton Potche