Mittwoch, 31. Oktober 2012

Oktober 2012 - Giarmata in den Medien


ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 02.10.2012
Der erste Abschnitt der Autobahntrasse Timişoara – Lugoj ist fertig. Gearbeitet wird noch an einem Parkplatz, ca. 4 km nach Giarmata. Zur Einweihung wird wahrscheinlich auch Premier Victor Ponta kommen. Die Ausfahrt bei Giarmata ist auch fertig.
+ + + Schon Ceauşescu ist an Giarmata vorbeigefahren. Allerdings auf der anderen Seite der Gemeinde. Damals lebten in dem Dorf noch Jahrmarkter. + + +

BANATSPORT.RO, Banat, 06.10.2012
 Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 6. Spieltag:
Millenium Giarmata – AFCM Reşiţa 3:2
Tore: Moroşan (2), Hecsko für Millenium und Kovacs, F. Costescu für AFCM
Tabelle: 2 Millenium Giarmata  5   3   2   0   9:3   11
+ + + Bravo băieţi! + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 08.10.2012
Victor Ponta kommt. Alle Vorbereitungen laufen für die Eröffnung des bei Giarmata beginnenden Autobahnabschnitts der Trasse Temeswar – Lugoj. 210 Millionen Lei wurden verbaut – 178 Millionen von der EU.
+ + + Hallo! So geht das nicht weiter! Man benötigt das Geld doch für Griechenland. Das und noch viel mehr. + + +

ADERUL.RO, Timişoara / Temeswar, 11.10.2012
Der Vorsitzende des Temescher Kreisrates, Titu Bojin, hat die Eröffnung des bei Giarmata beginnenden und bei Remetea Mare auf die Nationalstraße nach Lugoj / Lugosch stoßenden Autobahnabschnitts von 9,5 km Länge angekündigt. Premier Victor Ponta höchstpersönlich sollte das Ereignis mit seiner Anwesenheit krönen. Er lies aber wissen, dass er sich für das Durchschneiden eines Bandes wegen 9,5 km Autobahntrasse nicht ins Banat bemühen werde. Jetzt wurde die Einweihung für eine Woche verschoben. Der Chef der Autobahnpolizei im Kreis, Teodor Tudur, scheint darob nicht betrübt zu sein. Ganz fertig ist der Autobahnabschnitt nämlich noch nicht. Besonders bei den Sicherheitsmaßnahmen happert es noch.
+ + + Wie heißt es so schön: Eile mit Weile. Und um eine Hinterslichtführung ist der Regierungschef ärmer. + + +

ADERUL.RO, Timişoara / Temeswar, 12.10.2012
Vier Hummer-Geländewagen haben bei Giarmata die Westautobahn verlassen und wurden dabei von einem Kammeramann des rumänischen Fernsehsenders DIGI 24 gefilmt. Die vier Wagen stammten aus Österreich. Sie waren auf der Heimfahrt. In Ungarn wollte die Polizei die Fahrzeuge stoppen. Die hielten aber nicht an. Es kam zu einer Verfolgungsjagd, während der einer der Österreicher, Tomas B., einen ungarischen Polizisten überfahren hat. Der Mann ist gestorben.
+ + + Der Österreicher soll unter Drogeneinfluss gestanden haben. Hoffentlich liefern die Ungarn ihn nicht aus, bevor er nicht clean ist, und wenn’s Jahre dauert. + + +

PROSPORT.RO, Bucureşti / Bukarest, 12.10.2012
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 7. Spieltag:
Minerul Motru - Millenium Giarmata 0:0
+ + + Immerhin. + + +

ADERUL.RO, Timişoara / Temeswar, 23.10.2012
Die bei Giarmata vorbeiführende Autobahn A1, auch Westautobahn genannt, ist die erste Fernstrecke dieser Art in Rumänien, die lange vor dem Fertigstellungstermin für den Verkehr freigegeben wird. Heute, am 23. Oktober, um 10 Uhr.
+ + + Ohne Victor Ponta. + + +

ROMÂNIA LIBERĂ, Bucureşti / Bukarest, 24.10.2012
„Die erste vor dem Termin fertiggestellte Autobahn” titelt eine der größten Tageszeitungen Rumäniens. Die 9,5 km zwischen Giarmata und Remetea Mare wurde „fast in der Anonymität” eingeweiht und für den Verkehr freigegeben. 18 Monate waren für den Bau vorgesehen, in 12 Monaten war die Strecke fertig. 210 Millionen Lei wurden verbaut, 85% davon EU-Gelder.
+ + + Es ging auch ohne Ponta. Eine sinnvolle Sparmaßnahme. + + +

OPINIA TIMIŞOARA, Timişoara / Temeswar, 24.10.2012
Ein PKW-Fahrer stieg bei der Autobahnauffahrt Giarmata aus seinem Wagen, weil der den Geist aufgegeben hatte. Kaum hatte er das Fahrzeug verlassen, kippte ein Laster nach einem unglücklichen Ausweichmanöver an der gleichen Stelle um und begrub den PKW unter sich.
+ + + So sieht Glück im Unglück aus. + + +

OPINIA TIMIŞOARA, Timişoara / Temeswar, 24.10.2012
Munizipalmeisterschaft Temewar (Liga VI) -8. Spieltag
Millenium Giarmata II – Ripensia Timişoara 1:1
Tore: Moisiuc (Ripensia) und Adi Popa (Ripensia)
+ + + Hai Giarmata! + + +

PROSPORT.RO, Bucureşti / Bukarest, 26.10.2012
Fußball – Liga 3 – Serie 4 – 9. Spieltag:
Millenium Giarmata – Pandurii II Târgu Jiu 0:1
Tabelle: 5 Millenium Giarmata 12
+ + + Was ist los? + + +

DE.BANAT.RO, Bucureşti / Bukarest, 29.10.2012
Wer auf die Kandidatenliste der Großrumänien-Partei (PRM) für die anstehenden Parlamentswahlen will, muss 1000 Dolar zahlen. Der ehemalige Bürgermeister von Giarmata, Gavril Roşianu, hat das Geld. Er will noch heuer für die PRM in den rumänischen Senat einziehen.
+ + + Baftă! Jahrmarkt hatte nie einen Landespolitiker. Sollte jetzt Giarmata  einen stellen? Ich hab da so meine Zweifel. + + +

Samstag, 27. Oktober 2012

Seppi und Peppi unterhalten sich über die Georgier


Seppi und Peppi sitzen im Bahnhofscafé des nicht mehr ganz so bedauernswerten Bahnhofs einer deutschen Großstadt. Es schneit in die Sommerzeit. Da will man nicht einmal einen Hund hinausjagen.

- Hast du den DONAUKURIER schon gelesen?
- Ja. Meinst du „die CSU in Schockstarre“? Nein, der Schmarrn interessiert mich nicht. Du wirst doch nicht glauben, dass der Wähler sich das bis nächstes Jahr merkt. Der hat doch ein schwächeres Gedächtnis als ein Wurm. Ich meine die Georgier.
- Die Georgier?
- Ja, die haben gerauft.
- Mit wem?
- Mit niemand. Unter sich. Zwei Cellisten haben einem Geiger die Nase eingeschlagen.
- Die haben ja auch größere Instrumente. Wollte der Geiger auch Cello spielen?
- Nein. Wegen dem Lavard Skou Larsen.
- Wer ist das?
- Der Kapellmeister.
- Der geigt wohl auch, was? Und da glaubten die Cellisten sich diskriminiert, weil der die Geige bevorzugt. War es so?
- Hör auf mit der Schwafelei. Die sind wirklich total zerstritten wegen diesem Kapellmeister. Einige wollen ihn und andere nicht.
- Die Cellisten wollen ihn nicht, nehme ich an.
- Ja. Er hat angeblich gesagt: „Ihr seid ein drittklassiges Orchester, und wenn ihr euch anstrengt ein zweitklassiges.“ Das lassen sich die Professoren aus Tbilisi natürlich nicht gefallen. Also, zumindest einige aus dem Orchester, laut Zeitung, etwa die Hälfte der Georgier.
- Und die Gegner wollten die Anhänger vom Larsen jetzt etwas rustikal bekehren.
- So kann man das sehen.
- Zigeuner.
- Nein, Georgier, gebildete Professoren aus Tbilisi.
- Nicht jeder Zigeuner ist ein Musikant, aber jeder Musikant ein Zigeuner.
- Hm. Wo hast du das her?
- So hat man bei uns gesagt.
- Wo, bei euch?
- Na, dort unten im Banat.
- Man soll doch das Wort Zigeuner gar nicht benutzen. Das ist doch diskriminierend.
- Hier, bei uns, in einer Political-Correctness-Welt, aber nicht dort, wo die Menschen sich noch keine Mühe machen, sich anders zu geben, als sie wirklich sind. Wenn da einer zum anderen „du Zigeiner“ gesagt hat, dann war das nicht selten die Anerkennung von dessen Bauernschläue. Wurde jemand hereingelegt, sagte er über seinen Widersacher oft im Spaß oder Zorn – das war von dem Seriositätsgrad der Situation abhängig – „der Zigeiner“. Für Streiterei wurde regelmäßig das Wort „Zigeinerei“ benutzt.
- Also sind die Musikanten alle Zigeuner? Auch die Georgier?
- Ja.
- Haben die Musikanten sich bei euch auch immer gestritten?
- Und wie! Meinen Kapellmeister haben sie mal krankenhausreif geschlagen. Und nicht nur ihn.
- Die eigenen Leute? Nein, die Gegenpartei. Die von der anderen Dorfkapelle.
- Die Georgier haben sich aber gegenseitig verprügelt. Das ist nicht das Gleiche.
- Doch. Musikantenrauferei ist Musikantenrauferei. Nur in Ingolstadt hat die jetzt eine andere, höhere Qualität erreicht. Wir sprechen hier von einem professoralen Raufniveau, denn diese Georgier haben alle höhere Bildungsweihen.
- Bist du jetzt stolz auf die Musikanten in deinem Dorf.
- Klar! Das waren echte Musikanten, fast auf dem Niveau der Georgier, ja, ich würde sagen, sogar besser, denn der zusammengeschlagene Geiger konnte zwar nicht mitspielen, aber von "bewusstlos geschlagen" wie in meinem Dorf, ist im DONAUKURIER keine Rede.
- Und wie wird das jetzt weitergehen mit den Georgiern?
- Wer miteinander raufen kann, wird sich eines Tages auch wieder zusammenraufen. Das war in meinem Dorf auch so. Die mussten zwar alle ihre Heimat verlassen, um nach einer Generation gemeinsam Feste zu feiern – mit Spanferkel und so -, aber sie haben es nach fast 60 Jahren immerhin geschafft. Was die damaligen Protagonisten im Himmel dazu sagen, ist noch nicht bekannt. Die Ferne scheint auf jeden Fall eine versöhnliche Wirkung auf die Musikanten aus meinem Dorf gehabt zu haben.
- Und die Georgier sind ja auch fern der Heimat. Also meinst du, dass nach einer Generation wieder Friede einkehren wird?
- Schau mer mal!

Der Schnee ist in Regen übergegangen. Gruselig. Einfach nur gruselig. „Greisliches Wedder“ hieß das im Banater Musikantendorf, damals, als es noch Banater Schwaben gab. Ich meine echte, mit „Schunke in der Speis un Wein im Keller, mit raaflustiche Musikante un  Handballiste vun Weltformat“.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Vrând-nevrând imigrant


Nemţii cunosc noţiunea „Migrationshintergrund”. Tradus în lb. română cu ajutorul dicţionarului am putea folosi varianta „fundal de imigrant”. De fapt este vorba de cetăţenii din Germania (nu neapărat cu cetăţenia germană) care au venit cândva din alte părţi ale lumii în această ţară, deci migranţi. Biroul Federal de Statistică (Statistische Bundesamt) din Wiesbaden îi consideră şi pe cetăţenii născuţi în Germania, însă având o parte dintre părinţi (mamă sau tată) cu o biografie de imigrant, ca fiind cetăţeni cu „fundal de imigrant”. Astfel în Germania trăiesc 17,5 milioane de oameni cu „fundal de imigrant”. Statisticile nu fac nici o deosebire între cei imigraţi din Africa sau Asia şi cei veniţi din Europa de Est sau Sudest. Nici naţionalitatea nu joacă vreun rol în procesul de înregistrare. Deci, cu toate că fiica mea s-a născut în Germania, face şi ea parte din categoria cetăţenilor germani cu „fundal de imigrant” – chiar dacă părinţii sunt şvabi bănăţeni, deci germani.

Mai ales această nediferenţiere după criterii naţionale îi iritează, sau chiar îi supără pe unii dintre şvabii şi saşii veniţi – adică imigraţi – din România. Un funcţionar al organizaţiei şvabilor bănăţeni, Landsmannschaft der Banater Schwaben, mi-a atras odată într-o discuţie clar şi concis atenţia că „noi nu suntem imigranţi, ci Aussiedler”. Eu personal nu am avut niciodată probleme cu statutul de imigrant în Germania - nu însă şi cu cel de exilant. Sunt destui care se consideră exilaţi, cu toate că au plecat de voie bună şi nesiliţi de nimeni din România. Păi, cine n-ar vrea să fie un Ovid?

Statisticile sunt însă necruţătoare. Doar sunt calculate de programe de computer. Oraşul în care trăiesc de aproape 30 de ani, Ingolstadt, foloseşte programul MigraPro. După calculele sale, în oraşul de pe Dunăre au fost înregistraţi la sfârşitul anului trecut 126.500 de locuitori. 49.200, deci 39% din totalul populaţiei oraşului, au un „fundal de imigrant”. Programul MigraPro îi consideră pe toţi cei care nu s-au născut în Germania şi care au venit după 1 ianuarie 1964 în Germania ca cetăţeni cu „fundal de imigrant”. Nu contează dacă aceste persoane sunt străini sau germani.

Din statistica publicată de Primăria Ingolstadt se poate vedea că majoritatea migranţilor a venit din ţările fostei URSS, şi anume 12.000. Deja pe locul doi se află migranţii din România cu 9.300 de persoane şi abia atunci vin turcii cu 7.800 de persoane. Deci, vrând-nevrând, saşii şi şvabii din România sunt şi ei migranţi în Germania, exact ca românii care s-au stabilit în această ţară. O altă statistică din „Anuarul statistic” al oraşului arată că la 31 decembrie 2011 au trăit în oraşul Ingolstadt 1012 persoane cu cetăţenie română şi 12 persoane cu cetăţenie moldovenească. Dar şi aici trebuie remarcat faptul că nu toţi etnicii germani din România au renunţat la cetăţenia română, aşa că nu se poate citi din această statistică câţi români trăiesc în oraşul Ingolstadt.


Anton Delagiarmata

Freitag, 19. Oktober 2012

Audi Bläserphilharmonie wird 50


Es begann eigentlich alles sehr harmlos, damals 1962 in der Auto Union GmbH. Seit einem Jahr war die gesamte Produktion des Unternehmens in Ingolstadt konzentriert. Im Oktober 1962 lief der 200.000-ste DKW Junior vom Band. Vielleicht brauchte man dazu urige bayerische Blasmusik, um das Ereignis auch den regionalen Gepflogenheiten entsprechend zu feiern. Auf jeden Fall entstand in jenem Jahr eine Blaskapelle im Werk. Werkskapellen gehörten damals noch zum Bild der deutschen Nachkriegsgesellschaft. 

Audi Werkorchester
 Ltg.: Bernd Maltry
Im DONAUKURIER vom 12./13. September 1987 war anlässlich des 25. Gründungsjubiläums des längst zum musikalischen Botschafter der Audi AG etablierten Audi Werkorchesters zu lesen, dass im Jahre 1962 der damalige Chef des Konzerns, Dr. Werner Henze, seiner Jagdleidenschaft frönend, die Gründung einer Jagdhorn-Bläsergruppe anregte. Von den Jagdhornbläsern bis zu den Blasmusikanten war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Fritz Berger hat die ersten Proben und Auftritte der 22 Mann starken Kapelle geleitet. 

Die Blaskapelle wuchs unter Bernd Maltry (von 1986 bis 2006) zu einem Werkorchester mit anspruchsvollem Repertoire heran und firmiert heute unter dem Namen Audi Bläserphilharmonie. Den Taktstock schwingt seit sechs Jahren Christian Lombardi.

Audi Bläserphilharmonie
Ltg.: Christian Lombardi
Das Orchester hat mit einem neuen Proberaum im kürzlich fertiggestellten Mobilitätscenter der Audi AG in Ingolstadt ein beachtenswertes Geburtstagsgeschenk seitens des Unternehmens in Empfang nehmen können, was den organisatorischen Leiter der Bläserphilharmoniker, Günther Graf, zu der Aussage veranlasste: „Unser neuer Proberaum ist einfach super! Wir werden uns hier musikalisch weiter verbessern.“ (AUDIMOBIL / Oktober 2012)

Am 11. November 2012 soll die Audi Bläserphilharmonie nun den endgültigen Ritterschlag bekommen. Mit der Gründung dieses Klangkörpers verbindet der heutige Konzern nämlich auch den Beginn seines Kulturengagements. Und das kann sich wahrlich sehen lassen. Von den Salzburger Festspielen über Bayreuth bis zum eigenen Musikfestival ist alles geboten. Audi fördert und unterstützt Musik auf Weltniveau und feiert jetzt sein eigenes Engagement mit einem Konzert in der Presswerk-Halle N58. Die Audi Bläserphilharmonie wird an diesem Tag in wahrlich erlesener Künstlergesellschaft agieren können: Till Brönner (Trompete), Martin Grubinger (Marimbaphon), Olga Scheps (Piano), Marianne Sägebrecht (Schauspiel), Andreas Bourani (Gesang),  Georgisches Kammerorchester, Audi-Jugendchorakademie, I Solisti Vento sowie Ballett aus Györ. Die „revueartige Konzert-Show“ (DONAUKURIER) wird von der Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, in Szene gesetzt. 

Audi hat Erfahrung mit unkonventionellen Konzertveranstaltungen. 1989 spielten die Münchner Philharmoniker  unter Sergiu Celibidache und Daniel Barenboim in einer Produktionshalle. Damals konnte jeder Audianer mit Lust auf klassische Musik sich das Konzert zu Gemüte führen. 2700 waren wirklich gekommen und das ZDF hat aufgezeichnet. Diesmal sollen es laut DONAUKURIER nur „rund 500 geladene Gäste“ sein. Schade! Vielleicht überträgt man das Konzert ja wenigstens in andere Hallen.... Das macht beim Blick auf den Kalender aber wenig Sinn. Warum dann nicht mal ein richtiges Kultur-Public-Viewing für ganz Ingolstadt – wie damals bei der 100 Jahrfeier des Unternehmens? Oder eine Internet-Liveübertragung. Auch darin hat Audi Erfahrung.

Wie auch immer: Happy Birthday Audi Bläserphilharmonie!

Anton Potche
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Resonanz

Der DONAUKURIER hat anscheinend nur einen Fotografen zu dem Konzert geschickt. Gut, das war ja auch nur eine Geburtstagsparty. Wir wissen ja von Facebook, was passieren kann, wenn man alle einlädt. 

Dafür gibt es beim DONAUKURIER eine Fotostrecke mit den Schönen und Reichen des Abends. Hier kann man die Glücklichen sehen: http://www.donaukurier.de/bivi/bilder/bilduebersicht/cme248655,0 

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Katrin Hirner vom BR hat die Musik im Montagewerk gehört und gesehen. und es scheint ihr gefallen zu haben.

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"50 Künstler, fünf Stunden, vier Gänge - das war in nackten Zahlen die Feier zu 50 Jahre Audi Kultur." So beginnt die Ingolstädter Wochenzeitung BLICKPUNKT (KW 46) ihren Bericht zu dieser Veranstaltung.

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Jetzt hat auch das Lifestyle Magazin ESPRESSO (Dezember 2012) einen Artikel unter dem Titel Kraftakt im Presswerk - Katharina Wagner inszenierte die Feier zu 50 Jahre Audi Kultur veröffentlicht. Auch sechs sehenswerte Fotos sind zu bewundern. Das Geburtstagskind, also die Bläserphilharmonie? Fehlanzeige! Pardon, der Chef und der Walter sind  auf einem Foto zu sehen. Letzterer schaut, als würde ihm ob der zu erwartenden bayerischen Leckerbissen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das Magazin hat die bei dieser Geburtstagsparty servierten Köstlichkeiten für die Nachwelt festgehalten: "Tartar von geräuchertem Thunfisch mit Wasabicréme, Shisokresse und Kartoffelstroh, Kürbissuppe mit gerösteten Kernen und Öl, gratiniertes Rinderfilet mit Thymianjus, Ratatouille und Gnocchi, Schokoladen-Kaffee-Tarte mit Himbeere". Urbayerischer geht's wahrlich nicht.  

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Zwei Seiten widmet Audi seinem Orchester in der letzten Ausgabe der Konzernzeitung AUDIMOBIL. Und der Autor des Artikels, Marko Belser, beweist, dass er auch Geschichten erzählen kann. Davon gab es in der 50jährigen Geschichte der Bläserphilharmonie wahrlich genug. Viele wurden zweifellos schon vergessen, aber der erste geblasene Ton blieb immerhin in Erinnerung. Franz Happernagl hat ihn nach eigenem Bekunden auf seiner Posaune geblasen. Lang, lang ist's her. Aber der Franz ist immer noch dabei. Wen wundert's? Ein Athlet eben. Schließlich und endlich lief er bei den Olympischen Spielen in Helsinki in der 4 x 100 Meter Staffel für Deutschland. Noch länger ist's her. Und der Franz sieht immer noch sportlich aus. (Mittlere Foto unter dem Orchester).

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Dienstag, 16. Oktober 2012

Zwei Templer haben überlebt


Schrecklich, diese Verschlafenheit! Ein Dorf ist das, und die wollen Großstadt sein! Nichts los in diesem Nest! Aber gar nichts! Das hört man immer wieder. Und ich mittendrin. Schrecklich, in dieser Stadt leben zu müssen. Ingolstadt. Welch grausames Schicksal hat mich hierher verschlagen? Mit was habe ich das nur verdient?

Da sitze ich nun an diesem ereignislosen Samstagabend. Der Spätsommer hat sich verabschiedet. Oktoberfest ist. Aber dort, wo die bayrische Seele bebt und die Italiener kommen und die Japaner und... Was mach ich nur in diesem verschlafenen Weiler? Geh ich ins Kleine Haus im Stadttheater und schau mir Die Grönhelm-Methode an, oder versuch ich, noch in letzter Minute eine Karte für die Premiere von Nick Whitbys Sein oder Nichtsein zu ergattern (schließlich ist Friedrich Schilha wieder da), oder schau ich mir Immer is’ was. Und jetzt ist auch noch Klaus weg im Altstadttheater an? Oder vielleicht hör ich mir die Sopranistin Hanna Eittinger und den Cembalisten Ralf Waldner mit ihrem Donne-Barocche-Programm im Barocksaal des Stadtmuseums an, das Jubiläumskonzert des Ingolstädter Jugendkammerchors wäre vielleicht auch etwas, oder vielleicht doch lieber Jazz & More mit Silje Nergaard im Diagonal oder, oder ... Ich habe mich dann endlich entschieden, und zwar für eine Stunde der Kirchenmusik in der St-Matthäus-Kirche. Was willst du auch machen in einem stadtähnlichen Gebilde, in dem nichts, aber auch gar nichts los ist?

Das Ingolstädter Holzbläsercollegium hatte zum Konzert geladen. Martin Michaelis stellte seine ihn flankierende Mitstreiter vor: „Obwohl der Orden der Templer bereits im 14. Jahrhundert untergegangen ist, haben zwei Templer überlebt.“ Das sind Norbert Templer an der Klarinette und dem Altsaxophon und sein Bruder, Edgar Templer, Klarinette und Bassklarinette. 

Kirchenkonzerte sind ja in der Regel Bildungskonzerte, schon wegen der Vielzahl der Stücke und der dadurch ermöglichten musikalischen Bandbreite. So konnte sich auch dieses Programm sehen lassen: Originalkompositionen und Transkriptionen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart und, was nicht immer der Fall ist, Eigenkompositionen. Abwechslungsreiche und auf hohem musikalischem Niveau vorgetragene Holzbläsermusik, dazu noch eine Ergänzung von der Orgel mit Zwei Präludien in A-Dur und C-Dur [Johann Christoph Kellner (1736 – 1813)] und einem Grand Choeur [Theodore Dubois (1837 – 1924)] – was will man mehr? Die Orgel wurde von Reinhold Meiser gespielt.

Es ging los mit W. A. Mozarts (1756 – 1791) Divertimento Nr.1 – für zwei Klarinetten und Bassklarinette: ein erzählerisch vorgetragenes Adagio zwischen einem Allegro und einem Menuetto.

Dann schon eine Eigenkomposition von Edgar Templer (*1962): Ein Wintertag – für zwei Klarinetten und Bassklarinette. Das ist eine wunderschöne musikalische Miniatur in fünf Sätzen: Der Tag Bricht an. Morgentanz der Schneeflocken. Der Wind streicht übers Feld. Die Nachmittagssonne scheint. Es dämmert. Können Musiker ihre eigenen Kompositionen schöner spielen als andere? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ließ Edgar Templer diesen Tag auf eine Art und Weise anbrechen, dass es einem die Gänsehaut über den Rücken trieb. Sein Bassklarinettensolo war eine musikalische Glanzleistung: so geschmeidig, so leise und trotzdem so rund im Ton – einfach einnehmend, dieser liebenswürdige Bassklarinettenbrummbär.

Der Griff zum Saxophon deutete es an: Es geht in die Moderne: Trio Nr. 4 für zwei Klarinetten und Saxophon von Noel Samyn. Auch das letzte Stück des Konzerts, Trio Nr. 1 für drei Klarinetten, stammt aus der Feder dieses Komponisten. Das Altsaxophon passte farblich hervorragend zu den zwei Klarinetten. Man muss das Instrument in dieser Konstellation aber besonders weich spielen. Norbert Templer hat sich mit seinem Ton hervorragend den zwei Klarinetten angepasst.Das gilt auch für den Song für zwei Klarinetten und Saxophon von M. Lewis (*1925). 

In Jacques Bouffils (1783 – 1868) Trio deuxieme für drei Klarinetten zeigte sich dann, wie schwer es ist von einem Instrument aufs andere zu wechseln, auch bei so hervorragenden Musikern. Besonders im Allegro non troppo hatte man den Eindruck, dass sich hier für das Trio technische Grenzen bemerkbar machten. Umso mehr wurde man dafür im, einem schönen Adagio cantabile folgenden, Minuetto entschädigt. Toll!

René Gerber (1908 – 2006) hat eine Sonatine für drei Klarinetten geschrieben, die besonders im Rondé sehr leichtfüßig daherkommt. Die drei Holzbläser haben auch hier bewiesen, dass sie über eine breite Palette an technischen und gestalterischen Fähigkeiten verfügen. Auch ihr Zusammenspiel klappte gut. Das Trio brillierte besonders in den leisen Passagen.

Das war ein angenehmer Konzertsamstagabend in einer Stadt, in der nichts, aber auch gar nichts los ist. Ich war froh, mich für dieses Kulturangebot entschieden zu haben – etwa 30 Leute hatten die gleiche Entscheidung getroffen – und fragte mich auf dem Heimweg, wo die vielen Nörgler über ein mangelndes Kulturangebot an diesem Abend wohl waren. Hoffentlich waren sie wenigstens bei einer der vielen anderen Veranstaltungen. Oder sie saßen vor der Glotze und beklagten sich am nächsten Tag: Es war ja nichts los.

Ingolstadt, 07.10.2012
Anton Potche


Mittwoch, 10. Oktober 2012

Rauris in den Hohen Tauern – IV

Auch Literatur gehört zum Gesellschaftsleben in Rauris

Ich habe resigniert. Schon lange kämpfe ich nicht mehr dagegen an: gegen meine Banater im engeren und rumäniendeutsche Vergangenheit im weiteren Sinn. Sie ist einfach da, in meinem Kopf. Warum auch dagegen ankämpfen? Irgendwie schärft sie den Blick und verleitet mich dazu, immer und überall nach ihr zu suchen oder zumindest nicht wegzuschauen. Nur schaue ich eben in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit. Also lebe ich – auch im Urlaub. Zu beachten habe ich dabei immer nur eins: Du darfst niemand damit belästigen. Alles, Gedanken, Suchen und Finden schön für dich behalten.

Als Frau Potche im Billa war – als Ferienwohnungsurlauber muss man da schon mal rein -, betrat ich das Rauriser Rathaus. Ich hatte schon vom Rauriser Literaturpreis und den Rauriser Literaturtagen gehört und mich gewundert, bisher nichts davon in der Ortschaft gesehen zu haben – in einem Schaufenster vielleicht. Eine Buchhandlung gibt es nicht.

Doch siehe da: In der Eingangshalle des Rathauses – ein imposanter Natursteinbau – stand ein Tisch mit Broschüren „zum Mitnehmen“: Lesen auf dem Lande – Literarische Rezeption und Mediennutzung im ländlichen Siedlungsgebiet Salzburgs – Bericht über ein empirisches Forschungsprojekt von Walter Hömberg und Karlheinz Roßbacher, ferner „DIE RAMPE – Porträt Hans Eichhorn und  DIE RAMPE – 50 Jahre Landeskulturpreis für Literatur sowie DAS MAGAZIN –40 Jahre Rauriser Literaturtage von Brita Steinwendtner und Hildemar Holl. Dazu fand ich am Tag darauf noch im Tourismusbüro ein Veranstaltungsprogramm des Literaturhauses Salzburg. Wenn das kein Schmökermaterial für meine Urlaubsruhefasen – bei diesem herrlichen Spätsommerwetter waren es nicht allzu viele – auf dem Balkon der Ferienwohnung im Hause Potche war! Dagegen kamen die SALZBURGER NACHRICHTEN nicht mehr an. Bei Schlagzeilen wie „Leben wir in der Republik der Gauner?“ ist das umso verständlicher.

Aus dem Vorwort der Studie Lesen auf dem Lande geht hervor, dass sich 1971 „in Rauris, einer Marktgemeinde in einem Salzburger Hochtal, einige bekanntere und unbekanntere Schriftsteller trafen, um aus ihren Werken zu lesen und über ihre Texte zu sprechen. Seitdem gibt es die Rauriser Literaturtage jährlich.“ Damals maturierte Herta Müller (*1953) an der Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar. Herta Müller? Ja.

Der Österreicher Hans Eichborn (*1956) schreibt in der ihm gewidmeten und vorbehaltenen RAMPE Nr. 3/2011: „Schreiben über diesen Ort heißt sich selbst als Vereinfachung preisgeben, heißt die Verwandlungen über Bord werfen, heißt etwas greifen wollen, das nur in der Vielzahl sagbar ist. Ist diese skrupulöse Annäherung an einen Ort nicht die skrupulöse Annäherung an ein Ich?“ Er meint Attersee am Attersee. Der Fischer, Maler und Schriftsteller hat sein erstes Gedicht 1983 veröffentlicht. Zehn Jahre später erschien sein erstes Buch. Ein Jahr vor dem ersten veröffentlichten Eichhorn-Gedicht sind die Niederungen erschienen, im Banat, am südöstlichen Rand der verblichenen Monarchie – Herta Müllers erstes Buch. Wenn es im Editorial dieses „Heftes für Literatur“ über Hans Eichhorn heißt, dass „der See oft der Ausgangspunkt seiner Sprachassoziationen ist, ohne dass diese jedoch vor Ort verankert würden“, dann genügt es, den „See“ mit dem „banatschwäbischen Dorf“ auszutauschen, und schon hat man ein zutreffendes Ein-Satz-Porträt der Nobelpreisträgerin. Ob Hans Eichhorn und Herta Müller sich kennen? Ich weiß es nicht. Hans Eichhorn hat 1984 das Rauriser Arbeitsstipendium für Literatur erhalten, Herta Müller ein Jahr später den Rauriser Literaturpreis, wie im MAGAZIN nachzulesen ist.

Im Editorial desselben MAGAZINS (Ausgabe 2010) heißt es: „In Rauris haben bisher fast 400 Autorinnen und Autoren gelesen, diskutiert, das Tal erkundet und neue Freundschaften geschlossen. [...] Wir freuen uns sehr, dass jüngst, im Jahre 2009, zwei ehemalige Rauris-Preisträger mit den höchsten literarischen Auszeichnungen geehrt wurden: Walter Kappacher mit dem Büchner-Preis und Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur.“ Rauris spielt also eine Rolle in den Biographien von Hans Eichhorn und Herta Müller. Und wenn die Banater Schwäbin den Oberösterreicher nicht persönlich kennt, dann kennt ihn ein anderer namhafter Literat mit donauschwäbischen Wurzeln. Vom Fotografen und Medienwissenschaftler Kurt Kaindl (*1954) erfährt man in einem RAMPE-Beitrag: „Karl-Markus Gauß hat mich als – zwar studierten, aber nichtsdestotrotz ziemlich unbelesenen – Germanisten auf Hans Eichhorn aufmerksam gemacht.“

Im Jahre 2005 gingen die 35. Rauriser Literaturtage „der Frage nach, welche Orte den eingeladenen Autorinnen und Autoren für ihr Leben und Schreiben bedeutend sind: als konkrete, geographische Orte oder als ideelle, symbolische“. Damals haben gleich drei Literaten mit südosteuropäischen Wurzeln aus ihren Werken gelesen: der „mit den sterbenden Völkern und Sprachinseln Europas“ verbundene Karl-Markus Gauß (*1954), Herta Müller, „die ihre Orte in neuesten Wort- und Bild-Collagen zum Schillern bringt“ sowie Milo Dor (1923 - 2005), „Mitteleuropäer von Geburt und Leidenschaft, der uns die Kraft der Völkerverständigung greifbar macht“. Man könnte auch sagen: der Sohn eines Palankaers (Batschka), eine Nitzkydorferin und ein Banater Serbe.

1985 war mein erstes Jahr in Deutschland. Ich erinnere mich heute noch an meine Orientierungslosigkeit. Im März jenes Jahres „scharte sich bis zwei, drei Uhr früh im Rauriserhof ein kleiner Kreis um die rumänische Autorin und konnte nicht fassen, was sie zu berichten wusste“. (DAS MAGAZIN). Herta Müller kehrte danach ins Banat zurück, zu den Menschen, die „geduckt, ängstlich, abergläubisch, prüde, bigott und mehr der vom Verlust bedrohten Tradition zugewandt als der Gegenwart“ daherkamen. (DAS MAGAZIN) Ich blieb – nicht zuletzt, um jetzt vor dem Rauriserhof zu stehen und Assoziationen zu spinnen; wahrscheinlich aus dem gleichen unbändigen Trieb, der sie alle, Milo Dor, Karl-Markus Gauß, Herta Müller, auch Hans Eichhorn und viele andere, zum Schreiben gedrängt hat und noch immer drängt: die selbst erlebte oder von unseren Vorderen in irgendeiner Weise bewusst oder unbewusst weitervermittelte Vergangenheit. (Das waren noch Zeiten, als „de Schwob in mer“ die Nudeln im Schwäbischen Bad  verteidigt hat.)

Sie, die nicht zu verdrängende Erinnerung, ist es auch, die mich dazu veranlasst hat, noch andere in meiner Urlaubslektüre unverhofft gefundene Namen zu unterstreichen: Caius Dobrescu hat in Rauris gelesen, Oskar Zemme hat den Oberösterreichischen Landeskulturpreis 1995 bekommen, im Literaturhaus Salzburg kann man am 17. September 2012 um 20 Uhr den „Polyphonen Erzählungen – Ich wachse rückwärts“ von Aglaja Veteranyi lauschen, im gleichen Haus liest Iris Wolf am 28. September 2012, ebenfalls um 20 Uhr“ und schließlich organisiert das Literaturhaus eine Literaturfahrt nach Bad Ischl und Bad Goisern. Nikolaus Lenau genoss „in den 1840er Jahren in Ischl glückliche Stunden mit seiner unerreichbaren Liebe Sophie von Löwenthal und die Schönheiten der Natur“, wirbt das Programmfaltblatt des Salzburger Literaturhauses für diese Veranstaltung.

Es ist wirklich so: Wohin man schaut, Erinnerungsgeneratoren. Man muss nur mit offenen Augen die Gegenwart durchschreiten und darf sich seinem Gestern und Vorgestern nicht verweigern.

Rauris, 07.09.2012
Anton Potche

Freitag, 5. Oktober 2012

Rauris in den Hohen Tauern – III

Blasmusik gehört zum Gesellschaftsleben in Österreich

Wenn zwei Österreicher sich treffen, gründen sie erst mal eine Musikkapelle und dann sehen sie weiter, heißt es. Ein zugespitzter Charakterzug des Österreichers, könnte man sagen. Was er an Wahrheit beinhaltet, ist die allerorts anzutreffende Präsents der Musik im öffentlichen Leben. Das ist nun bei weitem kein österreichisches Spezifikum, wird aber besonders von Touristen gerne als solches empfunden.Das ist in den Hohen Tauern nicht anders als in Wien. 

Wenn es im Wochenprogramm der Tourismusinformation heißt, dass es auf dem Schmankerlmarkt „ganz viel Echtes und Gutes gibt“, dann sind damit „Bauern- und Almprodukte, Lammfelle, Wolle, Schmuck, Dekorationsmaterial vom Rauriser Naturstein, Filzwerk, Strohpuppen, Handwerksvorführungen und vieles mehr“ gemeint. Zu dem „vieles mehr“ gehört auch die Musik.

Drei Kinder nahmen da auf einem Podest Platz – und legten los. Wie die Feuerwehr. So sieht das aus in dem Land, das der Welt einen Wunderknaben Namens Mozart schenkte. Da spielen Kinder anspruchsvolle Stücke, als wäre es das Selbstverständlichste dieser Welt. Und es müssen nicht Klavier und Geige sein. Blasmusikinstrumente können da ganz gut mithalten. Jukilana nennt sich das Trio, also Julia an der Trompete, Kilian am Bariton und Anna am Tenorhorn. Sie sind zwischen 11 und 13 Jahre alt und legen eine Geläufigkeit und Musikalität an den Tag, die Zuhörer einfach nur staunen lassen. „Das ist halt eine andere Zeit“, hörte ich einen Mann am Nebentisch sagen, „wir spielten damals einfach nur drauflos.“ Das war seine Anerkennung für die Dynamik und Rhythmik des Trios. Wichtig für die jungen Leute sind auch die richtigen Förderer und Mutmacher. Der ebenfalls noch junge Geiger Thomas Albertus Irnberger (Salzburg) scheut sich nicht in einem Interview zu behaupten: „Es gibt sehr unzufriedene Musiklehrer, die es nicht ertragen, dass ein Kind begabter ist, als sie.“ Seine als Beleg zum Besten gegebene Geschichte klingt wahrlich haarsträubend, obwohl man sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen kann. Das läuft in Rauris anders. Hier scheinen Musik, Malerei und Literatur eine glückliche Symbiose zu bilden. Die drei Jukilana-Mitglieder erzählten mir stolz, dass die Anregung zu diesem Trio von ihren Lehrern gekommen sei.  

Rauris hat natürlich auch eine Trachtenmusikkapelle, wie das benachbarte Embach auch und alle größeren Ortschaften Österreichs. Diese Kapellen bilden einen ertragreichen Nährboden für talentierte Kinder, die schon früh an die Blasmusikliteratur herangeführt werden. Jukilana ist das beste Beispiel dafür. Julia und Kilian spielen in der Trachtenmusikkapelle Rauris , Anna kommt von der Trachtenkapelle Embach.

Wenn Kinder so Blasmusik spielen, wie klingt diese dann bei den Jugendlichen? Das konnte man live bei der Einweihung des neuen Domizils der Rauriser Tourismusinformation – im Rahmen des Bauernherbstfestes im Raurisertal - erleben. Die Rauriser Tanzlmusi gestaltete den musikalischen Rahmen. Das ist eine auftritterprobte Truppe. Ihre Livedarbietungen zeugen von musikalischer Qualität, sprechen aber auch von der überaus erfolgreichen Nachwuchsarbeit in den österreichischen Musikvereinen.

Wer als Urlauber in Österreich weilt, begegnet irgendwann auch der Musik. In Salzburg und Wien muss er vielleicht dafür tief in die Brieftasche greifen, aber in den Bergtälern kann er sie in seiner ganzen Urigkeit erleben. Und das auf einem erstaunlich hohen künstlerischen Niveau.

Ingolstadt, 18.09.2012
Anton Potche