Montag, 14. August 2017

Der ländliche Raum in Bayern während der NS-Zeit

Ich erinnere mich an Landserhefte, die ich in den 1960er Jahren hinter dem Schornstein auf dem Dachboden meines Elternhauses im rumänischen Banat fand. Natürlich war ich an deren Lektüre als 10-Jähriger kaum interessiert. Nur die bemalten Einbände faszinierten mich: Panzer, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Kriegsszenen mit siegenden deutschen Soldaten. Schließlich sahen wir zu jener Zeit im Dorfkino ja auch Kriegsfilme und konnten natürlich die Landserbilder richtig einordnen – auch wenn die Kriegsfilme, die im Kulturheim gezeigt wurden, eher die Vietnam- und Koreakriege zeigten, natürlich mit den siegreichen kommunistischen Verbänden. Irgendwann sind die Hefte dann verschwunden. Vielleicht hat die Oma sie beim Schüren des Kessels oder des Backofens sinnvoll verwertet. Geblieben ist mir die Erinnerung an jene Zeit. Und die war mir erst kürzlich ziemlich präsent, als ich im Bauerngerätemuseum in Ingolstadt-Hundszell die Ausstellung Volk - Heimat - Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre besuchte.

Einer der Themenschwerpunkte trug die Überschrift Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus. Ich musste bei der Ansicht der ausgestellten Propagandamaterialien (Zeitschriften und Kriegsspiele) an die Landserhefte meiner Kindheit – lange nach dem Krieg – denken, aber auch an die „Kriege“ die wir in den Dorfgassen mit Holzpistolen und Gewehrattrappen führten. Manchmal kamen auch Pfeil und Bogen zum Einsatz, liefen doch in jener Zeit im selben Dorfkino auch die ersten Karl-May-Filme. Man stelle sich das Chaos in unseren von Abenteuerlust beseelten Herzen und verwirrten Köpfen vor. Vietnamesen, Koreaner, aber auch siegende Rotarmisten und flüchtende Landser (wer hatte da wohl Recht, die Filme oder die Heftebilder?) und dazu heldenhafte Indianer und weiße Banditen. Der Krieg war 20 Jahre vorbei, aber sein ideologischer Bodensatz gärte in Südosteuropa unbeschadet fort – nur eben nicht als nationalsozialistische Ideologie, sondern als kommunistische.

 So wird wohl jeder Besucher dieser Ausstellung seinen Gedanken nachhängen. Auf irgendeine Weise war jeder Teil der Gesellschaft vom Nationalsozialismus berührt, ein Themenschwerpunkt ist mit Durchdringung der Gesellschaft überschrieben. Auch das Leben auf dem Land. Und war der Weiler noch so klein und abgelegen. Die Gesetze und Verordnungen erreichten alle, auch wenn sie nicht immer befolgt wurden. Die Informationstafeln in dieser Ausstellung berichten davon. Es gab zum Beispiel ein Reichserbhofgesetz, das zum Ziel hatte, „eine Überschuldung der Höfe zu verhindern und vom »Kapital des Judentums« unabhängig zu werde.“

Das Themenspektrum dieser Ausstellung ist weit gefächert: Autarkiebestrebungen in der Landwirtschaft, Kleidung in den 1930er und 1940er Jahren, Mangel und Kriegswirtschaft, Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus („Die »erbgesunde«, »arische« Frau sollte möglichst viele Kinder zur Welt bringen und diese ganz im nationalsozialistischen Sinne erziehen."), Arbeit adelt! Der Reichsarbeitsdienst (RAD), Behelfsheime für Ausgebombte, Zurück zur Scholle; Kleinsiedlungen in der NS-Zeit, Das Winterhilfswerk. Auch an das Jüdische Leben auf dem Land haben die Kuratoren gedacht.

Fotos: Anton Potche
Und an die Zwangsarbeit („Allein in Franken arbeiteten etwa 250.000 bis 300.000 überwiegend aus Osteuropa verschleppte Zivilarbeiter und zahlreiche Kriegsgefangene, darunter ein sehr großer Teil in der Landwirtschaft.“). Gerade hier zeigt neben dem vielen Bedrückenden die Ausstellung auch einen Lichtblick, ein Beispiel von erträglicher Kriegsfolge: „Der ukrainische Zwangsarbeiter Peter Diakon hat schon während des Krieges in der Dorfkapelle in Buch am Wald (Landkreis Ansbach) Schlagzeug gespielt. Er ist nach Kriegsende in dem Dorf geblieben und wurde als Schlagzeuger festes Mitglied der Dorfkapelle, die zu allen Anlässen aufspielte – vor allem zur Kirchweih.“

Ich begegnete bei meinem Schlendern durch die Ausstellungsräume vielen Menschen, meistens mittleren Alters und junge Leute. Auch eine ziemlich laute Gruppe schwarz gekleideter und tätowierter Frauen und Männer mit einem schreienden Kleinkind war dabei. Welcher Gesinnung die wohl anhängen, dachte meine Frau laut auf dem Heimweg. Darauf hatte ich keine Antwort. Wer sich so gibt, ist in der Regel stark links oder rechts. (Es gibt zum Glück auch Ausnahmen!) Was ein zu starkes Abtriften an politische und ideologische Ränder bewirken kann, wird den Besuchern dieser Ausstellung vermittelt – falls sie lernwillig sind. So gesehen, haben auch diese „Schwarzen“ ihre Eintrittskarte nicht umsonst gezahlt. Bleibt die Hoffnung, dass die ausgestellten Exponate, Dokumente, die Filme und Animationen auch bei ihnen die richtige Wirkung ausgelöst haben: Betroffenheit und der Wunsch, dass solche Zeiten Geschichte bleiben und in Ländern wie Venezuela, Nordkorea, Türkei und leider vielen anderen bald Geschichte sein werden.

Die Ausstellung kann in der Probststraße 13, 85051 Ingolstadt bis zum 31. Oktober zu folgenden Öffnungszeiten besichtigt werden: Dienstag bis Freitag 9 – 12 Uhr, Sonn- und Feiertage 14 – 17 Uhr; Besuche außerhalb der regulären Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage; Tel. 0841 / 305-1885(-1886); www.ingolstadt.de/bauerngeraetemuseum .
Anton Potche


Montag, 7. August 2017

Bösewichte hatten im Banat und in Siebenbürgen keinen leichten Stand

„Der seichteste Hohn journalistischer Weltweisheit gilt der Enthüllung, daß der Kulissenzauber eigentlich ein fauler Zauber sei, daß die Heroen der Bretter bei Tageslicht menschlicher aussehen, daß nicht alles Gold ist was glänzt, daß der Schein trügt und ehrlich am längsten währt. Literaten, die mehr aus Neigung als aus Begabung Satiriker sind, pflegen sich das Theatergetriebe, die Eitelkeit des Bühnenglücks, den Schauspielerkultus, den von Claque und Gärtner besorgten Ruhm als Spottrevier zu wählen. Ist die humoristische Wirkung als das Lustgefühl zu definieren, das durch die Aufdeckung eines Kontrastes ausgelöst wird, so wird es naturgemäß auf einem Gebiete, wo schon der Hervorruf eines toten Helden eine Welt von Kontrasten eröffnet, schwer sein, keine Satire zu schreiben. Der Geschmackvolle wählt das Schwerere. Flachköpfe, auf deren Antlitz Temperamentmangel kaum eine Hohnfalte erzeugen kann, haben von jeher ihrer Ernüchterungstendenz keinen bessern Spielraum gewußt als die Bretter, die, wie sie sagen würden, nicht die Welt, sondern die Halbwelt bedeuten. Das Theater ist die satirische Gehschule, in der sie mit schüchternen Gänsefüßchen die ersten Schritte wagen. Aber wahrlich, mir ist der Bauer, der dem Franz Moor von Temesvar nach der Vorstellung aufgelauert hat, mir ist der Mann, der kürzlich in Berlin dem alten Miller beim Hinauswurf des Präsidenten »Bravo! So ist’s recht!« zurief, und jener andere, der irgendwo anders dem Wachtmeister im »Zapfenstreich«, da er auf die Tochter losdrücken will, ein angstvolles »Thu’s nit!« entgegenschrie, mir ist sogar der Lebegreis, der einmal in »Ös Budavár« bei der Schaustellung der sich entkleidenden Pariserin dem im spannungsvollsten Moment sinkenden Vorhang mit ausgestreckten Armen wehren wollte, sympathischer als die kühlen Beobachter, welche die Schminke abkratzen, die Kränze zerpflücken und den Applaus auf seine Bestandteile von Begeisterung und Bezahlung analysieren …“

Da war einer nicht gut auf die Theaterkritiker zu sprechen. Und das war kein Geringerer als Karl Kraus (1874 - 1936) höchst persönlich. Seinem Unmut ließ er in der FACKEL Nr. 164 freien Lauf. Es ist allerdings schon ein Weilchen her. Im Juni 1904 war das gewesen. Dass Kraus in dieser Schmähschrift auch eine Anspielung auf eine Anekdote zu Schillers Die Räuber macht, dürfte heute niemand mehr wundern, wo man doch weiß, dass dieses Stück schon immer gut für Geschichten rund ums Theater war. Auch lange nach Karl Kraus. Und das sogar in der Gegend um Temeswar, wo jener Bauer sich anscheinend so richtig über Franz Moor geärgert hatte. Zu Recht, war der Franz doch ein echter Schurke.

Die emotionale Anteilnahme an dem Geschehen auf der Bühne hielt im Banat bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts an, als auch das Deutsche Staatstheater Temeswar mit Schillers Die Räuber die Dorfbühnen bespielte. Stefan Heinz-Kehrer (1913 - 2009) konnte aus der Neuzeit des deutschen Theaters im Banat schon immer viele Anekdoten erzählen. In seiner Autobiographie Im Zangengriff der Zeiten fasst er das schon von Karl Kraus erwähnte Phänomen so zusammen: „Irgendwo steht zu lesen, dass die Schiller’schen Dramen im allgemeinen und unter ihnen die Werke seiner Jugend im besonderen auf ein einfaches und unverbildetes Publikum heftig und mitreißend einwirken. Von der Richtigkeit dieser Behauptung konnten wir uns oft überzeugen.“

Der von Kraus erwähnte Bauer, muss sich über Franz Moor allerdings schon vor der vorletzten Jahrhundertwende geärgert haben, denn das deutsche Theater in Temeswar stellte bereits am 27. März 1899 mit Raimunds Verschwender seinen Betrieb ein. Und das für sage und schreibe 54 Jahre. Wie auch immer, die Banater Schwaben und auch die Siebenbürger Sachsen hatten ihre Herzen stets auf dem rechten Fleck, zumindest wenn sie ins Theater gingen. Und der Bösewicht Franz Moor hatte dabei keinen leichten Stand, weder im Banat noch in Siebenbürgen, wie man bei Karl Kraus und Stefan Heinz-Kehrer nachlesen kann. In Maldorf / Siebenbürgen rief einer im Saal „Bravo!“, als Amalia dem aufdringlichen Franz Moor eine schallende Ohrfeige verabreichte. Heinz-Kehrer hält dazu fest: „Niemand lachte über den selbstvergessenen Rufer! Er hatte allen aus dem Herzen gesprochen.“ (DONAUSCHWABEN KALENDER, 1996).
Anton Potche

Montag, 31. Juli 2017

Juli 2017 – Giarmata in den Medien

Erschließung des Autobahnzubringers zur A1
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 10.07.2017
Die Pläne zur Erweiterung der Kreisstraße 691 auf vier Spuren liegen bei der  Umweltschutzbehörde (Agenţia pentru Protecţia Mediului Timiş - APM) zur Einsicht für die Bürger bereit. Auch Giarmataer Grund und Boden ist von dieser Baumaßnahme betroffen. Innerhalb von fünf Tagen können die Bürger ihre „Kommentare / Stellungnahmen“ beim Sitz der Behörde in Timișoara, B-dul Liviu Rebreanu Nr. 18 – 18A abgeben.
+ + + Je kürzer die Frist, je kleiner der Ärger mit aufmüpfigen Bürgern. + + +

CS Millenium Giarmata auf der Suche nach einem neuen Namen
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 17.07.2017
 C4 (Liga III – Serie IV)
Fußballdrittligist CS Millenium Giarmata hat die Vorbereitungen für die Saison 2017/18 aufgenommen. Beim ersten Training musste Coach Răzvan Leucă auf einige Leistungsträger verzichten, die den Klub verlassen haben: Casian Maghici (nach Chişineu-Criş), Eduard Soare (ACS Dumbrăviţa), Andrei Ciobănică (CS Timișul Şag) und Robert Artimon hat es nach Frankreich verschlagen. Neue Spieler sind noch nicht zum Verein gestoßen. Spieler, die bisher Interesse gezeigt haben, kommen alle aus unteren Ligen. Man spricht auch davon, dass die Mannschaft in der nächsten Spielzeit unter einem neuen Namen firmieren wird: ACS FC Giarmata.
+ + + Unabhängig vom Namen wird es für die Giarmataer bestimmt nicht einfacher in der folgenden Saison. Dafür sprechen die anscheinend sehr bescheidenen Transfermittel. Vielleicht engagiert sich ja mal einer (oder auch mehrere) der ausländischen Firmen in Giarmata. + + +

Grün für das Fahrrad
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 18.07.2017
Grün für das Fahrrad ist eine Fahrradtour, die heuer zum dritten Mal für Mountenbike- und Cross-Country-Fahrer organisiert wird. Die Route ist 75 km lang, beginnt und endet in Temeswar und führt auch durch Giarmata.

Unterstützung der Sportvereine
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 20.07.2017
Für den 24. Juli wird eine Gemeinderatssitzung einberufen, um vier Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. In allen vier Fällen geht es um die Genehmigung von Unterstützungsfonds für die ortsansässigen Sportvereine CS Millenium Giarmata, ACS Leu Giarmata, CS Unirea Cerneteaz und ASS Giarmata.

Schutzimpfung gegen Masern
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 24.07.2017
In einem Flyer werden alle Mütter mit Kleinkindern aufgerufen, ihre Schutzempfohlenen gegen Masern impfen zu lassen.
+ + + Es gab schon Todesfälle – auch im Kreis Timiș / Temesch. Aber auch Diskussionen über den landesweiten Mangel an Impfstoff. + + +

Unfall bei Giarmata
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 25.07.2017
- Ein 25-Jähriger hat nach dem Verlassen der Autobahn bei Giarmata einen schweren Unfall verursacht, als er bei hoher Geschwindigkeit auf die Gegenfahrbahn geriet. Auch seine 26 Jahre alte Beifahrerin wurde schwer verletzt.
+ + + Vom Autobahnmodus in den Landstraßen- oder gar Stadtmodus umzuschalten, ist nicht jedermanns Sache. Das erlebt man immer wieder im Straßenverkehr kurz nach einer Autobahnanschlussstelle. + + +
- Etwas mehr Glück hatte eine 24-Jährige, die auf der Landstraße in Richtung Giarmata unterwegs war und auf Höhe der Firma Hellas durch ein schlechtes Überholmanöver mit einm entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte. Beide in den Unfall verwickelte Personen wurden nur leicht verletzt.

Gemeinderatssitzung am 31. Juli
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 26.07.2017
Diesmal soll der Gemeinderat in 14 Tagesordnungspunkten über Immobilienprobleme, die Vergabe von 16 Sozialwohnungen und (erneut) die finanzielle Förderung der Sportvereine diskutieren und entscheiden.
+ + + Das mit den Sportler/innen scheint beim ersten Mal nicht hingehauen zu haben. + + +

Inflagranti erwischt
aus InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 28.07.2017
In den letzten drei Monaten haben zwei Männer aus einem Temeswarer Einkaufszentrum Zigaretten im Wert von einer Milliarde Lei (alt) gestohlen. Jetzt wurden sie in der Tiefgarage beim Einpacken einer neuen Ladung erwischt. Einer der Männer kommt aus Giarmata.
+ + + Wie viel mag 1 Milliarde Lei (alt) wohl sein? Bei der letzten Geldreform wurden einige Nullen gestrichen. Das weiß ich noch. Aber wie viele? + + +
Kulturheim in Giarmata
Foto: SportTim.ro

Fußballfuntionäre tagen in Giarmata
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 30.07.2017
Die Fußballvereinigung des Kreises Temesch (Asociaţia Judeţeană de Fotbal Timiş) hat 123 Mitglieder. 70 Vertreter dieser 123 Vereine waren ins Kulturheim Giarmata zur Jahreshauptversammlung gekommen. Seit 35 Jahren ist Dănuţ Laţa der Vorsitzende dieser Fußballorganisation. Er will es noch bis Februar 2018 bleiben, wenn sein Mandat ausläuft.
+ + + Wenn mich nicht alles täuscht, hat Dănuţ Laţa in den 1970er Jahren bei UMT gespielt. Da müsste man mal bei den zwei Jahrmarkter UMT-Fußballern (damals C- und B-Liga) Nicki Loris und Mathias Loris (beide nicht miteinander verwandt oder verschwägert – auch nicht mit dem Sänger der Egerländer Musikanten, Nick Loris, oder dem Kapellmeister a. D. Mathias Loris) nachfragen.  – Forr die jingre Altjohrmarker kann merr des Kuddlmuddl mit dee Johrmarker Lorise (die vier sin nateerlich e verschwindend kloone Minderheit vun de Lorise in Johrmark) e bissje dorchsichtich mache: de Fotballist Nicki Loris war in Johrmark de Berns Nicki (der wu bei de Stumpiche Akkordeon gspillt hot), sei Mannschaftskumrad bei de UMT, de Mathias Loris, war in Johrmark de Schwowe Matz (der wu bei de Spitziche Fliglhorn geblos hot), de Nick Loris vun de Egerländer, war in Johrmark de Turmanns Nicki (der wu aah bei de Spitziche Fliglhorn geblos hot) un de Mathias Loris, wu jetz noch vun do owwe iwrich geblieb is, war in Johrmark de Metzje Matz (der wu in vierter Generation de Kapellemaaster vun de Spitziche war). Die vier do hun nateerlich all im Kulturheim, wu jetz die Fotballistefunktionäre ehre Sitzung abghall hun, als junge Buwe un Männer Musik gemach. Alles klor? Oonfacher geht’s bei dee ville Lorise aus Johrmark halt net + + +

Heiratsaufgebote im Rathaus von Giarmata im Juli 2017
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt
1.) Prescorneac Sergiu Ilie, 29 Jahre alt, aus Moldovița, Kreis Suceava Bornea Daniela -Petronela, 22 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș (12.07.2017)
2.) Radu Lucian-Ionuț, 35 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș Petruca Melania-Veronica , 33 Jahre alt, aus Oradia, Kreis Bihor (18.07.2017)
3.) Sârbu Ioan-Adrian, 29 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș Micu Laura-Iuliana, 28 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș (19.07.2017)
4.) Bercea Georgică-Valeriu , 45 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș Ieftici Ivanca-Delia, 35 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș (19.07.2017)
5.) Gligor Dan-Unleserlich , 26 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș Ban Lidia-Estera, 22 Jahre alt, aus Hunedoara, Kreis Hunedoara (25.07.2017)

Die Trophäe Die Trachtentruhe 2017 geht nach Giarmata
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Juli 2017
Im Capitol-Saal der Temeswarer Philharmonie wurden die Preise des heurigen Wettbewerbs Die Trachtentruhe (Lada cu zestre) verliehen. „Giarmata nahm an diesem Wettbewerb mit den besten Tänzern und Volksmusikinterpreten teil, mit den schönsten Kostümen und den besten Interpreten im banater Dialekt, hatte aber auch eine Ausstellung mit alten Büchern, Fotografien und Glasmalerei. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Präsentation kulinarischer Präparate aus dem Banat gelegt“, schreibt Gigi Miron in einem ausführlichen Artikel. Die Kindertanzgruppe wurde von Veronica Kretten geleitet und mit den schon bekannten Sânzene Bănățene (Banater Elfen) hat Maria Petchescu gearbeitet. Die Giarmataer Laienformationen sind im Verein Pro Datina (Pro Brauchtum) zusammengefasst. Der Verein wird von Felician Ciolea und Ciprian Pop geleitet und widmet sich der Brauchtumspflege. Kulturheimdirektor Rusalin Hoarcă weist darauf hin, dass ohne Finanzmittel auch in der Pflege der Volksbräuche keine Erfolge zu erwarten sind: „Immer hat das Rathaus uns unterstützt und die Liste mit den Ausgaben genehmigt. So konnten wir uns ein Orchester, Solisten und Ausbilder leisten.“ Besonders viel Lob gibt es in dem Beitrag auch für Bürgermeister Virgil Bunescu, der diese Kulturaktivitäten seit Jahren unterstützt. Im August werden die schönen Elfen von Giarmata zu einem Festival nach Griechenland reisen. 
+ + + Vleicht kännt merr die Tanzgrupp mit ehrem Taraf mol uf e HOG-Treffe inlade. Rumänischi Rugă in Rastatt! Des wär doch was! + + +

Donnerstag, 27. Juli 2017

Seppi und Peppi unterhalten sich über den Modal Split in Ingolstadt

Seppi und Peppi in ihrem Bahnhofscafé. Die Sonne lugt nach zwei Regentagen hinter einer Wolke hervor.

- Wo kommst denn du jetzt her?
- Du kannst dich heute auf niemand mehr verlassen.
- Könntest du vielleicht etwas konkreter werden?
- Nicht einmal auf den Stadtrat. Zumindest den in Ingolstadt.
- Wieso das?
- Jeder Mensch weiß, dass eine Stadtratssitzung bei uns mindestens acht Stunden dauert. Das wäre von 15 bis 23 Uhr. Da müssen alle Fußballspiele ausgespielt sein, wenn die heimgehen aus ihrer Sitzung.
- Wenn’s keine Verlängerungen gibt. Aber wenn dir das zu lange ist, musst du doch nicht hingehen. Oder du kannst auch früher weggehen. Warst du heute gar nicht dort? Das kann ich mir von dir, einem politisch interessierter Vorzeigebürger, nur schwer vorstellen.
- Freilich war ich dort. Und das entsprechend vorbereitet.
- Wie?, wenn ich fragen darf.
- Mit Brotzeit und einer Flasche Wasser. Meine Frau hat mir zwei belegte Brötchen eingepackt. Und einen Apfel. Und noch eine Banane. Die Stadträte hatten 54 Tagesordnungspunkte zu bewältigen.
- Oh, da wird es heute wohl Mitternacht oder gar frühe Morgenstunde?
- Davon bin ich ausgegangen. Stadtgeschichte schreiben! Die längste Stadtratssitzung! Und ich war dabei! Davon kannst du noch deinen Urenkeln erzählen.
- Warum bist du dann jetzt schon hier?
- Ja weil die um halb acht fertig waren. Hätten sie nicht um 18 Uhr Brotzeit gemacht, wären sie noch früher fertig gewesen.
- Man kann doch auch schnell diskutieren.
- Oder durchwinken.
- Immerhin. Vier Stunden. Da müssen sie doch über etwas geredet haben.
- Schon. Über den Modal Split in Ingolstadt.
- Was? Jetzt schon. Es ist doch noch Hochsommer.
- Ich glaub, du hast mich nicht recht verstanden.
- Wieso nicht? Split ist Split. Aber für den Winter, nicht für den Sommer.
- Okay. Lassen wir das. Bestell lieber etwas. Ich hab noch ein Brötchen dabei. Willst du die Hälfte? Darauf können wir uns einen genehmigen.
- Bedienung. Bitte zwei Klare.

Tief „Alfred“ macht’s möglich, dass auch im Juli ein Schnaps gut tut. 

Montag, 24. Juli 2017

Ein Spätberufener hat ein beeindruckendes Œvre vorzuweisen

Martha; Profesor Hübner; N-ai de gând, domnule, să laşi garda jos? (Gedenkst du nicht, dich endlich wehrhaft zu zeigen?); Nu-l blamaţi pe ambiţios! (Blamiert nicht den Ambitionierten!) und Cu hora nainte (Mit der Hora vorwärts).

Das sind die Titel von fünf Romanen, die ein Autor bisher geschrieben hat, obwohl er erst mit 68 Jahren debütierte. Ştefan Ehling heißt der pensionierte Rumänischlehrer. Seinen ersten Roman, Martha, veröffentlichte er im Jahre 2008 im Temeswarer Verlag Marineasa. Und der bekam gleich den Debütpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes (USR). Auch sein zweites Buch wurde drei Jahre später für den Literaturpreis der Zeitschrift OBSERVATOR CULTURAL nominiert.

Martha wurde in der Novemberausgabe 2008 der Temeswarer Literaturzeitschrift ORIZONT ausführlich von Veronica-Alina Constănceanu besprochen. Die Rezensentin spricht von einem „massiven Roman, der nur der erste aus einem wahrhaften Epos, das die Geschichte der Banater Schwaben wiedergeben soll, ist“. Der Roman handelt von der Deportation in die sowjetischen Arbeitslager am Donbas und der Autor hat seine eigene Familiengeschichte literarisch verarbeitet, sind doch sowohl sein Vater als auch seine Schwester im Arbeitslager gestorben.

Die Handlung des Romans ist auf einer Liebesgeschichte aufgebaut. „Die Liebe zwischen Martha Gröber, die Tochter des Direktors vom Deutschen Lyzeum in Temeswar, und Hansi Jung, der Sohn eines wohlhabenden Schwaben aus Jahrmarkt (Giarmata), bilden den Kern, um den sich alle in diesem Buch geschilderten Ereignisse drehen.“ Der bekannte Literaturkritiker Cornel Ungureanu schreibt im Vorwort von einer „Love Story in einem russischen Lager“. Veronica-Alina Constănceanu schlussfolgert: „Das Buch Ştefan Ehlings hat das Verdienst, die Leiden der Banater Schwaben zu schildern, aber im Grunde ist ihre Geschichte auch unsere.“

In der Zeitschrift ORIZONT wird in der Novemberausgabe 2010 auch sein zweiter Roman, Profesor Hübner, in einer Rezensionsfolge mehrerer rumänischer Neuerscheinungen besprochen. Hier erfahren wir, dass Ştefan Ehling am 4. November 1940 in Mănăştur im Kreis Arad geboren wurde und an der Universität Temeswar Philologie studiert hat.

Es handelt sich bei diesem Buch, Profesor Hübner, das eigentlich Teil einer Trilogie ist, eindeutig um Erinnerungsliteratur, ohne dass es „in Gänze die Eigenschaften der Memoirenbände aufweist“, schreibt Rezensent Alexandru Ruja und unterlegt seine These mit einem ausführlichen Zitat aus dem Roman: „Der Gedanke, meine Memoiren zu schreiben, begann mich nach dem Tode Lenis zu beschäftigen, meine zweite Frau und die Mutter von Stefan und Robert, unsere Söhne. Fünfunddreißig Jahre habe ich glücklich (könnte ich sagen) im Kreise der Familie, die ich in der österreichischen Stadt Graz nach meiner Ausreise aus Rumänien gegründet habe, gelebt. Als Banater Schwabe aus Jahrmarkt (Giarmata), ein großes und reiches Dorf aus der Nähe von Temeswar, wurde ich im Januar 1945 in die Sowjetunion zur «Wiederaufbauarbeit» deportiert. Nach vier Jahren Deportation, konnten wir, die die Knechtschaft, im Jargon der Zeit «das große Freundesland aus dem Osten» genannt, überlebt haben, nach Rumänien zurückkehren. Und dann hat Onkel Stefan, seit mehr als einem viertel Jahrhundert in Graz zu Hause, es geschafft, Vater zu überzeugen, meiner endgültigen Ausreise nach Österreich zuzustimmen.“ 

Natürlich wurde ein 1940 geborener Junge nicht 1945 deportiert. (Die jüngsten deportierten Jungen waren die 17-Jährigen.) Der Memoirenton des Romans gliedert sich aber anstandslos in ein in Rumänien noch immer sehr beliebtes Literaturgenre ein: die Erinnerungsliteratur (literatura de jurnal), die besonders nach dem Sturz des Kommunismus einen Höhenflug erlebte. Gute Literatur war schon immer auch gut getarnte Fiktion. Und das scheint auch Ştefan Ehling stellenweise hervorragend gelungen zu sein, denn anders würden die Rezensenten nicht so ausdrücklich auf den autobiographischen Charakter seiner Romane hinweisen. Plot und Gestalten sind Fiktion, aber die Botschaft, die sie transportieren, entstammen dem Wesen des Autors, seiner Kindheit und Jugend und späteren Lebenserfahrungen im kommunistischen und postkommunistischen Rumänien

Im März 2011 nimmt sich Eugen Bunaru in ORIZONT ausführlicher des Romans Profesor Hübner (Verlag Marineasa) an. Hier erfährt man, dass dieses Buch, 407 Seiten, zeitlich eigentlich vor Martha angesiedelt ist. Der Ich-Erzähler heißt Hansi Jung, ein Musiker mit ehemaliger Aktivität im Grazer Symphonieorchester. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in Jahrmarkt (Giarmata) und Temeswar. Der Rezensent scheut selbst Vergleiche mit Thomas Mann und Robert Musil nicht, wenn er von Ştefan Ehlings Schreibweise spricht. Man habe es hier mit einem Roman der Multikulturalität, aber auch mit einem Antikriegsbuch zu tun. Auch als „sehr guter Porträtist“ gäbe der Autor sich zu erkennen. Eugen Bunaru schlussfolgert, dass dieser Roman „eine Meditation über Geschichte und die Verheerungen des Krieges sind, eine mögliche Mahnung gegen das Vergessen.“

Im Jahre 2012 ist dann der dritte Band dieser Romantrilogie bei ArtPress erschienen: N-ai de gând, domnule, să laşi garda jos? (Gedenkst du nicht, dich endlich wehrhaft zu zeigen?). Lucia Jucu-Atanasiu hat das Buch im Mai 2013 in der Zeitschrift ORIZONT besprochen. Die Autorin betont den autobiographischen Charakter des Romans und zählt die Ştefan Ehling nahestehenden Personen auf, deren Schicksale die Handlungsstränge des Romans beeinflusst haben. Wortwörtlich schreibt sie: „Zu den Unglücklichen, die auf sowjetischem Boden verstorben sind, gehörten auch Mitglieder der Familie Ehling: der Vater des Autors, Johann Ehling, gestorben im Donbas im Jahre 1947, seine Schwester Anna, Onkel Anton, Tante Barbara und Vetter Nikolaus. Dazu kommt der an der Front gefallene Bruder des Schriftstellers. Das Leben des Autors steht unter dem Zeichen dieses tragischen Ereignisses im Leben der Deutschen aus dem Banat und sein literarisches Werk ist die Erfüllung einer familiären Pflicht des Siebzigers von heute.“

In diesem dritten Band kehrt der in Graz lebende Hansi Jung (eindeutig das Alter Ego des Autors) nach Jahrmarkt zurück. Man schreibt das Jahr 1978 und Jungs Vater ist in seinem Heimatdorf  im Alter von 86 Jahren verstorben. Das sind jene Augenblicke der Rückbesinnung, ohne die wohl kein Mensch auskommt. Auch Lucia Jucu-Atanasiu zeigt sich beeindruckt, denn sie zitiert umfangreich aus Jungs Seelenleben und erwähnt den „lyrischen“ Ton dieser Textstelle: „Seit ich in Österreich in einer schönen und reichen Stadt wohne, erlebte ich das in der Literatur als Entwurzelung apostrophierte Gefühl nicht. Manchmal aber denke ich an mein Dorf, an die Menschen, die ich in der Kindheit und Jugendzeit kannte, und dann strömt mir eine schmerzhafte Woge wie ein elektrischer Strom durch Gehirn und Herz. Besonders seit Leni gestorben ist, bewegt mich das Gefühl der Einsamkeit, das mich immer öfter heimsucht, dazu, in Gedanken bei den Lieben zu weilen, die es nicht mehr gibt, und an den Orten, die mir mit einer goldenen Aura in der Erinnerung erhalten geblieben sind.“ Als Fazit hält die Rezensentin fest: „Historischer Roman, Gesellschaftsroman, Familienroman, Liebesroman - Gedenkst du nicht, dich endlich wehrhaft zu zeigen? verdient es, von einem breiteren Publikum gelesen zu werden.“

Ştefan Ehling hat so manchen Literaturkritiker in Rumänien beeindruckt. Marian Odangiu sieht den pensionierten deutschen Rumänischlehrer in einer Reihe mit Mikkel Birkegaard, Alasdair Gray, Paulo Coelho, Orhan Pamuk, Ioan Petru Culianu, Constantin Ţoiu oder Marin Preda (ORIZONT, 2/2015) und Simona-Grazia Dima schrieb schon nach dem Erscheinen seines ersten Romans in ROMÂNIA LITERARĂ, 37/2008 von einer „Zivilisationslektion mit überlegener Moral, die, glauben wir, das größte Verdienst dieses Dokumentars darstellt.“ 

Und warum spielt gerade Jahrmarkt (Giarmata) als Heimat des Ich-Erzälers Hansi Jung eine Rolle in dieser Romantrilogie? Auf diese Frage habe ich leider keine Antwort gefunden - weder in Franz Jungingers Ortssippenbuch der katholischen Pfarrgemeinde Jahrmarkt / Banat (obwohl der Name Ehling einmal vorkommt) noch in Luzian Geiers Deportationslisten in dem Jahrmarkter Heimatblatt Deportation 1945. Diese Frage kann der Autor nur selber beantworten. In der in Reschitza erscheinenden Zeitschrift împreună, miteinander, együttesen (Nr. 32 / November 2010) kommt der Autor zwar sehr ausführlich zu Wort, seine Beziehung zu Jahrmarkt (falls es überhaupt eine gibt) bleibt aber im Dunkeln.

Ștefan Ehling
Fotoquelle: USR, filiala Timișoara
In einer Kurzvita des Rumänischen Schriftstellerverbandes heißt es, dass Ştefan Ehling nach dem Besuch der Grundschule „im Heimatort“ – ob damit allerdings Mănăștur oder Grabatz, wie es in anderen Quellen heißt, gemeint ist, wird nicht präzisiert – von 1952 bis 1959 die Pädagogische Schule (Școala pedagogică din Timișoara) besucht hat und auf der Philologiefakultät der Universität Temeswar die Studienfächer Deutsch und Rumänisch belegt hat (1959 – 1964). Danach war er Rumänischlehrer in Grabatz (nach anderen Quellen hat er auch Deutsch unterrichtet) und anschließend von 1968 bis 2006 unterrichtete er an mehreren Schulen in Drobeta Turnu-Severin. In den Jahren 1968 und 1969 sowie von 1990 bis 1994 war er auch Schulinspektor. Ştefan Ehling ist Mitglied des Rumänischen  Schriftstellerverbandes (USR). Seine Frau Maria Ecaterina Ehling unterrichtet die Fächer Rumänisch und Französisch. 

Als ehemalige Jahrmarkter dürfen wir auf jeden Fall stolz sein, im wohl umfangreichsten belletristischen Werk in rumänischer Sprache, das sich ausführlich mit der Deportation der Banater Schwaben in sowjetische Arbeitslager befasst, als Kulisse eine nicht unwesentliche Rolle spielen zu dürfen. Und sollte sich eines Tages herausstellen, dass Ştefan Ehlings Wurzeln doch auch nach Jahrmarkt führen, dann hätten wir neben Adam Müller-Guttenbrunn schon den zweiten bedeutenden Romancier, dessen Abstammungsgemälde auch einen Jahrmarkter Farbtupfer trägt. Nebenbei könnte so langsam aus dem Musikantendorf auch noch ein Literatendorf werden. Zu spät ist es eigentlich nie - solange sich noch ein Altjahrmarkter zu seiner Abstammung bekennt.
Anton Potche

Montag, 17. Juli 2017

Rauschende Birken

Herta Müller: Der König verneigt sich und tötet; Carl Hanser Verlag, München, Wien, 2003; ISBN 3-446-20353-2; 204 Seiten; 17,90 € (bei Hugendubel) & bei Amazon Angebote ab 0,95 € (Stand 17.07.2017)

Der König verneigt sich und tötet. Das sind neun Essays von Herta Müller. Texte über Herta Müllers Konflikte mit der Diktatur des banatschwäbischen Dorfes und jener des rumänischen Staates unter Ceauşescu. Mir wurde beim Lesen schnell bewusst, dass ich viele dieser Sätzen schon mal gelesen hatte in anderen Büchern oder Zeitungen. Oder ich erinnerte mich ihrer in abgewandelter Form aus Radio- und Fernsehinterviews der Schriftstellerin. Diese sich immer und immer wiederholenden Themen, gespeist von einer Obsession, können auch ermüden, was dich dem für dieses Buch ausgegebenen Geld nachtrauern lässt. Mein Gefühl beim Lesen war zeitweise vergleichbar mit dem, das man beim Anhören einer neuen CD empfindet, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass von, sagen wir mal, 14 Stücken gerade mal vier oder fünf neue Kompositionen sind und der Rest Altbekanntes ist. Hier war es noch schlimmer: Einige Textpassagen sind inhaltlich absolut gleich – also Wiederholungen, nur anders orchestriert. Also dasselbe Lied mehrmals auf einer CD, nur jeweils anders arrangiert.

Und doch verrauchte der anfangs beim Lesen aufgekommene Frust recht bald. Ich wurde nämlich gewahr, dass das, was in diesen Essays immer wieder sprachlich anders gewandet ist, auch Teil meiner eigenen Biografie ist und sich hervorragend zum Vergleichen eignet. (Nur ist meine Biografie zum Glück nicht so tragisch.) Also suchte ich gezielt nach Stichworten, Satzteilen und Sätzen, ohne jedwede Systematik. Rein aus dem Bauch heraus. Wo liegt das Wesentliche, wo verbergen sich die Details und wo differieren sie. Das waren für mich plötzlich spannende Fragen.

„Ich wurde wie alle Kinder zu den Toten mitgenommen.“ (In jeder Sprache sitzen andere Augen). Ich auch. Nur einmal, ich war acht Jahre alt, hatte ich Angst und wollte den Toten nicht sehen. Man hatte ihn vorne in der Stube aufgebahrt. Meinen Großvater. Auf dessen Holzfüßen ich das Mich-Emporziehen gelernt hatte.

„Es fuhren am Tag vier Züge durchs Tal, erst nach dem vierten durfte ich mich auf den Heimweg machen.“ (idem). Das war für mich und meine Spielkameraden – mit Betonung auf Spiel – der Fünfuhrzug. Welch ein Unterschied zu Herta Müllers Wiesenerlebnissen. Wir „durften“ nicht nach Hause, sondern „mussten“ uns nach dem Fünfuhrzug „auf den Heimweg“ begeben.

„Ich habe in Berlin keinen Aprikosenbaum vermißt.“ (idem). Ich in Ingolstadt schon. Wir hatten die meisten Aprikosenbäume im ganzen Dorf. Oma hat die Aprikosen auf dem Heuplatz verkauft und Vater hat aus den überreifen oder vom Sturm heruntergefallenen Schnaps gebrannt.

„Ich war 15 und kam in die Stadt, traf ganz andere Dinge und lernte Rumänisch.“ (idem). Meine Stadtschule lag in der gleichen Straße mit der Herta Müllers. Doch welch ein Unterschied: Ihre Klassenkolleginnen und –kollegen waren Deutsche (zumindest überwiegend) und ihre Unterrichtssprache war Deutsch, meine Kollegen und die drei Mädchen – in eine hatte ich mich unglücklich verliebt, was sie natürlich nie erfahren hat – waren Rumänen, Ungarn, Serben und sechs Deutsche. Unterrichtet wurde rumänisch und Deutsch als Fremdsprache.

„Die Dorfleute spuckten mir nach meinem ersten Buch ins Gesicht, wenn sie mich auf den Stadtstraßen trafen – ins Dorf traute ich mich nicht mehr.“ (idem). Oh ja! Ich weiß genau, was es heißt, wenn einem „die Tugendexperten der Dörfer“ im Genick sitzen und vor allem, wenn sie aus der eigenen Familie und dem Verwandtschaftskreis kommen. Das vergisst man nie.

„Erdmöbel“. (Der König verneigt sich und tötet). So hieß angeblich ein Sarg in der DDR. An verrückten Nomen fehlte es auch in der BRD nicht. Eines Tages kam ich in die Firma und fand unter der Uhr im Brotzeitraum die Aufschrift: „Zeitmesser“. Ach, dazu ist eine Uhr da? Zum Zeit messen? Da schau her!

„Hobelschatten.“ (idem). Meine Fantasie reichte zum Perückenmachen nicht aus. Es müssen aber immer viele übrig geblieben sein, denn ich erinnere mich, dass meine Oma oft schimpfte, wenn Vater am Vortag die Späne nicht weggekehrt hatte. Es war halt wieder mal Mitternacht beim Schneiden, Hobeln, Leimen und Furnieren der Bilderrahmen geworden.

„Obduktion.“ (idem). Der Spucksepp war bei Epches in den Brunnen gesprungen. Und im Hof neben dem Brunnen hat man ihn obduziert. Andere schauten durch das Gassentürchen in den Hof. Ich traute mich nicht.

„Dürftig rumänisch.“ (Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm – wenn wir reden, werden wir lächerlich). Mein Rumänisch ist es bis heute geblieben. Dürftig. Trotzdem liebe ich diese Sprache. Sie wurde Teil von mir und soll es auch bleiben. Jede beherrschte Sprache – wenn auch nicht perfekt – ist ein Leben. Und zwei Leben sind nun mal mehr als ein Leben.

„Akkordeonkoffer.“ (idem). Meiner hatte nichts mit Krieg wie der von Herta Müllers Großmutter zu tun. Aber mit Auswanderung. Vater hatte das rote, 96-bässige Hohner-Verdi II-Akk. von einer der ersten Aussiedlerfamilien im Dorf gekauft. Die Leute waren schon in den 60er Jahren nach Deutschland gefahren. Ich habe mit dem Instrument und einer Tanzkapelle die Banater Heide und Hecke bereist und es verkauft, als meine Auswanderung bevorstand. Zwanzig Jahre später.

„Ich war mit 17 zum ersten Mal mit einer Schulklasse am Schwarzen Meer.“ (idem). Ich mit 19. Mit einer Kinder- und Jugendblaskapelle. Die mondhellen Nächte am Strand in Costineşti – mit Mädchen aus Siebenbürgen – nehme ich mit in den Tod ... oder die Demenz.

„Sitzungen in der Fabrik.“ (Einmal anfassen – zweimal loslassen) Ich war UTCist und PCRist und habe in zwei kommunistischen Fabriken gearbeitet. Dazu nur so viel: Was ich an Schwachsinn in Gruppengesprächen und sogenannten Workshops im kapitalistischen Westen erlebt habe, steht den „Sitzungen in der Fabrik“ um nichts nach.

„Der Bahnhof zum Auswandern war nahe der ungarischen Grenze, ein kleiner Grenzbahnhof.“ (Wenn etwas in der Luft liegt, ist es meist nichts Gutes). Freilich kenne ich ihn. Nur dass mir niemand beim Einsteigen gedroht hat. Wofür hatte ich denn meinen Obolus gezahlt? Also, Genossen, ich bitte sehr!

„Der Bedrohte seinerseits beobachtet den Verfolger, um sich vor ihm zu schützen.“ (Der Fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne). Ich war – wie so oft zum Unterschied zur Autorin – nicht der „Bedrohte“ sondern der Suchende. Es war bei der damaligen Geheimniskrämerei gar nicht so leicht, sein Schmiergeld an den Mann zu bringen. Dabei verwandelte ich mich vom Suchenden in den „Verfolger“ ... einer fixen Idee, die vor mir herlief und in zwei Namen verkörpert war: Blumenmann und Bogdan.

Ich könnte fortfahren. Satz für Satz durch die Augen Herta Müllers meine Vergangenheit heraufbeschwören. Das geht, es geht wirklich, sogar ohne die gleichen Erlebnisse. Und wieso? Herta Müller weiß es: „Lange Zurückliegendes kann kürzere Vergangenheit als gestern Geschehenes sein.“ (Einmal anfassen – zweimal loslassen). Wie wahr!

Nein, dieses Geld war nicht hinausgeschmissen. Lausche ich nicht auch immer wieder und wieder den Rauschende[n] Birken – in allen möglichen Orchestrierungen, mal mit und mal ohne Text?
 Anton Potche

Montag, 10. Juli 2017

Der Sommer hat ja erst begonnen

Es ist die Zeit der Sommerfeste: Garten-, Sport-, Straßen-, Stadt-, Dorf-, Bürgerfeste und noch ein paar dergleichen mehr. Da wollte ich dabei sein. Und es bot sich die Gelegenheit. Am 29. Juni kam das Sommerfest in die Kinos. Also ging ich hin, am ersten Tag, um 16:45 Uhr, aufs Sommerfest, gestaltet von Sönke Wortmann.

Und wen traf ich da? Stefan Zöllner, ein Schauspieler, „den man nicht unbedingt kennen muss“, wie er selber gerne behauptet. Ein ruhiger, sympathischer Typ, der sich bei der Nachricht vom Tode seines Vaters Hals über Kopf aus der bayerischen Landeshauptstadt auf den Weg in die Ruhrgebietstadt Bochum macht. In seine Heimat. Aber natürlich nicht nur seine, sondern auch die der vielen Bekannten, die vor 15 Jahren dort blieben, von wo er nach München aufgebrochen war, um Schauspieler zu werden, einer „den man nicht unbedingt kennen muss“.

Ich nahm mir die Freiheit, also die Zeit, Stefan Zöllner (Lucas Gregorowicz – sehr authentisch, ohne jedwede Theatralik spielend) zu begleiten. Es hat sich gelohnt. Wie anders hätte ich die vielen schrägen Figuren aus dem Ruhrpot kennengelernt: Toto (Nicholas Bodeux), Diggo (Markus John), Olaf (André Rohde), um nur einige zu nennen. Sie verkörpern alle einen Menschenschlag, den man im Ruhrgebiet auf Schritt und Tritt antrifft: direkt, frech, mit einer Sprache, die sich vor der Berliner Schnauze nicht verbergen muss: „Von der schönsten Stadt der Christenheit // trennt uns nur noch Wattenscheid“ oder „In München, da lebt man nicht, da wohnt man bloß“ oder „Woanders weiß man selber, was man ist, hier wissen’s die anderen – das ist Heimat“.

Und in dieser Heimat lauert die Vergangenheit hinter jeder Ecke. Untrennbar mit ihr, dieser Vergangenheit, ist auch Charlie (Anna Bederke – verführerisch, aber mit spürbarer Ehrlichkeit) verbunden … und natürlich auch Stefan. Um diese Vergangenheit hervorzukramen, ist ein Sommerfest der unumstritten richtige Ort. Und es hat sich einiges getan, auf diesem Fest. Dabei Mäuschen zu spielen, hat mir wirklich Spaß gemacht, obwohl ich auf die eine oder andere kitschige Szene wie etwa das sexhungrige und aus unzähligen Filmen bekannte Übereinanderherfallen hinter der ins Schloss fallenden Wohnungstür hätte verzichten können.

Sommerfest ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Frank Goosen. Regisseur und Drehbuchautor Sönke Wortmann hatte bei der Auswahl seiner Protagonisten ein glückliches Händchen. Es sind in diesem Film viele Personen unterwegs. Unter ihnen auch hervorragende Schauspieler mit kleinen Nebenrollen. Omma Änne (Elfriede Fey) darf man hier auf keinen Fall vergessen.

Foto: Anton Potche
Viele von ihnen waren auch auf dem Sommerfest, an jenem 29. Juni 2017. Mit Stefan Zöllner und mir, dem einzigen Zuschauer im Saal. (Das hatte für mich den Vorteil, dass der bis an die Zähne tätowierte Jugendliche an der Kasse und dem Projektor auf meine Bitte keine Werbung als Filmvorlauf einspielte. Ein sympathischer Junge!) Das soll jetzt aber noch kein Urteil über die Zuschauerresonanz dieses Filmes sein. Der Sommer hat ja erst begonnen. Und wie meinte Toto sinngemäß ganz zum Schluss, nach dem Abspann (die Platzierung dieser Einstellung überraschte mich schon): Gute Geschichten lägen im Ruhrgebiet überall herum, man müsse sie nur erkennen und aufheben oder wie Schätze heben. Sollte das etwa als Appell an die deutsche Filmindustrie gedacht sein?

Sommerfest; Regie und Drehbuch: Sönke Wortmann; Darsteller: Lucas Gregorowicz, Anna Bederke, Nicholas Bodeux, Peter Jordan, Sandra Borgmann, Markus John, André Rohde, Jasna Fritzi Bauer, Elfriede Fey u.a.; Musik: Martin Todsharow
Anton Potche

Mittwoch, 5. Juli 2017

Musik meines bayerischen Landsmannes aus den Instrumenten seiner italienischen Landsleute

Es ist ja nicht so, dass bei einem gemischten Konzert mit Instrumental- und Vokalmusik das Publikum immer eine Zugabe von der Sängerin oder dem Sänger einfordert. Diesmal war es aber eindeutig so in der OrgelMatinee um Zwölf am 2. Juni 2017 in der Ingolstädter Asamkirche Maria de Victoria. Das soll natürlich nicht heißen, dass die Orchestermusiker keine gute Figur abgegeben hätten.

Gruppo Fiati Musica Aperta
Foto: Anton Potche
Im Gegenteil: Das Bläserensemble Gruppo Fiati Musica Aperta spielte unter dem Dirigat von Pieralberto Cattaneo, der das Ensemble 1976 in Bergamo gegründet hat, auf hohem Niveau das Divertimento B-Dur Hob. II: Chorale Sancti Antoni von Franz Joseph Haydn (1732 – 1809) - wobei nicht hundertprozentig geklärt ist, ob FJH auch wirklich der Autor ist -, von Johann Simon Mayr (1763 – 1845) das Sestetto Es-Dur für zwei Klarinetten, zwei Hörner, zwei Fagotte op. 9/1 und den Marcia religioso aus Atalia - Dramma per musica.

Zwei weitere Kompositionen stammten laut Programm von Gaetano Donizetti (1797 – 1848) und sollten von der südkoreanischen Sängerin Jaewon Yun vorgetragen werden. Die war aber verhindert, sodass ein Ersatz her musste. Die in die Bresche gesprungene Sängerin begeisterte das Publikum in der wie meistens bei dieser Konzertreihe fast bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche

Réka Kristóf
Foto: Anton Potche
Réka Kristóf, eine in München studierende Ungarin, zog mit ihrer klaren und sehr sonoren Stimme, wie auch mit ihrem nuancierten Vortrag das Auditorium in ihren Bann. Die Sopranistin sang von Johann Simon Mayr Salve Regina C-Dur für Sopran  und Bläser sowie die Arie „Piangete voi“ aus der Oper Anna Bolena von dem Mayr-Schüler Donizetti. Besonders in der Arie schien das Publikum den Atem anzuhalten. Sogar ein quengelndes Kleinkind war plötzlich nicht mehr zu hören. Réka Kristóf beherrscht die für diese Arie benötigten Vocal-Mode. Ob Neutral oder Overdrive, die Stimme war nie zu leise und auch in den Fortissimopassagen nicht zu laut oder störend metallisch. Das Publikum wollte mehr davon und bekam eine Zugabe von der Sängerin und dem gut agierenden Orchester.

Dass ich eigentlich in dieses Konzert ging, um vor allem die Musik meines bayerischen Landsmannes Johann Simon Mayr - der den Großteil seines kreativen Lebens in Italien verbracht hat -, interpretiert von seinen italienischen Landsleuten, zu hören und darüber zu schreiben, war nach dieser Gesangsleistung auch für mich zweitrangig geworden. Wie auch immer, der Weg in die Asamkirche hatte sich wieder gelohnt.
Anton Potche

Freitag, 30. Juni 2017

Juni 2017 – Giarmata in den Medien

Umweltauflagen
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 07.06.2017
In der Industriilor-Straße sollen Parkplätze entstehen. Jeder der wegen Umweltbedenken etwas dagegen einzuwenden hat, kann das beim Amt für Umweltschutz (Agenţia pentru Protecţia Mediului) in Temeswar tun.
+ + + Auflösen, würde Herr Trump dazu wohl sagen. Ich meine natürlich die Umweltschutzbehörde. + + +

Gemeinderatssitzung I
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 14.06.2017
Für den folgenden Tag wird eine Gemeinderatssitzung mit vier (4) Tagesordnungspunkten einberufen. Es geht um Finanzierungen für einen neuen Kindergarten und weitere Straßenbaumaßnahmen.

Gemeinderatssitzung II
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 22.06.2017
Am 28. Juni kommt der Gemeinderat wieder zusammen. Diesmal stehen 15 Punkte auf der Tagesordnung. Es geht vorwiegend um Grundstücksprobleme: Zusammenlegungen, Teilungen, Verkäufe. Auch eine Liste mit den einberufenen Gemeinderäten gehört zu der Verordnung (dispoziția). Und das sind die 15 Volksvertreter, die zurzeit die Geschicke Giarmatas leiten: Badea Constantin, Borzaș Dănuț, Bront Alexandru, Carabulia Ionel, Chirilă Simona-Anca, Delvai Ion, Farkaș Florin, Gligor Luvian-Elon, Jurgi Ciprian, Leucă Adrian-Răzvan, Lingurar Călin-Florin, Mihălceanu Claudiu, Suciu Flavius, Tiuch Lenuța, Vieriu Andrei-Ovidiu.
+ + + Unterschrieben ist das Schriftstück von Ing. Virgil Bunescu. Natürlich hat auch er etwas zu sagen – als Bürgermeister. + + +

Am Trinkwasser sparen
aus ZiuadeVest.ro, Timişoara / Temeswar; 29.06.2016
Der Trinkwasserlieferant Aquatim ruft zum Maßhalten beim Gießen auf. Es könnte in einigen Ortschaften um Timișoara / Temeswar zu Trinkwasserknappheit kommen, wenn der Sommer weiterhin heiß bleibt. In der Liste der gefährdeten Ortschaften wird auch Giarmata angeführt.
+ + + Wann nicks meh aus’m Robinett kummt, muss merr halt wedder Wasser aus’m Brunne scheppe – in der Hoffnung, dass es net verseicht is. + + +

Weltpremiere in Giarmata!
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Juni 2017
- Im ersten Beitrag handelt es sich um die in Giarmata von der Firma Hamilton Central Europe hergestellte Injektionsspritze. Sie soll die erste dieser Art in der Welt sein. 130 „Techniker, Ingenieure“ und andere „Spezialisten“ arbeiten in der Giarmataer Niederlassung von Hamilton Central Europe
- Weitere Straßen in Giarmata werden asphaltiert, wird in einem anderen Artikel berichtet.
- In einem weiteren Beitrag wird des Fliegerregiments 93 (Regimentul 93 Aviație) gedacht. Es war von 1953 bis 2003 auf dem Giarmataer Flughafen stationiert und flog regelmäßig die Militärmaschinen PO-2, IAK-11, IAK-17 und nicht zuletzt die berühmten sowjetischen Abfangjäger MIG-21 und MIG-23. Heute ist auf dem Zivilflughafen noch das Hubschraubergeschwader 712 Giarmata stationiert, das die Hubschrauber IAR 330 Puma in seiner Ausstattung führt.
- Ein Foto zeigt die Handballjuniorinnen V von CS Leu Giarmata, die das Landesfinale ihrer Altersgruppe erreicht haben.
+ + + Bravo! + + +

Mittwoch, 21. Juni 2017

De Garte un e junges Weib


Gedicht im Johrmarker Dialekt

Des jung Weib wär doch dehoom
Un meecht so wenich mache,
Vun morjeds bis oweds norr tratsche,
Heer ich die Alte soon.

Kennt des nicks im Garte mache?
Die ploot sich so, sei Schwermotter.
Es is jo net die eigne Motter,
Awwer gar nicks helfe, norr streide un lache?

Was die Alte sich norr kimmre,
Hun ich mer gedenkt,
Wie ich gheert hun so do unlängst,
Daß die wedder Gschichte zimmre.

Noch net lang, mol oweds spät,
Sin ich gang noch dorch die Gass.
Do hinner mer, do kummt doch was!
Verschrock hun ich mich rumgedreht.

Was wirklich kumm is, war net schlimm:
Des jung Weib is mit seim Mann
Im funkelnagelneie Träningsgwand
Bißje gelaaf, daß die Verdauung stimmt.

Do wär jo weider nicks dabei,
Awwer meim verworrte Kopp
Hot e Weiwergschicht ka Ruh geloss:
De Garte un e junges Weib.


[Johrmark, 1983] 
Berns Toni



Mittwoch, 7. Juni 2017

Comitete de cartier – o particularitate politică

Comitetele de cartier (Bezirksausschüsse – BZA) sunt o particularitate a politicii comunale din orașul bavarez Ingolstadt. Regulamentul comunal al landului german Bavaria prevede instalarea obligatorie a unor comitete de cartier în orașe cu mai mult de un million de locuitori și de bunăvoie de orașe cu peste 100.000 de locuitori. Asta înseamnă că doar capitala landului, adică München, trebuie să instaleze astfel de comitete.

Totuși le-a instalat și orașul Ingolstadt. Și asta deja cu 50 de ani în urmă. Pe atunci orașul de pe Dunăre avea doar 69.000 de locuitori. Astăzi trăiesc peste 130.000 de oameni în această urbe. În anul 1967 primar era un social-democrat: Otto Stinglwagner (1925 - 2013). El a înființat aceste comitete de cartier imediat după alegerea sa în funcția de primar în anul 1966. Această particularitate de politică comunală a dăinuit până astăzi. Și asta cu toate că urmașii lui Stinglwagner pe postul de primar principal au fost din 1972 încoace toți politicieni creștini-sociali.

La ora actuală Ingolstadt are 12 astfel de comitete. Numărul membrilor diferă după numărul locuitorilor din cartierul respectiv între 12 și până la 16 persoane. Acești cetățeni sunt membri într-un partid care a primit destule voturi la ultimele alegeri comunale pentru a trimite consilieri în consiliul orășenesc. Numărul membrilor după apartenența politică depinde și el de rezultatul ultimelor alegeri comunale din cartierul respective. Asta înseamnă că într-un comitet de cartier majoritatea politică poate să fie una social-democrată și în cartierul vecin una creștin-socială sau de altă culoare politică. Activitatea membrilor este pur onorifică, fără renumerare (spre deosebire de activitatea membrilor consiliului orășenesc). Fiecare comitet are un președinte, ales de membri, și, ceea ce este și mai important, are un buget anual, din care pot fi finanțate diferite măsuri de infrastructură: aici o bancă într-un parc, acolo un balansoar pentru copii etc.

Toate ședințele comitetelor de cartier sunt publice. Deci cetățenii unui cartier se pot adresa direct comitetului cu problemele lor. Astfel unele lucruri pot fi rezolvate chiar de membrii comitetelor, pe când altele vor fi înaintate comitetului orășenesc sau administrației din primăria orașului.

aus BLICKPUNKT, 21.22.04.2017
Aceste BZA-uri sunt un instrument democratic pentru o rezolvare cât mai favorabilă a problemelor din diferitele cartiere ale orașului. Comitetele constituie organul politic cel mai apropiat de cetățenii cartierelor, membrii lor înșiși trăint acolo. 50 de ani după întroducerea lor în viața socială și politică a orașului Ingolstadt, BZA-urile au devenit o constantă a acestei comunități, un instrument politic de care nimeni nu vrea să ducă lipsă. Ziarele locale relatează și comentează în mod regulat despre activitățile comitetelor și cine își ia timpul să răsfoiască prin arhive, va constata că realizările în oraș, datorate acestor comitete de cartier, sunt însemnate.
Anton Delagiarmata

Mittwoch, 31. Mai 2017

Mai 2017 – Giarmata in den Medien

Mülldeponie
aus InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 04.05.2017
Zwischen Giarmata und Cerneteaz ist eine illegale Mülldeponie entstanden. Die Leute schmeißen ihren Müll auch an andere Stellen rings um Giarmata oder in die Wassergräben der Ortschaft. Und das obwohl es gesetzlich festgelegte Strafen für diesen Umweltfrevel gibt. Der Autor des Artikels beklagt, dass dieses Gesetz leider nicht wie in anderen Ländern auch zur Anwendung kommt.
+ + + Solche Umweltsünder gibt es leider auch bei uns. Daher gibt es in jedem Frühling eine Ramadama-Aktion, die von verschiedenen Vereinen organisiert wird. Das ist so eine Art muncă voluntară. Strafen schrecken Straftäter nicht immer ab. + + +

Quelle versiegt
aus InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 06.05.2017
Aus dem artesischen Brunnen in Cerneteaz fließt kein Wasser mehr. Die Quelle ist versiegt. Fachleute sagen, man müsste einen neuen Brunnen bohren, 80 bis 90 m tief.
+ + + De Große Brunne in Johrmark laaft noch. + + +

Keller unter Wasser
aus InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 07.05.2017
In Giarmata hingegen stehen Keller unter Wasser, wenn es viel regnet. Das ist besonders in der Strada Viilor der Fall, wo neue Wasserablaufkanäle viel zu klein angelegt wurden.

Zu tief ins Glas geschaut
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 08.05.2017
Ein 50 Jahre alter Mann hat sich mit seinem Dacia Logan zwischen Giarmata und Dumbrăvița mehrere Male überschlagen. Passiert ist ihm nichts dabei.
+ + + Pech hatte er trotzdem. Denn die herbeigeeilten Polizisten ließen ihn blasen und 0,93 Promille waren einfach zu viel.  + + +

Hamilton Central Europe hat seine Produktion in Giarmata aufgenommen
aus ZiuadeVest.ro, Timişoara / Temeswar; 08.05.2016
Mit einer neu entwickelten Impfspritze hat Hamilton Central Europe seinen zweiten Entwicklungs- und Produktionsstandort neben einem Stützpunkt in der Schweiz jetzt in Giarmata eingeweiht. Zu diesem Anlass hat die Firma auch einen Kongress organisiert, zu dem Spezialisten aus Europa, Asien und Südafrika angereist waren. In der Giarmataer Niederlassung arbeiten 130 Menschen.
+ + + Das ist gut fürs Giarmataer Steuersäckl. + + +

Sie gehören zu den Besten im Land
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 15.05.2017
- Handballjuniorinnen der Altersgruppe V (Jahrgänge 2006, 2007 und kleiner)
Die kleinsten Handballerinnen von CS Leu Giarmata  haben sich mit drei Siegen und einer Niederlage bei einem Turnier in Reșița / Reschitza für das Endturnier der Nationalmeisterschaft des Rumänischen Handballverbandes qualifiziert.
+ + + Glückwunsch! + + +

Nur Unentschieden zu Hause
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 19.05.2017
- C4 (Liga III – Serie IV) – 25. Spieltag
CS Millenium Giarmata – Gloria Lunca Teuz Cermei  1:1 (1:0)
Torschützen: Joseph Anagor (35) für Millenium bzw. Andrei Sulea (90+3)
Aufstellung CS Millenium: MiklosSoare, Maghici, Todorov, Ștefănescu (75, Pricop) – Domșa, Mihai OlariuFlorin Olariu, Codrea (88, Stoica), Nicoară (80, Ghighilicea) – Anagor (85, Trifu).
Tabellenplatz: 12  CS Millenium Giarmata  24
+ + + Die Giarmataer scheinen den 12. Tabellenplatz gepachtet zu haben. Ein Spiel steht noch aus in der Meisterschaft 2016/2017. + + +

Giarmata hat die beste Trachtentruhe
aus ZiarulTimişoara.ro, Timişoara / Temeswar; 19.05.2017
Liliana Laichici leitet das Zentrum für Kultur und Kunst des Kreises Temesch (Centrul de Cultură și Artă al Județului Timiș). Sie lobt in einem ausführlichen Interview das Volkstumsfestival Trachtentruhe (Lada cu zestre), dessen „großer Gewinner“ heuer Giarmata war.

CS Millenium Giarmata bleibt in der dritten Liga
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 26.05.2017
- C4 (Liga III – Serie IV) – 26. Spieltag
CS Performanța Ighiu - CS Millenium Giarmata  2:0 (1:0)
Torschützen: Fetița und Tineiu
Aufstellung CS Millenium: MiklosCohuț, Artimon, Ciobănică (65, Leucă), ȘtefănescuStoica, PricopCodrea, Florin Olariu, Mihai OlariuAnagor
Tabellenplatz: 12  CS Millenium Giarmata  24
Die Fans der Gastgebermannschaft haben den nigerianischen Stürmer von Giarmata, Joseph Anagor, mit „cioară – Krähe“-Zurufen beschimpft, worauf der sein Trikot ausgezogen und das Spielfeld verlassen hat. Der Trainer von Ighiu, Mihai Manea, konnte ihn schließlich zum Weiterspielen überreden, waren die Giarmataer doch eh nur mit einem Ersatzspieler, in Person des Trainers Răzvan Leucă, angereist.
+ + + Mit sechs Siegen, sechs Unentschieden, 14 Niederlagen, einem Torverhältnis von 28:47 konnte Millenium die Klasse halten, weil es in einer anderen Serie der dritten Liga eine Mannschaft mit einem schlechteren Gesamtergebnis gibt. + + +

Einberufung des Gemeinderates
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 25.05.2017
Die nächste Gemeinderatssitzung ist für den 31. Mai vorgesehen. Sieben Punkte stehen auf der Tagesordnung. Zweimal geht es um Hilfsprojekte für bedürftige Bürger, einmal um ein juristisches Problem, dann um das Gemeindebudget und eine Infrastrukturmaßnahme. Die zwei letzten Punkte sind Bürgeranträgen und verschiedenen Problemen vorbehalten.

Zwei Straßen werden asphaltiert
aus InfoGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 26.05.2017
Die Straßen Strada Soarelui und Regele Carol I bekommen einen Asphaltbelag. Die Pkw-Besitzer werden ersucht, ihre Autos in den Nachbarstraßen zu parken.

Giarmataer Derby
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 28.05.2017
- Liga V Timiș – Serie II – 26. Spieltag
Unirea Cerneteaz - Millenium II Giarmata   2:3
Tabelle: 4  Millenium II Giarmata  40
              5  Unirea Cerneteaz  38

Im Rathaus scheint Ruhe eingekehrt zu sein
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Mai 2017
- Das Blatt veröffentlicht ein Interview mit Vizebürgermeister Claudiu Mihălceanu. Zum Klima im Gemeinderat sagt der Lokalpolitiker: „Vorher gab es auch Probleme, diese politischen Spiele beeinträchtigen nach meiner Meinung die Entwicklung einer Gemeinschaft. Ich glaube, zurzeit hat die Lage sich stabilisiert und ich bin froh, dass von den 15 Räten, acht jünger als 40 Jahre alt sind.“
- Der Autobauer Mitsubishi ist auf der Suche nach einem Standort für ein neues Motorwerk. Im Visier hat die Firma die Kreise Prahova und Timiș / Temesch. Auch in Giarmata macht man sich wegen der günstigen Lage zu Autobahn und Flughafen Hoffnung auf einen Zuschlag. Es dreht sich um eine Fläche von 100 ha und eine Investitionssumme von 200 Millionen Euro. Bürgermeister Virigil Bunescu hat seine Unterstützung schon mal zugesagt.
+ + + Asso, wann des wirklich soweit kummt, noo halt mich nicks meh zrick; do kann mei Aldi soon, was se will. + + +