Samstag, 31. Mai 2014

Mai 2014 – Giarmata in den Medien

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 02.05.2014
Liga III – Serie C4 – Playoff – 14. Spieltag
Millenium Giarmata  - FC Caransebeş  0:1
CS Millenium Giarmata: BotaMihălceanu, Oneţ, Gârba, DanciaRosenblum, Leucă, Naidin, JichiciCălin, Gideon.
+ + + Der Traum vom Aufstieg ist damit wohl ausgeträumt. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 07.05.2014
Neben dem Fußballverein Millenium gibt es in Giarmata einen zweiten Sportverein: ACS Leu. Dieser Verein hat zwar auch eine Jugendfußballmannschaft, aber seit 2013 auch eine Mädchenhandballmannschaft. Die Mädchen der Jahrgänge 2003 und 2004 werden von Adrian Şimon und Valentin Codrea trainiert. Die Mannschaft spielt in einem Tournierbetrieb der Kategorie Junioren 5 und hat sich im letzten Tournier in Hunedoara für das Halbfinaltournier auf Landesebene qualifiziert. Bei den Spielen in Hunedoara wurde Alexandra Gheorghe vom ACS Leu als beste Torhüterin ausgezeichnet. In der nächsten Runde kommen die Gegnerinnen aus den Kreisen Olt, Dolj, Gorj und Mehedinţi. Und das sind die Mädchen, die vielleicht eine alte (deutsche) Handballtradition in Giarmata wiederaufleben lassen: Alexandra Gheorghe, Briana Simion, Simina Gheorghe, Andreea Oros, Roberta Oros, Sorina Coneac, Monica Cobzariu, Ruxandra Ciora, Andrada Gorban, Manuela Gorban, Rut Chifuleac, Oana Gajură, Alexandra Caba, Biatrice Dascălu, Aida Chirilă şi Dariana Vasilescu.
+ + + Viel Erfolg! + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 08.05.2014
Munizipalmeisterschaft – Serie I – 14. Spieltag
LPS Banatul - Millenium Giarmata II  0:3
Tabelle: 1 Millenium Giarmata  II  39 Pk
Und in dieser Aufstellung hat die von Răzvan Leucă trainierte Mannschaft begonnen: MihaiMunteanu, Sihauski, Vida, Moroşanu, Bogdan, Cr. Mihăilă, Rosfas, Dobra, Stoica, D. Moldovan.
+ + + Ein gutes Beispiel für die erste Mannschaft. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 09.05.2014
In Temeswar findet ein Fußballtournier für die U8 und U9 statt. Auch Giarmata beteiligt sich.
+ + + Leider gibt es keine weiteren Angaben. Die Kleinen hätten es verdient. + + +

VOCEA TIMIŞULUI, Timişoara / Temeswar, 09.05.2014
Die berühmt berüchtigten Gelben Engel aus Giarmata machen immer wieder von sich reden. Wieder einmal haben sie ihre Abschleppbefugnisse – angeblich haben sie gar keine legalen – überschritten und wurden von der Temeswarer Polizei mit einer Strafe von 2000 Lei in die Schranken gewiesen.
+ + +  Ein Internetleser kommentiert diesen Artikel kurz un bündig: Gelbe Dämonen! + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 09.05.2014
Liga III – Serie C4 – Playoff – 15. Spieltag
Pandurii II  - FC Caransebeş  1:3
FC Hunedoara - Nuova Mama Mia Becicherecu Mic  1:2                
Millenium Giarmata - Vulturii Lugoj  2:2
Tabelle
1
Nuova Mama Mia Becicherecu Mic
31
2
FC Caransebeş
27
3
FC Hunedoara
19
4
Millenium Giarmata
17
5
Vulturii Lugoj
16
6
Pandurii II
15
+ + +  Die Jungs scheinen das Siegen verlernt zu haben. + + +             

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 10.05.2014
Liga V – Serie II – 24. Spieltag
Unirea Cerneteaz – Unirea Banloc   4:3
Tabelle: 4  Unirea Cerneteaz  43 Pkt.
+ + + Der 4. Platz scheint den Giarmataern mit und ohne Cerneteazăr noch immer zu behagen. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 12.05.2014
Munizipalmeisterschaft – Serie I – 15. Spieltag
Millenium Giarmata II – Auto II   1:1            
Tabelle: 1 Millenium Giarmata  II  40 Pkt.
+ + + Vielleicht sollte man die zweite Mannschaft die Playoffs austragen lassen. + + +

VOCEA TIMIŞULUI, Timişoara / Temeswar, 12.05.2014
Die Giarmataer Gelben Engel geben keine Ruhe und wurden in den letzten Tagen mit weiteren vier Konventionalstrafen zu je 2000 Lei beglückt. Sie behaupten, die erste eingehandelte Strafe per Gericht angefochten zu haben. Und bis zu einem Gerichtsurteil könnten sie weiter auf den Parkplätzen der Großmärkte, die sie beauftragt haben, ihr Unwesen treiben. Die Bürger Temeswars werden aufgerufen, sofort die Polizei einzuschalten, wenn die Gelben Engel ihnen Probleme bereiten.
+ + + Ganz scheen dickkoppich, die Johrmarker -  Pardon! - die Giarmataer. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 13.05.2014
Millenium Giarmata hat sich von seinem wohl erfahrensten Spieler, Leonard Toni Naidin (34), getrennt, und der hat in einem ausführlichen Interview versucht, die letzten Misserfolge der Giarmataer zu erklären. Die schlechte finanzielle Ausstattung des Vereins gehört zu den Ursachen. Die Spieler haben ihre Januarlöhne erst jetzt ausbezahlt bekommen und von den versprochenen Spielprämien kamen auch nur die Hälfte zur Auszahlung.
+ + + Wie wär’s mal mit einem Spendenaufruf unter den Altjahrmarktern. Das wäre doch immerhin eine Investition in die Gegenwart. + + +

VOCEA TIMIŞULUI, Timişoara / Temeswar, 14.05.2014
Die Gelben Engel aus Giarmata wähnen sich weiterhin im Recht und „fură” fleißig weiter Pkws von den Parkplätzen einiger Temeswarer Einkaufsmärkten, heißt es in der Zeitung. Jetzt hat ein Temeswarer Ingenieur dazu aufgerufen, die betreffenden Geschäfte zu boykottieren.
+ + + Keine schlechte Idee, wie man im Internet beobachten kann. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 16.05.2014
Liga III – Serie C4 – Playoff – 16. Spieltag
FC Hunedoara - Millenium Giarmata  4:1
Pandurii II - Nuova Mama Mia Becicherecu Mic  2:0
Vulturii Lugoj - FC Caransebeş  1:2
Tabelle
1
Nuova Mama Mia Becicherecu Mic
31
2
FC Caransebeş
30
3
FC Hunedoara
22
4
Pandurii II
18
5
Millenium Giarmata
17
6
Vulturii Lugoj
16
+ + + Diese Playoffrunde ist für Millenium eine Nummer zu groß. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 17.05.2014
Liga V – Serie II – 25. Spieltag
Unirea Cerneteaz – Unirea Ghilad  6:2
Tabelle: 4  Unirea Cerneteaz  46 Pkt.
+ + + Die Cerneteazăr machen es dem großen Bruder vor. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 18.05.2014
Die kleinen Handballerinnen (Junioren 5) von ACS Leu Giarmata haben ihre Halbfinalspiele im Tournier in Râmnicu Vâlcea verloren und so die Finalspiele verpasst.
+ + + Macht nichts. Kopf auf und weiter machen! + + +

OPINIA TIMIŞOAREI, Timişoara / Temeswar, 19.05.2014
Foto: Opinia Timişoarei
Das „Frühlingsviertel” (Cartierul Primăverii) soll auf den 500 neuen Bauplätzen hinter der Neuen Gasse (Strada Nouă) entstehen. Dazu sollen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Firma FNC nach Vorstellungen des Bürgermeisters von Giarmata, Virgil Bunescu, auf einem noch zu erschließenden Gewerbegebiet 80 Firmen ansiedeln.
+ + + Ob Herr Bunescu das noch erleben wird, wo er doch im gleichen Interview einen möglichen Verzicht auf eine zweite Kandidatur (in zwei Jahren) nicht dementiert?  + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 19.05.2014
Munizipalmeisterschaft – Serie I – 16. Spieltag
Politehnica II Timişoara - Millenium Giarmata II  2:2
Tabelle: 1 Millenium Giarmata  II  42 Pk
Und in dieser Aufstellung hat die von Răzvan Leucă trainierte Mannschaft gespielt: MihaiMihălceanu, Hoţa, Bogdan, Sinauschi (Min. 60, A. Kalahyos), Moldovan, Fuchs, Dobra, Zele (Min. 85, Mihăilă), Beloescu (Min. 70, Stoica), Jichici.
+ + + Da sind schon einige bekannte Namen aus der ersten Mannschaft dabei. Das war auch wichtig, denn Poli II liegt auf dem zweiten Tabellenplatz. + + +

OPINIA TIMIŞOAREI, Timişoara / Temeswar, 20.05.2014
Zwischen Dumbrăviţa und Giarmata hat ein Müllhaufen Feuer gefangen, das eine so starke Rauchentwicklung verursacht hat, dass man seine Auswirkungen sogar in einigen Temeswarer Stadtteilen gesehen hat.
+ + + Von größeren Schäden war nichts zu lesen. + + +

BANATER ZEITUNG, Timişoara / Temeswar, 21.05.2014
"Neue Gebäudetrakte sollen derzeitigen Planungen nach aus EU-Geldern in der Gemeinde Jahrmarkt / Giarmata und in der Gemeinde Neumoschnitza / Moşniţa Nouă hinzukommen." Das erfährt man in einem Artikel mit der Überschrift "EU-Gelder für rumänische Bildung".
+ + + Zu unsrer Zeit hätt merr des noch mit muncă voluntară gstemmt. + + +

deBANAT.ro, Timişoara / Temeswar, 25.05.2014
Europawahl. Auch in Giarmata. Bei Millenium Giarmata war auch für den Wahlsonntag eine Trainingseinheit vorgesehen. Doch nicht bevor alle Spieler sich in Reih und Glied im Wahllokal präsentierten. Kein Geringerer als Bürgermeister Virgil Bunescu (PSD) hatte das angeordnet. Bei den Giarmataer Fußballern ist sein Wort sowieso Befehl, ist der Mannschaftskapitän, Adrian-Răzvan Leucă, doch PSD-Gemeinderat und der Star der Mannschaft, Cristi Dancea, rein zufällig auch des Bürgermeisters Patenkind.
+ + + So gheert des sich. Demokratie muss gelernt sein – wann aah mit komunistische Methoden.  + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 26.05.2014
Foto: Valentin Canea
Munizipalmeisterschaft – Serie I – 17. Spieltag
Millenium Giarmata II – Avicola   9:0
Tore: Bogdan Moroşanu, (3), Dumitru Moldovan (2), Sebastian Stoica (2) und Andrei Dobra (2).      
Tabelle: 1 Millenium Giarmata  II  46 Pkt.
+ + + Damit ist Millenium Giarmata II in die Kreismeisterschaft (campionatul judeţean) aufgestiegen. Felicitări!+ + +

RENAŞTEREA BĂNĂŢEANĂ, Timişoara / Temeswar, 27.05.2014
Mit ganz wenigen Ausnahmen haben die meisten Wähler im Kreis Timiş / Temesch bei den Wahlen zum Europäischen Parlament ihre Stimmen der Partei ihres Bürgermeisters gegeben. Ausnahme von dieser Regel machte auch Giarmata. Dort waren die Parteifreunde Virgil Bunescus (PSD) die Verlierer. Dem Bürgermeister von Moşniţa Nouă, Ioan Sorincău (PSD), ging es ähnlich.
+ + + Sollten gar die Fußballer in Giarmata...? Und Sorincău? Der war zwar einen Jahrgang vor mir in der Schule, aber schon damals in den 1970er Jahren kein unbeschriebenes Blatt. Wie auch immer, diese Wahl war ja nur eine politische Momentaufnahme, die für die Kommunalpolitiker keine weiteren Konsequenzen haben wird. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 30.05.2014
Liga III – Serie C4 – Playoff – 19. Spieltag
Millenium Giarmata  - Nuova Mama Mia Becicherecu Mic  1:3
FC Hunedoara - FC Caransebeş  1:2
Pandurii II - Vulturii Lugoj  4:1
Tabelle
1
FC Caransebeş
37
2
Nuova Mama Mia Becicherecu Mic
36
3
FC Hunedoara
25
4
Pandurii II
24
5
Millenium Giarmata
20
6
Vulturii Lugoj
17
+ + + Der Rhythmus ist futsch. Es wird Zeit, dass die Sommerpause kommt. + + +

FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar, Mai  2014
Die Cerneteazăr haben am 9. Mai 2014 ihre Kirchweih gefeiert und Kränze am Heldenmahnmahl des Dorfes niedergelegt. An der Feier nahmen der Giarmataer Bürgermeister Virgil Bunescu,  die Ministerin für kleine und mittelständische Unternehmen und für Tourismus, Maria Grapini, und Titu Bojin, Kreisratsvorsitzender des Kreises Timiş, teil.
+ + + Kerweihgäst aus der Stadt hot’s schun zu unsrer Zeit gewwe. Awwer aus der Hauptstadt...? + + + 

Montag, 26. Mai 2014

Man erinnert sich auch dort noch

Der Journalist Virgil Lazar schreibt in einem kurzen Artikel in der ROMÂNIA LIBERĂ (11. Oktober 2013) über die Volksdichtung im Banat. Er erinnert sich an einen Besuch des aus der Orawitzaer Gegend stammenden Bauernschriftstellers Ioan Românul in der Temeswarer Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbandes. Im Büro des schon damals berühmten Banater Schriftstellers Mircea Şerbănescu (1919 – 2012) spielte sich dann folgende von Lazar genüsslich geschilderte Szene ab: Er trug im Arm einen Quersack, in dem er ein Manuskript mit einer Geschichte aus der Welt seines Dorfes, aber auch eine Flasche mit Schnaps verstaut hatte. Dann legte er, vorsichtig wie bei einem Ritual, rote Zwiebel und ein ansehnliches Stück Speck neben frisches Brot aus dem Backofen auf den Tisch. ‚Das alles, sagte er mit sanfter Stimme, ‚damit der Inhalt des Manuskripts den Kritikern nicht schwer auf den Magen schlägt. Die Geschichte sollte abends im Literaturkreis vorgetragen werden.“ Frankfurter Verhältnisse in ruraler Aura, das gab es schon in den 50er Jahren in Rumänien.

Dieser „paur“ (Bauer) Ioan Românul war kein Einzelfall im Banat. Virgil Lazar schreibt von „vielen Bauern, große Bücherfreunde, die in ihren Häusern wahre Bibliotheken angesammelt hatten“. Natürlich hat die eine oder andere Anekdote aus dem literarischen Dorfleben des Banats überlebt. So soll Rumäniens Nationaldichter Mihai Eminescu (1850 - 1889) als Schauspieler der wandernden Schauspieltruppe des legendären rumänischen Schauspielers, Regisseurs, Theaterdirektors, Professors, Übersetzers, Dramaturgs und Publizisten Mihail Paskaly (1830 – 1882) im Haus der Eltern Iulian Grozescus (1830 - 1872) in Großkomlosch / Comloşu Mare übernachtet haben. Später, als Grozescu Redakteur der Kulturzeitschrift Familia des Iosif Vulcan (1841 - 1907) war, debütierte in eben diesem Blatt Eminescu mit dem Gedicht De-aş avea (Wenn ich doch hätte). Es soll aus jenen fernen Zeiten noch ein „Liliputgedichtbändchen“ mit Gedichten von Eminescu im Dorf existieren.

Das „Phänomen“ der Bauerndichter war laut Gabriel Ţepelea (1916 - 2012) aber spezifisch für das Banat, also in anderen rumänischen Landesteilen so nicht anzutreffen. Auch Camil Petrescu (1894 - 1957) hatte eine hohe Meinung von der Dorfliteratur im Banat. Er wird mit der Aussage zitiert: „Die Banater haben einen großartigen Kunstsinn.“ Dazu gehören natürlich auch die deutschen Mundartautoren. Man könnte aus heutiger Sicht sogar sagen, besonders sie. Denn wenn man die banatschwäbische Mundartliteratur betrachtet, dann kommt man doch auf eine erhebliche Anzahl von Autoren und Werken, wenn auch nicht alle Buchveröffentlichungen vorweisen können.

Virgil Lazar erwähnt, stellvertretend für viele, den „Großkomloscher“ Mundartautor Michael Holinger. Der soll Lustspiele wie „Hanz al nostru”, ,,Pentru o nimica toată“, „Schimbul doi“ geschrieben haben. Gemeint ist natürlich Michael Holzinger (1920 – 1996) aus Ostern, dessen bekanntestes Laienspiel „Unsr Hansi“ ist. Wie auch immer, schön ist, dass man sich in Rumänien auch einer längst untergegangenen deutschen dörflichen Literaturlandschaft erinnert.

Dass es dabei aber nicht allein um eine Dialektliteratur geht, sondern um eine viel reichere literarische Ernte, die der „fruchtbaren Welt des Banater Dorfes“ entsprungen ist, weiß mittlerweile die gesamte literarische Welt. So fällt auch in diesem Artikel dann zum Schluss der Name Herta Müller, deren Bücher „die besondere Atmosphäre dieser Region evozieren“. 

Freilich freut man sich als Banater Schwabe, wenn man solche Artikel in der rumänischen Presse findet. Mehr noch, man denkt instinktiv zurück, und es fällt einem auch der ein oder andere Name ein. Als Jahrmarkter dachte ich zum Beispiel sofort an Marianne Ebner (1920 - 2007), Franz Frombach (1929 - 1999) und Katharina Kilzer (*1959).
Anton Potche

Mittwoch, 21. Mai 2014

Eine sehr hilfreiche Renteninformation

Es stand in der Zeitung: Ein Rentenspezialist hält im Ingolstädter Gewerkschaftshaus einen Vortrag über die Eurorente. Der DGB hat die Veranstaltung organisiert, und als gestandener Metaller ging ich hin. Schließlich ist man ja selber Emigrant, also irgendwie von dem Thema betroffen. Und der DGB kümmert sich auch um ehemalige Erwerbspersonen, sprich Rentner, und im Sinne der Globalisierung speziell um die EU-Rentner. Das macht schon angesichts der Tatsache, dass laut DIE ZEIT vom 15.Mai 2014 der Anteil der Erwerbspersonen in den DGB-Gewerkschaften von einst 32,2% (1950) auf 12,9% (2011) geschrumpft ist, Sinn.

Etwa 20 Leute waren neugierig auf diesen Vortrag. Viele von ihnen hatte ich als Gewerkschaftsfunktionäre noch in Erinnerung. Auch drei Medienvertreter waren zugegen. Der Rentenspezialist referierte, mit Laptop und Beamer, wie sich das heute gehört. Er sprach nur zwei, drei Sätze über die Rente, die sich aus zwei oder auch mehreren Einzelrenten verschiedener EU-Staaten zusammensetzen kann, und lieferte danach ein Beispiel an Komparatistik in Sachen Rentensysteme in Deutschland, der Schweiz und der Niederlande ab.

Nach einem weiteren Vortrag zur Rentenpolitik des DGB, politisch und frei gehalten von einem wortgewandten Gewerkschaftsfunktionär, begann eine lange Diskussion über... die Rente in Deutschland. Natürlich waren alle Wortmeldungen von einer jeweils persönlichen Unzufriedenheit geprägt – trotz der anstehenden Reform. Von der EU-Rente war keine Rede mehr. Nur zum Schluss meinte ein Zuhörer, darauf hinweisen zu müssen, dass es ja wohl zweierlei EU-Rentner gebe: die in der Eurozone und die außerhalb dieses Bereichs. Letztere hätten wegen den Währungsschwankungen keine stabilen Monatseinkünfte. Der Experte reagierte darauf mit der weisen Feststellung, dass das nun mal so sei. Auch bei einer Rente aus den USA. Die könnten ja zum Schluss noch mehr haben, meinte ergänzend mit süffisantem Unterton ein Kollege aus der Reihe der Funktionäre.

Auf dem Heimweg fragte ich mich, ob ich an diesem Abend wohl etwas versäumt hatte. Eigentlich nicht, denn als ich nach Hause kam, stand es im ersten Relegationsspiel zwischen dem Hamburger SV und Greuther Fürth 0:0. Und so ist es dann auch bis zum bitteren Ende geblieben.

Anton Potche

Montag, 19. Mai 2014

Seppi und Peppi unterhalten sich über Internetanonymus

Kurz nach mir betraten Seppi und Peppi unser Bahnhofscafé. Und ich wurde unfreiwillig Zeuge, warum sie ausnahmsweise nicht an ihrem Stammtisch Platz nahmen.

- Halt, hier, sitzen wir uns an diesen Tisch.
- Warum nicht an unseren?
- Der ist doch besetzt.
- Von wo weißt du das? Es steht kein Kärtchen auf dem Tisch. Das würde unser Wirt nie machen.
- Dort sitzt doch schon jemand.
- Wie bitte?
- Ja, dort sitzt einer.
- Ich seh’ niemand.
- Doch, das ist Internetanonymus.
- Sag mal ...
- Ja, ja, der sitzt dort.
- Wo?
- Na dort, an unserem Stammtisch. Er ist gesichts- und körperlos. Darum kannst du ihn nicht sehen.
- Aha. Und was macht er dort?
- Nichts. Wie immer.
- Vielleicht denkt er nach über dies und das.
- Geht nicht. Er ist auch gehirnlos. Natürlich meine ich das rein anatomisch und nicht figurativ. Wo soll das Gehirn denn sein, wenn er keinen Körper hat? Selbst ein Spatzenhirn braucht einen Spatz, um existieren zu können. Hast du unsere Anatomiestunden mit Frau Belgrasch schon vergessen? Oder hast mal wieder gepennt?
- Mensch, das ist ja schon eine Ewigkeit her. Aber gut, deine Argumentation leuchtet mir ein. Von wo kennst du diesen Internetanonymus eigentlich?
- Er wohnt im Internetgebirge.
- Warst du dort?
- Ja, wir haben heuer dort Urlaub gemacht. Er lebt hoch oben, ganz oben, wo kein normal Sterblicher hinkommt. Er jagt Yetis und fischt Nessis.
- Du warst aber so weit oben und hast Internetanonymus dort kennengelernt?
- Nein. Das geht doch nicht, weil’s ihn gar nicht gibt.
- Also ist unser Stammplatz dort drüben doch frei.
- Nein, Internetanonymus ist auch da, wo’s ihn gar nicht gibt.
- Aber warum gehst du nicht rüber und vertreibst ihn? Das ist doch unser Stammplatz, seit Jahren.
- Das kann ich nicht, er tut mir leid. Körper-, gesichts- und hirnlos durchs Leben zu gehen, ist eigentlich Strafe genug. Wie soll ich ihn da auch noch vertreiben. Das wäre so, als ob du einen Bettler schlagen würdest, statt ihm ein Almosen, wie klein auch immer, zu geben.
- Also lassen wir ihn dort unbehelligt sitzen.
- Ja.
- Willst du was trinken?
- Ja, etwas Warmes. Schau, die Kalte Sophie. Sie sitzt sich zu Internetanonymus an den Tisch.
- Bedienung, bitte zwei Tassen Tee mit je einem guten Schuss Rum.

Was ist denn los mit diesen Eisheiligen? Haben die denn kein Zuhause?

Montag, 12. Mai 2014

Ein Spaziergang über Stolpersteine

Etelka Grimm: Südöstlicher Spaziergang – Ein Reigen von Erzählungen und Episoden; Fides Verlagsgesellschaft, München, (keine weiteren Angaben); 111 Seiten; Amazon und andere Internet-Anbieter haben noch Exemplare auf Lager.

„Ein Reigen von Erzählungen und Episoden“ heißt es im Untertitel dieses Bändchens. Der Reigen ist ein Tanz, in dem die Tänzer/innen oder Pärchen sich in einer Reihe oder einem Kreis aufstellen. Früher hat man für Reigen auch Reihen benutzt, ein heute veralteter Begriff.

Veraltet ist in dem vorliegenden Bändchen vor allem die Sprache. Fast warnend (oder entschuldigend) heißt es dann auch im Vorwort – ganze drei Sätze -, dass, „als diese Erzählungen geschrieben wurden, die Verfasserin nicht an eine Veröffentlichung dachte“. Und wahrlich, eine lektorierende Hand hätte den kurzen und noch kürzeren Erzählungen, den Episoden, gut getan.

Denn es gibt unter den 18 Texten durchaus auch lesenswerte – was die Handlung betrifft. Ein Faschingsmärchen  erzählt zum Beispiel die rührende Geschichte einer 55-Jährigen, die sich maskiert ins Faschingsgetümmel stürzt, in der Hoffnung, die eigene Jugend wieder lebendig werden zu lassen. Wer von den Älteren, so ab 50, kennt diese Versuchung nicht? Und es endet auch hier wie so oft im wirklichen Leben mit dem Untergang aller Illusionen.

Die Menschen, denen wir in dieser Sammlung begegnen, sind einfache Leute vom Land oder aus der Stadt, die meisten aus dem Banat: aus Giera, Toager, Ciacova und Temeswar. Aber auch in Târgu-Jiu, im Regat, spielt eine Geschichte, ereignisarm aber immerhin mit einem gesellschftskritischen Ende. Straßenmädchen werden ihren schlechten Ruf nunmal nicht los.

Südöstliche Spaziergänge können bei aller Kargheit der Sprache trotzdem auch ein Gewinn sein. Sie bringen dem bundesdeutschen Leser eine weitgehend noch unbekannte Welt näher. Wer diese aber detaillierter und besonders literarisch anspruchsvoll dargestellt kennenlernen will,  sollte nicht bei diesem Bändchen, das „nicht aus litrarischem Ehrgeiz entstanden” ist, innehalten, sondern auf Werke zurückgreifen, die mitlerweile der Bezeichnung Weltliteratur gerecht werden. Vielleicht von Herta Müller.
Anton Potche

Mittwoch, 7. Mai 2014

Trompetenklänge in Ingolstadt

Die eine Trompete erklang zum Auftakt und die andere zum Ausklang. Die in Ingolstadt traditionelle OrgelMatinee um Zwölf erlebte am 27. April 2014 ihr erstes Konzert in dieser Saison und schon am Sonntag danach (4. Mai 2014) stand ein Orgel-Trompetenkonzert auf dem Programm, ein etwas verspäteter Auftakt, könnte man sagen. Und das darf man sogar wörtlich nehmen, denn dieses Konzert in der Asamkirche Maria de Victoria, begann nicht wie üblich um 12:00 Uhr, sondern wegen einer vorherigen Veranstaltung um eine halbe Stunde später. Der neue Termin war aber vorzeitig angekündigt und wirkte sich auf die Qualität des Konzertes nicht aus.

Und die war, das darf man ruhig so vorwegnehmen, gut. Der Organist Christian Ledl und der Trompeter Hans-Paul Fuss hatten ein abwechslungsreiches Programm gewählt. Mit Dietrich Buxtehudes (1636 -1707) Toccata F-Dur BuxWV 157 eröffnete der Organist, Chorleiter und Musiklehrer an zwei Schulen das Konzert an der Jann-Orgel (gebaut 1986). Laufwerk und Akkordschläge sind typisch für diese Musikart. Buxtehude war selbst ein virtuoser Orgelspieler und hat dementsprechend die technische Messlatte in seinen Kompositionen ziemlich hoch gelegt. In diesem Stück hat der Ingolstädter Musiker die Hürde bravourös genommen.

Es folgte die Sonata d-Moll für Trompete und Orgel von Roberto Valentino (1680 – 1753), ein Stück mit vier sehr kurzen Sätzen Adagio – Allegro – Adagio - Allegro. Trotzdem stellt das Stück hohe Ansprüche an den Ansatz des Trompeters. Es ist nicht einfach, von den getragenen, oft mit geringer Lautstärke und besonderen Vortragsansprüchen aber auch –freiheiten gekennzeichneten Adagio-Sätzen in die fulminanten, mit schwierigen Läufen bestückten Allegros zu wechseln. Bei Hans-Paul Fuss vernahm man dann auch gerade in diesen technisch sehr schwierigen Passagen ganz leichte Tonschwankungen. Meist gelang es ihm aber in Sekundenbruchteilen, den Ton nach einem Sechzehntellauf in die richtige Lage zu bringen. Umso schöner vielen aber die langsamen Sätze aus. Hier konnte der Lehrer für Trompete, Akkordeon, Keyboard, Blockflöte auf seiner Piccolo-Trompete nach Herzenslust gestalten.

Das zweite Orgelstück war eine Komposition des Engländers John Stanley (1712 – 1786). Für mich war das eine Premiere, da ich bis dahin Orgelmusik ohne Pedal nicht kannte. Das klingt so ein bisschen nach Bajan, der osteuropäische Form des Chromatischen Knopfakkordeons. Voluntary ist auch ein spezifisch englisches Musikgenre. Eine ziemlich verspielte Musik, war das, die da von der Empore in den Kirchenraum schwebte. Ein wirklich filigranes, zum Teil liebliches Thema wurde von manchmal recht schrägen ¼ Akkordstößen gestört, um dann immer wieder unbeeindruckt weiter zu perlen. Es war schon ein interessantes Musikerlebnis, was Christian Ledl den Zuhörern da geboten hat.

Als viertes und letztes Konzertstück spielten die zwei Ingolstädter Musiker das Concerto B-Dur für Trompete und Orgel op. 7/3 von Tomaso Albinoni (1671 – 1751). Das Dreisatz-Stück ist nun wahrlich keine Neuentdeckung für Besucher von Kirchenkonzerten, zumal Albinoni zu den oft gespielten Komponisten dieser Konzertausrichtungen gehört. Dementsprechend sicher agierten auch Christian Ledl und Hans-Paul Fuss, die mit lebhaftem Applaus von dem zahlreichen Publikum (lediglich zwei Bankreihen waren nicht voll besetzt) verabschiedet wurden.

♪   ♫  ♪

Nur einen Tag später fand in Ingolstadt ein Ausklang statt. Der Konzertverein Ingolstadt, eine seit 97 Jahren aktive Institution, die Weltklassekünstler in die Donaustadt lotst, beendete am Montag, 5. Mai 2014 seine Konzertsaison 2014/15 - auch mit Trompetenklängen. Und dazu hatte man sich mit aller höchster Güte klassischer Musik begnügt: Gábor Boldoczki, Trompete und Gergely Bogányi, Klavier.

Das Programm der zwei Künstler von Weltformat war eine Mischung aus Musik des 19. Jahrhunderts und der Moderne des 20. Jahrhunderts. Dass vom quantitativen Aufwand her auch hier das Klavier den größeren Part übernommen hatte, liegt in der unterschiedlichen, vom jeweiligen Instrument bedingten Belastbarkeit der beiden Interpreten. Es ging los mit dem Konzert für Trompete und Klavier in Es-Dur, op.12 von Vassily Brandt (1869 – 1923), ein russischer Komponist. Fulminant – elegisch – grandios. Man könnte sich ruhig die eine oder andere Superlative noch einfallen lassen. Es folgten zwei Werke von Frédéric Chopin (1810 – 1849). Und sofort war klar, dass hier nicht nur ein Trompetenbegleiter am Klavier saß, sondern ein Weltstar seines Instruments. Mit Ballade Nr 1 in g- Moll, op. 23 – sie strahlte ziemlich viel Düsterkeit aus – Nocturne in Es-Dur op. 55 Nr.2 – wer sich eine aufsteigende Mondsichel über einem sich zur Ruhe begebenden Dorf vorstellen kann, ist mit diesem wunderschönen Musikstück gut bedient – stellte der ungarische Klaviervirtuose, der laut Programmheft 2010 „in Budapest das gesamte Solorepertoire Chopins in zwei Tagen“ gespielt hat, seine Klasse unter Beweis. Klar, Gergely Bogányi war hier in seinem Element. Für die Zuhörer ein Ohrenschmaus. (Warum eine Dame hinter mir gerade dann einen Bonbon mit dem dazugehören Rascheleffekt aus seiner Verpackung lösen musste, bleibt ihr Geheimnis.)

Après un rêve heißt das Stück von Gabriel Fauré (1845 – 1924). Der Trompeter war wieder da – doch als Flügelhornist. Zu diesem kleinen aber sehr feinen Stück kann nichts besser passen als der samtweiche Ton auf dem Flügelhorn des Professors für Trompete an der Franz List Musikakademie in Budapest, Gábor Boldoczki. Es folgte Franz Liszt (1811 – 1886): Un Sospiro und Gnomenreigen. Kurios, beim ersten Stück spukte mir plötzlich die Winnetou-Melodie im Kopf herum. (Ob Martin Böttcher diese sympathische Liszt-Komposition mal gehört hat?) Beim Tanz der kleinen Kobolde tanzten danach natürlich auch die Finger Gergely Bogányi mit einer Leichtigkeit über die Klaviatur, dass es selbst dem Instrument Spaß zu bereiten schien. Und dem Klaviervirtuosen sowieso, denn er war schon auf dem Weg in die Kulissen, als der letzte Reigenton noch gar nicht verklungen war. Ein gelungener Gag für dieses lustige Stück. Um eine spur seriöser, aber nicht weniger virtuos ging es im folgenden Konzert für Trompete und Klavier in f-Moll op. 18 von Oskar Böhme (1870 – 1938) zu. Man weiß ja, dass komponierende Instrumentisten es oft gerade ihren Bläserkollegen nicht leicht machen. So auch hier. Oskar Böhme blies selbst die Trompete in Orchestern erster Güteklasse. Gábor Boldoczki brachte er aber nicht in Verlegenheit. Der brillierte lustig drauflos – mit Läufen, Trillern, Triple Staccatos und was es sonst noch an Feinkost für virtuose Bläserliteratur gibt.

Nach der Pause kam Gábor Boldoczki allein auf die Bühne des Festsaales. Also mit seiner Trompete. Und mit seinem Instrument ist ein Weltstar wie der Ungar nie allein. Er erzählt mit ihm, bringt es zum Lachen und Seufzen – ich wurde an Gheorghe Zamfir oder Simion Stanciu und ihre Panflöten erinnert – und entlockt ihm die artfremdesten Töne. Die Fanfare aus „Solus“ für Trompete solo wurde anscheinend von Stanley Friedman (*1951) – übrigens auch ein Trompeter – nur komponiert, um der Welt zu zeigen, was man aus diesem Instrument überhaupt alles herausholen kann. Jetzt wissen es auch die Konzertbesucher in Ingolstadt. Dann kam Franz Liszt, Pardon Gergely Bogányi, wieder. Wenn man nicht nur wie Liszt spielt, sondern sich auch so kleidet, frisiert und sogar noch ähnliche Gesichtszüge vorweisen kann, dann hat man zumindest bei den Frauen noch einen Zusatznagel zu seiner Klavierkunst im Brett. Genau das macht Gergely Bogányi. Die mittlere bis ältere Generation stellte auch in diesem Konzert die klare Mehrheit. Wo waren die vielen Studenten und Studentinnen – sie zahlen angeblich nur 4 Euro für eine Karte, ich musste 20 hinblättern – an diesem Abend. Besonders Letztere haben da was versäumt. Bogányi spielte eine Rigoletto Paraphrase. So kann man sich Liszt auf seinen ausgiebigen Europatourneen wirklich vorstellen. Ein bisschen Fantasie und schon sitzt man in der musikalischen Zeitmaschine, zurück ins 19. Jahrhundert.

Was folgte, war ein eher selten gespieltes Stück – was nicht heißt, dass nicht (lebende) Legenden wie Wynton Marsalis, mit Judith Lynn Stillman am Klavier, sich dieses Enescu-Kleinods schon angenommen hätten. Man hat von George Enescu (1881 – 1955) auch nicht unbedingt erwartet, dass er ein Stück für die Trompete schreibt. Schließlich war er ja „nur“ Geiger, aber immerhin einer der besten seiner Zeit. Wie es auch sei, Legende für Trompete und Klavier erinnert mit nichts an den Einfluss der rumänischen Volksmusik, mit der man George Enescu so gerne (zu Recht, aber leider zu oft auch abwertend) in Verbindung bringt. Bis auf den Schluss. Dann griff Gábor Boldoczki nämlich zum Dämpfer und schon war sie da, die legendäre mioritische Welt der Karpaten, die niemand kennt, aber so Viele zu fühlen glauben. (Ich zähle mich gerne zu diesen Unverbesserlichen, die bei einer Doina aus dem Taragot eines Dumitru Fărcaş oder Pavel Cebzan einfach mal innehalten und hoffen, es würde nie aufhören.)

Mit dem sterbenden Trompetenton war die vergangenheitsträchtige Gegenwart wieder da. Gergely Bogányi spielte mit passender Gestik Sonetto 123 del Petrarca. Gefühl pur dieses Andante. Gute Konzerte leben auch von ihren Gegensätzen im Programmaufbau. Bei der Fantasie für Trompete und Klavier von dem ungarischen Landsmann der zwei Protagonisten dieses Konzertes, Frigyes Hidas (1928 – 2007), komponiert, war dann spontan wieder Schluss mit einer eventuellen Träumerei. Virtuosität und sogar Jazzelemente waren angesagt und Gábor Boldoczki steigerte sich zu Höchstform.

Es gab Blumen zum Konzertende und stürmischen Applaus. „Wir haben so viel gespielt und noch nicht gesprochen“, wendete sich Gábor Boldoczki in einwandfreiem Deutsch ans Publikum und kündete eine Zugabe an, eine Bearbeitung seines ehemaligen Lehrers Frigyes Hidas. Und spätestens jetzt konnte niemand mehr im sehr gut besetzten Saal behaupten, er hätte an diesem Abend kein bekanntes Stück gehört. „Mei Hut der hot drei Ecke“ (aus Karneval in Venedig) spielten wir früher auch immer auf den Banater Bühnen – nur ohne die hörsinnbetörenden Variationen eines Gábor Boldoczki.
Anton Potche

Montag, 5. Mai 2014

Der Deutsche Meister in der schnellsten Klasse der Modellrennautos kommt aus Ingolstadt

Das Sportliche ist eigentlich immer schnell erzählt. Die Gewinner der am letzten Aprilwochenende in der Mehrzweckhalle der Lindenkreuzschule Manching ausgetragenen Deutschen Tourenwagen Indoor Meisterschaft im Modellrennsport heißen in den Klassen Hobby – Oliver Günther vom ORC-B Göttingen e.V., Sport - Valentin Hettrich vom MCG-Strohgäu und Modified (die schnellste) – Dominik Fleischmann, der Lokalmatador vom SLR-Ingolstadt 06 e.V. Letzterer erreichte im dritten Finallauf der Modified-Klasse eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35,5 km/h, was auf der Geraden Höchstgeschwindigkeiten im Bereich der 75 km/h vermuten lässt. Es gab aber auch noch viele andere Preise wie etwa für die Jugend, Junioren und die Altersgruppe 40+. 

Die Rennen der Elektro-Modelltourenwagen scheinen ihr Nischendasein verlassen zu haben. Dafür spricht nicht nur der gut besuchte zweite Renntag, als die Finals ausgetragen wurden; die Fahrer mit ihren kleinen Flitzern werden in den letzten Jahren verstärkt von den Medien, zumindest von den lokalen, wahrgenommen. Auch der DONAUKURIER in Ingolstadt brachte einen detaillierten Vorbericht und einen ebenso aufschlussreichen Artikel von den Rennen in Manching. Zur Siegesehrung war auch der Manchinger Bürgermeister Herbert Nerb gekommen. Er hielt eine kurze Ansprache und ließ die Audienz wissen, dass er selber mal im Fahrzeug- und Flugzeugbau gearbeitet habe, also die Technik, die in den kleinen Rennautos stecke, durchaus zu schätzen wisse. Eine ebenso große Wertschätzung gebühre aber den Organisatoren um den Rennleiter Hans-Peter Bopp vom Ausrichterverein SLR- Ingolstadt 06. e.V.

Foto: Delagiarmata
Es ist ja nicht nur mit dem „Autofahren“ getan. Man braucht schon Leute, die von den Regeln dieses Sports etwas verstehen, um überhaupt ein Meisterschaftsrennen zu ermöglichen. Erich Fleischmann ist einer dieser Sachkundigen. Er ist seit vielen Jahren dabei und steht an dem Tisch, auf dem die Spannung der Batterien, die den kleinen Rennwagen die nötige Kraft und Schnelligkeit verleihen, gemessen werden – mehr als 8,40 Volt dürfen es nicht sein. Auf diesem Tisch kommt auch eine Waage zum Einsatz – die Fahrzeuge der Hobbyklasse dürfen nicht leichter als 1400 g sein und die der Sport- und Modifiedklasse nicht weniger als 1350 g wiegen. Jedes Auto wird vor seinem Einsatz vermessen – die Spoilerhöhe darf zum Beispiel nicht höher als die höchste Stelle des Daches sein. Zum Schluss wird die Bodenplatte des Fahrzeugs markiert – alle Rennen müssen mit ein und demselben Chassis ausgetragen werden.

Zu diesem Personal kommen noch Leute, die alle Rennen überwachen, sich drum kümmern, dass die Streckenposten besetzt sind und Regelwidrigkeiten auf der Strecke geahndet werden. Die sitzen an einem anderen Ende der Halle an einem mit Monitoren bestückten Tisch und meistens mit einem Mikrofon in der Hand, nicht nur um den Start freizugeben und die Zeitnahme zu sichern, sondern auch um ab und zu die Situation auf der Rennstrecke zu kommentieren, denn bei diesen Geschwindigkeiten kann man auf der Zuschauertribüne schon mal den Überblick verlieren. Diese Aufgabe hat bei der Deutschen Meisterschaft 2014 in Manching Frau Nicole Börs aus Elsdorf sehr überzeugend gelöst. Und weil zwei Tage lang Rennen auf Rennen folgte, hat Hans-Peter Bopp ihr öfter zu einer Verschnaufpause verholfen und sie am Bildschirm und Mikrofon abgelöst.

Foto: Delagiarmata
Um sich in einer Pause stärken zu können, muss im Hintergrund, sprich in einer Küche und hinter einer Theke, ein emsiges Personal tätig sein. Dass dieses sich aus Gattinnen, Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freundinnen von Mitgliedern des Gastgebervereins rekrutiert, weiß jeder, der etwas vom deutschen Vereinsleben versteht. Nicht nur Frau Börs gönnte sich einen Kaffe und Kuchen, auch die 59 zum Teil aus weiten Landesteilen angereisten Sportler mussten sich immer wieder für ihre Klassifizierungs- und Finalrennen stärken. Das alles und noch viel mehr hatte der Bürgermeister der Marktgemeinde Manching im Blick, als er von dem Aufwand sprach, eine Deutsche Meisterschaft auszurichten. Und als Dankeschön gab es neben den vielen Pokalen, Krügen und Tassen auch Blumen. 

Der Speed League Racing Club Ingolstadt 06 e.V. hat laut einer vom DONAUKURIER veröffentlichten Aussage von Hans-Peter Bopp, dem Vorsitzenden des Vereins, „bereits sieben Deutsche und zwei Europameisterschaften hier in unserer Region veranstaltet“. Jetzt ist noch eine dazu gekommen. Eine grandiose Erfolgsgeschichte dieses Ingolstädter Vereins, kann man da nur sagen, die sich diesmal in einem Deutschen Meister und einem 6. Platz (Bernhard Bopp) in der Modified-Klasse sowie in den Plätzen 5 (Stefan Strung), 8 (Christian Landinger), 13 (Christian Drießle), 15 (Jan Dietmar), 16 (Robert Klier), 20 (Harald Kornprobst), 22 (Sebastian Ott) und 23 (Marco Landgraf) in der Sport-Klasse widerspiegelt.
Anton Potche