Freitag, 31. Oktober 2014

Oktober 2014 – Giarmata in den Medien

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 01.10.2014
In Giarmata wurde eins der unter Memorialul Gheorghe Ene firmierenden Hallen-Fußballtourniere für Schüler des Jahrgangs 2006 ausgetragen. Die Achtjährigen von CS Millenium hatten folgende Ergebnisse zu verzeichnen:
CS Millenium Giarmata - CFR Timișoara  0:1
CS Millenium Giarmata – ACS Poli  1:4
CS Millenium Giarmata – Dumbrăvița  1:1
CS Millenium Giarmata – Ghiroda  4:2
+ + + Eine gute Sache, nachdem bis heute kein Mensch weiß, warum diese Turniere vor Jahren eingestellt wurden.  + + +

BANATER ZEITUNG, Timișoara / Temeswar; 01.10.2014
„Schweizer bauen Industrieparks und Häuser – Standorte im Großraum Temeswar angesiedelt“, titelt die deutsche Zeitung aus Temeswar. Siegfried Thiel berichtet von den Investitionsplänen der Schweizer Artemis Holding, die über ihre Niederlassung in Rumänien, Artemis Real Estate, „auf insgesamt 128 Hektar mehrere Industrie- und Wohnprojekte im Verwaltungskreis Temesch / Timiș“ realisiert. Weiter heißt es in dem Artikel: „Das größte Unterfangen unter den fünf ist jedoch jenes in Jahrmarkt, wo in der Nähe der Autobahn 103 Hektar den künftigen Swiss Park ergeben werde. […] Das Wohnprojekt bei Jahrmarkt wird seinerseits mehrere hundert Häuser umfassen.“
+ + + Ich hun mer fest vorgholl, so lang zu lewe, bis ich mei Aldi iwwerzeujt hun, nomol zrickzugehn. + + +

RENAȘTEREA  BĂNĂȚEANĂ, Timișoara / Temeswar; 03.10.2014
Auf einem Feld zwischen Giarmata und der Westautobahn (A1) haben Polizisten eine Cannabis-Anbaufläche entdeckt und die Anbauer sowie ihre Helfer verhaftet. Eine der verdächtigten Personen wurde direkt am „Arbeitsplatz“ dingfest gemacht. Der Mann schlief auf dem Feld, um die Kulturen zu bewachen.
+ + + Auch Nachtwächter sind vor den Gesetzeshütern nicht sicher. Und das ist gut so.  + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 03.10.2014
C4 (Liga III – Serie IV) – 6. Spieltag
CS Millenium GiarmataUTA Bătrâna Doamnă Arad  1:0
Tore: Roberto Artimon (7.)
Aufstellung Millenium: PăduraruArtimon, Oneț, Dancia, DiarraSorescu (60. Leonte), Fuchs, Mihuţa (80. Corlățean), Beloescu (87. Firan) – Mihalcea, Anagor (55. Gideon).
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  10
+ + + Sorescu ist gerade mal 17 Jahre alt. + + +

TION.ro, Timișoara / Temeswar; 09.10.2014
Ein 32-jähriger Mann aus Giarmata hat sich im Temeswarer  Einwohnermeldeamt ziemlich daneben benommen. Die zu Hilfe gerufene Polizei hat ihm eine Ordnungsstrafe von 700 Lei aufgebrummt.
+ + + Es gibt im Internet ziemlich viel Verständnis für das Ausrasten des Mannes. Da scheint in der Behörde etwas faul zu sein. + + +


SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 10.10.2014
C4 (Liga III – Serie IV) – 7. Spieltag
Minerul Motru - CS Millenium Giarmata  0:1
Tore: Sorescu (84.)
Aufstellung Millenium: PăduraruArtimon, Oneț, Dancia, DiarraFuchs, Firan (Leucă) – Sorescu, Fara (85. Soare), Beloescu (75. Leonte), Anagor (60. Gideon).
Tabelle: 3  Millenium Giarmata  13
+ + + Noch vier Punkte fehlen bis zur Spitze. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 11.10.2014
Liga V Timiș – Serie II – 9. Spieltag
Atletico Liebling - Millenium II Giarmata  2:4
Solventul Timișoara - Unirea Cerneteaz  1:0
Tabelle: 5 - Unirea Cerneteaz  18
              6 - Millenium II Giarmata  16
+ + +Die Zorner noch immer vor de Johrmarker. Asso des geht schun glei gar net. + + +

TIMIȘOARA online, Timișoara / Temeswar; 14.10.2014
Die neue Partei PMP (Partidul Mișcării Populare -Volksbewegungspartei) fasst langsam Fuß auch außerhalb der rumänischen Hauptstadt. Im Kreis Timiș / Temesch hat Giarmata eine Vorreiterrolle übernommen. Dort soll es schon 50 Mitglieder geben.
+ + + Achtung! Neue Streithähne sind im Anmarsch. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 17.10.2014
C4 (Liga III – Serie IV) – 8. Spieltag
CS Millenium Giarmata - Știința Turceni  2:0
Tore: Anagor (36.), Fuchs (79.)
Aufstellung Millenium: Păduraru (80. Luca) – Firan , Artimon, Dancia, DiarraFuchs, Sorescu, Muhuța, Beloescu  - Fara, Anagor (60. Gideon).
Tabelle: 2  Millenium Giarmata  16
+ + + Noch zwei Punkte fehlen bis zur Spitze. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 18.10.2014
Liga V Timiș – Serie II – 10. Spieltag
Atletico Liebling - Millenium II Giarmata – Unirea Ghilad  2:0
Voința Biled - Unirea Cerneteaz  3:1
Tabelle: 4 - Millenium II Giarmata  19
              6 - Unirea Cerneteaz  18
+ + +So schaut des schun besser aus: die Zorner hinner de Johrmarker. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 18.10.2014
In einem „Turnier der Freundschaft“ in der Sporthalle Giarmata haben Buben und Mädchen des Jahrgangs 2004 ihre Handball-Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Die Kinder aus Giarmata haben wie folgt gespielt:
CS Leu GiarmataLPS Banatul (Mädchen)  7-7
HC JimboliaCS Leu Giarmata  10-7
CS Leu GiarmataCS Diniăşanca  10-3
CS Leu GiarmataLPS Banatul (Jungen) 10-11
+ + + Handball ist in Giarmata noch ein Schülersport. Das muss (sollte) aber nicht so bleiben. + + +

ZiarulTimișoara.ro, Timișoara / Temeswar; 23.10.2014
Foto: Timișoara
Giarmatas Bürgermeister Virgil Bunescu (Foto) hat der Temeswarer Zeitung ein ausführliches Interview gewährt. Zu den Errungenschaften seiner bisherigen Amtsperiode nennt er 2,2 km asphaltierte und 15 km geschotterte Straßen, die komplette Renovierung der „Gymnasialschule (Școala Gimnazială), Klassen 1 bis 8, aus dem Dorfzentrum“, eine neue Sportanlage im Schulhof und schließlich die Fertigstellung der Umzäunung des „Friedhofs in Giarmata und jenes in Cerneteaz“.
Speziell nach Cerneteaz gefragt, erwähnt der Bürgermeister die Asphaltierung von sechs Dorfstraßen (3,6 km), die Renovierung des alten und den Bau eines neuen Schulgebäudes mit Sportanlage, die Einrichtung einer Arztpraxis und einer Apotheke und nicht zuletzt die Restaurierung der „historischen Brücke des Türken  (Podul Turcului) über die Alte Bega“, unter den Altjahrmarktern als Landgraben bekannt.
Zu den laufenden Projekten gehören die Einrichtung eines rund um die Uhr funktionierenden Notarztzentrums, das auch für die umliegenden Ortschaften tätig sein soll; ein neues Feuerwehrgerätehaus soll gebaut und eine lokale Polizeidienststelle eingerichtet werden. Und das alles bis zum „31. Dezember“. Weitere drei Straßen, Bătrână, Viilor und Nouă, werden saniert. Das heißt: Wasserversorgung, Kanalisation, Gehwege und „Zufahrten zu den Grundstücken der Menschen“.
Als Gemeinde mit „europäischem Anspruch“ werden natürlich neue Projekte ins Auge gefasst. Im Gemeindezentrum soll eine neue Schule auf einer Fläche von 3000 m² entstehen. Die dazu benötigten 1,5 Millionen Euro kommen aus einem Europatopf. Mit 1,5 Millionen Lei soll das Kulturheim modernisiert werden. Bunescu hofft, dass bis 2016 alle Straßen in Cerneteaz asphaltiert sein werden und die gesamte Infrastruktur in Giarmata zu 80 – 90 %  erneuert sein wird. In den beiden Ortschaften sollen auch drei Kapellen gebaut werden. Der Izvor-Park wird zu einem „Ort der Unterhaltung und Erholung“ hergerichtet und auch am Prinz-Eugen-Brunnen soll sich etwas bewegen. Nahe dem Strand sollen ein Thermalbad und ein Open-Air-Platz entstehen. Auch an ein „Hochzeitshaus (Casă a Căsătoriilor) “ mit Tanzsaal, „in dem auch Taufen und Totenmahle“ abgehalten werden können, wurde gedacht. 15 Sozialwohnungen und eine Sozialkantine will man bauen. Mit dem Ertrag eines angestrebten Fotovoltaikparks soll kostengünstig Strom für das Rathaus, die Schulen und Kulturhäuser der Gemeinde, also inklusiv Cerneteaz, erzielt werden.
Foto: Primăria Giarmata
+ + + De neie Park an der Miehl (Foto) hot de Dorfrichter gar net erwähnt. Ich hun des wie immer meiner Fraa aah jetz vorgeles un mei Lied vun der geliebt Heimat ongschlaa. Ich hun mer gedenkt, wann’s do net waach werd… Hm, es hot mich norr schief ongschaut un mi’m Zeigefinger uf sei Stern gewies. Awwer ich moon, es hot mei Stern gemoont. + + +

RENAȘTEREA  BĂNĂȚEANĂ , Timișoara / Temeswar; 24.10.2014
Nicht besonders einladend sieht ein Parkplatz an der Kreisstraße (DJ) 691 Timișoara - Pișchia kurz vor der Autobahnanschlussstelle bei Giarmata aus. Das sei „beschämend für diesen Landesteil, wo man noch immer glaubt, man wäre der Nabel der Zivilisation“, schreibt das Blatt.
+ + + Es gebt sogar e korzes Video vun dem Parkplatz. Des weis ich meiner Fraa awwer net. Sunst … + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 25.10.2014
C4 (Liga III – Serie IV) – 9. Spieltag
CS Ineu – CS Millenium Giarmata   0:2
Tore: Mihuţa (37. und 79.)
Aufstellung Millenium: Păduraru – Firan, Artimon, Dancia, Diarra – Sorescu, Fuchs, Mihuţa (82. Corlăţean), Beloescu (85. Leonte) – Fara (80. Gideon) – Anagor (60. Boldea).
Tabelle: 2  Millenium Giarmata  19
+ + + Der fünfte Sieg in Folge und das sechste Spiel ohne Gegentor. Das ist Vereinsrekord und zeigt, dass nicht nur bei Bayern München Rekorde gebrochen werden. Wer weiß, vielleicht trifft man sich ja bald in der Champions League.  + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 25.10.2014
Liga V Timiș – Serie II – 11. Spieltag
ACS II Poli Timișoara - Millenium II Giarmata  7:1
Unirea CerneteazRapid Săcălaz  5:3
Tabelle: 3 - Unirea Cerneteaz  21
              7 - Millenium II Giarmata  16
+ + + Mit Zorn auf die Zorner blicken, das bringt nichts. Besser spielen ist ratsamer. + + +

SportTim.ro, Timișoara / Temeswar; 31.10.2014
C4 (Liga III – Serie IV) – 10. Spieltag
CS Millenium Giarmata - CS Nova Mama Mia Becicherecu Mic  1:2
Tore: Luță (8.) und  Toma (31.) für die Gäste sowie Gideon (88.) für die Giarmataer
Aufstellung Millenium: George Păduraru –  Cristian Dancia, Roberto Artimon, Ionel Mihuța, Cristian Fara (65. Ajebidimi Gideon), Marian Fuchs, Deian Sorescu, George Beloescu (77. Romică Corlățeanu), Anagor Ifeanji (57. Ionuț Boldea), Andrei Firan (85. Paul Leonte), Abboulaie Diarra
Tabelle: 3  Millenium Giarmata  19
+ + + 14 (vierzehn) Zuschauer haben diesem Spiel im Giarmataer Stadion „Nicu Moraru“ beigewohnt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das mit den Bayern so schnell nichts wird.   + + +

FOAIA de GIARMATA, Timișoara / Temeswar; Oktober 2014
„Der Schulhof wurde gepflastert, das Gras gemäht, und um Ordnung und Disziplin aufrechtzuerhalten, wurden auch Müllbehälter aufgestellt. Der Innenraum des Schulgeländes erweckt den Eindruck, im Hof eines neamț [Deutschen] zu sein, in dem alles vor Sauberkeit glänzt.“ So steht es in einem Artikel mit der Überschrift „Der Schulhof von Jahrmarkt, eine Oase der Ruhe“.
In einem anderen Artikel heißt es, dass man das Umfeld der Sporthalle mit neuem Rasen und Zugangswegen versehen hat. Dort hat es Probleme mit dem hohen Grundwasserspiegel gegeben. Die wurden jetzt mittels eines gebauten Kanals gelöst. Ferner wird berichtet, dass in der strada Nouă (Neugasse) Sanierungsarbeiten angelaufen sind. Ab 25. Oktober wird auch in der strada Viilor (vormals Hintere Reihe) modernisiert. Für das geplante Notarztzentrum wurde das Fundament schon betoniert, während andere Gebäude für jeweils ein medizinisches Kabinett (cabinet medical), die Feuerwehr und die Polizei umgebaut wurden.
Die Volksmusiksängerin Liliana Laichici war angenehm überrascht von der „ruga“ im September: „In den letzten Jahren sind die >rugi< (Kirchweihfeste) nur  Unterhaltungsveranstaltungen. Aber hier ist es viel mehr, es ist ein Kulturereignis.“
+ + + Solle die vleicht sogar in der Neigass die Wassergrawe als Kanal forr die Wasserleitungsrohre vertiefe un noh zuschidde? Noh muss ich ne, de Wassergrawe, halt in meim Kopp Platz mache, weil sie gheere zu meiner Kindheit mit Raawre un Schandare. + + +

Montag, 20. Oktober 2014

Ein Übersetzer und sein Autor auf Lesereise

Verlangt die Logik eigentlich nicht eine Umkehr dieser Formulierung: Ein Autor und sein Übersetzer auf Lesereise? Natürlich. Aber hier führt nun mal der Übersetzer die meiste Zeit das Wort. So war es auch bei ihrem Auftritt in der Stadtbücherei Ingolstadt. Der Rumänische Freundeskreis Ingolstadt e.V. hatte zur Lesung geladen und rund 40 Zuhörer wollten den Schriftsteller, Journalisten und Übersetzer Jan Cornelius sowie den Autor Dan Lungu bei ihrer gemeinsamen Lesung erleben. Und sie mussten ihr Kommen nicht bereuen; das sei schon mal vorweggenommen.

Dass bei dieser Lesung der Übersetzer und nicht der Autor überwiegend das Wort führte, ohne dass Letzterer dabei ins Hintertreffen geriet – was wiederum auf ein eingespieltes Duo hindeutete -, ist der simplen Tatsache zuzuschreiben, dass der Autor rumänisch schreibt, die Lesung aber in Deutschland, also vor deutschem Publikum stattfand. Soweit die Theorie. Aber die Veranstaltung verlief dann doch eher nach dem rumänischen Muster „teoria ca teoria, dar practica ne omoară“ (Theorie wie Theorie, aber die Praxis bringt uns um.)

Ramona Trufin, die beherzte Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Technischen Hochschule Ingolstadt und Vorsitzende des Freundeskreises, sagte einführend, der Schriftsteller und Conferencier für Soziologie an der Universität Alexandru Ioan Cuza in Iași / Jassy, Dan Lungu, sei ihr sogar als Fernsehstar bekannt, und Jan Cornelius zählt ihn zu den „ersten vier, fünf Schriftstellern Rumäniens“. Zum Einstieg in die Lesung, gab der Übersetzer dann auch zuerst dem Autor das Wort, „um die Musikalität der rumänischen Sprache zu vermitteln“.

v .r.: Ramona Trufin,
Dan Lungu, Jan Cornelius
Dass die aber im Auditorium bestens bekannt war, zeigten schon die Reaktionen nach den ersten Sätzen aus dem Roman Sînt o babă comunistă. Man hätte diesen Abend wahrscheinlich auch ohne den Übersetzer bestreiten können. Obwohl die Theorie der Praxis mal wieder eins ausgewischt hatte, kam niemand zu Schaden; im Gegenteil, die sich schnell einstellende Heiterkeit hielt bis zu den anschließenden Diskussionen an. Das war der geschickten Dramaturgie der Lesung zu verdanken. Nachdem das Publikum nämlich bestens mit der Musikalität der rumänischen Sprache vertraut war, übernahm Jan Cornelius die Regie. Er las aus der deutschen Fassung dieses Romans, für die er selber verantwortlich zeichnet und die unter dem Titel Die rote Babuschka 2009 im Residenz Verlag erschienen ist. Dabei zog er den Autor immer wieder ins Gespräch. Ramona Trufin übersetzte simultan für Dan Lungu, der rumänisch antwortete, was wiederum von Jan Cornelius deutsch wiedergegeben und ab und zu auch ergänzt wurde. Das liest sich hier komplizierter, als es in Wirklichkeit war. Diese Mischung aus Lesung und zweisprachigem Dialog hatte eine erfrischende Kurzweiligkeit. Das war natürlich auch dem Roman selber und der deutschen Übersetzung zu verdanken.

Das Buch ist in 29 kurze Kapitel eingeteilt, deren Aufeinanderfolgen wie Filmszenenübergänge wirken. Und sie erzählen vom Leben im rumänischen Kommunismus. Doch weder larmoyant, noch anklagend, aber auch nicht verharmlosend oder gar beschönigend wie die hierzulande oft diskutierte Ostalgie – und das obwohl die Hauptprotagonistin, Emilia Apostoae, von ihrem Leben in der Ceaușescu-Zeit schwärmt. Die Art und Weise, wie sie es aber tut, ist so ulkig, so unschuldig, dass man ihre Nostalgie nur schwer als ernstzunehmendes Systemnachweinen wahrnehmen kann. Es ist eher eine auf meisterhafter Tragikomik beruhende Lächerlichkeitsoffenbarung eines von innen faulenden Gesellschaftssystems.

Was die belustigten Zuhörer – einige von ihnen hatten ihre eigenen Erfahrungen im Rumänien jener Zeit gemacht – bei dieser Lesung in Ingolstadt geboten bekamen, war natürlich ein krasses Kontrastprogramm zu Herta Müller, Richard Wagner, Johann Lippet, Horst Samson, William Totok  und einigen anderen.

Ein Zuhörer meinte dann auch, es wäre ein großes Verdienst des Autors, die für viele so schreckliche Ceaușescu-Diktatur auf diese humorige Art zu schildern. Dan Lungu erzählte darauf sehr bildhaft, wie er als Student der Soziologie auf der Suche nach einer Gewährsperson für ein Studienprojekt auf diese sympathische Moldowenerin gestoßen war. Er wollte die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen in den rumänischen Fabriken der damaligen Zeit erforschen und war auf die schlimmsten Aussagen vorbereitet. Zu seiner Überraschung erzählte die Frau ihm aber nur, wie toll sie sich damals durch die Mangeljahre geschlagen hätte. Diese Selbstdarstellung in einem immer rosiger werdenden Kommunismus hätte ihn damals zuerst erzürnt, sei aber dann doch in der Gestalt der Emilia einem ganz anderen Zweck, nämlich dem literarischen, zugeführt worden. „Ich schreibe keine politischen, sondern psychologische Romane“, sagte er. Und das mit besonders guten Dialogen, darf man schon bei einem flüchtigen Schmökern durch die Seiten des hier zur Lesung gekommenen Romans sagen.

Wie viel Cornelius in der deutschen Fassung denn wohl stecke, wollte ein Zuhörer wissen. Natürlich sei immer etwas vom Übersetzer in einer anderssprachigen Fassung eines literarischen Werkes, aber er, Cornelius, habe sich alle Mühe gegeben, die Authentizität des Originals wo nur möglich zu bewahren. Er glaube, das sei ihm gelungen, da er selber in Rumänien gelebt, studiert und unterrichtet habe.

Eine gelungene Übersetzung – und das ist die hier vorgestellte, nach den vorgelesenen Passagen und den Reaktionen des Publikums urteilend – ist natürlich für nur deutsch Lesende besonders wichtig. Wer aber noch nicht ganz aus dem Rumänischen heraus ist, der dürfte mit der Originalfassung noch mehr Spaß haben. Da viele bei der Diskussionsrunde spontan in ihre rumänische Muttersprache fielen, könnten auch so manche Exemplare von Sînt o babă comunistă über den reich bestückten Verkaufstisch – auch mit deutschen Originaltiteln von Jan Cornelius – gegangen sein. Dem Übersetzer und seinem Autor, Pardon (übrigens eine Romanfigur), dem Autor und seinem Übersetzer sei es gegönnt.

Mir in dieser Stadt und seinem Umland bekannte Siebenbürger Sachsen oder Banater Schwaben – und das sind nicht wenige – habe ich bei diesem deutsch-rumänischen, Pardon, rumänisch-deutschen Literaturabend nicht gesichtet. Ob auch Personen ohne rumänische Wurzeln im Saal waren, ist mir auch nicht bekannt. Auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, dass man auch hier (wie bei den rumäniendeutschen Aussiedlern seit Jahren) mehr unter sich war. Mit dieser Situation wird der erst zwei Jahre alte Rumänische Freundeskreis Ingolstadt e.V. wohl zurechtkommen müssen. Integration in Deutschland bedeutet auch nur ein Nebeneinander und keineswegs ein Miteinander. Und das kennt die deutsche Siedlungsgeschichte in Rumänien nicht anders.

Umso interessierter an dieser Lesung zeigte sich aber dann doch noch eine waschechte Ingolstädterin: Marieluise Fleißer (Foto: Hintergrund). Sie hörte schon aufmerksam hin, als die Protagonisten dieses Abends ihren Auftritt besprachen. 

In der Erzählung Allibert von der Publikumspreisträgerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2014, Gertrud Klemm, fand ich diesen Satz: „Zita versucht, sich auf die Lesung zu konzentrieren, viele sind nicht gekommen, die meisten verausgaben sich bei den wahren Künstlern dieser Stadt, bei den Operettensängern und den pensionierten Schauspielern und Politikern, bei den Blasmusikkapellen und Musikschulkonzerten, bei all denen, die immer schon die Kulturlandschaft der Stadt dominiert haben, […].“
Text & Fotos: Anton Potche

Montag, 13. Oktober 2014

Zu Besuch bei alten Weggefährten

Es war im Winter, irgendwann in den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ich war beim Schneeschaufeln. Eine Frau in einem langen Pelzmantel näherte sich. Sie ging gebeugten Hauptes, so als suche sie etwas. Vor mir blieb sie stehen und fragte, ob ich keine Handtasche gefunden hätte. Sie beinhalte ihre persönlichen Papiere inklusive Reisepass. Sie könnte sie hier in dieser Straße verloren haben. Das konnte ich leicht nachvollziehen, denn nur wenige Häuser entfernt wohnten einige Musiker des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt. Die ziemlich verzweifelt wirkende Frau vor mir war wahrscheinlich in diesem Haus gewesen. Ich hatte in ihr nämlich Liana Issakadze erkannt, was ich mir aber nicht anmerken ließ. Umso eifriger schaufelte ich aber drauflos; auch den Nachbarn hatte ich an diesem Tag eine Winterarbeit erspart und sogar einen Teil der Fahrbahn vor unserem Anwesen freigeräumt. Leider vergebens. Die Frau bedankte sich herzlich und ging mit dem Blick auf die Schneedecke gerichtet weiter. Ob sie ihre Handtasche je wieder gefunden hat, habe ich nie erfahren.

Aber diese schon etwas verschwommenen Bilder von vor ca. 20 Jahren, waren jetzt plötzlich in meinem Kopf. Denn sie war zurückgekehrt, Liana Issakadze, von 1981 bis 1996 Leiterin des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt, auf die Bühne des Ingolstädter Festsaales, inmitten ihrer noch aktiven Georgier von damals und junger Musiker des Orchesters. Dieser Klangkörper wird heuer 50 Jahre alt. Seine ersten 26 Jahre verbrachte er als Staatliches Georgisches Kammerorchester in Tiflis und die folgenden 24 Jahre als Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt in der Stadt an der Donau. Und da wollte man einen Weltstar aus den eigenen Reihen unbedingt dabei haben. Und sie ist gekommen, die zurzeit in Paris und Grasse, eine von Ingolstadts Partnerstädten, lebende Oistrach-Schülerin Liana Issakadze. Im Gepäck hatte sie ihre Geige und Johannes Brahms’ (1833 – 1897) Violinkonzert D-Dur op. 77.
 
Das in der barocken Tradition des Dreisatzes komponierte Stück – übrigens das einzige Violinkonzert Brahms’ – beinhaltet schon im ersten Satz eine atemberaubende Kadenz. Das war Leidenschaft pur, wie Liana Issakadze hier ihrer Geige die Töne entlockte. Nicht nur das Auditorium, auch die Musiker saßen wie Statuen da, besonders die alten Weggefährten aus den stürmischen Zeiten des ausklingenden vorigen Jahrhunderts. Wie entgeistert erzählte die georgische Geigerin auf ihrem Instrument. Und sie hatte bestimmt jedem etwas zu sagen. Genau was, blieb jedem einzelnen überlassen, und man wird es nie erfahren. Schließlich ging man damals ja nicht gerade in Freundschaft auseinander.

Der zweite Teil beginnt mit einem tiefen Horneinsatz auf den sich ein fabelhaftes Thema für die Oboe entfalten kann. Die Geigerin vor dem Orchester lauschte gespannt. Sie kennt diesen berückenden, ganz leicht vibrierenden Ton. Er hat etwas Eigenartiges, mit hohem Erkennungspotential ausgestattet an sich. George Kobulashvili ist seit 1993 der einzige Bläser des Kammerorchesters. Er gehört also zu den alten Weggefährten. Was drückten diese Gesichtszüge Liana Issakadzes wohl aus. Der Ernst in ihnen war nicht zu verkennen. Als würde eine tiefe Ehrfurcht vor der musikalischen Antwort des Mitstreiters aus alten, bewegten Tagen die Stargeigerin ergriffen haben. Dem Zuschauer im Saal blieb die Deutungshoheit überlassen.

Der dritte Satz ließ die Adagio-Gefühlswelt schnell hinter sich. Feuer lag in diesem Allegro giocoso, ma non troppo vivace. Und wer aus dem pannonischen Raum oder seinen Rändern  wie ich stammt, mit dem gehen sofort die Gäule durch, weit über die ungarische Steppe dahinfliegend. Das war das Gefühl der endlosen Freiheit schlechthin. Aber Ariel Zuckermann, der Mann am Pult, der das Orchester von 2006 bis 2011 durch eine erfolgreiche Zeit führte, hatte die Zügel fest in der Hand. Er kennt das schäumende Temperament der Georgier und ließ ihm nur dort freien Lauf, wo es angebracht war. Grandios dieser Schluss, nachdem man schon den Eindruck hatte, die Violine würde in einem melancholischen Dahindämmern das Werk ausklingen lassen. Musikwissenschaftler sprechen von einem Plagalschluss, ähnlich dem abklingenden Amen in einem Gebet. Umso berauschender brauste dann aber der Schlussakkord auf.

Der Weg zum Höhepunkt dieses bemerkenswerten Jubiläumskonzertes führte über einen sehr differenzierten ersten Konzertteil: Sulchan Nassidse (1927 – 1996) und Ludwig van Beethoven (1770 – 1827).

Fotos: Programmheft
Wie kommt man fast ganz ohne Melodie aus und kann den Zuhörer doch bis zu den sterbenden Tönen der zwei sich etwas zuflüsternden ersten Geigen fesseln? So, wie der Georgier Sulchan Nassidse es komponiert hat und seine Georgier es umgesetzt haben. Das Ingolstädter Orchester hat diese Kammersinfonie Nr. 3 schon länger im Programm. Und das sie auch Ariel Zuckermann nicht fremd ist, war an der atemberaubenden Sicherheit und dem perfekten Zusammenspiel von Musiker und Dirigent zu erkennen. Musik die in unsere Zeit reicht. Da kam ein Rock-Gefühl auf, obwohl nur Streicher auf der Bühne saßen. Nur schöner, verträglicher und vor allem abwechslungsreicher als so manche Rockmusikdarbietung. Selbst im Fortissimo, als die Musiker ihre Instrumente regelrecht bearbeiteten, behielt der reine, auch in fremdartig anmutenden Harmonien eingebundene Klang die Oberhand. Musik pur ohne jedwede Lärmgeräusche.

Ein Standartwerk der symphonischen Musik ist Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 77. Und wieder mal hat das Georgische Kammerorchester Ingolstadt gezeigt, dass es auch der großen Orchesterliteratur gewachsen ist. Verstärkt mit den nötigen Blas- und Perkussionsinstrumenten entfaltete sich schon nach den ersten Takten ein Klangzauber, der stark zu dem des vorangegangenen Werks kontrastierte. Poco sostenuto – Vivace ging es los. Tänzelnd. Rhythmisch nicht übertrieben schnell, sodass Themenübernahmen von einem Instrument zum anderen sich zu einem wahren Hörgenuss entfalten konnten. Allegretto. Dieser zweite Satz beginnt mit einem Ohrwurm. Wunderbar frasiert von den Celli und  Contrabässen, wurde hier ein Klangteppich ausgebreitet, auf dem die folgenden Instrumentaleinsätze gar nicht anders als weich klingen konnten. Scherzo. Presto. Dieser Satz beginnt mit einem Hornthema, das von der Oboe übernommen und weitergeführt wird. Hier entfaltete sich ein Melodienzauber, der für viele Menschen erst Musik ausmacht. Im Allegro con brio steuerte das Orchester schließlich unter den energischen Armschwingungen Ariel Zuckermanns – er dirigierte ohne Taktstock – der Konzertpause zu. Man erzählt von dieser Sinfonie immer wieder in politischen Zusammenhängen. Sie entstand in der Napoleon-Zeit, und man weiß, dass Beethoven kein unpolitischer Mensch war. Diese Aufführung der Georgier hat aber eindeutig gezeigt, dass es viel schöner ist, wenn die Musik für sich allein steht. Sie braucht wahrlich keinen politischen Hintergrund.

Foto: Anton Potche
In der Konzertpause liefen über eine Filmleinwand Bilder aus der bewegten Geschichte des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt. Teil dieser Geschichte ist und bleibt die Dirigentin und Geigenvirtuosin Liana Issakadze. Vor allem ihr galten zum Schluss dieses Jubiläumskonzertes die standing ovation und Bravorufe. Als Dankeschön spielte sie noch eine Bach-Variation. Natürlich pures Virtuosentum.

Zu Hause suchte ich in meinen Tagebüchern nach dem Tag mit der verlorenen Handtasche. Und fand nichts. Er, der Tag, muss einer meiner Schludrigkeitsperioden zum Opfer gefallen sein. Doch als ich meine Frau fragte, ob sie sich erinnern könnte, lächelte sie nachsichtig und bestätigte mir: „Ja, ja, ich kann mich erinnern. Da war mal was.“
Anton Potche

Nachtrag
Bei allen euphorischen Gefühlen, die dieser Abend bei mir ausgelöst hat, konnte ich eins nicht verstehen: Wieso hat diese weltgewandte und erfahrene Musikerin zum Ende ihres umjubelten Auftritts nur dem ersten Cellisten – ein Gefährte aus gemeinsamer Orchesterzeit – die Hand gereicht und nicht auch dem jungen Konzertmeister - ein Sohn eines der alten Weggefährten?

Montag, 6. Oktober 2014

Ein Tag der Kontraste in Ingolstadt

Auch an diesem Tag, es war der 27. September 2014, ein Samstag, hielten die Wolken ihre hartnäckige Stellung über Ingolstadt. Manchmal scheint es, als hätten sie eine Liebesbeziehung zur Donau. Doch um Punkt 14 Uhr waren sie weg und die Sonne zeigte sich in bester Herbstlaune über den Dächern der Stadt.

Genau zur rechten Zeit, denn am Münster zu Unserer Lieben Frau startete gerade der Volksfestzug anlässlich des 40-sten Herbstfestes, die Ingolstädter Wiesn, kleiner aber ebenso fein wie die Münchner. Natürlich war auch ich unterwegs. Und nicht nur ich. Menschen, Menschen und noch mal Menschen, in den Cafés sitzend oder die Straßen säumend. Allesamt in froher Erwartung des kommenden Festzuges.

Vereine der Stadt und Region zogen winkend vorbei. Es wurde zurück gewunken. Man kennt sich noch in dieser Großstadt mit dem noch nicht ganz verwischten dörflichen Flair. Und Blaskapellen. Mit denen ist die Region reich gesegnet. Manchmal hatte man als Zuschauer Mühe, den Ursprung eines Marsches auszumachen. Kommt er von rechts oder ist es schon der von links.

Die bunten heimischen Trachten wurden bereichert von den vor Jahren hinzugekommenen Festtagskleidern der Vertriebenen und Aussiedler oder anderen längst hier heimischen Menschen anderer Nationalitäten. Die Egerländer in ihrem unverkennbaren Braun, die Siebenbürger Sachsen in ihren kunstvoll bestickten Frauentrachten und die Männer in ihren Pelzen, die Banater Schwaben in ihrer Kirchweih- und Arbeitstracht – ohne Arbeit kein Feiern -, auch die Zipser waren dabei; man sah Trachten vom Balkan und eine slowenische Blaskapelle, die übrigens auch tags zuvor für die Marschmusik beim Einzug der Festwirte auf’s Herbstfest, die offizielle Bezeichnung der Ingolstädter Wiesn, verantwortlich war.

Voran schritten natürlich die Honoratioren der Stadt. Früher waren das laut Wikipedia der Lehrer (Schulmeister), der Pfarrer, der Richter, der Arzt, der Tierarzt, der Postmeister, der größte Bauer am Ort oder – falls vorhanden – ein Fabriksbesitzer. Heute sind es meist Politiker.

Weil der Festzug heuer länger als sonst war  und auch einen längeren Weg durch die Altstadt eingeschlagen hatte, geriet er öfter ins Stocken, was den vielen Zuschauern nur recht war, denn so konnten sie die Trachten in aller Ruhe bestaunen und sich darüber austauschen. Sie sahen ein lebendes Bild ihrer Heimat, eines noch überschaubaren Zuhauses für alle, Mitwirkende wie Zuschauer, weit weg von den Unruhen und Epidemien dieser Welt.

Wirklichkeit oder doch nur Trugbild? Auf dem Heimweg begegnete ich einem Demonstrationszug. Männer und Frauen aus der Türkei und dem Orient protestierten gegen die Terrormiliz IS in oder an den Grenzen ihrer Heimat. Vor dem Café Mohrenkopf knieten sie nieder und sprachen ihre Gebete oder Losungen in einer mir fremden Sprache. Ich blieb wie viele Heimfahrer vom Festzug stehen. Meine freudige Gänsehaut von vorhin verwandelte sich augenblicklicht in ein schüttelfrostähnliches Empfinden.

Diese Menschen sorgen sich um Angehörige, Freunde und Bekannte in ihren Heimatländern. Ich dachte an die rumäniendeutschen Trachtengruppen im Volksfestzug. Sie könnten diese Menschen hier, vor allem Kurden, aber vielleicht auch Angehörige anderer Nationen – Ingolstadts Migrantenanteil liegt immerhin bei 40 Prozent der Bevölkerung - am besten verstehen. Heuer vor 25 Jahren saßen sie, die Rumäniendeutschen, in der Weihnachtszeit vor den Radios und Fernsehern und machten sich in den Wirren der rumänischen Dezemberrevolution ähnliche Sorgen um Angehörige, Freunde und Bekannte.

Und noch jemand fiel mir ein. Struck, hieß der Mann, Peter Struck, seines Zeichens Verteidigungsminister von 2002 bis 2005. Er sprach damals von der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch. Und wurde dafür verhöhnt. Heute stehen wir vor Flüchtlingsströmen bisher unbekannten Ausmaßes aus dieser Region. Die Menschen in dem Demonstrationszug marschierten gegen den Terror. Sie riefen auf zu Solidarität im Kampf gegen die IS-Banden. Und so erhoben sie ihre Stimme auch für unsere Sicherheit, für unser sorgenloses Heimatgefühl.

Auch wenn meine zwei Gänsehäute an diesem Nachmittag stark kontrastierten, bin ich für beide dankbar. Einmal für das Heimatgefühl und ein andermal für ein spontan gespürtes Solidaritätsgefühl mit einem Teil der Migranten in meiner Heimatstadt. Der andere Teil saß im Zelt bei Hähnchen und Bier oder war auf dem Heimweg wie meine Wenigkeit. Auch die beim Festzug gesichteten Stadträte waren um diese Zeit im Bierzelt – man kann ja nicht überall sein. Nur die Ingolstädter Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Eva Bulling-Schröter (auf dem Foto mit Hund), bekundete im Demonstrationszug  ihre Solidarität mit den Demonstranten.
Fotos & Text: Anton Potche

Freitag, 3. Oktober 2014

Discurs de Ziua Unității Germane

Începând din anul 1997 oraşul bavarez Ingolstadt sărbătoreşte Ziua Unităţii Germaniei cu un discurs, ţinut de o personalitate din viaţa culturală, socială sau politică. Festivitatea poartă numele Discursuri la Unitatea Germaniei - Reden zur Einheit Deutschlands. Primul vorbitor era scriitorul polonez Andrzej Szczypiorski (1928 – 2000). Anul acesta a ţinut Klaus von Dohnanyi (*1928), fost Ministru pentru Cultură şi Ştiinţă şi Primar General al oraşului Hamburg o cuvântare urmărită cu mult interes de politicieni, oameni de cultură şi cetăţeni din Ingolstadt.

Politicianul social-democrat din nordul Germaniei a inclus unirea celor două state germane, proces lansat de masele populare din fosta RDG în anul 1989 şi finalizat politic un an mai târziu, într-un larg context istoric, accentuând însă evenimentele de acum 24 respectiv 25 de ani. La începutul alocuţiunii sale von Dohnanyi s-a adresat direct politicienilor social-democraţi din sală, amintind că multe nume sonore din partidul lor şi al lui au privit atunci unirea cu mult scepticism, unii tăgăduind-o chiar. Din puctul lui de vedere, această poziţie „a fost groaznică“.

Dar şi vecinii Germaniei nu erau chiar entuziasmaţi de unirea celor două state. „Noi germanii numai atunci nu i-am neliniştit pe vecinii noştrii când eram scindaţi în multe state mici“, a spus vorbitorul, pricinuind puţin mai târziu zâmbete în rândul auditoriului, povestind că doamna Thatcher ar fi declarat în 1990 „că ea este împotriva unirii pe motiv că există pur şi simplu prea mulţi germani“.

O mare parte a discursului a fost dedicat urmărilor evenimentelor de acum un sfert de veac, în Europa ca şi în restul lumii. Rolul Germaniei în procesul de integrare europeană a crescut şi răspunderea pentru reuşita acestui proces este enormă. Acest rol include şi „sprijinirea statelor ca Cehia, Ungaria, România, Bulgaria şi altele“, a spus von Dohnanyi, ignorând manuscrisul din faţa sa. Şi aici politicianul social-democrat nu s-a jenat de a aminti şi contribuţia cancelarului actual al Germaniei – preşedintele Partidului Democrat Creştin (CDU) - cu simpla propoziţie: „Doamna Merkel acţionează foarte bine.“

Căderea cortinei de fier a generat pe plan european şi mondial multe aspecte plăcute, dar din păcate şi unele neplăcute. În ultimul timp se pot observa „procese de descompunere din motive naţionale sau de limbă“. La ora actuală avem deja peste 200 de state pe glob. „Rusiei îi e dor de rolul său din trecut.“ Dar în aceeaşi răsuflare: „politică externă germană înseamnă plăsmuirea unui spaţiu european de pace – din care face parte şi Rusia.“

O teză foarte interesantă conţine şi afirmaţia lui Klaus von Dohnanyi că „procesul de globalizare trezeşte din nou amintirile popoarelor“. De această amintire se folosesc grupe cu interese separatiste. Pe de altă parte îşi aduc vecinii Germaniei mereu aminte de trecutul nazist al germanilor. Asta îi determină pe nemţi să facă o politică de precauţie, fără mare gălăgie, cu toate că ţara lor a devenit cea mai mare putere economică pe continent. „Dar nu avem dreptul să nu ne angajăm din cauza trecutului nostru.“

Pentru social-democratul din Hamburg, pe lângă activitatea politică cu multe angajamente fructuoase în sectorul economic şi fiind azi, chiar la vârsta sa înaintată, un orator foarte apreciat, „amintirea nu poate să fie un scop în sine“. Istoricii se ocupă mult prea mult cu aspecte secundare. „Pe mine nu mă interesează ce a făcut secretara lui Hitler pe Obersalzberg“, a afirmat vorbitorul, pentru a sublinia critica sa la adresa unor istorici.

În acest stil Klaus von Dohnanyi a anlizat aseară (2 octombrie 2014) timp de o oră situaţia actuală din Germania, Europa şi din lume. Astfel de festivităţi cu caracter politic sunt foarte importante pentru oamenii tineri. Ingolstadt are multe licee şi o facultate cu peste 5000 de studenţi din lumea întreagă. Cei care au fost la această festivitate au putut simţi seriozitatea cu care acest politician se angajează pentru rezolvarea paşnică a conflictelor actuale din lume. Să sperăm că studenţii de azi care mâine vor duce destinele Germaniei şi a ţărilor din care provin îşi vor aduce aminte de tezele politice, enunţate în această seară dinaintea celei de-a 24-a serbări a Zilei Uniunii Germane (Tag der Deutschen Einheit). (Din păcate nu erau prea mulţi tineri în sală.)

Festivitatea a fost încadrată de un cvintet de jazz al liceului Reuchlin din Ingolstadt – formaţia jes!. Tinerii muzicieni puteau să fie nepoţii vorbitorului din această seară şi nici nu erau pe lume când s-a înfăptuit unirea celor două state germane.

Text şi fotografii: Anton Delagiarmata