Montag, 31. März 2014

März 2014 – Giarmata in den Medien

TION.RO, Timişoara / Temeswar, 04.03.2014
Ein 35 Jahre alter Mann fuhr in den Giarmataer Gassen spazieren, als eine Polizeistreife Routinekontrollen durchführte. Der Mann hatte zwar 0,83 Promille, aber keinen Führerschein.
+ + + Umgekehrt wäre besser gewesen. So gabs eine Anzeige. + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 04.03.2014
30 Prozent des Giarmataer Schulcampus’ sind fertiggestellt. Um das Projekt zu Ende zu führen sollen noch zwei Millionen Lei investiert werden. Die Finanzierung ist laut Călin Dobra, Stellvertretender Vorsitzender des Kreisrates Timiş / Temesch, gesichert.
+ + + Das hört sich doch schon mal gut an. Ganz ohne Spenden- und Sponsorengelder. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 07.03.2014
Liga III – Serie IV – 17. Spieltag
 Millenium Giarmata – Ştiinţa Turceni  3:3
Tore: Moroşan, Zele, Oneţ  für die Hausherren, Gâlceavă (2), Schinteie für die Gäste
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  26 Pkt.
Millenium Giarmata: Bota – Mihălceanu (Mihuţa, 60), Oneţ, Gîrba, Dancia – Leucă (75, Beloescu), Naidin – Moroşan, Zele (75, Jichici), Fuchs – Gideon.
+ + + Das erste Liga-Spiel dieses Jahres gegen Jiul Rovinari wurde mit 1:0 verloren. Kein guter Start. + + +

RENAŞTEREA BĂNĂŢEANĂ, Timişoara / Temeswar, 09.03.2014
3,6 Millionen Lei hat die Gemeinde 2013 für Infrastrukturmaßnahmen in Giarmata und Cerneteaz / Zorn ausgegeben. Heuer werden die Investitionen auf 7,2 Millionn Lei ansteigen. In Cerneteaz sollen sechs Straßen (insgesamt 4 km) asphaltiert werden und in Giarmata die Straßen Strada Viilor, Strada Bătrână und Strada Nouă. Doch nicht „bevor die Kanalisation” abgeschlossen ist, sagt Bürgermeister Virgil Bunescu. Für 2015 rechnet er mit einer Investitionssumme von 15 Millionen Lei. Sein Optimismus basiert auf den Industrieansiedlungen in Giarmata: die Störzucht expandiert, eine amerikanische Firma bebaut ein sieben Hektar großes Gelände für den eigenen Bedarf (Medizinapparatur) sowie für andere Firmenansiedlungen und eine bereits ansässige Softwarefirma will ihr Personal von zurzeit 400 Mitarbeitern auf 1200 aufstocken. Das bringt der Gemeinde natürlich satte Steuereinnahmen.
+ + + Da geht die Post ab. Glückwunsch!  + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 14.03.2014
Liga III – Serie IV – 18. Spieltag
 Millenium Giarmata – Metalurgistul Cugir  0:0
Das war ein Freundschaftsspiel, weil der Gegner aus der Gruppe, FC Avrig, vom Spielbetrieb suspendiert wurde. Millenium hat 3 Punkte am grünen Tisch zugesprochen bekommen.
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  29 Pkt.
+ + +Cugir spielt in der B-Liga. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 15.03.2014
Liga V – Serie II – 16. Spieltag
Unirea Cerneteaz – FC Jebel  5:1
Tabelle: 5  Unirea Cerneteaz  28 Pkt.
+ + + Start ohne Frühjahrsmüdigkeit. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 21.03.2014
Liga III – Serie IV – 19. Spieltag
 Millenium Giarmata – CS Nouva Mama Mia Bechicherecu Mic  1:1
Tore: Răzvan Leucă  für die Hausherren, Andrei Hodiş für die Gäste
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  30 Pkt.
Johrmarker Drucker
Millenium Giarmata: Victor GârleaCristian Dancia, Florin Oneţ, Claudiu Mihălceanu, Petrişor Jichici, Răzvan Leucă , Leonard Naidin, Marin Fuchs, Bogdan Mihălceanu, Gideon Ajebetini, Eduard Zele.
+ + + 150  Zuschauer waren zu diesem Temescher Derby gekommen. Unter ihnen auch bekannte Namen wie Paul Codrea und Ghiţă Chimiuc. + + +

TION.RO, Timişoara / Temeswar, 21.03.2014
Titu Bojin, der Chef des Temescher Kreisrats, freut sich über die ca. 500 hochwertigen Arbeitsplätze, die durch den Medizingerätehersteller Hamilton in den nächsten zwei Jahren in Giarmata entstehen werden.
+ + + Wie schon vrnommen, freut sich auch der Giarmataer Bürgermeister. Das ist natürlich leicht nachvollziehbar. + + +

OPINIA TIMIŞOAREI, Timişoara / Temeswar, 23.03.2014
Schwerer Unfall auf der Autobahn Timişoara – Arad. Ein Anhänger eines in Irland zugelassenen Pkw stellte sich quer und ein in Bulgarien zugelassenes Auto raste in den Anhänger. In anderen Zeitungen heißt es, der auf dem Anhänger transportierte Pkw wäre nicht richtig verankert gewesen.
+ + + Ein schwer Verletzter musste ins Krankenhaus. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 27.03.2014
Munizipalmeisterschaft – Serie I – 10. Spieltag
Millenium Giarmata II –CFR II   6:2
Tabelle: 2 Millenium Giarmata  II  27 Pkt.
+ + + Guter Nachwuchs. + + +

SPORTTIM.RO, Timişoara / Temeswar, 28.03.2014
Liga III – Serie IV – 20. Spieltag
 FC Hunedoara - Millenium Giarmata  1:2
Tore: Călin und Moroşan für Giarmata, Suciu für Hunedoara
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  33 Pkt.
Millenium Giarmata: GârleaDancia, Oneţ, Mihălceanu, GârbaHoţaCălin, Naidin,  Moroşan – Fuchs, Beloescu. Eingewechselt wurden: Rosenblum, Zele, Gideon, Jichici.
+ + + Gârlea hielt in der 90. Minute einen Elfmeter. + + +

FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar, März 2014
Im Kulturheim wurde von Schülern der Giarmataer Schule ein Kulturprogramm zum Muttertag dargeboten. Bürgermeister Virgil Bunescu, dessen 91 Jahre alte Mutter auch anwesend war, bdankte sich besonders bei der Lehrkraft Valentina Tomiţă und der Leiterin der Gruppe „Pro Datina” (Für das Brauchtum), Frau Maria Petchescu. Der Bürgermeister kündigte eine Investitionssumme von 23 Milliarden Lei für die Erweiterung und Modernisierung des Kulturheims an. Die Verträge sollen in Bälde unterschrieben werden. Auch eine Finanzierung von weiteren 23,5 Milliarden Lei für die Fertigstellung des 2008 begonnenen Schulgebäudes mit Sporthalle und Mensa ist unterschriftsreif.
+ + + Im Artikel ist wirklich von Milliarden die Rede. Ich gehe bei dem derzeitigen Wechselkurs der Lei aber einfach mal ohne weitere Recherche von Millionen aus. + + +

Mittwoch, 26. März 2014

Carmen-Francesca Banciu in Ingolstadt

Carmen-Francesca Banciu
Foto: Delagiarmata
Auf Einladung des Rumänischen Freundeskreises Ingolstadt e. V. hielt die in Berlin lebende Schriftstellerin Carmen- Francesca Banciu eine Lesung im Altstadttheater der Donaustadt. 24 Erwachsene, mittlere und ältere Semester, und ein Mädchen waren zu der Lesung gekommen. Und sie sollten es nicht bereuen, obwohl es übertrieben wäre, von einer spektakulären Veranstaltung zu reden. Die Lesung und folgende Diskussion gingen eher sachlich, intellektuell aber durchaus anspruchsvoll über die Bühne. Ramona Trufin, die Vorsitzende des veranstaltenden Vereins, stellte die aus dem Banat stammende Schriftstellerin mit einer sehr reichen und vielseitigen literarischen Aktivität kurz vor und überlies der Autorin dann das Mikrofon.

Was das Auditorium zu hören bekam, mag sprachlich zwar für jedermann ansprechend gewesen sein, thematisch aber doch nicht zur leichteren Kost gezählt haben. Carmen- Francesca Banciu hat aus den Romanen Vaterflucht und Das Lied der traurigen Mutter sowie aus dem Manuskript mit dem Arbeitstitel Lebt wohl ihr Genossen und Geliebten gelesen. Die drei Werke stehen zwar selbstständig für sich, können aber auch als Trilogie wahrgenommen werden.

Vaterflucht ist 1998 entstanden. Und bereits die ersten Sätze deuten auf ein schwieriges Vater-Tochter-Verhältnis hin. „Mein Vater lebt in Rumänien und glaubt an die Zukunft des Sozialismus. […] Nach vierundzwanzig Stunden Zugfahrt schleppe ich mich wie ein betrunkener Hund hinter meinem Vater her. Bin wieder das Kind. Das brave. Das demnächst rebellieren wird.“ Dass hier viel im Argen liegt, ist eindeutig. Und dass es um mehr als um eine persönliche Beziehung geht, wird von Seite zu Seite deutlicher. Systemzwang, Entmündigung, Beschädigungen aller Art werden zu Tage gefördert. So ähnlich geht es auch im zweiten Roman zu. Nur dort ist es die Mutter, die die Kommunismuskeule schwingt. Selbst kurz vor dem Aufbruch ins Jenseits noch. In Deutschland wurden irgendwann mal Bücher verbrannt. Im Roman Das Lied der traurigen Mutter (erschienen 2007) verbrennt die „traurige Mutter“, die Puppen ihrer Tochter Marie-Marie, doch nicht im nationalsozialistischen Deutschland, sondern im kommunistischen Rumänien. Die Folge solcher Vernichtungsideologie kann nur eine sein: Die Tochter geht. Und zwar in das Land, in dem man der Bücherverbrennung gedenkt, damit sie ewig Geschichte bleibe. Ob sie, Marie-Marie, das Kind mit den verbrannten Puppen im Kopf, aber auch wirklich ankommt? Der Arbeitstitel des letzten Bandes der Trilogie stimmt auf jeden Fall zuversichtlich: Lebt wohl ihr Genossen und Geliebten.

Es gibt längere Lesungen, keine Frage. Aber mit dem Ende muss ja noch nicht Schluss sein. So war es auch hier. Die Autorin stellte sich zur Diskussion und die Zuhörerschaft machte rege Gebrauch davon. Die Fragen, die Autorinnen und Autoren über sich ergehen lassen – ob müssen oder nicht, bleibt dahingestellt –, ähneln sich weitgehend. Hier wollte schon die erste neugierige Zuhörerin wissen: „Sind sie verheiratet?“ „Gewesen“, war die knappe Antwort. Und so ging es eine ganze Weile weiter mit mehr oder weniger Bekanntem: „Wie viel Fiktion, wie viel Realität, waren das Ihre Eltern, welche Rolle spielt Ihr Migrationshintergrund, (Den will und kann ich nicht verdrängen.), kommt bei Ihnen beim Denk- und Schreibprozess auch ein Übersetzungsprozess aus dem Rumänischen hinzu (Nein, ich bin längst eine Deutsche.)?“, u.s.w.. Und dann, die Fragen schienen auszugehen, kam diese klare Mädchenstimme. Wie alt mag sie sein? Zwölf, dreizehn? Da hat jemand ganz genau zugehört. Die Fragen kamen präzise formuliert – man konnte sich jedes Komma bildlich vorstellen – und bezogen sich auf konkrete vorgetragene Textstellen. An dem sich schnell anbahnenden Dialog hätten sogar Leute wie Maxim Biller und andere Kritiker der Onkel-Tom-Literatur ihre Freude gehabt. Oder auch nicht, denn zumindest einer der Gesprächspartner hatte ja in diesem Gespräch auch einen Migrationshintergrund: die Autorin.

Auf jeden Fall scheint die Zukunft der deutschen Literatur nicht allzu düster zu sein. Denn wer in diesem zarten Alter solche Fragen zu einem literarischen Text stellt, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch früher oder später zur Feder greifen, falls er/sie nicht schon der Schreibsucht verfallen ist. Auf jeden Fall ging diese gelungene Lesung mit einem unerwarteten Höhepunkt zu Ende. Andererseits soll nicht verschwiegen werden, dass der Literaturabend mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Vielleicht kommt ein Hinweis in der Lokalpresse am Tag der Veranstaltung doch ein wenig zu spät. Werbung ist und bleibt das Salz jeden Geschäfts. Auch im Literaturbetrieb, denn auch hier wird eine Ware zum Verkauf feilgeboten: das Buch. Und das gilt auch für die Romane Carmen-Francesca Bancius.

Montag, 24. März 2014

liebe russlanddeutsche freunde

- pamphlepigramm -


ach bliebe es doch
bei einem verirrten h
die welt wäre ihm dankbar
für jeden friedenstag


ingolstadt, 2014
anton potche

Mittwoch, 19. März 2014

hans

sein letzter winter
war ohne schnee
und seine loipe
wanderweg
in die erinnerung
mit gassen und fluren
mädchen und buben
ball- und wortflügen
verblassende spuren
in hirne gemeiselt
mit seiner handschrift
wir sollten ihm danken
für dieses süße gift


ingolstadt, 2014
anton potche


Montag, 17. März 2014

Lese, erinnre, staune, schmunzle, ärjre un noch allerhand – IX

Ich waaß, ich waaß. Dehr werd jetz moone, na endlich geht er in die Hinnereih un noo is Schluss. Weit gfehlt! Ich häng noch immer in der Neigass fest. Es Fritstoffels Kathi aus’m SchreiwerInne-Eck is noch net fertich. Es hot noch 15 (wann ich mich net verzählt hun) Volkskundeartikle vun der Johrmarker Stub (e Paradizimmer) bis zu alde Kerchebicher un heilichem Racki gschrieb. Dorchhalle war beim Lese schun immer mei Devise. Un des hot aah desmolrum geklappt. Ich sin richtich stolz uf mich.

Awwer noo is es wirklich weidergang. Em Kruwlphedr sei Jingster is owwrem Dorf bis in die owwer Hinnereih gang. Dort war noch oons Haus iwrich geblieb.

Owwe in der Hinnereih  hot noo wedder die Eichingersch Wess Leni de Schreibgriffl iwernomm. Sie is die Hinnereih nunner gang bis an die Baschte Gass un uf der anner Seit wedder zrick. Vun oom Haus raus un ins annre nin is e miehsames Gschäft. Awwer merr sieht des der Wess Leni net on, wann se aah schun iwer 80 Johr uf’m Buckl hot.

Noo kummt wedder ooni vun dee Familiegschichte, mit dee merr vleicht e extra Buch hätt mache selle, weil se oonfach lang ufhalle, un merr de Gassefadm vleert. (Ich sin jo aah nemmi de Jingst un vill Jingre wie ich werre sich in de Johrmarker Gasse… bestimmt nemmi iwer de Wech laafe.) Anrerseits verstehn ich’s Sehlersch Margret, wann’s seiner Motter ehre Ufgschriebnes und seiner Taafgod ehre Verzähltes do unnerbringe hot wolle.Wann merr bedenkt, dass Millione Familiengschichte nie ehre Schublad verlosse, muss merr so e Gelegenheit am Schopp (odder an de Zepp, awwer die sin jo schun wech) packe.

Kindheitserinnerunge hot aah es Mischon Kahi, die Tassinger-Lehrerin, ufgschrieb. Des hot in mer aah sofort Kindheitserinnerunge geweckt. Ich moon, es wär eerscht gester geween, wie mei Motter zu meim Vatter gsaat hot: „Geh redd doch mi’m Mischans Kathi, sunst der Bu fallt uns noch dorch.“ Mei Vatter is gang. Un’s hot gholf. Dankscheen, Frau Tassinger.

Es Seiwerts Liss hot sich wedder um’s Grundsätzliche gekimmert: um die Heiser un die Leit, die wu se bewohnt hun. Un do war’s wedder, mei Bibel-Rekkurenz-Syndrom. Ich will nicks behaupte, weil ich noch mol nohsuche misst, awwer vun meim Gfiehl her hot de Lorise Vedder Pheder jetz schun es vierte Mol sei Kapell gegrind. Die eerscht Grindung hot’s bestimmt gewwe, do war mei Berns-Otta (Vorsicht! E Bernche!) mit dabei, awwer forr die annre will ich mei Hand nemmi ins Feier leeje. Iwerhaupt war des dort owwe so e musikalischer Eck, wie der an der Kasperschgass e dichterischer war. Aah de Safer hot sei Kapell noch in der Karlsgass gegrind un noo in der Hinnereih ausgebaut.

„Es letzte Haus uff der Seit war’s Grulis-Haus, ganz am Enn“, schreibt’s Seiwerts Liss noh seim Erinnerungsspazeergang dorch die Hinnereih. De eerscht Band vun de Johrmarker Gasse… is awwer noch net am Enn.

De Zeti Josep un sei Schwester, es Suus, verzähle noch vun ehrem Großvatter, em Zetis Hans (1876 – 1958). Aah do gilt: Bis zum Enn lese lohnt sich. Merr erfahrt nämlich, dass zu’me echte Friehschoppe bei der Greifin aah e echti „Tischmusik gheert hot, net for Tanze, nor for Unerhalle“. Un forr die war de Kreidr mit seiner Schramml zustännich. Hm! Ich moon, ich speer Wiener-Kaffehaus-Duft ufsteie. Ja, ja, unser Johrmark.

Un noo is Band I vun de Johrmarker Gasse… am Enn. Ich waaß aah net wieso, awwer es gebt so vill fruckte Zufälle im Lewe. Jetz, wu ich de Kuglschreiwer wechlee – wisst Dehr noch wie der uf Johrmarkrisch ghaaß hot … na? … Pasta -, spillt vun meim USB-Stick e Kapell de Russel-Bussel-Polka un glei danoh e georgisches Streichquartett Suuko, forr mich es schennste Musikstick uf der Welt.

Verdammt! Mei Aue sin so feicht! Soll des vleicht vum lange lese un schreiwe sin? Odder? Naa, naa, mit Hoomweh hot des nicks zu ton, weil wie schreibt’s Hedrich Sussi in seim Gedicht Griess Gott Johrmark!: „Zrick uff Johrmark wolle mer nemmi gehn,/ sei Platz bleibt uns awwer immer im Herz stehn.“

Eigentlich geht’s jetz weider mi’m zwatte Band, awwer dee hun ich jo schun geles, net norr dorchgebläddert un Bilder gschaut. (E bissje sin ich schun gsprung. Awwer des muss jo nimmand wisse.)

Es war scheen. Manchesmol aah onstrengend, awwer ka vlorni Zeit. Merr muss so e dickes Kompendium – des Thema is un bleibt nateerlich unerschöpflich – jo net in oom Zugg lese. Merr kann’s wechleeje un nomol holle, kann sich die Gasse raussuche un dort länger verweile un merr kann vill Bilder schaue, all in Schwarz-Weiß, die meiste in sehr guder Qualität, wie iwerhaupt die zwaa Bicher uf’me sehr gude typographische Niveau gemach sin. Die Schrift is groß, so dass aah ältre Leit gut lese känne.

Jetz leije se do vor mer, 3,2 Kilo Johrmarker Gasse un Gässl’cher…. Un was mach ich mit ne? Ich heb se uf un versuch, se zu vererwe. Vleicht helft jo do e Argument aus der Lebensgeschichte vum Hortus Eystettensis. Der werd heit vun Fachleit uf e Wert vun oom gut ausgeriste Rolls Roys gschätzt. Wer waaß, was die Johrmarker Gasse un Gässl’cher, vun Haus zu Haus, dorch’s ganze Dorf in 400 Johr wert sin? Un paar Johr sin doch so schnell rum.

Uf der Schanz, 2014
Berns Toni

Mittwoch, 12. März 2014

Lese, erinnre, staune, schmunzle, ärjre un noch allerhand – VIII

Mei Gass: Die Neigass zu meiner Zeit un’s Enn hot de Nickels Hans sei Rundgang genennt. Er stellt sich korz vor un schreibt, dass er eerscht im 61er aus der Alt- in die Neigass kumm is. Asso forr uns Neigässer e Beigelaafner odder, wann’s noh’m Natchs Vedder Jakob geht, e Ongezooner. Awwer des macht jo nicks. De Hans macht sei Sach so aah ganz gut. Er gebt uns es eerscht e Gesamtiwerblick iwer die Gass, bevor er’s Hauseere onfangt. Er schreibt: „In der Mitt vun der Gass war die Strooß mit Koppstoonplaster bis zu Jungches.“ Wann ich mich gut erinner, hun die ganz alte Leit verzählt, dass de Wassergrawe sogar mol in der Mitt vun der Gass gelaaf is.

De Nickelche hot’s gut. Er kann mi’m Hausnummre 1 onfange. Do kummt merr aah net so schnell dorchnanner. Er geht rechts die Neigass nunner un „die anner Seit vun unne nuff“. Un er weicht net vun seiner Linie ab, wie des die Weiwer hie un do gemach hun. Es Weilandshaus is es letzte. In 160 Heiser war de Hans. Un noo hot er wedder die Weiwer drongeloss.

Es eerscht verzählt es Mischon Evi, des wu sei Kindheit in der Neigass verbrung hot. Mer heit 50 – 60-Jähriche 
erinnre uns norr an unser klooni Kantorin , die wu an der Kerch iwer die Gass gewohnt hot.

Na was hun mer denn do? Schun wedder e Beigelaafne. Des is ooner, der zum Schluss gar nemmi waaß, was er is, e „Johrmarker Andreeser odr e Andreeser Johrmarker“. Asso assimileere hun mer nimand wolle (des hun die Ungare mit unser Urgroßeltre jo schun selmols um 1900 net gschafft), awwer wann ooner sich integreert hot in unser Johrmarker Gsellschaft, ware mer net bees. Dass de Szekeres Laci e positives Beispiel forr die Johrmarker Integrationspolitik war, is bestens bekannt. Un wie des funktioneert hot, verzählt er selwer. Es is doch immer lustich (odder aah net), wann merr sich mol dorch die Aue vun annre sieht. E Spigl is do oft norr e armselicher Trugbildproduzent dagee. Awwer, „immer zwaa Stunn Brauttanz?“. Is des net e bissje iwertrieb? Asso bei mer ware’s bestimmt net meh wie 120 Minute. Na holl noch die, un die, un die anner, un des, un selles… Uff! Is jo aah rum gang.

Forr’s Zernersch Anna wär am beste nicks rumgang, weil es schreibt ganz begeistert: „In Johrmark war’s wunnerscheen.“ Un des, obwohl sei Kindheit alles annre als e Honichschlecke war. Vleicht is es so, dass mit zunehmendem Alter, alle schlechte Erinnerunge vun oom abfalle. Klor, merr muss forr so e Erinnerungsputz aah die richtich Natur hun. No is merr im Alter bestimmt net so verbittert, wie merr des bei manche Leit sieht. 

So e Haltung war wahrscheinlich sehr wichtich, forr all die, die wu noch in de letzte Johre bis zum Sturz vum Diktator drunne ausghall hun. Alles, was mer bisher in de Johrmarker Gasse… erlebt hun, stammt aus der Zeit, in der die Deitsche noch die Mehrheitsbevölkerung im Dorf ware. Es Zernersch Anna schreibt awwer schun meh aus der Sicht vun ooner Ethnie in der Minderheit. Do is es ehm nateerlich aah net entgang, dass es Todoritza (Todoriţa), sei Nochberin, „die Hack immer im Garte leije geloss hot“, weil’s gedenkt hot, „die hackt lonich“.

Es is halt e undankbares Gschäft, wann merr iwer Heiser schreiwe soll, die wu schun vorher mol dron ware. Gut is es awwer forr e Rezensent. Der kann sei Aufmerksamkeit uf ganz annre Aspekte im Text lenke. Vleicht uf e Sprachwandl, der damit zammhängt, dass mer jetz schun all mindestens 20 Johr, die meiste awwer schun vill länger, do in Deitschland lewe un verschiedne Sprocheinflüsse ausgsetzt sin. Es Zernersch Anna schreibt zum Beispiel: „Mer musste jo immer um e bestimmti Zeit derhoom sin.“ Vor 25 Johr hätt’s Anna bestimmt noch verzählt: Mer hun jo immer um e bestimmti Zeit dehoom sein misse. Unser Johrmarkrisch hot (wie vill annre Mundarte aah) es Präterium (ich musste, wir mussten) net gekennt. Merr hot forr die Vergangenheit immer norr de Perfekt Indikativ benutzt (ich habe gemusst – Dialekt: ich hun misse). Des is norr oons vun vill Beispiele, dass unser Johrmarkrisch sich aah bei uns, dee Leit, die wu’s noch bewusst redde, ännert, ohne dass mer’s iwerhaupt mitkrien. Bei uns dehoom gebt’s oft die anregendste Diskussione iwer Johrmarker Wärter un Formuleerunge, awwer aah iwer bayrische un schwowische (aus der Gegend um die Jagst).

Aah die List vun de Heiser un ehre Einwohner, vum Zernersch Anna zammgstellt, saat Einiges iwer die Dorfgewohnheide aus. Die wenichste Heiser aus der List troon aah de Nome vun der Familie, die wu drin gewohnt hot. Die Langlewichkeit vun de Heisernome is schun beeindruckend.

Es Fritstoffels Kathi war aah so e Neigässerin mit Herz un Seel. Des kann merr schun im Titel vun seiner Liebeserklärung rauslese: Mei Gass, besser gsaat: Die Neigass un ich. Ich hat bloß wedder Ängste ghat vor meim Bibeltrauma bei so vill SchreiwerInne forr ooni Gass. Noo war ich awwer doch froh, dass ich mich zammgeriss hun, un so einiche intressante Dinger als Dankscheen forr mei Mieh lese hun därfe. E Kardinal hadde mer jo schun in der Happgass. Jetz taucht do uf mol e amerikonischer Brigadegeneral uf. Ja, uf welle vun de zwaa soll ich’n jetz stolzer sein? Ich entscheid mich forr de General, weil de Kardinal hot jo in Johrmark ka Familieworzle ghat, un die geistliche muss merr sich selwer vorstelle. Des war mer noh so vill Gasse noo doch e bissje zu onstrengend.

Des war jo dort owwe in der Neigass so e Dichtereck. Dort hun die Kaspersch Wess Mrijan un de Gerwer Franz gewohnt. Un weil so etwas anscheinend abfärbt, hot’s Fritstoffels Kathi aah e Bild der Heimat gedicht, awwer uf Herrisch un unner seim scheene Nome, Katharina Scheuer. Un des Gedicht geht so aus: „Und als ich so stand und hab’ nachgesonnen,/ hat Heimat für mich neue Bedeutung gewonnen:/ Es ist nicht der Ort, an dem unsere Herzen so hingen,/ Heimat, das waren die Menschen, die von dort gingen!“

Des haaßt, aah ich sin forr’s Kathi e Stick Heimat. Des tot gut!

Berns Toni

Montag, 10. März 2014

Lese, erinnre, staune, schmunzle, ärjre un noch allerhand – VII

Leit, mer sin noch immer in der Altgass. Dem Alter die Ehr, haaßt’s doch immer. Asso wolle mer des aah do so halle un net ungedullich werre. Es Neichescheiersch Erna kennt die owwer Altgass uff de rechts Seit bis an die Ulrichs-Gass gut, weil’s jo aah dort gewohnt hot. Es fangt aah vun owwe on, genauer gsaat, an dee drei Heiser owrem Dorf, an dee wu merr „langst gehn [hot] misse, wann mer vun der Lippaer Stroß odr aus der Neigass in die Altgass gang is.“

Aah’s Erna schaut gewissehaft so wie die annre Autorinne in jeds Haus nin un verzählt uns vun de Leit, die wu dort gewohnt hun. Ob’s Erna awwer die Leit all so gut gekennt hot wie die meiste Leit im Dorf ens, waaß ich net. Wann merr awwer Friseerin war, scheen singe un Akkordeon spille hot känne, noo hat merr in Johrmark schun e Prominentestatus ghat.

Die Johrmarker Gasse… sin nateerlich vill meh wie e truckni Uflistung vun Heiser un Mensche. Merr kännt tausend Aspekte aus dem Buch rauslese. Ooner wär zum Beispiel de Gesellschaftswandel in der Gemeinde. Als Friseerin hot’s Erna dee sogar wesentlich mitgeprägt. In seiner Darstellung klingt der, herrisch gsaat, „Wandel zur Moderne“ so: „Ich hun in Johrmark die meiste Ficke abgschnied. Zepp, muss ich schreiwe, dass alle Leit verstehn.“ Do sieht merr mol wedder, wie kloone Schnidde die Welt verännre.

Vun der Ulrichs-Gass nunner geht noo es Krämer Anna mit uns weider. Wie mer so vun Haus zu Haus gang sin un bei der Familie Linz (Nr. 197) ningschaut hun, is mer e Gspräch ingfall, des wu ich mol vor Johre do in Deitschland mi’me in Vergangenheitsfragen sehr angascheerte Johrmarker gfeehrt hun. (Der Mann hot die Revolution noch unne un net do am Fernseh erlebt.) Er hot nämlich gsaat, wann mer Johrmarker iwer die Musik redde, falle immer oon un dieselwe Nome, awwer dass es noh dee aah noch Musikante in Johrmark gewwe hot, scheint merr vergess zu hun odder merr will’s absichtlich ignoreere. Es Krämer Anna hot des e bissje gradgericht, wann’s in seim Gassebericht schreibt: „Der Matz war bei der Loriskapell Musikant un wie der Loris-Kapellmaaster uff Deitschland is, hot er dem sei Stell iwwernomm.“ Ehre, wem Ehre gebührt. Es geht um de Linze Matz. Wann merr’s ganz genau holt, war der aah de letzt Kapellemaaster in Johrmark.

Uf’m Wech vun der Barons Gass bis an Saafseelersch is mi’m Anna de Lokalpatriotismus dorchgang. Un wie! Grad so, wie wenn’s Avicola-Pheer vorgspannt hät. Awwer es Anna wär e schlechti Seenerin vun’re Heimatdichterin, wann merr sei Blinzle net bemärke meecht. Is doch scheen. So geht’s uns all – wie em Krämer Anna aus der Altgass, wann’s lustvoll schwadroneert: „Ich hun jetz schun vun vill Leit gheert, wie se geprallt hun, dass eehre Gass die scheenst in Johrmark war. Awwer ich kann eich nor soon, des stimmt iwwerhaupt net, weil die Altgass die allerschennst vun Johrmark war. Soll mol oner kumme un soon, des is net wohr!“ Na des getraut sich bestimmt kooner.

Drum sin ich aah scheen brav mi’m Anna weidergang. Ich hun jo sowieso ka Ängste breiche hun, wie’s de Johrmarker gedroht hot: „Mer sin mittlerweile unser vill, un all sin se Berncher. Asso vergesst net, leet eich net mit uns oon.“ Es klennst Bernche uf dem Bild mit dee 62 Berncher (Großfamilie Krämer) is nämlich mei Motter.

Unne an der Apethek un em Scherfe Eck sin mer noo uf die anner Seit gang un die altehrwürdich Altgass nomol nuf. Weil des awwer mit der Zeit schun langweilich werre kann – der hot do gewohnt, der hot des gheirat, der is im Haus geblieb, der… un der…-, lockert’s Anna des Heiserabstraafe mit origineller Johrmarker Baureschlauheit uff. Wie e jeds Dorf hadde aah mer unser Originals ghat, vun dee wu der oon oder anner Spruch noch net vergess is. De Natchs Vedder Jakob (es Anna schreibt, wahrscheinlich buletingerecht, Nagy Vettr Jakob) soll angeblich gsaat hun: „Ich sin de Preschedinte vun de Beigelofne. Die Johrmarker brauche sich nix inbilde, weil mer [er moont die Beigelaafne, A.d.R.] sin all ongezooh uff Johrmark kumm, die Johrmarker sin all nackich kumm.“  

An der Saafseelersch Gass is noo Schluss. Aah forr mich, awwer net bevor ich do noch wortwörtlich em Anna sei Adje abschreib: „So jetz is mei Gedankeweech in die Kindheit un mei Stick vun de Gass am Enn. Wer moont, es is net gut gschrieb, der kann sich ruhich dron mache un’s besser schreiwe. Noh meecht ich noch soon: Wann oner moont, ich hun schlecht iwwer ne gschrieb, noh kann ich nor schreiwe: Iwwer mich hun se aa schun schlecht gered. Un soll ich vergess hun, iwwer jemand zu schenne, bitt’ ich um Enschuldichung.“

Ich gehn jetz dorch de Garte hoom in die Neigass. Dee Wech sin ich unzähliche Mol in meiner Kindheit vun der Alt- in die Neigass un umgekehrt gang. Mei Altgässer-God (eigentlich Großtant) un mei Berns-Oma ware Schwestre un ehre Gärter sin ufnanner gstoß (owwrem Dispensar). „Dorch de Garte gehn“ war bei uns in der Familie e Redewendung so wie em Beckenbauer sei „Schau mer mal.“
Berns Toni

Mittwoch, 5. März 2014

Lese, erinnre, staune, schmunzle, ärjre un noch allerhand – VI

Weider geht’s mit der owwer Altgass, em alde deitsche Dorf, wie’s Seelersch Margret sei Beitrach iwerschrieb hot. Wann merr vun Johrmarker Siedlungsgeschichte redd, kummt merr an der Gass net langst, un dass geschichtsbewusste Mensche stolz uf ehre Gass und die Vorfahre, die wu se ongeleet hun, sin, kann merr leicht verstehn. So aah’s Margret: „Vill ware aus de Menzer Gegend, aa vun meine Urkukandle selle die Seifferts/Seiberts drbei geween sin.“

Wann merr des alles so lest un merkt, dass merr (wann’s gut gschrieb is) ufmol selwer in’re annrer Zeit is, noo versteht merr, forrwas die Mensche – ich sin sicher, all, aah wann se’s aah net zugewwe – mit fortschreitendem Alter immer liewer in ehre Kindheit mit Graawekatz, Graawekatz, ich freß de Speck un Brot! zrickkehre. Des sin die kloone, versteckelte Kammre in unsrem Hern, die wu mer uns norr forr uns inrichte, unser Rickzugsräume, in die nemol unser Lebenspartner ninkummt.

Glickliche Erinnerunge gheere mit zum Wertvollste, was Mensche e Lewe lang mit sich rumtroon känne. Die hun net norr e Gsicht, merr kann se aah rieche un schmecke. Es Seelersch Margret hat so e glicklichi Kindheit ghat, wie se leider vill, vill Kinn uf der Welt selmols net hadde un aah heit net hun. Es beschreibt in dem Buch aah, wie so e scheeni Kindheit schmeckt: „Es wichtichste an de Peem ware for uns die Maulpeere. Sieß ware se, wann se zeidich ware, manche weiß, annre so rosa gsprickelt, des ware die dickste un beste. Annre ware schwarz. All hun biss’che annerscht, awwer gut gschmeckt. Die schwarze ware seierlich un hun Flecke ins Gwand gemach, die schwer raus gang sin.“ Ich sin mer sicher, es Müllersch Herta hätt aah liewer so e „behütete“ Kindheit ghat, wie loonich uf der Hutwadd die Kieh hiede. De Preis forr e Nobelpreis is nun mol hoch un oft sehr bitter. De meiste vun uns Johrmarker Nohkriechskinn is der Preis erspart geblieb.

Is jo alles scheen un gut, aah’s Seelersch Margret schaut in e jeds Haus korz nin un dahoom is aah bei ehm dahoom. Awwer do halt’s sich dann doch zimlich lang uf. Wann merr als Leser druf vorbereit is, dass es eigentlich vun Haus zu Haus, dorch’s ganze Dorf geht, noo will merr jo aah vorwärts kumme. Johrmark is halt groß. Manchesmol is es beim Lese in dee zwaa Bicher so, wie wann merr sich wuhin dummelt un grad noo vun jemand ufghall werd.

Uf die Art is mer aah es Goschy Lissje iwer de Wech gelaaf un hot mer lang un braat vum Geiersch-Haus verzählt. Irgendwie sin ich aus der owwer Altgass nemmi runnerkumm. Drum war ich froh, wie’s Seelersch Margret  - odder war’s noch es Goschy Lissje? – mich in de Kinnergarte ningeloss  hot. In oom vun dee Bettcher hun ich aah mol gschloof. Un ganz wichtich: Do hat ich mei eerschtes Mensch. Mer hun awwer noch net Dokterches gspillt. Ich sin’m norr immer nohgelaaf un hun’s gepetzt.

Aus’m Kinnergarte raus, geht’s weider uf der Seit die Altgass nunner. Es Margret hot do Hilf kriet vum Maurer Sussi. Loonich is so e Arwetspensum aah kaum zu meistre. Do kann’s noch so vill Abropptaich un Bohnesupp vun de Groß’che gewwe. Aah’s Eichinger Leni – in der Happgass war’s noch die Wess Leni, aah do sieht merr, dass Erinnerunge jung mache – springt zu Hilf. Es verzählt vun seine Großeltre, die wu zwischen 1930 un 1947 owwe in der Altgass e Kreislereigschäft hadde. Ja, mer, die noh’m Kriech Geborne, hun des private Unternehmertum jo eerscht in Deitschland kennegelernt.

Berns Toni

Montag, 3. März 2014

Lese, erinnre, staune, schmunzle, ärjre un noch allerhand – V

Die Happgass. E langi Gass. 176 Seide lang. Un die wichtichst Gass im Dorf  schreibt’s  Hangrischts Kathi. Ob die in de Kleegärter des aah so gsiehn hun, waaß ich net. Awwer Kerch, Schul, Gemeindehaus, Feierwehr, CEC, Matt, frieher aah Fleischbank, Bäckerei, Sodamann un alles, was mer jetz net grad infallt, sin forr e jedes Gemeinwese unverzichtbar. So gsiehn, war des die wichtichst Gass im Dorf. Un net vergesse: „Neigeerich sin die Leit vum Graawe, em Gaashiwwl un dr Hinnerreih in die Happgass kum, wann mr samstachs Marschmusik gheert hot, weil fast alle Hochzeide dorch die Happgass gang sin.“

Dass es aah in der Happgass Zeide gewwe hot, die wu merr liewer net ghat hätt, kann merr aus de paar Sätz iwer die Bessarabier in der owwer Happgass un iwer die Jud’s Gass rauslese. Es Hangrischts Kathi is die Happgass nunner gang bis an die Kerch.

Noo hot’s Scheuer Kathi aus der Neigass iwernomm. Es schreibt iwer die Kerch. Des därf’s aah, weil die gheert jo un’s all, odder besser gsaat, hot uns gheert. (Meiner Fraa ehre Großvatter hot mol’s Kreiz nufmunteert.) Un’s Kathi kann odder will’s Werwe forr die Renoveerung vun der Johrmarker Kerch net losse: „All mitnanner werre mer aa e bissje mithelfe kenne, dass unser Kerch for die Nachwelt erhall bleibt, wann die mol eehre banatschwowische Worzle suche fahre.“ Des klingt logisch. Norr: In meiner Familie gebt’s mittlerweile junge Leit mit Worzle aus halwet Europa, vun Schlesien bis ins pannonische Becken. Lauder Gschulte. Die känne mit allem Meegliche un Unmeegliche etwas onfange, norr nicks mit ehre Worzle. Die, ehre Worzle, wäre, so erkläre se mer immer, im Freistaat un im Ländle. Un wieso? Na weil se des so un net annerscht speere. Dass es unner dee ehre Kinn odder Engelskinn irgendwann mol oons gebt – zwaa is bestimmt schun zu vill verlangt -, des wu wisse will, wu sei Groß- un Urgroßeltre herkumme, meecht mer perseenlich schun gfalle. Awwer forr des so e baufälliches Bauwerk wie die Johrmarker Kerch (un net norr die) in Schuss halle – iwer Generatione -, des klingt mer doch bissje „sehr optimistisch“, wie die Fotballspikre soon, wann ooner e Pass spillt, der wu nie un nimmer onkumme kann.

Unser Johrmarker Kerch is e Baudenkmol, titelt’s Eichinger Helen un schlaat in die gleich Kerb wie’s Kathi. Norr dass es Helen noch e schun fast metaphysisch onghauchti Seit ufmacht: „Unser Kerch war uns wichtig un soll’s aa bleiwe. Aa wann vill Leit moohne, mer brauch se nemmi. Wanns uns mol schlechter geht, un des kummt sicher mol weder, brauche mer unser Herrgott.“ Un ich hun doch immer gemoont, de Herrgott is iwerall.

Es Helen macht sich noh seim Plädoyer forr die Kercherenoveerung  weider uf de Wech in Richtung  Schul. Es halt sich awwer net lang uf un schaut noch in die Heiser nin vum Ballweere bis ins Gemeindehaus.

Ich kann mer kaum vorstelle, dass es Leser vun de Johrmarker Gasse… gebt, dee wu net aah perseenliche Erlebnisse infalle, wann se die oon odder anner Gschicht do lese. Ich hun aah schmunzle misse, wie’s Helen – do war’s schun unne in der Happgass – vun der Wess Nantschi verzählt hot. Un dabei is mer ingfall, wie mei Fraa un ich mol vum Kukruzhacke hoomgang sin – vun unser Parzell. Im Lothringe is die Wess Nantschi kumm: „Griß Gott.“ „Griß Gott.“ Du host awwer vill Bravos vun deiner Fraa kriet“, hot se gsaat un is weidergang. Na gut, ich hatt halt schun als junger Mann e Stern, die wu fast bis an de Arsch gang is, wie de Tscharde Vedder Pheder geere gsaat hot. Im Schriftdeitsche is des norr e Glatze. Un uf die hot die Wess Nantschi sich selmols bezoo.

Asso es Helen hot sich schun was vorgholl. Es is nämlich aah die Happgass vun unne rechts nuff gang. Do hun ich e Bild vun der Szende gsiehn un mich gfroot, wu’s Lewe die Fraa wohl hin verschlaa hot. Sie war mei Lieblingsprofessorin. Des hätt aah annerscht gar net sein känne: Sie war e scheeni Fraa un ich e pubertierender Stöpsl. Mer wär’s liewer, ich hätt in de Johrmarker Gasse… norr so Gschichte un Bilder funn. Leider geht’s Lewe awwer stur sei eigne Weche. Merr kriet schun Gänsehaut, wann’s Helen schreibt: „Jetz kummt es Romches-Haus. Die alde Romcher hade finnef Sehn, die all im Kriech gfall sin.“ Beim Leseverein war noo Schluss. Irgendwann misse aah so unermiedliche Kämpferinne wie’s Eichinger Helen sich mol ausruhe.

Es Hangrischts Kathi hot do gewart. In der Zeit hot’s sich e bissje iwer’s Johrmarker Vereinslewe umghorcht. Do sin ich echt stolz wor, wie ich geles hun, dass in Johrmark sogar mol e Kardinal gedient hot. Zwar norr als Kaplon, awwer sei Worzle leije in Johrmark, ich moon halt sei geistliche Worzle.

Wirklich, ganz scheen lang die Happgass. Awwer des macht nicks. Do kriet merr aah vill mit. So is zum Beispiel vu’me Sozialist die Redd, awwer aah vun oom Mann, der wu de Sozialiste (späder Kommuniste) net ins Konzept gepasst hot. Beim Lie-Schuster war die Gass am Enn. Wann ich mich gut erinner, hot uf meim Beichtzeddl immer als letzte Punkt gstann: „Ich habe gelogen.“ Asso ich will doch hoffe, dass…

Die Eichinger Wess Leni is noo nomol die Happgas nunner gang. Forr manche Leit kann halt e Gass, iwerhaupt wann merr selwer drin gewohnt hot, gar net lang genuch sin. Mich hot des an mei Neijohrsvorhaben aus dem Johr, in dem wu ich 50 sin wor, erinnert. (Des is schun e Zeitlang her.) Selmols hatt ich mer vorgholl, de ganze Goethe, em Iorga sei Geschichte vun de Tirke un die Bibel zu lese. De Goethe un de Iorga hun ich gschafft, awwer an der Bibel sin ich glorreich gscheitert. Un des hat e handfeste Grund ghat: Ich hun die ewiche Wiederholunge – Bibelwissenschaftler redde vun Rekkurenz als Hauptmerkmal alttestamentlicher Poesie – net ausghall. Des hot sich bei mer in de Johrmarker Gasse… so ausgewirkt, dass ich schneller die Happgass wedder drunne war wie die Eichinger Wess Leni. Wie ich an Goschys langstgerennt sin, is mer awwer doch e Bild ufgfall, des wu net richtich ongschrieb is. Dort steht nämlich de Berns Vedder Toni zwischen em Berns Toni un em Berns Nicki. Die zwaa Berns Tonis sin awwer net der Berns Toni, der wu die Johrmarker Gasse… es eerscht vun der Mitt bis zum Enn un noo vum Onfang bis in die Mitt geles hot.

Berns Toni