Freitag, 31. Mai 2013

Mai 2013 – Giarmata in den Medien

TION.RO, Timişoara / Temeswar, 02.05.2013
Ein schwerer Unfall hat sich bei Giarmata / Jahrmrkt ereignet. Eine Person wurde dabei eingeklemmt und musste sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Involviert waren ein Audi und ein Renault. Die Polizei hat als Unfallursache überhöhte Geschwindigkeit angegeben.
+ + + Auch auf Autobahnzubringern wird manchmal zu schnell gefahren. + + +

BANATSPORT.RO, Timişoara / Temeswar, 03.05.2013
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 22. Spieltag:
Pandurii II Tg. Jiu - Millenium Giarmata  3:1
Torschützen: Lupu (11. Minute, 20), Afrem (17) für die Hausherren und Leucă (81) für die Gäste
Tabelle: 4  Millenium Giarmata  26
+ + + Die Jungs haben ein Formtief, eindeutig. + + +

BANATSPORT.RO, Timişoara / Temeswar, 10.05.2013
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 23. Spieltag:
Millenium Giarmata – FC Caransebeş  4:1
Torschützen: M Căln (29. Minute, 93), Leucă (57, 88) für die Hausherren und Ad. Ganea (37) für die Gäste
Tabelle: 3  Millenium Giarmata  29
+ + + Für einen Aufstieg ist es wohl zu spät. + + +

Fußball – Liga 5 – Serie 2 – 23. Spieltag:
Unirea Cerneteaz  - Moraviţa  7:1
Tabelle: 6  Unirea Cerneteaz   36
+ + + So ja! + + +

BANATSPORT.RO, Timişoara / Temeswar, 17.05.2013
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 24. Spieltag:
Vladimirescu 2003 - Millenium Giarmata   1:3
Torschützen: Dobai (19. Minute) für die Hausherren und Călin (51, 58) und Gideon (60) für die Gäste
Tabelle: 3  Millenium Giarmata  32
+ + +Wer sich vorne behaupten will, muss auch auswärts siegen.. + + +

PRESSALERT.RO, Timişoara / Temeswar, 20.05.2013
In Giarmata hat es gebrannt – in der Holzhandlung von Cornel Dobra. Der Unternehmer behauptet, das Feuer wurde gelegt. Jetzt ermittelt die Polizei.
+ + + Zum Glück wurde das Feuer gelöscht, bevor es den ganzen Holzbestand vernichten konnte. + + +

BANATSPORT.RO, Timişoara / Temeswar, 24.05.2013
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 25. Spieltag:
Millenium Giarmata – Muncitorul Reşiţa   6:2
Torschützen: Rosenblum (3. Minute, 25), Călin (23, 90) und Gideon (50) und Zaluschi (86) für die Hausherren und Oneţ (27) und Fara (41) für die Gäste
Tabelle: 3  Millenium Giarmata  35
+ + + Gut in Fahrt die Jungs. + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 25.05.2013
Die erste Profimannschaft im rumänischen Fußball war Ripensia Timişoara. Ihren ersten Meistertitel holten die Temeswarer sich in der Saison 1932/33. Nach dem Krieg wurde der Klub aufgelöst und im vergangenen Jahr ein Neustart versucht. Anscheinend mit Erfolg, denn Ripensia hat sich auch für die nächste Etappe des Rumäniencups qualifiziert und ist in die V. Liga aufgestiegen – mit Hilfe der zweiten Mannschaft von Millenium Giarmata, die nicht zum Spiel erschienen war. Also 3:0 für Ripensia.
+ + + Bravo Giarmata! So sieht Respekt vor einer großen geschichtlichen Fußballleistung aus.  + + +

BANATSPORT.RO, Timişoara / Temeswar, 27.05.2013
Fußball – Liga 5 – Serie 2 – 26. Spieltag:
FC Parţa - Unirea Cerneteaz  3:0
Tabelle: 7  Unirea Cerneteaz   36
+ + + Na ja! + + +

deBANAT.RO, Timişoara / Temeswar, 28.05.2013
Gigi Becali ist nicht nur der berühmteste Schafhirte Rumäniens, sondern auch der Besitzer des Fußballklubs Steaua Bukarest und einer der reichsten Männer Rumäniens. Und einer der umstrittensten, mit viel, viel Butter auf dem Kopf. Jetzt wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Und schon mehren sich die Solidaritätsbekundungen für den Gesetzesbrecher. In einem Spiel der dritten Liga sollen die Spieler von Millenium Giarmata mit der Trikotaufschrift „ Freiheit für Gigi Becali” aufgelaufen sein. Ganz selbstlos sind solche Anteilnahmebekundungen nicht, meint Alex Nestor in seinem Beitrag und schlussfolgert: „Cine ştie, poate că gestul jucătorilor din Giarmata nu va rămâne nerăsplătit, iar Becali, impresionat până la lacrimi de mesaj, se va hotărî să investească şi la Millenium Giarmata, nu doar la Steaua. – Wer weiß, vielleicht bleibt die Geste der Spieler aus Giarmata nicht unbelohnt, und Becali, von der Botschaft zu Tränen gerührt, wird sich auch für Investitionen bei Millenium Giarmata entscheiden, nicht nur bei Steaua.”
+ + + Solche komischen Solidaritätsbekundungen für Gesetzesbrecher haben wir doch erst kürzlich auch in Deutschland erlebt. Der Fußball und seine „guten  Sitten” scheint Schule zu machen. Bayern München ist und bleibt ein Vorbild! + + +

Mittwoch, 29. Mai 2013

Vor 100 Jahren schrieb Nicolae Iorga seine „Geschichte des Osmanischen Reiches“

Nicolae Jorga: Geschichte des Osmanischen Reiches, Bd. 1-5 – Unveränderte Neuausgabe der Ausgabe Gotha, Pertes, 1908 – 1913; Primus Verlag, Darmstadt 1997; Lizenz von Vito von Eichborn GmbH & Co. Verlag, KG, Frankfurt am Main 1990; ISBN 3-89678-051-4; noch erhältlich über Amazon

Mit Nicolae Jorga ist natürlich Nicolae Iorga (1871 – 1940), der wohl größte rumänische Gelehrte aller Zeiten, gemeint. Die Deutschen machten noch vor dem 1. Weltkrieg aus dem I ein J. Vielleicht auch darum, weil Iorga diese Geschichte des Osmanischen Reiches in deutscher Sprache verfasst hat. Das Werk ist für Fachleute auch heute noch „zumindest im deutschen Sprachraum das konkurrenzlose Standardwerk“ (Albert Sellner) einer osmanischen „Gesamtschau“. In fünf Bänden ist diese „Darstellung nach den Quellen“ untergebracht. Eine immense Daten- und Quellensammlung, die jeden noch so interessierten Leser herausfordert, wenn nicht sogar überfordert, liegt ihr zugrunde. Nicolae Iorga hat es aber verstanden, mit seinem Erzählstil jeder vorzeitigen Erschlaffung der Neugierde erfolgreich entgegenzuwirken.

Im ersten Band begibt der akribische Quellenforscher sich nach eigenem Bekunden weit zurück in „die Zeit vor dem Eintritt des osmanischen Zweiges der großen türkischen Rasse in die Weltgeschichte“. Das ist insofern nicht einfach, als die Türken eigentlich „keine ältere Geschichtsschreibung“ vorzuweisen haben. Die älteste Inschrift in ihrer Sprache stammt aus dem Jahre 732. Um in die Vorgeschichte der Osmanen zu spähen, muss man iranische, chinesische und oströmische Geschichtsquellen durchstöbern. Hier sollte der Leser dieser Geschichte des Osmanischen Reiches aber schon berücksichtigen, dass sie zwischen 1908 und 1913 niedergeschrieben wurde. Der Herauskristallisierung eines türkischen Volkes gingen unzählige Stammeskriege voraus, die sich nicht nur zeitlich, sondern auch geographisch auf riesige Einheiten erstrecken. Immer wieder ist vom „Auftauchen neuer Schwärme echter Türken, die dem Westen noch nicht bekannt waren“, die Rede. Aus dieser Gemengelage formte sich unter den Nachkommen Seldschuks (ein Nomadenräuberhäuptling) so etwas wie ein Staatsverständnis. Zu diesem Verständnis gehörte auch, dass „das Streben nach Beute wie das Verlangen nach kriegerischer Ehre als sittengemäß betrachtet wurde; einen friedlichen Nachbarn zu stören und ihm zu schaden, wurde niemals ein Staatsverbrechen für die Türken, auch nach jahrhundertelangem Verweilen auf europäischem Boden nicht“. Bedingt durch die seldschukische Kleinstaaterei bezog diese Philosophie sich nicht nur auf benachbarte Völker und trug wesentlich dazu bei, dass die Herrschaft der Seldschuken im 13. Jahrhundert zur Neige ging.

Die Zeit der Osmanen konnte beginnen. Und damit ergibt sich für einen Rezensenten die Gelegenheit, anhand eines längeren Zitats zu zeigen, wie unter anderem auch die Sprache Iorgas dieses Werk so lesenswert macht. Zur „Bildung des osmanischen Staates“ heißt es: „Die Vorfahren Osmans, des Sohnes Ertoghruls, hatten nicht nur unter seldschukischen Fahnen gedient. Es waren Turkomanen, wilde nomadische Türken aus dem fernen Osten, Glieder des ogusischen Stammes, der nichts von iranischer Sprache noch von griechischen Gebräuchen wußte. Den alten Soliman, einen Hauptmann über etliche hundert Zeltbewohner, hatte der mongolische Einfall aus seinem turkestanischen Boden in der Nähe der Wüste entwurzelt und ihn am oberen Euphrates zurückgelassen. Viele solcher verlorenen Anpflanzungen verdorrten wieder, diese aber gedieh, und aus ihr erhob sich eine üppige und hartnäckige Vegetation von Räubern, Kriegern und Hirten, aber auch Gesetzgebern und Staatsgründern.“ Die Namen dieser Herrscher sind uns schon darum geläufiger, weil sie bereits Teil der europäischen und nicht wie die ihrer Vorfahren eher Teil der asiatischen Geschichte sind: Osman, Urkhan, Murad I., II., III., Bajesid I., II., Mohammed I., II., III., Selim I., II., Soliman I., II., Ahmed u.a.. Noch waren diese osmanischen Herrscher, deren Horden längst zu riesigen Heeren angewachsen waren, weit weg von Wien und bis zum „Türken-Reichstag“ zu Regensburg sollten noch über 200 Jahre verstreichen, aber die Griechen, Bulgaren, die rumänischen Fürstentümer, Ungarn und die Balkanstaaten waren längst mit der Eroberungspolitik der Osmanen konfrontiert.

Band 2 beginnt mit der als Meilenstein der türkischen Geschichte bekannten Eroberung Konstantinopels. Auch hier schillert in der detaillierten Beschreibung des Ringens um die Festung das literarische Talent Iorgas – er hat auch Reiseerzählungen, Theaterstücke und Gedichte geschrieben – durch: „Mohammed II. wollte seine kaiserliche Würde – nun war er tatsächlich ein Kaiser! – nicht durch sein Erscheinen im wilden Kampfe der hässlichsten Leidenschaft entweihen. Er wartete an der nun weit geöffneten Pforte, vor der sein Zelt zwei Monate lang gestanden hatte, während deren er sich in den Besitz Konstantinopels geträumt hatte.“ Im 15. Jahrhundert war die Präsenz der Türken an der Donau bereits ein Dauerzustand. Die Fürstentümer Moldau und Walachei wurden Vasallenstaaten des Osmanischen Reiches. Man darf sich zu Recht fragen, wie objektiv Nicolae Iorga in seinen Darstellungen der rumänisch-türkischen Auseinandersetzungen überhaupt sein konnte, war er doch als ein überzeugter Nationalliberale, ja als ein wahrer Patriot bekannt. Zum Glück (oder Unglück) können wir hier rumänische Geschichtsbücher aus der kommunistischen Zeit Rumäniens zum Vergleich heranziehen. Da bleibt dann nichts anderes übrig, als vor Iorga den Hut zu ziehen, auch wenn es seinerzeit in Deutschland nicht nur Zustimmung für dieses Werk gab. Die in Fußzeilenform angegebenen Quellen sprechen schon in ihrer Qualität für sich. In der Methodik bleibt der rumänische Historiker sich treu: Er behält seinen fließenden, allgemein verständlichen, schöngeistig angehauchten Erzählstil bei.

Man erfährt so aus dem dritten Band viel aus dem Innenleben des osmanischen Machtzentrums. Und das ist wahrlich nicht immer erbaulich. So schildert Iorga zum Beispiel das Ende eines Sultans und den Beginn einer neuen Herrschaft: „Am 8. August, einem Sonnabend, drangen die Aufrührer ins Serail ein und traten mit dem Bostandschi-Baschi und der Walideh in Verhandlungen ein. Ibrahim sah sich von allen verlassen. Der Bostandschi-Baschi ließ ihn gefangen nehmen. Prinz Mohammed, der fliehen wollte, wurde auf den kaiserlichen Stuhl erhoben, so sehr sich der siebenjährige Knabe auch dagegen sträubte; noch in der Nacht nahm man die Beschneidung des neuen Sultans vor und schleppte das ohnmächtige Kind zur Ejubsmoschee und dem Grabe Mohammeds des Eroberers, um ihm durch diesen Akt der Pietät eine glorreiche Regierung zu sichern. Gleich darauf befahl der neue Großwesir Mohammed die Hinrichtung des abgesetzten Herrn, die ‚mit dem Strick, ohne jeden Lärm’ vollzogen ward.“ Man schrieb das Jahr 1648 und Iorga zitiert dazu einen rumänischen Chronisten: „Căci că din firea lui era nebun, şi, dacă luă şi Împărăţia, stătu şi mai nebun. – Er war von Natur toll, und als er die Herrschaft angetreten hatte, wurde er immer toller“. (Übersetzung: Iorga). Genau 30 Jahre später regierte dieser Sultan, Mohammed IV., noch immer im Osmanischen Reich. Und zwar so: „Alle Entschlüsse aber hingen allein von Kara-Mustafa ab; er hatte die eigentliche Macht in Händen, da der Sultan es auch jetzt vorzog, als reichbegüterter Privatmann zu leben und seine Zeit zwischen großen Jagden, bei denen bis zu 40.000 Mann in Tätigkeit traten, um ein paar Hasen zu erlegen, Lustreisen, Zwiegesprächen mit dem zigeunerischen Musaip, Liebesabenteuern mit Sklavinnen und zufriedenen Familienleben teilte, wie er es mit der Chasseki, dem aufgeweckten Thronfolger Mustafa, dem zweiten Sohne und den an Kara-Mustafa und den Musaip Mustafa verlobten Prinzessinnen Aideh und Atidscheh führte.“ Und wie erging es Kara-Mustafa? Ganz normal, könnte man sagen: „Als Mohammed IV. das Todesurteil über seinen unglücklichen Großwesir fällte, hatte er nicht etwa die Absicht, von nun an das Reich selbständig und aus eigener Initiative zu leiten. […] Das Vermögen Kara-Mustafas wurde also konfisziert – man fand 3000 Beutel baren Geldes zu je 500 Reali -, sein Kechaja, seine zwei Sekretäre (Nischandschis), sein griechischer Oberdolmetscher Alexander Maurokordatos und weitere 14 Offiziere wurden verhaftet.“ Und der Sultan selber? „Mohammed IV. bezog als ‚freiwillig’ zurückgetretener Effendi mit seinen zwei Söhnen ruhig den Kerker, den Soliman eben verlassen hatte; man sah ihn traurig, aber ohne Zeichen der Verzweiflung oder Furcht sich in sein Schicksal ergeben.“ Nach fünf Jahren Haft soll er am 17. Dezember 1692 eines natürlichen Todes gestorben sein – nicht gerade typisch für osmanische Gepflogenheiten.

Im vierten Band wird die Fanariotenherrschaft in den rumänischen Fürstentümern analysiert. Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der einst bei Mohammed IV. in Ungnade gefallene Grieche Alexander Maurokordatos einen bedeutenden Einfluss auf die Politik der Pforte gewonnen. „Er eröffnete durch seine Begabung und Geschicklichkeit, und durch die klare Konsequenz, mit der er den Begriff eines osmanischen Reiches, das griechische Klugheit in griechischem Interesse zu leiten hatte, festhielt, die Ära der von Griechen gelenkten Türkei, des immer siegreichen und überall herrschenden fanariotischen Geistes, obgleich am Fanari, dem Leuchtturm von Konstantinopel, noch nicht jene Gesellschaft reicher, ehrgeiziger und rücksichtsloser Familien ansässig geworden war, die den Namen ‚Fanarioten’ zu eben solcher Berühmtheit gebracht hat, wie sie ihm Verachtung und Abscheu zu erwerben wusste.“ Hier bewegt Iorga sich in einem Bereich der Geschichte, die er sein Leben lang unermüdlich beackert hat. Zu den zahlreichen Büchern, die der rumänische Gelehrte veröffentlicht hat – neben mehreren tausend Artikeln – zählen auch eine Geschichte der Rumänen in Deutsch, eine in Italienisch, eine zweibändige in Französisch und nicht zuletzt eine zehnbändige in seiner Muttersprache. Dazu hat er eine viel beachtete Geschichte des rumänischen Volkes im Rahmen seiner Staatenbildungen (1905) verfasst. Insgesamt sind von ihm 36 Bände zur rumänischen Geschichte bekannt, und darin kommen die Fanarioten oft vor.

Im fünften Band der Geschichte des Osmanischen Reiches widmet Nicolae Iorga sich ausführlich der Staatenbildung des modernen Rumänien im 19. Jahrhundert. „Die Benennung ‚Vereinigte Fürstentümer der Moldau und Walachei’, die Einsetzung einer Zentralkommission für Gesetzgebung, gebildet aus Delegierten beider Versammlungen und aus Mitgliedern derselben, die die Hospodare allein zu ernennen hatten, ohne einen Staatsrat zu errichten, die Gleichstellung beider Länder in allen Punkten der Verwaltung und der Verteidigung, wurden allgemein angenommen; bis ins einzelne wurde die Konstitution des neuen Staates ausgearbeitet und ein Wahlgesetz hinzugefügt. Am 19. August wurde dann diese Konvention unterzeichnet.“ Man schrieb das Jahr 1858. Dass ein Mann wie Nicolae Iorga diese Sätze 55 Jahre später mit berechtigtem Stolz in eine Geschichte des Osmanischen Reiches einbrachte, dürfte auf allgemeines Verständnis stoßen. Man würde dem großen Mann der rumänischen Geisteswissenschaft sogar mehr Pathos zugestehen. Aber „im letzten Band – in den die Zeit der rumänischen Unabhängigkeitsbewegung fällt – sucht er hingegen bewusst den Ton des reinen, nur gesicherte Fakten referierenden Berichts, um von vornherein allen Vorwürfen der Voreingenommenheit zu begegnen“, wie Albert Sellner im Nachwort dieses bemerkenswerten Werkes feststellt.

1912 endet Nicolae Iorgas Geschichte des Osmanischen Reiches. Nur zwölf Jahre später, aber um einen verheerenden Krieg reicher, endet mit der Abschaffung des Kalifats die Geschichte des Osmanischen Reiches überhaupt. Es lohnt sich, sie in ihrer ganzen Bandbreite zu lesen. Osmanische Geschichte ist europäische Geschichte und Millionen Biographien wären ohne diese Wucht vom Bosporus anders verlaufen.

Nicolae Iorga macht auch dem an geschichtlichen Einzelaspekten interessierten Leser das Suchen in diesem umfangreichen Werk (2561 Seiten) leicht. Das Inhaltsverzeichnis an jedem Bandanfang ist nach Büchern, Kapiteln und sehr detaillierten Themenstichworten (eine Seltenheit in solchen Geschichtswerken) gegliedert. Ein Beispiel aus dem letzten Band: „Drittes Buch. Loslösung der militärischen Nationalitäten vom osmanischen Staatskörper, S. 403. Erstes Kapitel: Russische Umtriebe von der Schließung des Meerengenvertrags bis zum Krimkriege (1841 – 1853), S. 405. Absetzung des walachischen Fürsten Alexander Ghica, S. 405. Türkische Bedenken bei der Anerkennung Michael Obrenowitsch’ als ‚Basch-Beg’ in Serbien; Erhebung der Woiwoden gegen denselben und Haltung des russischen Konsuls, S. 406." etc, etc.

Anton Potche

Montag, 27. Mai 2013

„Autentic“ aus Kronstadt gastiert im „Kronstadt“

„Für die Temeswarerin Iulia Ionescu gibt es zwei Sorten von Rumänen im Ausland: Es gibt diejenigen, die sich um andere Rumänen gruppieren, um eine kleine Mikrowelt aufzubauen, die an Heimat erinnert, wo man unter sich bleiben kann, und es gibt die Rumänen, die sich integrieren.“ Das schreibt der Journalist Robert Tari, in einer seiner Impressionen aus der deutschen Hauptstadt Berlin, die er wöchentlich in der BANATER ZEITUNG / Temeswar veröffentlicht.

Die Wahrnehmung der zitierten, aus Temeswar stammenden Berlinerin hat wie alles zwei Seiten. Wenn ich das Restaurant Kronstadt in Ingolstadt betrete, katapultieren mich die ersten Eindrücke sofort zurück in die kulturelle Hülle, die uns Banater Schwaben bei unserem einstigen Leben im Banat umgeben hat, und die von so manchem Dörfler erst beim Verlassen seiner Ortschaft wahrgenommen wurde. Da tut sich mir wahrlich diese „kleine Mikrowelt“ auf, komischerweise hier noch eindeutiger als damals im Banat. Die Bedienung spricht mich deutsch an, wird aber sofort um eine Spur, für sie wahrscheinlich unbewusst, für mich aber spürbar, freundlicher, wenn sie merkt, dass ich Rumänisch verstehe und sogar holprig spreche. Diese Mikrokosmoserscheinung bemerke ich immer wieder vom Inder, über den Italiener und Griechen bis zum Türken an seinem Obststand. Wäre es beim Rumänen anders, wäre das gefühlsmäßig nicht normal.

Eine „Mikrowelt, die an Heimat erinnert“, ist hier wirklich vorhanden. Man merkt es als stiller Beobachter auch an dem vertrauten Umgang vieler Gäste, die sich hier begegnen, und an den fremden Sprachfetzen die zu einem vom Nachbartisch herüberfliegen. Doch beginnt sich dieser Mikrokosmos langsam zu erweitern, wenn einem plötzlich Worte in banatschwäbischer oder siebenbürger Mundart zu Gehör kommen. Die Sprecher dieser Dialekte sind zwar keine „integrierten Rumänen“, aber immerhin längst hier heimisch gewordene ehemalige Bürger Rumäniens. Noch wähnt man sich in einem südosteuropäischen Sprachkosmos, bis die ersten hungrigen und durstigen Sportler aus der Kegelbahn, dem Turnsaal, Fußball- oder Tennisplatz in der Wirtsstube auftauchen und die Mikrowelt in einer normalen, global geprägten Welt vergessen lassen.

Die Betreiber des Restaurants Kronstadt versuchen, anscheinend mit Erfolg, diese „Mikrowelt“ für Heimatnostalgiker am Leben zu erhalten und gleichzeitig eine offene Gaststube für die hier beheimateten Amateursportler des ESV-Sportvereins zu sein. Zu ihren Bemühungen um Originalität und Weltoffenheit gehört auch das Konzept der Livemusik. Für den Tag des Kindes, am 1. Juni, wird Autentic aus Kronstadt/Braşov erwartet. Das Duo spielt eine gepflegte rumänische Volks- Tanz- und Unterhaltungsmusik. Wer also Teil der rumänischen Mikrowelt - in Ingolstadt oder anderswo (das Restaurant liegt am Hauptbahnhof) - ist oder wer bei rumänischen Speisen und Getränken eine lebensfrohe Kultur kennenlernen will, sollte sich diesen Rumänischen Abend zum Tag des Kindes im Restaurant Kronstadt nicht entgehen lassen. Autentic wird seine authentische Musik schon ab 13:00 Uhr erklingen lassen. Und weil angeblich nur wertvoll ist, was auch etwas kostet, darf man als Eintritt 7 € pro Person berappen.

Anton Potche

Mittwoch, 22. Mai 2013

Morală şubredă în Bundesliga


Cea mai bună ligă de fotbal din Europa este la ora actuală cea germană. Uzanţele nu diferă însă de cele din alte ligi de fotbal. De multe, chiar de foarte multe ori lipseşte acel fenomen, pe care germanii îl numesc Fingerspitzengefühl, adică simţul din vârful degetelor. Mai drastig exprimat, se poate vorbi şi de lipsă de bun simţ sau de morală.

Ultima poveste care sprijină această teză este cea a antrenorului Thomas Schaaf de la Werder Bremen. Clubul din Bundesliga a angajat anul trecut, după plecarea lui Klaus Allofs la VfL Wolfsburg, un nou manager. Acest noname în fotbalul german, cu numele burgez Thomas Eichin, nu şi-ar fi primit postul bine totat fără consimţământul antrenorului.

Thomas Schaaf şi-a început activitatea de antrenor la clubul bremerean în anul 1995, devenind succesorul legendarului Otto Rehagel care avea şi el o activitate de peste 14 ani la acest club. Sub conducerea lui Schaaf, Werder Bremen a câştigat o dată campionatul german, de trei ori Cupa Germaniei, a jucat de şase ori în Champions Leage şi a stat în anul 2009 în finala Cupei UEFA. Dar nu numai atât, Thomas Schaaf a fost şi jucător la acest club, şi anume din anul 1972, când a început să joace la tineret. În 1979 a absolvit primul din cele 262 de meciuri jucate ca jucător profesionist sub culorile echipei dim Bremen. Acest om, care a lucrat 41 de ani la acelaşi club de fotbal, a fost dat afară fără drept de apel înaintea ultimei etape din Bundesliga – chiar de Thomas Eichin.

Nu că mi-ar fi milă de Thomas Schaaf. Şi el este doar unul din numărul mare de  milionari din Bundesliga. Conform contractului său va primi până în vara anului viitor 1,8 milioane de euro. Nici schimbarea sa din funcţie nu este ceva imoral, schimbările permanente pe băncile de antrenori având o veche tradiţie, dar felul  în care a fost dat afară dezvăluie metodele crude cu care managerimea din Bundesliga reacţionează la neatingerea ţelurilor pe care le impun echipelor. Problema este că de multe ori aceşti băieţi care fac pe marii şmecheraşi, nu au capacitatea de a analiza o stare de moment în contextul politicii clubului din anii trecuţi. Şi Thomas Eichin nu a luat în considerare că Werder Bremen a vândut în anii din urmă jucători de renume mondial ca Claudio Pizzaro (Bayern München), Mesut Özil (Real Madrid), Diego (VfL Wolfsburg) şi alţii.

Cu toate că necesitatea unei schimbări fundamentale la Werder (clubul a scăpat cu chiu şi vai de retrogradare) a devenit în ultimele luni tot mai acută, felul în care aceasta a fost realizată dă dovadă de un acţionism exagerat, practicat de un manager fără nici o urmă de respect în faţa unei prestări, pe care el însuşi nu o va realiza nici în două vieţi.

Anton Delagiarmata

Donnerstag, 16. Mai 2013

Wie schnell die Zeit vergeht


Do unlängst hun ich mol so e bissje im Internet rumgsurft. Do sin ich aah uf die Banaterra-Seit gstoß. Die is gut. Do kann merr vill iwers Banat un sei Geschichte lese, heere un siehn. Es gebt aah Leit, die wu kommenteere, asso Internetleserbriefe schreiwe. Ooner vun dee Kommentare hot mer ganz gut gfall – weil merr do gut siehn kann, wie schnell die Zeit vergeht.

Der Mann, wu dee Kommentar gschrieb hot, haaßt Nelu Crăciun. Es geht um die Familieforschung im Banat. Do kenne die Banader schun was vorweise, awwer die ausgewannerte, aah die Johrmarker. Der Mann bedauert, dass die heidiche Banader sich kaum um die Geschichte vun ehre Därfer kimmre. Er schreibt, dass er e Radiosendung mi’m Johrmarker Richter gheert hot, un der hot dort gsaat, dass die heidiche Johrmarker, asso die Einwohner vun Giarmata, die Giarmataer, aus ganz Rumänien stamme, un dass des Dorf vor 1000 Johr vun de Deitsche gegrind is wor.

Hoppla! De Vedder Crăciun hot hinner die Aussage vum Giarmataer Bürgermaaster e Ausrufezeichen, e Fragezeichen un nomol e Ausrufezeichen gsetzt un dazu gschrieb: „Spre surprinderea mea, acest primar nu dispune nici de cea mai elementară informaţie despre istoricul aşezării pe care o conduce!“ Uf echt Johrmarkrisch: „Zu meiner Iwerraschung hot der Richter ka blassi Geschichtsahnung vun der Ortschaft, die wu er regeert!“

Der Kommentar stammt vum 5. Juni 2009. Selmols war de Ioan Delvai in Giarmata Primar, asso Richter. Heit is er nemmi Chef im Gemeindehaus, awwer ich sin mer sicher, dass er mittlerweile schun gheert hot, dass noch nemol 300 Johr vergang sin, seit die eerschte deitsche Siedler sich in dem Dorf um de Große Brunne nidergeloss hun. Ich gehn jetz mol davun aus, dass die Safer-Musikante ehm des e Johr späder, asso 2010, wie se dort ehre Musikantetreffe gfeiert hun, verzählt hun. Und sellte se’s net gemach hun - Musikante spille jo liewer, wie dass se verzähle -, noh hot’s ehm bestimmt de Walther Konschitzky verzählt, weil der kennt sich als friehjricher Zeidungsschreiwer, Fotograf (de best, wu die Schwowe im Banat hadde), Heimatforscher, Bicherschreiwer un Bichermacher jo gut aus in der Banader Geschichte un Familieforschung. Der war selmols aah uf dem Treffe. Ich hun ne gsiehn uf’me Video .

Die Frage is norr, ob de jetzich Richter, de Virgil Bunescu, des aah waaß. Wann net, sellt merr vleicht wedder mol e Musikantetreffe abhalle, dass merr dee Mann ufklärt, net dass de Vedder Crăciun moont, er hätt’s wirklich norr mit Weihnachtsmänner im heidiche Banat zu ton. Odder vleicht macht des die Delegatzie, die wu im Summer nunner fahrt, un e Gedenktafel an die Kerch schraubt. Ufklärung is immer gut.

Berns Toni

Dienstag, 14. Mai 2013

Malerei aus Donauländern unweit der Ingolstädter Donaulände


Die Donauländer haben auch Donauländen. Das ist nur eine der vielen Gemeinsamkeiten der Donauanrainerstaaten. Daher fällt der Schreibfehler auf dem Plakat der Wanderausstellung im Ingolstädter Stadttheater auch nicht sonderlich ins Auge. Der Mensch. Der Fluss. Malerei aus den Donauländen steht da zu lesen. Gemeint ist natürlich Der Mensch. Der Fluss. Malerei aus den Donauländern. Wahrlich, diese Malerei ist jetzt unweit der Ingolstädter Donaulände, also des Schiffslandeplatzes, zu besichtigen – nämlich im Stadtmuseum. Wäre das geplante Donaumuseum direkt an der Donaulände schon verwirklicht, würde die Ausstellungsörtlichkeit jetzt bestimmt eine andere sein.

So aber scheint die Kunst wie so oft der Wirklichkeit wieder mal vorausgeeilt zu sein. Und sie, die Kunst, in diesem Fall die Malerei, begnügt sich nicht mit den Gemeinsamkeiten, sondern zeigt die Unterschiede auf. Die Blick- und Darstellungsweisen sind in dieser Ausstellung so verschieden wie faszinierend. Wen wundert’s, kommen die Maler/innen doch aus allen Donauländern. Und das wir hier nur einen Mikroausschnitt aus dem Facettenreichtum der Malerei rund um die Donau geboten bekommen (können), ist auch für jedermann leicht nachvollziehbar.

Wer mit der nicht ganz vorurteilsfreien Erwartung, eine Ausstellung mit Landschaftsbildern zu besuchen, die Schauräume betritt, wird sich schon beim ersten Bild sowohl bestätigt als auch widerlegt sehen. „Landschaft um Obermarchtal“, ein großes Bild von 110 x 189 cm, gemalt von Daniel Sigloch (Deutschland). Erwartung bestätigt. Aber, die Kunstform deutet in die Zukunft. Landschaftsmalerei ist nichts Antiquiertes, Altmodisches. Das Obermarchtal erscheint hier in seiner Märchenpracht, festgehalten mit einer Technik, die als c-print auf Alu-Dibond ausgewiesen ist. Auch die „Quelle in Donaueschingen“ – einmal zwischen 7 – 10 Uhr (grünlich) und dann zwischen 16 – 19 Uhr (rötlich) – zeigt, wie Natur künstlerische Kreativität regelrecht ins Wallen bringt. Auch am Computer.

Dieser Eintritt in die Ausstellung ist wirklich vielversprechend und man wird auch bis zum letzten Exponat nur selten enttäuscht – natürlich geschmacksbedingt. Viele der Bilder sind großformatig und weichen von der klassischen Maltechnik Öl auf Leinwand ab. Maja Vukoje (Österreich) arbeitet mit Acryl, Spray, Hasenstreu und Glitter auf Leinwand. Realismus kann nicht nur alles darstellen sondern auch viel aus dem realen Alltag verwerten. Umso glaubwürdiger werden dann die Bilder. Franziska Degendorfers (Deutschland) Collagen kommen mit Hilfe von Zeitungspapier, Acryl, Pigmente und Stoff zustande. Als Technik gesellt sich zum Malen auch das Nähen. Und schon haben wir einen Hauch von Surrealismus als Bereicherung der Ausstellung zu begrüßen.

„Der Flirt“ von Nilbar Güres (Österreich) hat mich an „Lauras Stern“, den Punkt-zu-Punkt-Malblock meiner Enkelin, erinnert. Ja, und an Ada Kaleh.

Bei Pavel Stručka (Slowakei) und Josef Srna (Slowakei) darf man wieder großflächige Öl-auf-Leinwand-Bilder bestaunen. Künstler können sogar dem Nebel Schönheit abgewinnen – im Gegensatz zu den oft nebelgeplagten Ingolstädtern. Zita Bajor (Ungarn) hat Fenster in allen Jahreszeiten mit Eiertempera auf Leinen gebannt. Fenster. Blicke. Draußen. Landschaften? Man kann sie erahnen.

Und trotz allem gibt es nicht nur die Donau. Auch andere Flüsse haben ihre künstlerische Daseinsberechtigung, ihr Leben und ihren Einfluss auf die Menschen. Der Nil zum Beispiel, wie ihn uns Silke Mathé (Deutschland) in einem verfremdeten Realismus in Erinnerung ruft. Schon fragte ich mich, wo denn die Menschen blieben. Bei Bodo Rott (Deutschland). Ein „Junge“ und ein „Musiker“ sind die ersten, denen der Besucher begegnet.

Bei Ferenc Gnándt (Ungarn) und Zoran Pavelić (Kroatien) stoßen wir auf die etwas anderen Sichtweisen, jene Kunst, die an der Fantasie, dem Vorstellungsvermögen und der Interpretationsbereitschaft des Betrachters rüttelt.

Aber auch dieser Ausstellungsbereich ist steigerungsfähig. Biljama Stamenić (Serbien) verzichtet auf alle bisher gesehenen Malstile und –techniken. Er greift zum Reisnagel. Und schon wird aus Malkunst Installationskunst. „Štit“ heißt der 2009 entstandene eindimensionale Schädel aus Reisnägeln. Ein paar Schritte zurück und du siehst nur einen „gemalten“, glänzenden Mannskopf, fast ein Porträt.

Ana Petrović (Kroatien) und Jelena Trajković (Serbien) zeigen eine politischen Interpretationen offene Malerei – insofern Zeitung immer etwas mit politischem Tagesgeschehen zu tun hat und danach zur Bildgestaltung benutzt wird.

Wenn man das Frauenporträt in vierfacher Ausfertigung von Cosmin Paulescu (Rumänien) betrachtet, kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass man dem Ertrinken einer schönen Frau beiwohnt. Das ist magischer Realismus in Farbe.

Delia Chausheva (Bulgarien) pflegt eine abstrakte Malkunst. Geometriegestörte Flächen fließen ineinander. Auch auf Svilena Kolevas (Bulgarien) Bildern begegnen wir Flächenverschiebungen.

Und dann sind da zum Schluss noch diese Kinder mit ihren eindringlichen Blicken und ihren Träumen (zwischen Bauch- und Brustbereich, nicht im Kopf), mit dieser dunklen Hautfarbe, am Fluss stehend. Wir sind eigentlich am Ende einer Reise. Die Donau breitet sich aus. Speist das Delta… und die Kinder auf den Bildern von Bogdan Mateiaşi (Rumänien).

Diese im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitende Ausstellung wird von Dr. Swantje Volkmann vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm betreut. Das Projekt läuft schon seit 2011. Erster Ausstellungsort war Villingen-Schwenningen und der letzte wird (nach Ingolstadt) Ulm sein. Die ausgestellten Werke wurden bisher schon in Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowakei, Österreich und Belgien gezeigt.

Anton Potche

Der Mensch. Der Fluss. Malerei der Donauländer; Wanderausstellung 2011 – 2013; 28. April – 26. Mai 2013, Stadtmuseum Ingolstadt, Auf der Schanz 45, 85049 Ingolstadt, Telefon: 08 41/3 05-18 81, -18 85, Fax: 08 41/3 05-18 88, E-Mail: stadtmuseum@ingolstadt.de; Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag: 9.00 – 17.00 Uhr, Samstag/Sonntag: 10.00 – 17.00 Uhr

Mittwoch, 8. Mai 2013

Barockmusik bei der Ingolstädter OrgelMatinee um Zwölf


Der Italiener Giovanni Bonaventura Viviani (1638 – 1692) hat mehrere Opern und kleinere Instrumentalstücke komponiert. Seine Violinsonaten werden zu den bedeutendsten Werken dieser Gattung des 17. Jahrhunderts gezählt. Das ist insofern nicht verwunderlich, als Viviani sich auch als Geigensolist hervortat, besonders in Italien – nachdem er seine Stelle als Leiter der kaiserlichen Hofmusik in Innsbruck eingebüßt hatte. Das war im Jahre 1676.

Neben seinen 12 Trio- und 18 Violinsonaten sind auch zwei Sonaten für Trompete und Orgel erhalten geblieben, kleine musikalische Barockseltenheiten. Man brilliert heutzutage schon lieber mit Namen wie Tartini, Telemann, Bach, Albinoni, Mouret und natürlich Händel.

Dass es sich aber lohnt, auf Raritäten zurückzugreifen, hat jetzt ein Konzert im Rahmen der Ingolstädter OrgelMatinee um Zwölf bewiesen. Der Trompeter Hans-Paul Fuss und der Organist Christian Ledl haben die zwei Trompetensonaten von Giovanni Bonaventura Viviani erklingen lassen und bewiesen, dass es sich wahrlich um keine anspruchslosen Stücke handelt. Besonders der Bläser kann auf seiner Piccolo-Trompete eine schöne Palette an virtuosen und lyrischen Fähigkeiten abrufen.

Das hat Hans-Paul Fuss dann auch getan. Vor allem die getragenen Stellen kamen gut an. Die Sonata Prima für Trompete und Orgel beginnt bereits mit einem hohen, aber im unteren Mezzofortebereich angesiedelten Ton. Das war ein gelungener Einstieg und ein gutes Omen für den weiteren Verlauf des Konzertes. Sowohl Organist als auch Trompeter konnten überzeugen. Das Auditorium lauschte den Klängen von der Empore so gespannt, dass es schlicht vergas nach den einzelnen Werken zu applaudieren. Umso herzlicher viel dann aber der Schlussapplaus des zahlreichen Publikums – die Asamkirche Maria de Victoria war wieder mal voll besetzt – aus.

Die zwei Musiker hatten außer den zwei Trompetensonaten noch drei Orgelwerke von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788) und die Sonate g-Moll für Trompete und Orgel vom selben Komponisten im Programm. Alles in allem war das ein gelungenes Barockkonzert und ein neuer Beleg dafür, dass solche Veranstaltungen bestens dazu geeignet sind, dem Konzertpublikum Werke zu bieten, die man nicht so oft – vielleicht nur einmal im Leben – zu Gehör bekommt.

Hans-Paul Fuss hat sich seine musikalischen Sporen an der Musikhochschule in Klausenburg (Rumänien) erworben. Nach dem Studium war er Solotrompeter an der Hermannstädter Philharmonie, hat im Kurorchester Bad Wiessee gespielt und unterrichtet zurzeit an der Städtischen Musikschule Rottenburg an der Laaber. Sein Kollege Christian Ledl hat am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg katholische Kirchenmusik & Orgel und am Richard-Strauss-Konservatorium in München Cembalo studiert. Er ist an der St. Moritzkirche im Zentrum Ingolstadts als Organist und Chorleiter tätig und unterrichtet an Schulen in Ingolstadt und Eichstätt.

Montag, 6. Mai 2013

Preisverleihung bei den 20. Ingolstädter Literaturtagen

Die Ingolstädter Literaturtage sind in vollem Gange. Und sie sind so vielseitig wie selten zuvor. Von Lesungen mit und ohne Musik, Poetry Slam, Sammellesung mit Zeitungsschreibern, Literarischer Nacht sowie Preisverleihung ist alles dabei, und das an verschiedenen Orten, vom Altstadttheater zum Kulturcafé, über die Bastei und das Verlagshaus bis zum... Schwurgerichtssaal. Ein ungewöhnlicher Ort für die Literatur, wie Sibylle Dworazik, die Präsidentin des Landgerichts Ingolstadt, zur Begrüßung der Preisträger und eines zahlreichen Publikums bei der Preisverleihung des Schülerschreibwettbewerbs 2013 meinte. An diesem Sonntag (5. Mai 2013) würden Realität und Scheinwelt zusammentreffen. Das Thema des Schreibwettbewerbs habe dies ermöglicht. Die Schüler aus Stadt und Region waren heuer nämlich dazu aufgerufen, eine Kriminal-Geschichte zu schreiben.

Ein bis zum Überdruss ausgeschöpftes Genre sei das, wenn man Cora Stephan, die als Anne Chaplet zehn Kriminalromane geschrieben und zweimal den Deutschen Krimipreis bekommen hat, glauben will. Die Schriftstellerin spricht vom "Schweinezyklus", der angeblich lehrt, dass "man die Produktion einstelle, wenn der Markt überfüllt ist und man auf die Zeit warte, in der wieder Bedarf entsteht." (DIE WELT, 5. Mai 2013). Es fällt nicht schwer, ihr Glauben zu schenken, wenn man sich in den Buchhandlungen umsieht. Aber vielleicht fehlt ja nur der frische Wind, ohne den die Literatur, und das unabhängig vom Genre, nicht existieren kann. Die Autobauer in Ingolstadt sprechen gerne vom KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) und meinen damit anhaltende Verbesserungszugluft, auch wenn es dem einen oder anderen schon mal zu stark zieht.

Vanessa Streitmatter auf dem Richterstuhl
Es gibt sie, diese Zugluft, auch in der Kriminalliteratur. Man muss nur das richtige Fenster öffnen, um sie zu spüren. Im Rahmen der 20. Ingolstädter Literaturtage hat das durch Johannes Langer regieführende Kulturamt heuer genau das getan: Das richtige Fenster geöffnet. Und mit Erfolg. Schüler und besonders ihre Kolleginnen schreiben nämlich hervorragende Kriminalgeschichten. Davon konnte sich das restlos begeisterte Auditorium im Schwurgerichtssaal des Ingolstädter Landgerichts überzeugen. 

In der Altersstufe 5. - 6. Klasse wurden fünf Preise (Gutscheine von Hugendubel) vergeben. Die beste preisgekrönte Geschichte hat ihre Autorin, Nika Karola Hannemann von der Realschule am Keltenwall in Manching, vorgelesen. Mäuschenstille herrschte im Saal, als die Ich-Erzählerin dem Räuber des Aztekenkalenders aus dem Stadtmuseum auf die Schliche kam. Da musste sogar die ermittelnde Polizei die Überlegenheit eines hellen Kinderkopfes zugeben, zum Vergnügen der Zuhörer - versteht sich.

von links: Vanessa Streitmatter,
Nika Karola Hannemann
Verena Wagner
Fünf Preise wurden auch für die besten Arbeiten der Sieben- bis Neunklässler vergeben. Verena Wagner vom Gnadenthal-Gymnasium Ingolstadt hat den ersten Preis von der fünfköpfigen Jury (Eva Krauser-Geitner - Hugendubel, Heike Marx-Teykal - Stadtbücherei, Ines Schachtschabel-Langer - Johann-Michael-Sailer-Schule, Kerstin Schulz - Radio IN und Johannes Langer) bekommen. Eine Wiederholungstäterin in Sachen Schreibwettbewerb sei hier am Werk, sagte Johannes Langer. Und das hörte man. Wer bei dem Alter so schreibt, muss den Kuss der Muse empfangen und erwidert haben. Die Stalkergeschichte hatte eine bedrückende Stille im Schwurgerichtssaal zur Folge. So muss es da wohl sein, wenn schicksalsträchtige Urteile verkündet werden. 

Aber so kann man ja Literaturfreunde nicht in einen sonnigen Maitag entlassen. Dieser Meinung war anscheinend auch die erste Preisträgerin der Jahrgangsstufen 10 bis 12, Vanessa Streitmatter vom Katharinen-Gymnasium Ingolstadt. Ein Kontrastprogramm par excellence ward hier dem dankbaren Publikum geboten. Eine Kriminalgeschichte, in der die Autorin das Genre selbst parodierte, indem es seine eingetretenen Pfade einfach mal verließ und sowohl den Schülerliteraturbetrieb - warum entschließt man sich überhaupt teilzunehmen -, als auch die Klassenatmosphäre, wie auch die übertriebene Sorgfalt der Mutter - mein Gott, man hat ja ein pubertierendes Mädchen - und nicht zuletzt sich selbst auf die Schippe nimmt. Und das alles in einer sehr gefälligen, fließenden, anregenden Sprache. Dazu gesellte sich ein sehr lockerer Vortrag. Bei all dem wurde aber die gattungsspezifische Spannung nie gelockert.

Zum Schluss warteten die Organisatoren noch mit einer Überraschung auf: Alle Preisträger durften sich für eines von drei Themen für den Schreibwettbewerb 2014 entscheiden. Die meisten Stimmen bekam Die Musik. Apoll wird's freuen. Und Vanessa Streitmatter wahrscheinlich auch. Sie eilte gleich nach der Preisverleihung zu einem Auftritt ihres Blasorchesters. (Zwischen dem ersten und letzten Foto dieses Beitrages liegen knapp vier Stunden.) Literatur- und Musikaffinität haben sich schon immer ergänzt, ja, wahrnehmbar befruchtet; nicht nur, aber nachweisbar auch in Ingolstadt. Schon von dem neuzeitlichen "Dichterfürsten und Ingolstädter Poeten-Professor" (so die INGOLSTÄDTER HEIMATBLÄTTER), Marcus Tatius Alpinus (um 1509 - 1562), wissen alte Chroniken zu berichten, dass er sich in seinen Lehrjahren den Lebensunterhalt "durch Musizieren und Betteln verdienen" musste. Zum Glück müssen heute weder der Ingolstädter Poet und Musiker Michael von Benkel oder der Maler, Musiker, Komponist und Dichter Klaus W. Sporer (um nur zwei Namen aus der Reihe der hiesigen Multikünstler zu nennen) noch die aus olympischem Geist - dabei sein ist alles - schreibende Gymnasiastin Vanessa Streitmatter aus Not musizieren oder gar betteln.

Die Zeiten sind gut. Junge Menschen sollten sie nutzen und ihren kreativen Trieben freien Lauf lassen. Vorbilder gibt es genug. Man muss sie nur wahrnehmen und ihnen nacheifern. Einige kann man in der Literarischen Nacht, am Freitag, 10. Mai 2013, ab 19:00 Uhr in der Harderbastei zu Ingolstadt erleben. Einen langen Abend mit viel Literatur und Musik verheißt das Programm der damit ausklingenden Ingolstädter Literaturtage anno 2013. Als literarisches Dessert zu den Literaturtagen, wird im Laufe des Jahres noch eine Anthologie mit den besten Texten des Schülerschreibwettbewerbs erscheinen.

Anton Potche