Samstag, 31. Oktober 2015

Oktober 2015 – Giarmata in den Medien

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 02.10.2015
C4 (Liga III – Serie IV) – 6. Spieltag
ACSO Filiaș - CS Millenium Giarmata  0:2
Torschütze: Abdoulaye Diarra (20 und 62)
Mannschaftsaufstellung CS Millenium Giarmata:   LucaSoare , Gîrba, Domșa, CiobănicăLeucăGaiță (80, Butură), Mihai Olariu (70, Stoica), Corlățeanu (65, Costea), Florin OlariuDiarra (85, Kalanyos).
Tabellenplatz:
12 - CS Millenium Giarmata  5
+ + + Die Giarmataer sind die Auswärtsspezialisten der 3. Liga. Da haben sie in dieser Saison noch kein Spiel verloren.+ + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 04.10.2015
Liga V Timiș – Serie II – 8. Spieltag
AS Utvin – Millenium II Giarmata  3:4 (1:0)
Torschützen: Florin Văcărescu (32 und 72) und Mircea Gogoaşă (68) für die Heimmannschaft sowie  Eduard Soare (54), Darius Buzdugan (75 und 80) und Adrian Butură (77) für die Gäste.
Mannschaftsaufstellung Millenium II Giarmata: Marian Mihai, Eduard Soare, Andrei Ciobănică, Laurenţiu Sinauschi, Adrian Kalanzoş, Nicolae Gaiţă, Adrian Butură, Sebastian Stoica, Darius Buzdugan, Cristian Moldovan und Walter Corlăţeanu. Zum Einsatz kamen noch Răzvan Leucă, Cristian Florea und Marius Munteanu.
Tabelle: 15 Millenium II Giarmata  4
Trainiert wird diese junge Truppe von Tiberiu Butură.
+ + + Von den Cerneteazer liegt kein Bericht vor. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 06.10.2015
Temescher Junioren-Kreismeisterschaft 
D-Junioren (Jahrgänge 2003/2004)
Banloc – CS Millenium Giarmata  4:3
E-Junioren (Jahrgänge 2005/2006)
Millenium Giarmata  - CSȘ Bega  2:1
+ + +C- und B-Junioren hat Giarmata in dieser Saison keine.  + + +

ZiarulTimișoara.ro; Timişoara / Temeswar; 09.10.2015
- Am ersten Oktoberwochenende fanden in Săcălaz / Sackelhausen drei Tage lang die „Zilele comunei Săcălaz - Tage der Gemeinde Săcălaz“ statt. Es gab ein reichhaltiges Sport- und Kulturprogramm für die Bürgerschaft. Beim Handballwettbewerb beteiligte sich auch eine Mannschaft der Școala Gimnazială Giarmata – Gymnasialschule Giarmata.
+ + + Handball war eigentlich der Lieblingssport der Altjahrmarkter. + + +
- Für das Wochenende vom 10. und 11. Oktober wird in Buziaș / Busiasch das zum siebenten Mal veranstaltete „Paprikasch- und Weinfestival“ angekündigt. Zu den vielen Folkloregruppen und Solisten, die erwartet werden, gehört auch die Tanzgruppe Sânziene Bănățene aus Giarmata
+ + + Paprikasch aus einem „1000-Liter-Kessel“! Das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Guten Appetit! + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 09.10.2015
Handball – Nationalmeisterschaft  - Juniorinnen IV – Kreisphase Timiș & Temesch
Es wird im Tourniermodus gespielt, sowohl Jungen als auch Mädchen. Giarmata stellt auch heuer eine Mädchenmannschaft: AS Leu Giarmata. Das erste Tournier ist für den 17. Oktober in Jimbolia / Hatzfeld vorgesehen.
+ + + Man kann diesen Versuchen, den Handball in Rumänien neu zu beleben, nur viel Erfolg wünschen, handelt es sich doch um eine ehemalige Weltmacht in dieser Sportart. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 11.10.2015
Liga V Timiș – Serie II – 9. Spieltag
Unirea Banloc - Unirea Cerneteaz   5:1
Torschützen: Florin Natanticu (3 Tore), Iugoslav Petean und Zoran Circa für die Hausherren sowie David Răzvan für die Gäste.
Millenium II Giarmata – Liebling  7:1
Torschützen für Millenium: Mihai Olariu (2), Adrian Butură (2), Darius Buzdugan, Eduard Soare und Laurenţiu Sinauschi.
+ + +Endlich mol besser wie die Zorner.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 13.10.2015
Temescher Junioren-Kreismeisterschaft 
E-Junioren (Jahrgänge 2005/2006)
FC JuventusCS Millenium Giarmata  4:1
+ + + Von den D-Junioren lag noch kein Ergebnis vor..  + + +

ZiarulTimișoara.ro; Timişoara / Temeswar; 15.10.2015
In einem ausführlichen Artikel wird der Temeswarer Rally-Fahrer Grigore Zoiade (*1952) vorgestellt. Der Chemieingenieur ist seit Kindheit diesem Sport, der es in einem kommunistischen Land nie einfach hatte, verfallen. In der Donau-Rally traf er in Sibiu / Hermannstadt auch auf Weltmeister Walter Röhrl. Vom 5. bis 7. November wird das Automobilrennen A-CAR RALLY RAID TIMIȘ - Memorial „Corneliu Țiț” veranstaltet, eine Etappe der Nationalen Rally Raid. Für diese Etappe hat Grigore Zoiade sich besonders stark gemacht, war der 2014 verstorbene Rennfahrer Corneliu Țiț doch sein Trainer und Mentor. Start und Ziel dieser Etappe sind in Giarmata.
+ + + Des werd bestimmt noch meh Krach gewwe, wie wann zwaa Blechmusike in vollem Marsch sich uf der Gass begegne.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 16.10.2015
C4 (Liga III – Serie IV) – 8. Spieltag
Pandurii II Târgu Jiu - CS Millenium Giarmata  2:0
Mannschaftsaufstellung CS Millenium Giarmata: LucaSoare, Domșa, Gîrba, Florin OlariuLeucă (85, Molcuț) – Gaiță (60, Stoica), Mihai Olariu, Corlățeanu (78, Costea), Butura (70, Ciobănică) – Diarra.
Tabellenplatz:
12 - CS Millenium Giarmata  5
+ + + Damit ist die Auswärts-Nullserie der Giarmataer gerissen. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 17.10.2015
- Liga V Timiș – Serie II – 9. Spieltag
Rapid Săcălaz - Millenium II Giarmata  4:1
Tabellenplatz:
 9  Unirea Cerneteaz  12
13 Millenium II Giarmata  7
+ + + Von den Cerneteazărn liegt noch kein Ergebnis vor. + + +
- Handball – Nationalmeisterschaft  - Juniorinnen IV – Kreisphase Timiș & Temesch
AS Leu GiarmataLPS Banatul  15:14 (8:6)
 CS Unirea - AS Leu Giarmata  6:11 (4:4)
+ + + Gute Giarmataer Handballschule. Bravo! + + +

TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar; 19.10.2015
Der Stromlieferant Enel hat Stromausfälle in mehreren Ortschaften des Kreises Timiș  / Temesch angekündigt. Giarmata wird am 20. Oktober von 9 bis 16 Uhr betroffen sein.
+ + + Überlebende der „Ära des Lichts“ werden leichter damit klarkommen. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 20.10.2015
Temescher Junioren-Kreismeisterschaft 
D-Junioren (Jahrgänge 2003/2004)
CS Millenium Giarmata - Edu Sport  1:0
E-Junioren (Jahrgänge 2005/2006)
CS Millenium Giarmata – Peciu Nou  0:3
+ + + Schon bei den Kleinsten sollte es heißen: Aus Niederlagen lernen! + + +

Tion.ro, Timişoara / Temeswar; 20.10.2015
Auf der Westautobahn A1 waren in der Nähe von Giarmata drei Pkw in einen Unfall verstrikt.
+ + + Segen und Fluch der Mobilität liegen sehr nahe beieinander. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 23.10.2015
- C4 (Liga III – Serie IV) – 9. Spieltag
CS Millenium Giarmata – FC Hunedoara  1:5
Torschütze: Tecsi (12 und 62), Bozian (19), Crăciunesc (45) und Grigore (90) für die Gäste und Molcuț (88) für die Heimmannschaft.
Aufstellung Millenium : LucaSoare, Domșa (46, Stoica), Gîrba, Sorin Olariu, Butură (46, Ciobănică), Costea, Mihai Olariu (70, Molcuț), Corlățeanu, Gaiță (76, Buzdugan), Diarra.
Tabellenplatz:
13 - CS Millenium Giarmata  5
+ + + Die Mannschaft aus Hunedoara spielte vor einer kleinen Ewigkeit sogar in der A-Liga und hatte den Nationalspieler Michael Klein in seinen Reihen. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 25.10.2015
- Handball – Nationalmeisterschaft  - Juniorinnen IV – Kreisphase Timiș & Temesch
 Săcălaz - AS Leu Giarmata  7:24 (4:9)
+ + + Es wird nach Tourniermodus gespielt. Das war das zweite Tournier und wurde in Săcălaz ausgetragen. Am 13. Dezember wird in Giarmata gespielt. + + +
- Liga V Timiș – Serie II – 11. Spieltag
Millenium II Giarmata – Unirea Ghilad  4:1 (2:0)
Torschützen für Giarmata: David Josu (2), Andrei Moisuc und Adrian Butură.
Unirea Sânnicolau Mare II – Unirea Cerneteaz  0:0
Tabellenplatz:
  7  Unirea Cerneteaz  16
12 Millenium II Giarmata  10
+ + + Die zweite Mannschaft von Giarmata wird von Tibi Butură trainiert.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 30.10.2015
C4 (Liga III – Serie IV) – 10. Spieltag
Național Sebiș - CS Millenium Giarmata  1:0
Torschütze: Gelu Velici (35)
Aufstellung Millenium: LucaFlorin Olariu, Soare, Gîrba, Ciobănică (89, Kalanyos) – Domșa (80, Buzdugan), Stoica, Corlățean, Mihai Olariu, DiarraMolcuț  (50, Costea)
Tabellenplatz:
14 - CS Millenium Giarmata  5
+ + +  Național Sebiș  wird vom langjährigen Trainer von CS Millenium Giarmata, Călin Cojocaru, betreut. + + +

Eugen Dogariu
Quelle: timisoaraonline.ro
FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Oktober 2015
Die Oktober-Ausgabe des Blattes beschäftigt sich mit der Einweihung des Multifunktionalen Permanenzzentrums (Centru de Permanență Multifuncțional) im ehemaligen (und jetzigen) Feuerwehrhaus der Gemeinde Giarmata. Interviewt wurden Victor Malac, Bürgermeister von Dumbrăvița, Ioan Băla, Direktor der Strafvollzugsanstalt Temeswar, Virgil Bunescu, Giarmatas Bürgermeister und der Präfekt des Kreises Timiș / Temesch, Eugen Dogariu. Und der erläuterte seine emotionale, weit über das Amtliche hinausgehende Beziehung zu Giarmata: „In dieser Gemeinde wurde am 1. Februar 1955, an seinem Geburtstag, mein Großvater Nicolae Dogariu, Absolvent des Bukarester Agronomieinstituts Nicolae Bălcescu zum Direktor der I.A.S. (Intreprinderea Agricolă de Stat – Landwirtschaftlicher Staatsbetrieb) ernannt. Und nach 27 Arbeitsjahren ging er am 1. Februar 1982, auch an seinem Geburtstag, in Rente. Wie soll ich Giarmata nicht lieben.“
 + + + Mer hot mol jemand verzählt, wann de Fermadirektor sich net ningemischt hätt, wär selmols im 74er bei der eerscht Johrmarker Doppelkerweih noh em Kriech oone vun dee zwaa Kapellemaastre wirklich ingekastelt wor. Ob des tatsächlich so war, waaß ich net. Historiker misste, bevor die Johrmarker Musikgeschichte ganz verstaabt, de Kreidersch Vedder Niklos frooe, der war selmols em Nicolae Dogariu sei Schaffeer. Schun in de Onfang 60er Johre soll er, de Fermadirektor, a paar Musikante vorm Kittche gerett hun. Selmols hadde die em Safer in der Kantin in der Altgass abgepasst un ehm e paar Gscheide verpasst. Des war alles noch weit vor’m Johrmarker Musikantekriech - awwer normal, weil e onstännicher Kriech brauch aah e langi Vorbereidung. + + +

Montag, 19. Oktober 2015

Ein großartiger Gérard Depardieu in einer Dreyer-Inszenierung

Um einen Großen des Films wie Gérard Depardieu zum Mitmachen zu bewegen, muss man schon ein anspruchsvolles Drehbuch vorlegen. Der wahldeutsche rumänische Regisseur und Drehbuchautor mit dem eingedeutschten Namen Bogdan Dreyer (ursprünglich Bogdan Dumitrescu) hatte vor zwei Jahren den richtigen Stoff für den großen Franzosen: die Novelle Moartea lui Ipu – Ipus Tod von Titus Popovici. Daraus entstand der Film Ipu - A Farewell to Fools, eine rumänisch-deutsch-französische Koproduktion mit dem rumänischen Namen Condamnat la viață – Zum Tode verurteilt. (Es gibt auch eine rumänische Verfilmung des Stoffes unter der Regie von Sergiu Nicolaescu aus dem Jahre 1972, die den Namen trägt: Atunci i-am condamnat pe toți la moarteDann haben wir sie alle zum Tode verurteilt.)

Wer ihn am Fernseher sehen wollte, war zum Wachbleiben – immerhin auch eine Lebensform - verurteilt, strahlte der deutsch-französische Kultursender ARTE den Streifen doch erst in der ersten Nachmitternachtsstunde des 15. Oktober 2015 aus: Sendebeginn 1:20 Uhr. Geisterstunde, könnte man sagen. Und obwohl es in dem Streifen nicht von Geistern spuckt, kommt einem so manches geisterhaft vor – doch eher unterhaltsam als beängstigend. 

Bogdan Iancu als Alex
Quelle: www.cinema.de
Es geht um die Freundschaft zwischen dem vom ersten Weltkrieg geistig angeschlagenen Franzosen Ipu – in ihm lebte der Soldat Theodor aus dem 1. Weltkrieg weiter - und seinem 11 Jahre alten Spielkameraden Alex, ein Waisenjunge, der bei seiner großen Schwester und deren Mann wohnt. Was sie spielen, ist nichts anderes als das, was wir in unserem damals noch deutschen Banater Dorf Jahrmarkt in den 1960er Jahren auch oft spielten: „Kriechjes“, also Krieg spielen. Die Handlung des Films spielt in einem rumänischen Dorf in Transilvanien kurz vor dem Kriegsseitenwechsel der Rumänen im Jahr 1944, also um den 23. August 1944. Der Streifen wurde auch in Rumänien gedreht.

Noch ist das deutsch-rumänische Bündnis intakt. Deutsche Soldaten sind im Dorf und eines Tages wird einer von ihnen ermordet. Die Deutschen drohen mit Rache, wenn die Dorfbewohner den Mörder nicht ausliefern. Die Suche beginnt und nach dem Prinzip „das Hemd ist mir näher als der Rock“ deuten alle Zeigefinger schnell auf den Dorfnarren Ipu, den man nach dem 1. Weltkrieg noch vor dem Tod gerettet und in die Dorfgemeinschaft aufgenommen hatte. Die skurrile Situation ergibt sich aber erst aus der Tatsache, dass man Ipu überzeugen will, den Heldentod für die Dorfgemeinschaft zu sterben, also sich als Täter zu bekennen, um dann von den Deutschen erschossen zu werden.

Gérard Depardieu als Ipu
Quelle: www.cinema.de
Was folgt, sind hochdramatische und gleichsam witzige Momente, in denen die tiefenpsychologischen Muster, nach denen die Dorfhonoratioren in ihrem Überlebenswille um jeden Preis gestrickt sind, zum Vorschein kommen. Filmkunst vom Feinsten. Es hat sich ausgezahlt wach zu bleiben, um den Ausgang dieser Tragikomödie zu erleben. Als ich um 2 Uhr 40 den Fernseher ausschaltete und mich zu Bett begab, war von sofortigem Einschlafen natürlich keine Rede. Irgendwie spuckten sie noch in meinem Hirn herum: Ipu (Gérard Depardieu), Alex (Bogdan Iancu – beeindruckend), Vater Johannes (Harvey Keitel), Margherita (Laura Morante), Polizeidirektor Gossmann (Alexandru Bindea), der Bürgermeister (Nicodim Ungureanu), der Notar (Gheorghe Visu) und noch einige andere. Geisterstunde eben, und das sogar mit einer gelungenen Beerdigungsprobe.

Der Film hat schon vor seiner Aufführung in den Kinos zu Unstimmigkeiten zwischen den Künstlern und dem Produzenten Giuliano Doman geführt. Gérard Depardieu hat im Februar 2013 öffentlich kritisiert, dass man ohne seine und des Regieteams (Regie: Bogdan Dreyer, Drehbuch: Anușavan Salamanian, Kamera: Richard Van Oosterhout, Musik: Joris Van den Hauwe) Zustimmung den Film nach Hollywood-Muster geändert habe. Der Film lief auf jeden Fall am 15. März 2013 in den rumänischen Kinos an.

Und er hatte es beim rumänischen Publikum nicht gerade leicht, denn die rumänische Filmfassung der Popovici-Novelle aus dem Jahre 1972 wartete damals mit einer Starbesetzung auf: Amza Pelea, Cristian Șofron, Ion Besoiu, Iurie Darie u.a. Das sind Namen, die bis heute in Rumänien nachklingen.
Anton Potche

Montag, 12. Oktober 2015

Auch der war doch nur ein Verbrecher ...

... und doch wird er gefeiert wie ein Heilsbringer. Ich meine Napoleon. Zumindest das Drumherum um die Bayerische Landesausstellung 2015 - Napoleon und Bayern erweckt diesen Eindruck. Da folgt im Hof des Bayerischen Armeemuseums zu Ingolstadt seit April Event auf Event, um im zeitgenössischen Sprachduktus zu bleiben. Und das heißt Aufmärsche von Fahnenabordnungen, Zeltlager, Musikdarbietungen, ja sogar Fernsehsendungen (BR), und das alles natürlich mit ausreichend fester und flüssiger Nahrung aus der für die Dauer dieser Ausstellung aufgestellten Hütte.

Wer aber die Beziehung Napoleons zu den Bayern oder umgekehrt im Inneren des Schlosses in Augenschein nimmt, dem könnte schon mal die Lust zum Feiern vergehen. Besonders wenn er die ausgestellten Porträts, Uniformen, Statuetten und Waffen außer Acht lässt und sich auf die Gemälde, Originaldokumente– angeblich soll es noch 40 Tagebücher und Memoirenaufzeichnungen aus jener Zeit geben –, Gedenktafeln und Grabsteine konzentriert, sich den dargebotenen Film anschaut und den Tagebucheintragungen des „gemeinen Soldaten“ Peter Schleicher (1788 – 1868) mittels Kopfhörer lauscht.

Beeindruckend ist besonders auch die sich durch zwei Ausstellungsräume schlängelnde Installation, die den Weg der Grande Armée nach Moskau und zurück darstellt. Ein Marsch des Grauens. Am 24. Juni 1812 überschritt Napoleon mit einer Armee von mehr als 450.000 Mann den Njemen und eröffnete seinen Angriff auf Russland. Am 2. und 3. Juli überquerten auch Napoleons bayerische Verbündete den polnisch-russischen Grenzfluss. Das VI. Korps, bestehend aus zwei bayerischen Divisionen mit insgesamt 30.249 Mann, angeführt von den Generälen Bernhard Erasmus von Deroy (1743 – 1812) und Carl Philipp Joseph von Wrede (1767 – 1838), stand unter französischem Oberkommando. Schon einen Monat nach dem Überfall auf Russland, hatten die Bayern ca. 10.000 Tote zu beklagen – ohne in Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Gewaltmärsche, Krankheiten, Temperaturen bis zu +40ºC dezimierten nicht nur diese Heeresgruppe sondern die gesamte Große Armee des französischen Kaisers. 

Foto: Anton Potche
Am 17. und 18. August 1812, da war die Grande Armée also noch nicht einmal zwei Monate lang auf russischem Territorium unterwegs nach Moskau, kam es bei Smolensk zur ersten größeren Schlacht mit der russischen Westarmee unter General Michel Barclay de Tolly. Da waren die Franzosen schon dezimiert auf 145.000 Soldaten. (Andere Quellen sprechen von 175.000.) Napoleon hat den Sieg für sich verbucht. Und ein französischer Offizier hat seine Eindrücke nach dem Einmarsch in Smolensk zu Papier gebracht: „Überall bedauernswerte Einwohner, die schluchzend vor den Trümmern ihrer Häuser knieten, überall Katzen und Hunde, die umherstreunten und aufs herzzerreißende jaulten, überall nichts als Tod und Zerstörung.“ Auch Dr. Raymonde Faure machte sich Skizzen: „Soldaten, die hatten fliehen wollen, waren auf den Straßen hingesunken, vom Feuer erstickt worden und verbrannt. Viele hatten keine Ähnlichkeit mehr mit menschlichen Wesen, es waren formlose Haufen gegrillter und verkohlter Materie, ...“

Am 14. September 1812 war Napoleon am Ziel: Moskau. Schon am 19. Oktober machte der französische Kaiser sich auf den Heimweg. Zar Alexander I. hatte keine Lust gezeigt, sich mit dem größenwahnsinnigen Franzosen auf ein Gespräch einzulassen. Das Desaster ging weiter. Wie sich der Rückzug der Franzosen gestaltete, kann man aus den Aufzeichnungen des Hauptmanns Aleksej I. Martos nachvollziehen: „Das erste, was wir sahen, war eine Frau, die zusammengebrochen im Eis festgeklemmt war ... Ein Arm war abgehackt und baumelte nur noch an einer Sehne ... Die Frau war noch am Leben, und ihre ausdruckstarken Augen hefteten sich auf einen Mann, der neben sie gefallen und schon erfroren war. Zwischen ihnen auf dem Eis lag ihr totes Kind.“

Foto: Anton Potche
Wer all das zu verantworten hatte? Das war angeblich ein großer Kaiser und Feldherr. Von der Geschichte dazu gemacht. Ein völlig verklärtes Bild. Auf einer Informationstafel kann man nämlich lesen: „Am 19. Oktober 1812 erfolgt der Rückzug auf dem gleichen Weg wie der Vormarsch. Napoleon verlässt seine Truppen am 5. Dezember noch in Russland. Die Befehlsstrukturen lösen sich auf. Es herrschen Verwirrung und Chaos.“ Auch der bayrische Soldat Josef Deifl hatte die Lage richtig eingeschätzt, als er vermerkte: „Alles in der größten Unordnung, jeder für sich ohne Subordination. Die Herren Offiziere sind nicht erkennbar, denn sie sind mit alten Belzen überzogen von Fuß bis zum Kopf, sie haben keinen Glanz und Ansehn nicht mehr. Es ist mit einem Wort ein trauriger Leichenzug. Das Elend dauert zu lang, Hunger, Durst, Kälte, schlaflose Nächte etc.“ Weit und breit keine Spur vom Kapitän, der auf dem sinkenden Schiff bleibt. Der große Napoleon hatte sich feige aus dem Staub, sprich, Schnee gemacht.

Foto: Anton Potche
Nimmt man sich Zeit und vertieft sich in die Materie, so fällt es einem nicht schwer, die Schrecken jener Jahre nachzuvollziehen. Und man kann auch Verständnis für die Wendehalspolitik der Bayern aufbringen. Im Oktober 1813 sagte sich König Max I. Joseph vom französischen Bündnispartner los und erklärte Frankreich den Krieg. Die treibende Kraft hinter diesem Seitenwechsel war General Wrede. Wen wundert’s? Nur etwa 3000 seiner bayrischen Soldaten, waren aus dem Russlandfeldzug heimgekehrt. Eine bedrückende Geschichte, gut erzählt in dieser Ingolstädter Ausstellung.

Da tut es gut, wenn man beim Verlassen der Ausstellungsräume im Schlosshof einem neuen Event mit Schützen, Fahnen, Blaskapelle (sogar aus Österreich) und einem kühlen Maß Bier Abstand zu diesem Schurken – leider nur einer von vielen – gewinnen kann. Der Heilsbringer wird in dieser Ausstellung ohne jedwede nationalistische Selbstbeweihräucherung – man stand immerhin acht Jahre an seiner Seite – entzaubert. Eine rundum gelungene Ausstellung. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen. Bis zum 31. Oktober 2015 ist noch Zeit dazu. Über WWW.HDBG.DE erfährt man Einzelheiten zu den Öffnungszeiten und dem Rahmenprogramm.
Anton Potche


Mittwoch, 7. Oktober 2015

Horst Teltschik hielt in Ingolstadt die Rede zur Deutschen Einheit

Die Vereinigung der zwei Deutschen Staaten, BRD und DDR, hat zwei Seiten: eine emotionale und eine sachliche. Die emotionale Vereinigung fand im Herbst 1989 mit den diversen Flüchtlingsbewegungen aus der DDR Richtung Bundesrepublik Deutschland statt und endete mit dem Fall der Mauer am 9. November. Dieser Teil der deutschen Geschichte hat für die Erlebnisgeneration, besonders jene aus der Deutschen Demokratischen Republik, auch heute noch einen mit jeweils starken autobiographischen Bezugspunkten bestückten Charakter. Aber auch so mancher Bundesbürger mit Migrationshintergrund, unter ihnen bereits ausgesiedelte Rumäniendeutsche, verfolgte damals mit besonderer Anteilnahme die Ereignisse.

Das Jahr 1990 war dann geprägt von den politischen Aktivitäten beiderseits des eingerissenen Eisernen Vorhangs. Sachlichkeit war gefragt und vor allem ein unbändiger Wille zur Deutschen Einheit. In Bonn regierte das Kabinett um Helmut Kohl, in Ostberlin stritten Demokratiebewegungen und Wendehälse um den richtigen Weg, Mitterrand in Paris war sehr skeptisch, Bush sen. in Washington sympathisierte mit der Idee eines vereinten Deutschland, Frau Thatcher in London war sowieso dagegen und in Moskau hatte ein mutiger und weltoffener Gorbatschow die Fäden noch fest in der Hand.

Am Ende des diplomatischen Ringens um den besten Weg, nicht nur für das deutsche Volk, sondern für ganz Europa, stand die Deutsche Einheit. Der 3. Oktober 1990 war der erste neue Nationalfeiertag der beiden vereinten Staaten. 25 Jahre haben die Geschichte bereichert und die klare Erkenntnis gebracht, dass die Sachlichkeit der Emotionalität, damals greifbare Euphorie, längst den Rang abgelaufen hat. Was geblieben ist, sind die zahlreichen Feierlichkeiten landauf, landab und für an Politik und Geschichte interessierte Menschen viele Reden sowie ein breites Medienecho.

Horst Teltschik in Ingolstadt
Foto: Anton Potche
Die Stadt Ingolstadt veranstaltet seit 1997 die Reden zur Einheit Deutschlands. Prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft legen ein, zwei Tage vor  dem 3. Oktober jeweils ihre Sicht auf die damaligen Ereignisse und ihre Folgen dar. Der Mann, der 1990 die Deutschen zur politischen Einheit geführt hatte, Dr. Helmut Kohl, sprach 2007 in Ingolstadt. Heuer folgte ihm einer seiner engsten Mitarbeiter jener geschichtsträchtigen Monate: Prof. Dr. h.c. Horst Teltschik, damals außen- und sicherheitspolitischer Berater im Bundeskanzleramt. Das war eigentlich schon Grund genug, an diesem Vorabend des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit auf Einblicke in den engsten Machtzirkel um Kohl zu spekulieren. Und wahrlich, wer sich am 2. Oktober in den Rudolf-Koller-Saal in der Ingolstädter Volkshochschule begab, hatte sich nicht verspekuliert.

Horst Teltschik benötigt kein Redemanuskript. Er hat so viel erlebt, war bei so vielen entscheidenden Treffen auf höchster Ebene dabei, dass ihm der Erzählstoff schier nie auszugehen scheint. Ja, er erzählte einfach, was er so alles erlebt hat, wer zu seinen  - dabei benutzte er fast immer das Personalpronomen „wir“ – Gesprächspartnern zählte, welche politischen Konstellationen vorherrschten und was schließlich gut und auch was weniger gut funktionierte. Dass eine solche Rede mit Anekdoten gespickt sein kann, wird wohl kaum verwundern. Auch Horst Teltschik sparte nicht damit. Diese Einwürfe – manchmal auch kleine Seitenhiebe, aber nie unter die Gürtellinie – waren jedoch immer in den Kontext der jeweiligen weltpolitischen Situation eingebettet.

So zum Beispiel seine Ausführungen zu einer der vor Spannung nur so knisternden Phase des Kalten Krieges. Es waren die Jahre 1982 (Beginn von Kohls Kanzlerschaft) bis 1985 (Gorbatschows Regierungsantritt). In Moskau regierte 1982 noch ein gesundheitlich schon stark angeschlagener Breschnew, „der Fragen von Helmut Kohl nur beantworten konnte, wenn sein Außenminister Gromyko ihm auf dem Zettel die Antwort zuschob“. Sein Nachfolger Andropow machte auf eine deutsche Regierungsdelegation im Kreml auch nicht den gesündesten Eindruck. Horst Teltschik schilderte dem gespannt lauschenden Publikum in Ingolstadt seine damaligen Eindrücke und Erlebnisse: „Wir haben einen sehr kranken Generalsekretär erlebt ..., der auch acht Monate später tot war. Sie können sich vorstellen, dass die Gefühle gemischt sind nach einem solchen Gespräch. Wir sind zur Beerdigung gefahren, um einmal zu sehen, ob er wirklich tot war – nein, nein wir sind immer zu den Beerdigungen gefahren, weil am nächsten Tag konnte man den Nachfolger sprechen. Und sein Nachfolger Tschernjenko war noch kränker. Den haben sie einmal im Fernsehen vorgeführt in der Sowjetunion, untergehackt von zwei Leuten, um dem sowjetischen Volk zu zeigen: Unser Generalsekretär lebt noch, er lebt noch. Tage später war er tot. Wir waren wieder bei der Beerdigung. Er war tatsächlich tot. Am nächsten Tag trafen wir Gorbatschow.“ Um dem Anflug von Heiterkeit im Publikum den Wind aus den Segeln zu nehmen, folgte gleich die politische Brisanz dieser Abläufe im Kreml: „Wir haben in der Folge drei todkranke Generalsekretäre erlebt. Nicht sehr beruhigend. Das waren die Vertreter der Weltmacht Sowjetunion zu einem Zeitpunkt, wo sie uns mit dem 3. Weltkrieg drohten.“

Das Bundeskanzleramt in Bonn versuchte in jenen Jahren, als es um Mittelstreckenraketen und SDI-Programme ging und eine nach heutigen Kenntnissen von Stasi und KGB unterwanderte Friedensbewegung in der Bundesrepublik hunderttausende Demonstranten auf die Straße brachte, die Regierungen des Warschauer Paktes zu einer Entspannungspolitik zu bewegen. Kohl hatte alle Regierungschefs jenseits des Eisernen Vorhangs eingeladen. Aber nur einer war gekommen, und der hieß Ceauşescu. Mit ihm wurde aber weniger über Weltpolitik als vielmehr „unter strengster Geheimhaltung über das Kopfgeld für Rumäniendeutsche“ gesprochen.  Originalton Teltschik: „Jedes Jahr mussten wir verhandeln, wie viel wir für jeden Rumäniendeutschen bezahlen mussten, damit er in den Westen kommen konnte. 3 Milliarden haben wir in den Jahren an Rumänien bezahlt, um Menschen freizukaufen ... Brutaler Menschenhandel ... Ich bringe diese Beispiele, um deutlich zu machen, in welcher Welt wir gelebt haben damals.“

Das sind nur einige der vielen Aspekte deutscher und europäischer Politik, die die unmittelbare Vorzeit der Deutschen Einheit geprägt haben. Horst Teltschik hatte noch viele von ihnen parat. Und er verstand es in brillanter Weise, sein Publikum zu fesseln und ihm die Bedeutung dieses Tages vor Augen zu führen. Viele von den Anwesenden wird er mit seiner Botschaft erreicht haben. Doch leider viele auch nicht. Denn gerade hier, in der bayerischen Stadt an der Donau, war für den tags darauf folgenden Nationalfeiertag Deutschlands ein vom Stadtrat abgesegneter „Verkaufsoffener Feiertag“ in der Innenstadt vorgesehen, also Arbeitstag für viele Verkäufer und Verkäuferinnen. Und das verpasste meinem Feiertagsgefühl einen bitteren Beigeschmack, denn es erinnerte mich an die letzten Lichtjahre des Ceauşescu-Regimes, wo es da hieß: sărbătorim prin muncă – wir feiern durch Arbeit. So sieht anno 2015 in deutschen Landen eine falsch verstandene Sachlichkeit aus.

Anton Potche