Dienstag, 31. März 2015

März 2015 – Giarmata in den Medien

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 02.03.2015
Am 21. März wird in der Giarmataer Sporthalle ein Handballturnier für die Juniorinnen IV (Jahrgänge 2002 & 2003) ausgetragen. Die Gäste stellen mit den Mädchen von CS Leu Giarmata auch eine Mannschaft.
+ + + Die Zeiten ändern sich. Zu meiner Zeit war Handball in Jahrmarkt  eine reine Männersache - und dazu noch eine rein deutsche.  + + +
Beim Rumänischen Fußballverband diskutiert man zurzeit die Regel mit drei obligatorischen Feldspielern unter 19 Jahren in der Mannschaft – für die dritte Liga. Konkret müssten immer drei dieser Spieler auf dem Feld stehen. Aktuell gilt die Regel mit drei Spielern unter 21. Giarmatas Trainer Călin Cojocaru ist not amused. Erstens „bräuchten wir 6 – 7 gute Spieler dieser Altersgruppe, was sehr schwer zu bewerkstelligen ist“, argumentiert er, und zweitens sind die meisten Jugendlichen bei diesem Alter noch nicht reif genug für die gestellten Herausforderungen. „Alle wollen nur zu Barcelona oder Milan und haben eine sehr gute Meinung von sich.“
+ + + Der Mann hat natürlich recht. Ein gutes Förderungsprogramm für Juniorenmannschaften wäre bestimmt effizienter. Leider geht so etwas nicht ohne viel Geld – und das fehlt im rumänischen Fußball an allen Ecken und Enden. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 04.03.2015
Die Jugendmannschaften der Fußballvereine haben ihre ersten Spiele für heuer ausgetragen. Auch drei Nachwuchsmannschaften von Millenium Giarmata waren am Start.
C-Junioren (Jahrgänge 2000/2001)
Millenium Giarmata - Unirea Sânnicolau Mare  0:1
D-Junioren
Millenium Giarmata – Ghiroda  2:0
E-Junioren
Unirea Peciu Nou – Millenium Giarmata  3:2
+ + + Ohne Nachwuchs keine Zukunft. Auch wenn bei den Großen dann meistens eingekaufte Spieler kicken. + + +

RATHAUS UND GEMEINDERAT, Giarmata /Jahrmarkt, 05.03.2015
Mit der „Convocare“ Nr. 1844, wird der Gemeinderat für den 9. März, 16:30 Uhr einberufen. Auf der Tagesordnung stehen zwei Punkte: 1.) Ausweitung der Industrieplattform „Logistik Giarmata Süd“ und 2.) Genehmigung eines „Showrooms, eines Veranstaltungsraums und mehrerer Unterkunftsräumen“. Die Initiatoren dieses Projektes sind Davidean Sorin Alin und Davidean Cristina Antonela.
+ + + Das zeugt von reger Wirtschaftstätigkeit in Giarmata. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 06.03.2015
C4 (Liga III – Serie IV)
Pandurii II Târgu Jiu – Millenium Giarmata  4:1: Tore: Smrekar (29, 39), I. Constantin (86 ) Şendroi (88 ) und Diarra (18) für die Gäste.
Aufstellung Millenium Giarmata: Păduraru – Soare, Artimon (75, Leucă), Gârba, Dancia – Ştefan Andrei, Fuchs, Mihuţa, Beloescu (70, Leonte) – Diarra, Bîrză.
+ + + Das nennt man wohl einen sauberen Fehlstart. Und der sah echt oltenisch aus: Es gab gegen die Giarmataer drei (3) Elfmeter und zwei Herausstellungen, dazu gesellten sich rassistische Anfeindungen gegen den schwarzhäutigen Diarra und Beleidigungen von der oltenischen Trainerbank an die Adresse der Giarmataer Betreuer. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 08.03.2015
In Sânnicolau Mare / Großsanktnikolaus wurde ein Handballturnier für Mädchen der Klasse Juniorinnen IV (Jahrgänge 2002 / 2003) ausgetragen. Auch Giarmata war mit einer Mannschaft beteiligt. Und so haben die Mädchen gespielt:
Unirea Sânnicolau Mare – CS Leu Giarmata  24:11 (15:3)
CS Leu Giarmata – Generală 7  7:15 (7:3)
+ + + Macht nichts. Nur nicht aufgeben. Die Freude am Spiel bedeutet mehr als der Sieg. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 10.03.2015
Fußball- Junioren
C-Junioren (Jahrgänge 2000/2001)
CSŞ Lugoj –  Millenium Giarmata  3:0
D-Junioren (Jahrgänge 2002/2003)
ACS Recaş – Millenium Giarmata  3:0
E-Junioren (Jahrgänge 2004/2005)
Millenium Giarmata – Electrica  1:2
+ + + Was für die Mädchen gilt, behält auch für die Buben seine Gültigkeit. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 13.03.2015
C4 (Liga III – Serie IV)
CS Millenium Giarmata – Naţional Sebiş  0:3
Tore: Dicu (9, 54), Radu (85).
Aufstellung Millenium Giarmata: Păduraru – Dancia, Artimon, Firan (46, Boltaşu; 68, Leonte), Gîrba – Leucă – Andrei Ştefan, Fuchs (75, Gideon), Mihuţa – Bârză, Beloescu (82, Ilinca)
+ + + Sauber. + + +

RATHAUS UND GEMEINDERAT, Giarmata /Jahrmarkt, 13.03.2015
Die Gemeinderäte werden zu einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung einbestellt (16.03.2015, 10:00 Uhr), um über die Finanzierung von „Modernisierungsmaßnahmen“ an 10,655 km Straßen in Giarmata zu beraten.
+ + +  Ein wichtiges Thema. Trotzdem. Wenn ich mir die Liste der Tagesordnungspunkte für eine Ingolstädter Stadtratssitzung anschaue, dann muss ich in der Regel mehrere Male umblättern. Also dass man eine Ratssitzung für einen Tagesordnungspunkt einbestellt, ... das lässt auf eine besondere Tagungsliebe schließen. + + +

TION.ro, Timişoara / Temeswar; 14.03.2015
Die Autobahn Arad – Giarmata ist seit zwei Jahren in Betrieb und der Fahrbahnbelag wurde bisher stellenweise vier- bis fünfmal repariert – von der garantierenden Herstellerfirma. Im Sommer läuft die Garantie aus und man hat schon die Ausschreibung für weitere fortwährende Reparaturarbeiten getätigt. Die Nationale Autobahnkompanie  (Compania Naţională de Autostrăzi) stellt für die kommenden zwei Jahre 4 Millionen Euro für die Instandhaltung der 79 km Autobahn zur Verfügung. Das Geld bekommt die gewinnende Firma „indiferent dacă vor trebui executate lucrări, sau nu“, auf Deutsch: „unabhängig davon, ob Arbeiten ausgeführt werden müssen oder nicht“.
+ + +Till Eulenspiegel lässt grüßen! + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 15.03.2015
Das Handballturnier für Mädchen der Klasse Juniorinnen IV (Jahrgänge 2002 / 2003) wurde in Jimbolia / Hatzfeld  fortgesetzt. Die Mädchen aus Giarmata hatten auch hier einen schweren Stand:
LPS Banatul – CS Leu Giarmata  20:6 (10:3)
CS Leu Giarmata – Diniăşanca  8:17 (4:10)
+ + + Dabei sein ist alles. Irgendwann wird sich die Arbeit lohnen. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 17.03.2015
Fußball- Junioren
C-Junioren (Jahrgänge 2000/2001)
CS Millenium Giarmata – Edu Sport  6:0
D-Junioren (Jahrgänge 2002/2003)
CS Millenium Giarmata – Liebling  5:0
E-Junioren (Jahrgänge 2004/2005)
ACS Poli I – CS Millenium Giarmata  9:0
+ + + Macht nichts. Auch die Kleinsten werden es mal lernen. + + +


BANATER ZEITUNG, Timişoara / Temeswar; 18.03.2015
Die Zeitung bringt einen Nachruf auf den aus Jahrmarkt stammenden und in Österreich verstorbenen Oberstudienrat Prof. Mag. Franz Urban. „Als Jahrmarkter Lokalforscher hat sich Urban besonders verdient gemacht“, betont Hans Dama. Der „langjährige Amtsträger der Landsmannschaften in Deutschland und Österreich“ wurde 96 Jahre alt.
+ + + Einen ausführlichen Nachruf gibt es auf der Homepage der HOG Jahrmarkt. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 20.03.2015
C4 (Liga III – Serie IV) – 16. Spieltag
ACSO Filiaşi - CS Millenium Giarmata   1:1
Tore: Bălă (15) für die Gastgeber, Beloescu (35)
Aufstellung Millenium Giarmata: Păduraru – Soare, Oneţ, Dancia, Gârba – Ştefan (85, Gideon), Fuchs, Leucă (75, Leonte), Mihuţa – Bloescu (80, Ilinca), Bârză.
Stand in der Tabelle
4 - Millenium Giarmata  24
+ + + Geht doch.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 22.03.2015
Liga V Timiş – Serie II – 17. Spieltag
Millenium II Giarmata – Deta  0:1
Inter Foeni - Unirea Cerneteaz   8:1
Tabelle: 3 - Unirea Cerneteaz  33
              5 - Millenium II Giarmata  28
+ + + Was ist los?  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 23.03.2015
Juniorinnen IV Handballturnier in Giarmata
Die Giarmataer Mädchen der Jahrgänge 2002 und 2003 durften vor heimischem Publikum spielen. Und so haben sie abgeschnitten.
CS Leu Giarmata – HC Jimbolia  9:18 (6:9)
Olimpia Făget – CS Leu Giarmata  8:20 (0:11
+ + + Das ist im Vergleich zu den vorherigen Turnieren eine sichtbare Steigerung. Bravo! + + +

RATHAUS UND GEMEINDERAT, Giarmata /Jahrmarkt, 23.03.2015
Stellenausschreibung – die Gemeinde sucht einen Chauffeur. Ohne Abitur und einwandfreies ärztliches Zeugnis geht nichts. Die Kandidaten sollten zudem Rumänisch in Wort und Schrift beherrschen und Staatsbürger Rumäniens „oder eines EU-Staates sein“.
+ + + Na, des wär doch vleicht besser, wie in Deitschland am Band schufte. Liewer Autos fahre wie Autos baue. Un des noch in der alt Heimat. Ich sin am Nohdenke. Meiner Gutseit soon ich noch nicks. Sunst weist’s merr wedder de Finger. + + +

RATHAUS UND GEMEINDERAT, Giarmata /Jahrmarkt, 24.03.2015
Für die einberufene Gemeinderatssitzung am 26. März sind 16 Tagesordnungspunkte vorgesehen. Die meisten drehen sich um Grundstücke mit oder ohne Bebauung. Etwas aus der Reihe fällt da der Antrag des Gemeinderates Ion Delvai. Er beantragt, dass man den Kirchen die Müllgebühren erlässt.
+ + + Asso in der deitsch Kerch werd net vill Mist onfalle. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.03.2015
Fußball- Junioren
C-Junioren (Jahrgänge 2000/2001)
Luceafărul - CS Millenium Giarmata  2:0
E-Junioren (Jahrgänge 2004/2005)
CS Millenium Giarmata – LPS Banatul II  1:0
+ + + Von den D-Junioren war nichts zu erfahren. + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 27.03.2015
C4 (Liga III – Serie IV) – 17. Spieltag
CS Millenium Giarmata – Vulturii Lugoj  0:1
Tor: Dobra (67)
Stand in der Tabelle
7 - Millenium Giarmata  24
Trainer Călin Cojocaru war sauer: „Wir haben absolut nichts gezeigt.“
+ + + Das kann man verstehen.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 29.03.2015
Liga V Timiş – Serie II – 18. Spieltag
Voinţa Biled - Millenium II Giarmata  5:1
Unirea Cerneteaz – Unirea Banloc  1:4
Tabelle: 3 - Unirea Cerneteaz  33
              6 - Millenium II Giarmata  28
+ + + Die Giarmataer scheinen auf dem Kriegsfuß mit dem Osterhasen zu stehen.  + + +

SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 30.03.2015
Juniorinnen V Handballturnier in Jimbolia
HC Jimbolia - CS Leu Giarmata  25:1 (11:1)
Cîtu Săcălaz – CS Leu Giarmata  6:9 (2:5)
Juniorinnen V Handballturnier in Giarmata
CS Leu Giarmata – Unirea  12:7 (6:4)
CS Leu Giarmata – Diniăşanca  10:7 (4:2)
+ + + Nach diesen zwei Turniertagen haben die Mädchen aus Giarmata den dritten Platz belegt und sich für das nächste Turnier mit Mannschaften der Nachbarkreise qualifiziert. Das ist mal ein schönes Ostergeschenk.+ + +

FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; März 2015
- Die Cernăteazer Seniorin Felicia Ilia plaudert auch in dieser Ausgabe aus dem Nähkästchen und übermittelt uns Jüngeren auch Lebensweisheiten wie die folgende: „Du musst den Verstand und die Augen gut öffnen, wenn du heiratest.“
Foto: Foaia de Giarmata
- Anlässlich des Frauentages gab’s im Kulturheim ein Kulturprogramm (Foto) mit dem Titel „Alles gute liebe Mutter“. Beteiligt waren Schüler der Giarmataer Gymnasium-Schule (Şcoala Gimnazială Giarmata), das Ensemble Sânziene Bănăţene mit Maria Petchescu, Maria Florea, Daniel Scorobete, Andrei Molocea und Bebe Radu Dragomir. Für Musik sorgte die Gruppe Asociaţia Pro Datina, geleitet von Radu Cuciureanu.
- Bürgermeister Virgil Bunescu hatte die Angestellten des Rathauses zu einem Theaterbesuch ins Temeswarer Nationaltheater eingeladen. Gespielt wurde an dem Abend Anna Karenina. Den Damen Camelia Păian und Corina Tătaru hat die Vorstellung gefallen. Gemeindesekretär Ioan Văleanu hingegen war nicht begeistert.
+ + + Das Foto vom Kulturprogramm  erinnert mich an die auf dieser Bühne inszenierten Bilder von der Einwanderung der „teutschen Leut“ ins Banat. Seit der inszenierten Einwanderung sind nun auch schon 44  und seit der echten ganze 295 Jahre vergangen. + + +

Ich wünsche allen hier Vorbeischauenden 
Frohe Ostern! (5. April 2015)

Doresc tuturor vizitatorilor acestui blog un Paşte Fericit! (12 aprilie 2015)



Mittwoch, 25. März 2015

Walter Hilgers und Siegfried Jung zu Gast beim Symphonieorchester „George Enescu“ – II

Rumänische Tänze gibt es viele. Die berühmtesten, und bis heute in den Konzertprogrammen vieler Orchester und Spartenradiosender anzutreffen, sind die von Béla Bartók (1881 – 1945). Daneben gibt es auch Miniaturen von rumänischen Tänzen, die nur so vor Originalität sprühen. Der Rumänische Tanz Nr. 2 für Tuba und Orchester von Ionel Dumitru (1915 – 1997) ist so ein musikalisches Kleinod.

Es ist nur ein Werk von 30 Kompositionen und mehr als 100 Transkriptionen für sein Instrument, die Ionel Dumitru geschaffen hat. Und sein Instrument war die Tuba. Er hat es am rumänischen Militärmusik-Gymnasium erlernt und sich danach am Konservatorium in Bukarest zu einem weltweit bewunderten Tubavirtuosen weiterentwickelt. Als Solo-Tubist wirkte er im Orchester der Rumänischen Armee, im Symphonieorchester "George Enescu", im rumänischen Radiosymphonieorchester und im Königlichen Opernorchester der iranischen Hauptstadt Teheran. Sein musikalisches Können bescherte ihm Auftritte auf vielen namhaften Bühnen der Welt.

1948 hat Ionel Dumitru sechs Rumänische Tänze für Tuba und Klavier geschrieben. Die Nr. 2 scheint die beliebteste zu sein, gibt es doch zahlreiche Arrangements für Bläsergruppen in unterschiedlichsten Besetzungen. Siegfried Jung aber muss das Stück nicht gekannt haben, denn es ist auf keiner seiner zwei CDs, Opus Wonderbrass und Recital, zu finden.

Kennengelernt hat er aber während eines Gastspiels beim Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck eine oberbayerische Harfenspielerin namens Johanna. Und es begann jene „Musik mit ihren Zufällen und wundersamen Fügungen“ zu erklingen, die ich schon in der vorangehenden Konzertbesprechung erwähnt habe. Johanna, mittlerweile den Familiennamen Jung tragend, kennt Willi März, ein gefragter Komponist und Arrangeur aus München. Und der hat dieses wunderbare Stück Musik von Ionel Dumitru für eine symphonische Aufführung fit gemacht.

So erlebte der Rumänische Tanz Nr. 2 für Tuba und Orchester am Abend des 12. März 2015 seine Weltpremiere im Konzertsaal des Rumänischen Athenäums in Bukarest. Nach den Kritiken aus den rumänischen Medien urteilend, kann man sich leicht vorstellen, dass Ionel Dumitru wahrscheinlich sehr zufrieden mit der symphonischen Aufführung seiner musikalischen Miniatur gewesen wäre.
Anton Potche

Montag, 23. März 2015

Walter Hilgers und Siegfried Jung zu Gast beim Symphonieorchester „George Enescu“ - I

Der Dreizehnte ist ein Unglückstag. Für alle, die dran glauben. Fällt er dann auch noch mit einem Freitag zusammen, ist das ein Katastrophentag sondergleichen. Ein Konzert für Tuba und Orchester an einem Freitag, dem 13. eines Monats, und das auch noch in Bukarest, wo doch die Rumänen als besonders abergläubisch bekannt sind. (Aber zum Glück eine Woche vor einer stattgefundenen Teilsonnenfinsternis.) Kann so etwas gut gehen? Das Konzert fand auf jeden Fall statt.  

Ich habe einen Mitschnitt in die Hände bekommen und mir ihn wieder und wieder angesehen. Als ich schon so weit war, ein paar Worte darüber zu schreiben, wies man mich auf einen rumänischen Blogeintrag hin … und ich begann zu übersetzen.

Das ist doch eine bemerkenswerte Herangehensweise an ein Musikstück. Was man in diesem Blogeintrag zu lesen bekommt, ist mehr als eine rein sachbezogene Konzertkritik, da sind Emotionen mit im Spiel, Gedankengeflechte, die ein genreübergreifendes Musikverständnis erahnen lassen. Der rumänische Blogger nennt sich despredemnitate (überdiewürde). Seinen bürgerlichen Namen hat man mir mittlerweile auch zugeflüstert: Alexandru Pătraşcu. Er nennt sich ein „Amateur, kein Dilettant, sondern ein Liebhaber“. Wie auch immer, damit hat er so manchem Feuilletonkritiker Einiges voraus.

Und mit dieser bescheidenen Einstellung hat er sich auch nach diesem Freitagabend eines Dreizehnten an die Arbeit gemacht. Dass er sich im Rumänischen Athenäum mehr als nur zurückgelehnt und entspannt der Musik gelauscht hat, dürfte jedem nach dem Lesen seiner Kritik klar sein. Er hat nachgedacht. Und seine Gedanken hatten ein wahres Labyrinth zu meistern, quer durch Religion, Zeitgeschichte und Musik, immer wieder Musik mit ihren Zufällen und wundersamen Fügungen. (Eine zweite Kritik von Alexandru Pătraşcu ist in einer der größten rumänischen Tageszeitungen, ADEVĂRUL, erschienen.) Mir jedenfalls hat sein Blog-Eintrag die langsam keimende Lust zum Schreiben richtig vergällt. Weil man aber von einer segensreichen rumänisch-deutschen Kulturzusammenarbeit auch im deutschen Sprachraum erfahren sollte, habe ich mich zu einer Übersetzung dieser rumänischen Kritik – vor allem, weil sie auf authentischen Konzerteindrücken und nicht auf Videoimpressionen fußt – entschlossen. Und das ist sie:

Die Tuba und der Totalitarismus

An einem Freitag, 13. März 2015, im Rumänischen Athenäum
Johannes Brahms: Tragische Ouvertüre op. 81
Ralph Vaughan Williams: Konzert für Tuba und Orchester
Ionel Dumitru: Rumänischer Tanz Nr. 2 für Tuba und Orchester
Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 5 in d-Moll op. 47
Solist: SIEGFRIED JUNG
Dirigent: WALTER HILGERS
Symphonieorchester der Philharmonie „George Enescu“

Ein nicht alltägliches, aber sehr reizvolles Konzert der Philharmonie „George Enescu“ konnte den Konzertsaal des Athenäums nicht ganz füllen. Schade, es hätte ein zahlreicheres Publikum verdient. Wie können wir uns unter diesen Umständen noch beklagen, dass der Saal des Palastes ungeeignet für symphonische Konzerte sei? (A.d.Ü.: Nicht nur München, auch Bukarest hat seine Konzertsaaldiskussion.)

Ein Programm, das dich zu verschiedenen metaphysischen Kombinationen anregt: eine tragische Ouvertüre, gefolgt von einem Tubarezital. Und aus Sicht der apokalyptischen Symphonie Schostakowitschs bekommt die Tuba die Bedeutung einer Tuba mirum, die das Ende der Welt verkündende Posaune des Erzengels Gabriel. Eine Aneinanderreihung von Weltuntergangsbildern, die nur durch die Musik neu bewertet werden kann. „Tuba“ heißt im Lateinischen „Trompete / Posaune“, obwohl das Instrument, das wir unter der Bezeichnung „Tuba“ kennen, das tiefste unter den Blechblasinstrumenten eines Orchesters ist. Und wenn dieses Instrument zur Interpretation des Konzertes von Vaughan Williams eingesetzt wird … erlangt der tiefe Ton eine so intensive, aber auch so beruhigende Farbe, dass man sich nur auf diese Art erklären kann, wie dieselbe biblische Posaune auch die Geburt Christi ankündigen kann, denn „Maria Verkündigung“, die jetzt bald am 25. März gefeiert wird, ist auch das Werk des Erzengels Gabriel.

Ich akzeptiere problemlos das Nasenrümpfen der Atheisten, Agnostiker und extremen Laizisten; es ist die einzige Erklärung, die ich für dieses Paradoxon der Tuba finden kann, ein Instrument mit der Fähigkeit, einen weichen und umgarnenden Klang zu generieren, mit dem Schein eines schweren und kostbaren Brokats in den Solopartien (Bydlo aus Mussorgskis „Bildern“ ist nur ein Beispiel), oder eine ungestüme, säbelhiebgleiche Rhythmik im Gesamtbau einer Symphonie (Berlioz’ „Symphonie Fantastique“ wäre ein anderes Beispiel).

Ein Detail, das dem Konzertplakat nicht zu entnehmen war: Außer dem Solisten Siegfried Jung standen gestern Abend noch zwei Tubisten auf der Bühne. Der Dirigent Walter Hilgers musizierte lange Zeit als Tubist in verschiedenen deutschen Orchestern, aber auch bei den Wiener Philharmonikern und in Bayreuth. (Das ist nichts Ungewöhnliches, auch Tiberiu Soare ist ausgebildeter Tubabläser.) Und in Schostakowitschs Symphonie wurde die Tuba-Stafette an den jungen Laurenţiu Sima, den Tubisten der Philharmonie „George Enescu“, weitergereicht. Es ist wirklich eine wahre Stafette, so unglaublich es auch klingen mag, denn die Tuba der Philharmonie wurde soeben mit einem neuen Mundstück aufgewertet, das „auf Bestellung“ mit der von Siegfried Jung vorgeschlagenen Qualitätsparaphe angefertigt wurde!

Das Konzert hat so normal wie möglich und fast brav begonnen, könnte ich hinzufügen.  Brahms' "Tragische Ouvertüre" wurde korrekt interpretiert, ohne Übertreibungen. Schlussendlich wurde Brahms’ Dilemma, seine Ouvertüre tragisch oder dramatisch zu nennen, überzeugend gelöst: nichts Tragisches, aber sehr dramatisch.

Der Anziehungspunkt des ersten Teils war aber eindeutig das Konzert für Tuba. Wenn Sie jemals „The Lark Ascending“ gehört haben, können Sie nachvollziehen, wovon die Rede ist. Wenn nicht, umso besser: Die Musik Vaughan Williams’ kann ebenso gut in diesem Konzert entdeckt werden, das 1954 für das Jubiläum des London Symphony Orchestra komponiert wurde. Wenn der erste Teil die Quellen ungeahnter Virtuositäten dieses Instrumentes sprießen lässt, wie auch der letzte Teil, ist hingegen die Romanze der nicht länger als eine viertel Stunde dauernden Komposition hinreißend. Ich habe nicht gedacht, dass diesem nicht sehr bekannten Konzert so viel Poesie und Betrachtungsmöglichkeiten innewohnen, vergleichbar mit dem Gefühl, das der Anblick eines Sonnenuntergangs in einer ländlichen Landschaft hervorrufen kann. Was Siegfried Jung betrifft, gehört ihm meine Bewunderung für die Art und Weise, wie er die Klangfarbe seines Instrumentes unverfälscht beibehielt, so schwierig es auch war, schnell in einem hohen Register, fast dauernd, zu spielen, uns dabei immer die romantische Seite dieses Messings zeigend. Wenn Sie wollen, genauso wie Boris Godunov durch seine verrückte Humanität die Menschen berührt, jenseits jedweder politischen Dimensionen, genauso wie der unerbittliche Philip II gleichrangig mit dem Untertänigsten von uns wird, wenn er in „Ella giamai m’amo“ der Last der Macht erliegt.

Am Donnerstag und Freitag war auch ein vierter Tubist im Saal des Athenäums: Ionel Dumitru, noch in aller Erinnerung als ein wahrer Tubazauberer. Stellen Sie sich Paganinis „Capricci für Violine“ gespielt auf der Tuba vor! Es ist der Virtuositätsmaßstab eines Künstlers, aber leider viel zu wenig bekannt beim breiten Publikum. Freilich hat Ionel Dumitru, 1997 endgültig in die Kulissen zurückgetreten, gestern Abend nicht gespielt. Es blieb der Beweis dieser unermüdlichen Gewandtheit aus dem „Rumänischen Tanz Nr. 2“, ein Juwel, eine der wenigen Kompositionen, in denen das Volksethos mit einem in anderen rumänischen Kompositionen selten anzutreffenden Charakter beschworen wird. Für Siegfried Jung war es kein Problem ihn perfekt zu interpretieren, so ausgewogen ist das Verhältnis zwischen klassischer und Volksmusik in diesem Tanz, nie zu idiomatisch, nie zu anspruchsvoll.

Schostakowitsch … Bevor man von der „5. Symphonie“ spricht, sollte man tief durchatmen. Zum Glück gibt es in einem symphonischen Konzert irgendwann auch eine Pause. Eine Pause vor einer Apokalypse ohne Erlösung - umso nötiger nach einem Gedicht. Denn davon ist im letzten Teil der Symphonie Schostakowitschs die Rede: nicht so sehr vom Triumph des Proletkultismus, wie ihm einige „Kenner“ vorgehalten haben, sondern der endgültigen Niederlage vor Stalin. Es war nie die Geschichte vom verlorenen, heimgekehrten Sohn. Es war schon immer die Geschichte eines in Ketten zurück ins Lager gebrachten und zur eigenen Umerziehung verdammten Menschen. Ein musikalisches Piteşti. (A.d.Ü.: In der Stadt Piteşti unterhielten die rumänischen Kommunisten ein berüchtigtes Umerziehungslager.)

Gibt es ein musikalisches Idiom des Kommunismus? Ich glaube, ja. Ein halbes Jahrhundert Totalitarismus in Osteuropa und 70 Jahre Sowjetismus in Russland haben in die Gene der aus dieser östlichen Randgegend stammenden Interpreten eine besondere Empathie für diese Symphonie, die das hiesige Publikum am besten versteht, eingepflanzt. Ein westlicher Dirigent kann diese Geschichte erzählen, aber er macht es so wie die Filmemacher mit „Doktor Schiwago“; das ist und ist keine Verfilmung von Boris Pasternak. Und vielleicht war diese subtile Distanzierung Walter Hilgers, unvermeidlich beim Fehlen eines Glaubensorgans (Tarkowski), das Treffendste. Schostakowitschs Symphonie endet unversöhnlich, bedrückend.  Es ist eine dunkle Apotheose des Stalinismus. Als einzige Erinnerung wäre auch an diesem Abend eine bedrückende Gemütswallung wie vor Jahren bei Christian Badea zurückgeblieben. Hier dieses Konzert bedeutete aber auch Licht, nicht nur Verbitterung.

Der erste Teil der Symphonie begann nicht sehr erfreulich: Mit dem Einsatz des Klaviers entstanden einige spürbare rhythmische Ungenauigkeiten im Orchester, die aber schnell korrigiert wurden. Im weiteren Verlauf entwickelte das Konzert sich einwandfrei, mit einer begrüßenswerten Betonung der Soloparts. So zum Beispiel das von der Geige mit einem Unschulds-Feeling intonierte Walserthema – hervorragend Cătălin Desagă, Konzertmeister bei Justus Franz. Schostakowitsch macht sich im zweiten Teil der Symphonie dessen schuldig, was George Orwell in „1984“ einen Mord des doppelten Denkens nannte. Eine reine Melodie, jungfräulich, ein Walser wie ein Spiel, ein von der Geige und verschiedenen Blasinstrumenten wiederholtes Thema, das dann vom Orchester in einer rauen Art und Weise übernommen wird. Als hätte man ein Kind vor Augen, das Lesen lernt, von Mal zu Mal besser, um dann in einem Chor zu landen, der ideologische Losungen deklamiert. Das ist der Sarkasmus in der Musik. Das ist aber auch ein Maß der Unkultur in der Mannschaft Schdanows, wo man die Zweideutigkeit Schostakowitschs nicht erkannt hat und ihn, ihm verzeihend, wieder in die Partei aufgenommen hat. Ist die „Symphonie Nr. 5“ ein programmatisches Werk? Zum Teil ja, denn eine Absichtserklärung beinhaltet schon der Untertitel: „Die kreative Antwort eines sowjetischen Künstlers auf die gerechte Kritik.“ Die Kulturaktivisten hatten wie üblich ad litteram gelesen. Die Zuhörer der Premiere sahen 1937 jenseits der Worte, und zwar im Bläserchoral des orthodoxen Begräbnisses aus dem dritten Teil der Symphonie, einen Moment, in dem die Musik dich deine Toten beweinen lässt.

Walter Hilgers hat das Orchester mit der Effizienz einer soliden musikalischen Erfahrung durch diesen symphonischen Diskurs geführt, sowohl Doppelsinnigkeiten als auch Zügellosigkeit vermeidend. Eine zurückhaltende Lesart. Respekt. Er hat sich sogar erlaubt, im Finale eine Hoffnung aufrechtzuerhalten, dort wo Schostakowitsch längst keine mehr hatte: Das Donnern der Perkussion wurde in dieser ausgeglichenen Manier beibehalten. Ein Dirigentenstab, der die Musik davon abhielt, uns zu treffen…

[aus dem Rumänischen von Anton Potche]

Walter Hilgers und Siegfried Jung
Symphonieorchester "George Enescu"
Siegfried Jungs Vater war zwar Trompeter und Gittarist in der Jahrmarkter Kaszner-Kapelle, er selber aber war Loris-Schüler in Osthofen, zu Beginn auch an der Trompete. Doch die sollte schon bald der Tuba weichen, und ein bislang erfolgreiches Musikerleben konnte seinen Anfang nehmen. Der Weg führte nach Weimar zu Walter Hilgers, einer der profiliertesten Tubisten der deutschen Musikszene und mittlerweile eine feste Größe auch im rumänischen Musikbetrieb.

Tja, und wie sich ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickeln kann, auch darüber erzählt zwischen den Reihen diese Konzertkritik eines rumänischen Musikliebhabers, dessen Steckenpferd die Oper ist. Und wenn beide, Lehrer und Schüler (natürlich ehemalige), im Mai Gastdirigent und Solist der  Philharmonie „Banatul“ sein werden, dann wird das besonders für Siegfried Jung ein Plus an Emotionen bedeuten, ist Temeswar doch seine Geburtsstadt und das nahegelegene Jahrmarkt (heute Giarmata), das Dorf, in dem es nie schwierig war Musikergenen zur weiteren Entfaltung zu verhelfen, der Heimatort seiner Eltern, also seiner eigenen Wurzeln.

Anton Potche 

Montag, 16. März 2015

Darf ich das überhaupt?

Darf ich als Deutscher für einen deutschen Offizier des Dritten Reiches Sympathien entwickeln, ja noch schlimmer, zu ihnen stehen und sich offen vor aller Welt zu ihnen bekennen. Zumal es sich auch noch um einen U-Boot-Kommandanten handelt, der mit einem einzigen Angriff  mehr als Tausend Männer, Frauen und Kinder auf dem Gewissen hat?

Ken Duken und Franka Potente
Quelle: SWR/ARD
Nun steh’ ich da und kann nicht anders. Ich habe den Film Laconia gesehen – eine deutsch-englische Produktion aus dem Jahre 2011 – und bin ergriffen. Und das noch einige Wochen danach. Diese schrecklichen und dann doch wieder so menschlichen Bilder wollen mir nicht aus dem Kopf. Und die Gesichter der Hauptprotagonisten, sie haben sich mir eingeprägt: der britische Offizier Thomas Mortimer (Andrew Buchan), die von der Deutschen Hildergard Schmidt zur Engländerin Hilda Shmith (Franka Potente) mutierte und zwischen die Fronten geratene Schwester eines Münchner Widerstandskämpfers, und besonders Kommandant Werner Hartenstein (Ken Duken). Drei Torbedos hat U 156 auf die Laconia auf seinen Befehl abgefeuert. Mit Erfolg. Ein Erfolg des Grauens - selbst für hartgesottene Seekrieger wie Hartenstein und seine Männer.

Das ist großes Kino, wie hier der Gewissenskampf des deutschen Marineoffiziers festgehalten wird. Nahaufnahmen der Gesichtszüge eines Menschen, der vor einer Entscheidung steht, die für viele Menschen – Zivilisten und italienische Kriegsgefangene – Tod oder Leben bedeuten kann. Was Hartenstein dann tat, ist nicht ohne Grund in die Geschichte eingegangen. Er hat alle, Feind wie Freund, die die sinkende Laconia noch verlassen konnten auf sein U-Boot oder in Schlepptau genommen. Ja, noch viel mehr: Er hat seine Position – 600 Seemeilen von der westafrikanischen Küste entfernt – auch den Amis, Engländern und Franzosen bekannt gegeben, um die Menschen in Sicherheit zu bringen.

Aber es war Krieg und die Fratze dieses scheußlichen Gemetzels zeigte sich auch in diesem Akt seltener Humanität. (Es muss zur Ehrenrettung anderer Kapitäne, unabhängig der Nationalität, erwähnt werden, dass noch ähnliche Fälle bekannt sind.) Sie, die Fratze, saß in einem amerikanischen Bomber, der das U-Boot und seine angehängten Rettungsboote mehr zum Spaß als aus strategischer Notwendigkeit bombardierte, was noch mal einige Opfer brachte.

Man lebt ja mit. Und denkt voraus. Ich habe mich während des Films gefragt, was wohl mit Hartenstein passieren werde, wenn er aus dieser Mission zurück in seinen Heimathafen kommen wird. Schließlich waren wir im Jahre 1942 und Hitler auf der Spitze seiner Macht. Wird die Gestapo ihn erwarten? Nein! Er wurde von Admiral Karl Dönitz (Thomas Kretschmann) ausgezeichnet und fuhr weiter zur See. Aber auch in diesem, für mich zumindest, überraschend positiven Ausgang steckt ein Keim des Bösen, ein Keim des nazistischen Vernichtungswahns. Dönitz hat Hartenstein zwar dekoriert, aber auch als Folge dieses ungewöhnlichen Kriegsvorfalls den sogenannten Laconia-Befehl erlassen, der solche Rettungsaktionen in Zukunft untersagte.

Liest man sich noch ein bisschen in die Materie ein, so wird man feststellen, dass Uwe Janson (Regie) und Alan Bleasdale (Buch) nicht nur sehr gewissenhaft recherchiert haben, sondern auch den realen Begebenheiten so nahe wie nur möglich geblieben sind. Dass ihnen dabei mehr, viel mehr als ein informativer Spielfilm gelungen ist, liegt wohl an der Entscheidung, einen Streifen zu drehen, der sowohl an Titanic als auch an Das Boot erinnert und doch nichts Epigonenhaftes in seinem Ablauf enthält.

Mit solchen Filmen wird die ARD ihrem Bildungsauftrag eines öffentlich rechtlichen Fernsehsenders im wahrsten Sinne des Wortes gerecht. Sie hat Laconia am Samstagabend, dem 7. Februar um 20:15 Uhr zur besten Sendezeit wieder gezeigt (Erstausstrahlung: 2. November 2011). Es geht also auch ohne billiges Gejodel und Gedudel – zumindest ab und zu.

Ich habe an jenem Abend ehrliche Sympathiegefühle für einen Marineoffizier des Dritten Reichs entwickelt, und sogar ohne mich dabei zu fragen, ob das nun der Political Correctness entspricht oder nicht. Denn eins ist klar, hätte es mehr dieser Sorte deutscher Offiziere gegeben, wäre uns der 2. Weltkrieg wahrscheinlich nicht erspart geblieben, aber er hätte bestimmt nicht so lange gedauert.
 Anton Potche

Laconia, D & GB, 2011, Regie: Uwe Janson, Darsteller: Franka Potente, Ken Duken, Andrew Buchan u.a., 180 Minuten

Montag, 9. März 2015

Lied XXXI


Gedicht vum George Coşbuc (1866 – 1918) 
iwersetzt in de Johrmarker Dialekt


Mei Motter waaß aus alter Schrift:
„Wann du zwaa Freinde host
Un etwas verschenke willst,
Such immer noh’m rechte Sinn.
Will ooner nicks un der anner vill,
Kannst alles em eerschte gewwe,
Weil der zwatt werd sich verstelle“.

Die Schrift erklär ich meiner Motter:
„Ich hun dich verstann;
Dich un e Mädche hun ich gere,
Du verlangst mer ab un zu e Bussl,
Des Mädche awwer verlangt's mer net.
Wenne moonst, noh deiner Schrift,
Dass ab un zu ich bussle misst“


Johrmark, 1982  
iwersetzt aus'm Rumänische vum Berns Toni



Mittwoch, 4. März 2015

Sein Leben galt der Musik

Es war an einem Sonntag, dem 25. Juli 2010, um 9:45 Uhr. Die nahe Kirchenglocke rief zum Gottesdienst, als ich zum Stift griff und einen Tagebucheintrag schrieb. In jenem Jahr hatte ich nur sieben Einträge zustande gebracht. Also musste mich damals irgendwas besonders bewegt haben.

Heute morgen, Samstag, den 28. Februar 2015, suchte ich in einer im Keller verstauten Plastikbox nach diesem Tagebuch. Ja, es war wieder etwas für mich Bewegendes vorgefallen. Meine Frau hatte mir beim Frühstück wortlos den DONAUKURIER mit den Traueranzeigen über den Tisch geschoben.

An jenem Sonntagmorgen des Jahres 2010 hatte ich zwei Heftseiten in kleiner Handschrift – bestimmt nicht schön anzusehen – beschrieben. Und so enden sie: „Jetzt ist es vorbei, mein Musikantenleben. Und es war wunderwunderschön. Ich will, solange meine Hirnzellen mitspielen, nichts davon in meinen Erinnerungen missen. Und vor allem bin ich meinem Schicksal dankbar, dass ich diese schöne Zeit erleben durfte. Leb wohl, schönes Musikantenleben!“ Klar: Pathetik pur. Aber so habe ich damals empfunden. Und dafür sind Tagebücher da. (Welchem Empfinden wird wohl die Pathétique Beethovens und Tschaikowskys entsprungen sein?)

Aber dass ein Musikantenleben nicht nur schöne Seiten hat, rief mir die Todesanzeige vor mir in Erinnerung: Bernd Maltry, *30. Juli 1949 - †17. Februar 2015. Sie war eigentlich der Anstoß zur Suche nach diesem Tagebuch. Und ich blätterte darin weiter zurück. Bei einem Eintrag vom 19. Januar 2006 stieß ich auf die vermutete Stelle. Also musste mich auch damals etwas besonders bewegt haben. Den Eintrag tätigte ich um 22:45 Uhr. Und mir läuft jetzt noch ein Schauer den Buckel runter, wenn ich ihn lese. Es war Trauer, Wut, Unverständnis und die Scham vor der eigenen Feigheit, nicht aufbegehrt zu haben – wie zwecklos auch immer das wohl gewesen wäre -, die ich heute noch aus diesen Zeilen herauslese: „Bernd Maltry, der  Leiter des Werkorchesters wurde heute gefeuert. Ja, so kann man diesen völlig unverdienten Rauswurf eines ganz, ganz hervorragenden Dirigenten nennen. [...] Begründung: Man strebe einen Generationswechsel an.“

Dann hat die Zeit ihre Schuldigkeit getan und den Schleier des Vergessens über jenen für mich so denkwürdigen Tag gelegt. Irgendwann, nach drei, vier Jahren, googelte ich Bernd Maltrys Namen und stellte beruhigt fest, dass er noch auf der Liste der Dozenten des Richard-Strauß-Konservatoriums im Gasteig, heute Hochschule für Musik und Theater München, geführt wurde. (Sein Student Alexander Kuralionok hat den Wettbewerb „coupe suisse de l’accordéon 2009“ gewonnen.)

Bernd Maltry dirigiert
das Audi Werkorchester
Bernd Maltry, der Dirigent, der das Werkorchester der Ingolstädter Autobauer auf eine hohe Leistungsstufe geführt hat, war ein außerordentlich gewissenhafter und detailbesessener Orchesterleiter. Das werden auch die Musikerinnen und Musiker der verschiedenen Landesakkordeonorchester, die er leitete, bestätigen. (Mit dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg bereiste er Russland, Kanada, Brasilien und die USA.) Er hatte ein ungeheuer breites Repertoire memoriert und dirigierte fast immer auswendig.

In den 1980er und -90er Jahren feierte er mit dem Audi Werkorchester wahre Triumphe. Die herbstlichen Wohltätigkeitskonzerte zugunsten der Ingolstädter Lebenshilfe gingen meistens vor ausverkauftem Haus über die Bühne. Bernd Maltry war im Jahre 1986 die Führung dieses Orchesters – damals nicht mehr als eine gute Blaskapelle mit standesüblichem Repertoire - anvertraut worden. Schon ein Jahr später vermerkte der Musikkritiker des DONAUKURIER anlässlich eines Wohltätigkeitskonzertes: „Auch im zweiten Teil, der verschiedene Märsche, Melodien von Bert Kaempfert oder Stimmungsbilder aus dem Süden beinhaltete, erlebte man das Audi-Werkorchester als einen musikalisch ungemein flexiblen, mit Präzision und rhythmischer Sicherheit agierenden Klangkörper, den Orchesterleiter Bernd Maltry mit bewundernswerter Sicherheit und Souveränität im Griff hat.“

Trotz der Erfolge blieb Bernd, wie wir, seine Musiker, ihn stets riefen, einer der Stillen und Bescheidenen seines Metiers. Ich weiß nicht, wie lange er Ingolstadt fernblieb. Jetzt ist er in seine Heimatstadt – mit dessen Akkordeonorchester er die Wettbewerbe des Internationalen Akkordeonfestivals 1978 in Ieper/Belgien sowie des Internationalen Akkordeonfestivals 1983 in Innsbruck gewann - zurückgekehrt, so als ob dort sein aus dem ehemaligen Banater Handwerker- und Musikantendorf mit dem so sehr nach Handel und Geselligkeit klingenden Namen „Jahrmarkt“ stammender Vater Hans Maltry (1922 - 1998) schon immer auf ihn gewartet hätte. Still und leise. Ohne Fanfarenklänge. Ohne öffentliches Aufsehen. „Im engsten Kreis der Familie“ ging er von hinnen. Unter seinem Namen auf der Todesanzeige in der Tageszeitung steht der Satz: „Sein Leben galt der Musik.“

Auf dem Friedhof südlich der Donau (Südfriedhof) hat Bernd Maltry nun seine letzte Ruhestätte gefunden. Und er ist hier in der Donaustadt wahrlich nicht in schlechtester Gesellschaft, ruht auf dem Friedhof nördlich der Donau (Westfriedhof) doch kein Geringerer als Adolf Scherzer (1815 - 1864), der Komponist des Bayerischen Defiliermarsches.

Ingolstadt, 28.02.2015
Anton Potche