Dienstag, 31. Juli 2012

Juli 2012 - Giarmata in den Medien


PRIMĂRIA GIARMATA, Giarmata / Jahrmarkt, 02.07.2012
Und das sind die frischgebackenen Gemeinderäte in Jahrmarkt:
01.Carabulia Ionel
02.Chirilă Simona Anca
03.Delvai Ion
04.Dejeu Traian
05.Dumitru Gica
06.Farkas Florin
07.Farkas Ioan-Vasile
08.Feraru Florin
09.Leuca Adrian-Răzvan
10.Mierluşcă Virginia Ioanela
11.Nituca Vasile
12.Roşian Gavril
13.Tiuch Lenuţa
14.Vetrov Voichiţă
15.Lingurar Călin
Schon am 26. Juni 2012 haben die 15 Räte einen Vizebürgermeister gewählt. Mit 10 zu 15 Stimmen viel die Wahl auf Carabulia Ionel.
+ + + Mehr als eine erfolgreiche Legislaturperiode kan man als Exjahrmarkter den neuen Räten nicht wünschen. Das will ich hiermit aufrichtig tun. + + +

PRIMĂRIA GIARMATA, Giarmata / Jahrmarkt, 02.07.2012
Im Jahrmarkter Rathaus scheint langsam wieder Ordnung einzukehren. Der Rosenkrieg zwischen dem ehemaligen Bürgermeister Ioan Delvai und seinem Erzfreund Traian Dejeu scheint aus heutiger Sicht ziemlich sinnlos gewesen zu sein. Beide sind nämlich ihre Funktionen in der Verwaltung los und fungieren nur noch als Gemeinderatsmitglieder. Hier allerdings beide im dreiköpfigen Ausschuss Arbeit und Sozialer Schutz. Dejeu ist Vorsitzender und Delvai Mitglied.
+ + + Da wäre es vielleicht für alle Jahrmarkter ratsam, alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um eine soziale Notlage zu vermeiden. + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 02.07.2012
Vier Studenten der Temeswarer Universität Politehnica werden am internationalen Wettbewerb ImagineCup in Sydney teilnehmen. Sie haben einen intelligenten Würfel entwickelt, mit dessen Hilfe Kinder und Schüler im Vorschul- und Unterstufenalter „spielend lernen, abstrakte Begriffe“ zu begreifen. Das Spielgerät wurde in Kindergärten und Schulen getestet – auch in der Allgemeinschule Giarmata. Und das sind die Tüftler: Viktor Ardelean, Lucian Bara, Remus Barbatei und Otilia Stretcu.
+ + + Viel Erfolg! + + +

PRIMĂRIA GIARMATA, Giarmata / Jahrmarkt, 10.07.2012
Für die Wahl zur Amtsenthebung oder –bestätigung des beurlaubten Präsidenten Traian Băsescu, am 29. Juli 2012, werden in Jahrmarkt vier Wahllokale eingerichtet: im Kulturheim, im Gymnasium (Şcoala Gimnasială) in der Hauptgasse, im Kindergarten in der Bahnhofsstraße und in der Schule in Cerneteaz / Zorn.
+ + + Dass unsere altehrwürdige Allgemeinschule jetzt ein Gymnasium ist, ist mir neu. (Falls ich da nicht etwas falsch verstanden habe.) Pardon, das ist ja nicht mehr „unsere” Schule. + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 12.07.2012
Die Autobahnstrecke zwischen Giarmata / Jahrmarkt und der Nationalstraße 6, auf die sie zwischen Remetea Mare und Izvin trifft, steht vor der Fertigstellung. Bis auf 500 m ist die Asphaltdecke aufgetragen. Befahrbar soll die Strecke im Herbst sein. Der Zeitgewinn für Fahrzeuge, die von Arad nach Lugoj / Lugosch  fahren, wird ca. 20 Minuten betragen. Besorgt zeigt sich der Vizevorsitzende der Nationalen Christlich-Demokratischen Bauernpartei (PNŢCD), Marius Popovici, über den Autobahnanschluss Giarmata. Dort besteht ein Provisorium fort, an dem seit dem vergangenen Dezember nicht mehr gearbeitet wird.
+ + + Wieder mal ein Beispiel, dass man eine Arbeit abschließen soll, sonst bleibt sie für alle Ewigkeit liegen. + + +

RENAŞTEREA BĂNĂŢEANĂ, Timişoara / Temeswar, 16.07.2012
Die Temeswarer Eisenbahner von CFR haben das Training aufgenommen. Sie spielen in der 4. Liga. Am 28. Juli werden sie ein Vorbereitungsspiel gegen den Drittligisten Millenium Giarmata austragen.
+ + + Dass die Jahrmarkter mal in einer höheren Klasse als die Traditionsmannschaft aus Temeswar kicken werden, hätte sich vor einigen Jahren auch niemand vorstellen können. + + +

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar, 19.07.2012
Am 29. Juli 2012 sollen die Rumänen in den Wahlkabinen entscheiden ob der vom Parlament suspendierte Präsident, Traian Băsescu, im Amt bleibt oder seinen Sessel räumen muss. Zu diesem Zweck werden die Leiter der Wahllokale in ihre Arbeit eingewiesen. Der Leiter von Jahrmarkt muss nach Temeswar zu diesem Zweck.
+ + + Die letzte Wahl liegt doch erst einige Wochen zurück. Und die am 29. Juli soll noch nicht die letzte für heuer sein. + + +

TION.RO., Timişoara / Temeswar, 20.07.2012
Die Arbeiten an der „vergessenen” Autobahnausfahrt Giarmata / Jahrmarkt wurden wieder aufgenommen. Das war auch notwendig, sonst wäre die Autobahnstrecke Arad – Remetea Mare bei Jahrmarkt einfach unterbrochen. Die Lippaer Landstraße soll unter der Autobahn durchgeführt werden. Es gibt auch Fotos: Constructorii lucrează intens la nodul rutier de autostradă de la Giarmata.

ZIUA DE VEST, Timişoara / Temeswar,26.07.2012
Programului Naţional de Dezvoltare Rurală (PNDR) heißt ein Förderungsprogramm für landwirtschaftliche Betriebe und mittelständische Unternehmen. Die  Landwirte können zwischen 2.500 und 3.000.000 Euro und die Mittelständler zwischen 2.500 und 200.000 Euro beantragen. 85% der Gelder sind „nerambursabil“, also geschenkt. Natürlich müssen die Anträge stimmen. Und weil es nicht so einfach ist, sie auszufüllen, hat man in den größeren Ortschaften des Kreises Informationsveranstaltungen abgehalten – auch in Jahrmarkt.
+ + + Was es in Wahlkampfzeiten nicht alles gibt. Wie auch immer – diese 3 Millionen sind vielleicht doch ein Tippfehler. + + +

DEBANAT.RO., Timişoara / Temeswar, 31.07.2012
ACS Recaş ist in die zweite rumänische Fußballiga aufgestiegen. Die Banater Vorzeigemannschaft FC Politehnica Timişoara wurde vom rumänischen Fußballverband mit einem 6-Punkte-Abzug bestraft. Der Klub hat 2 Millionen Euro Schulden und die meisten Spieler sind abgehauen. Das Band zwischen dem Poli-Finanzier Marian Iancu und der Stadt ist zerschnitten. Poli spielt auch in der zweiten Liga. Die Stadtoberen wollen aber eine andere Politehnica-Mannschaft. In der Temescher Kreismeisterschaft spielt nämlich auch eine Temeswarer Mannschaft mit diesem Namen: ASU Politehnica. Da kommt den Temeswarern zugute, dass der Bürgermeister von Recaş/Rekasch gar keine Fußballmannschaft in der 2. Liga haben will. Also soll aus ACS Recaş und ASU Politehnica eine neue Mannschaft entstehen, die auch in der 2. Liga spielen und den Namen ACS Politehnica Timişoara tragen soll. Faktisch hätte Temeswar dann zei Polis in der gleichen Liga. Nur sechs der Spieler aus Rekasch sollen allerdings in den neuen Kader übernommen werden. Zu ihnen gehört auch der Mittelfeldmann Boldea, der schon bei Millenium Giarmata gespielt hat.
+ + + Auch der aus Jahrmarkt stammende Paul Codrea wurde in letzter Zeit von den Medien in Zusammenhang mit diesem neuen Poli-Projekt genannt. Der ist aber von AC Siena (Italien) zu Rapid Bukarest gegangen. Wohlgemerkt, die Geschichte mit Poli widerspiegelt den Stand von heute. Morgen kann schon alles anders sein. + + +

Freitag, 27. Juli 2012

O parohie, serbarea ei şi un rămas bun deosebit al unui preot – Eine Pfarrei, ihr Fest und der außergewöhnliche Abschied eines Priesters – III


Ajunsese ora punctului culminant al serbării parohiei. Duminică la ora 9:30 episcopul Gregor Maria Hanke a intrat în biserica St. Canisius din Ingolstadt – Ringsee pentru a celebra apogeul liturgic al jubileului 75 de ani St. Canisius. Dar mare a fost consternarea a numărului mare de credincioşi când parohul Reinhard Neumair a comunicat întâi faptul că preotul pensionar Hans Eichenseer decedase în după-amiaza zilei precedente, deci înaintea prezentării muzicale Oh Doamne, domnule parohi.

Die Stunde des Pfarrfesthöhepunktes war angebrochen. Sonntag um 9:30 Uhr betrat Bischof Gregor Maria Hanke die St. Canisius-Kirche in Ingolstadt – Ringsee,  um den liturgischen Glanzpunkt des Jubiläums 75 Jahre St. Canisius zu zelebrieren. Aber groß war die Bestürzung der vielen Gottesdienstbesucher, als Pfarrer Reinhard Neumair als Erstes verkündete, dass Altpfarrer Hans Eichenseer am Nachmittag des Vortages, also noch vor der Aufführung des Singspiels Oh Gott Herr Pfarrer, verstorben war.

În cătunul Krumpenwinn din regiunea Palatinatul de Sus au trăit în perioada interbelică a secolului XX 63 de oameni. Mica localitate avea trei gospodării ţărăneşti mari. Gospodăria Schwarzenbauer era una dintre ele. Era în proprietatea familiei Eichenseer. Şapte copii au crescut în această familie. Al doilea născut era Hans Eichenseer, care mai târziu era capelan la Roßtal pe lângă Nürnberg, direktor în seminarele de studii religioase St. Wunibald şi St. Willibald din Eichstätt (sediul episcopului din dioceza Eichstätt), paroh în Ingolstadt – Ringsee şi, fiind pensionar, duhovnic în cartierele Pettenhofen şi Irgertsheim din Ingolstadt.

Im Weiler Krumpenwinn in der Oberpfalz lebten in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts 63 Menschen. Der kleine Ort hatte drei große landwirtschaftliche Gehöfte. Der Schwarzenbauer-Hof war einer von ihnen. Er war im Besitz der Familie Eichenseer. Sieben Kinder sind in der Familie groß geworden. Das zweite von ihnen war Hans Eichenseer, der spätere Kaplan in Roßtal bei Nürnberg, Direktor in den Studienseminaren St. Wunibald und St. Willibald in Eichstätt, Pfarrer in Ingolstadt – Ringsee und als Rentner Seelsorger in Ingolstadt – Pettenhofen/Irgertsheim.

Hans Eichenseer avea multe solidităţi de preot şi preocupări civile care împreună au contribuit la faptul că parohia St. Canisius din Ringsee a fost percepută de către întregul cartier ca fiind o comunitate socială, culturală, sportivă – activităţile sale alpine şi slujbele din Alpi sunt legendare – şi, nu în ultimul rând, religioasă deosebit de vie. Chiar că nu trebuia să fi un contemporan bigot pentru a intra cu omul şi preotul Hans Eichenseer repede într-o discuţie, şi asta de cele mai multe ori într-un mod foarte plăcut. Şi cum ştia să pună accente! Prin fapte, nu numai prin vorbe, cum oricum le aştepţi de la un predigator. Îmi aduc aminte de sfârşitul anilor 80 şi începutul anilor 90 ai secolului trecut. Atunci republicanii bântuiau în Bavaria, instigând împotriva a tot ce purta ştampila de migrant, străin şi etnic german din est. Parohul Hans Eichenseer lansa semne decente, dar care nu puteau fi ignorate. În anul 1990 a insistat ca un german imigrat din sud-estul Europei să primească un loc în consiliul parohial, tot una din instituţiile create de el. Deja cu un an în urmă indicase prin serbarea parohială – oare de cine altfel înfiinţată în cartierul Ringsee decât de el însuşi – spre unul din drumurile posibile de integrare.

Hans Eichenseer hatte viele priesterliche Stärken und zivile Hobbys, die gemeinsam dazu führten, dass die Pfarrei St. Canisius in Ringsee als rege gesellschaftliche, kulturelle, sportliche – seine Turen und Bergmessen in den Alpen sind legendär - und nicht zuletzt religiöse Gemeinschaft vom ganzen Stadtteil wahrgenommen wurde. Man musste wahrlich kein bigotter Zeitgenosse sein, um mit dem Menschen und Priester Hans Eichenseer schnell und meistens auf sehr angenehme Weise ins Gespräch zu kommen. Und wie er es verstand, Akzente zu setzen! Durch Taten, nicht nur durch Worte, wie man es von einem Prediger eh erwartet. Ich erinnere mich an die ausgangs 80er und anfangs 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Damals trieben die Republikaner ihr Unwesen in Bayern, hetzten gegen alles, was den Stempel des Migranten trug, Ausländer wie Aussiedler. Pfarrer Hans Eichenseer setzte dezent, aber unübersehbar Zeichen. Er bestand 1990 darauf, dass unbedingt ein Aussiedler in den Pfarrgemeinderat, auch eine seiner Errungenschaften in der Pfarrei, einzieht. Schon ein Jahr zuvor hatte er mit dem Pfarrfest – von wem anders als von ihm hier ins Leben gerufen – einen der möglichen Wege zur Integration aufgezeigt.

Fiind un Krumpenwinnerean, era un copil ars şi ştia prea bine ce înseamnă pierderea locului natal. În anul 1951 satul său natal trebuia să facă loc unui teren de manevre militare. Asta trebuia să fi fost pentru abiturientul de 19 ani un şoc pe care nu l-a învins niciodată. Mereu şi mereu s-a întors în regiunea sa natală din Palatinatul de Sus, a organizat întâlniri pentru „evacuaţii cu forţă“ – cum se văd unii şi azi -  şi a ţinut slujbe de neuitat.

Als Krumpenwinner war er ein gebranntes Kind und wusste nur allzu gut was Heimatverlust bedeutet. 1951 musste sein Heimatdorf einem Truppenübungsplatz weichen. Das muss für den damals 19-jährigen Abiturienten und heimatverbundenen Jugendlichen Hans Eichenseer ein nie ganz überwundener Schock gewesen sein. Immer wieder kehrte er in seine oberpfälzer Heimat zurück, organisierte Treffen für seine „zwangsevakuierten Landsleuten“ – wie sich einige heute noch sehen - und zelebrierte unvergessliche Messen.

În timpul slujbei religioase a serbării parohiale jubilare din parohia St. Canisius, căreia a slujit 28 de ani cu toată puterea sa spirituală şi corporală, a fost cu siguranţă în toate inimile şi gândurile membrilor comunităţii parohiale. Vestea despre moartea sa s-a răspândit  duminică, 15 iulie 2012, cu iuţeala fulgerului prin cartier. Când în seara precedentă alegoricul Hans mai învinsese odată prin şiretenia sa Moartea, Hans cel adevărat o urmase deja în lumea cealaltă.

Während des Festgottesdienstes am Jubiläumspfarrfest der Pfarrei St. Canisius, der er 28 Jahre lang mit allen seinen geistigen und körperlichen Kräften diente, war er bestimmt in allen Herzen und Sinnen der Pfarrgemeindemitglieder. Die Kunde von seinem Tod verbreitete sich am Sonntag, dem 15. Juli 2012, wie ein Lauffeuer im Stadtteil. Als der allegorische Hans den Tod am Vorabend noch einmal überlistet hatte, war der wirkliche Hans ihm schon ins Jenseits gefolgt.

Parohul Hans Eichenseer i-a părăsit pe credincioşii săi – asta nu au fost pe departe numai ringseeereni – doar trupeşte. În amintirea oamenilor care l-au cunoscut îl va fi păcălit pe Boanlkramer pentru veşnicie.

Pfarrer Hans Eichenseer ist nur leiblich von seiner Gläubigerschar – das waren bei weitem nicht nur Ringseeer – gegangen. In der Erinnerung der Menschen, die ihn kannten, wird er den Boanlkramer für die Ewigkeit überlistet haben.


Anton Delagiarmata – Anton Potche

Montag, 23. Juli 2012

Eine Pfarrei, ihr Fest und der außergewöhnliche Abschied eines Priesters – O parohie, serbarea ei şi un rămas bun deosebit al unui preot – II


Sechs Priester dienten in den zurückliegenden 75 Jahren in der römisch-katholischen Kirche St. Canisius im Ingolstädter Stadtteil Ringsee.
Joseph Niedermayer trat als Kurator sein Amt am 1. August 1937 in Ringsee an. Seit 1943 war er Pfarrer und diente als solcher bis zu seinem frühen Tode (59 Jahre alt) im Jahre 1949 in der Pfarrei St. Canisius.
Sein Nachfolger war Michael Raab. Im Jahr der Kirchenkonsekration von St. Canisius in Ringsee wurde der junge Kaplan Raab von der Gestapo in Schutzhaft genommen und in Nürnberg vor ein Sondergericht gestellt. Die Nazis meinten es nie gut mit der Kirche. Trotzdem konnte Michael Raab die Pfarrei am 1. September 1949 übernehmen. Er blieb ihr bis zu seinem Renteneintritt im Jahre 1974 treu. 1985 ist er im Alter von 76 Jahren in der Pfarrei St. Pius (Ingolstadt) verstorben.
Der 1932 in Krumpenwinn bei Velburg (Oberpfalz) geborene Hans Eichenseer wurde der dritte Pfarrer in Ringsee. Am 1. November 1974 trat er hier seine Pfarrstelle an. 28 Jahre lang sollte er sie begleiten, bevor er 2002 in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Pfarrer Stefan Göllner war sein Nachfolger. Er war ein Ingolstädter Gewächs und begleitete auch das Amt des Regionaljugendseelsorgers. Leider ist er im August 2007 im Alter von nur 46 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben.
Fünfter im Bunde war Pfarrer Herrmann Richard. Der damals 49-jährige Seelsorger übernahm die Pfarrei St. Canisius am 1. Mai 2008. Bereits am 8. März 2009 verkündete die Lokalzeitung DONAUKURIER: „Pfarrer Richard Herrmann hat auf die Pfarrei St. Canisius in Ingolstadt verzichtet. Zur Begründung heißt es, es habe sich kein Vertrauensverhältnis zu Teilen der Pfarrgemeinde entwickelt.“
Seine Nachfolge trat am 1. September 2009 Pfarrer Reinhard Peter Neumair an. Im ersten Pfarrbrief unter seiner Federführung bekannte er: „Insbesondere war ich beeindruckt von dem großen Pfarrfest, das seinesgleichen sucht. Ich habe gespürt, dass in St. Canisius eine große Lebendigkeit herrscht und ein enormes Engagement anzutreffen ist.“ Er ist noch immer da, eigentlich in der Heimat, denn geboren wurde er 1964 in Ingolstadt.

Şase preoţi au slujit in ultimii 75 de ani în biserica romano-catolică St. Canisius în cartierul Ringsee al oraşului Ingolstadt.
Joseph Niedermayer şi-a început activitatea în Ringsee la 1 august 1937 cu funcţia unui mandatar. Din anul 1943 era paroh şi a slujit în această calitate în parohia St. Canisius până la moartea sa prematură (59 de ani) în anul 1949.
Urmaşul lui a fost Michael Raab. În anul târnosirii bisericii St. Canisius din Ringsee tânărul capelan Raab a fost arestat des Gestapo şi pus în faţa unui tribunal special la Nürnberg. Naziştii nu au simpatizat niciodată cu biserica. Şi totuşi, Michael Raab putea să preia parohia la 1 septembrie 1949. I-a rămas fidelă până la intrarea în pensie în anul 1974. A murit la vârsta de 76 de ani în parohia St. Pius din Ingolstadt.
Al treilea paroh în Ringsee a devenit Hans Eichenseer, născut în anul 1932 în satul Krumpenwinn pe lângă Velburg (regiunea Palatinatul de Sus). La 1 noiembrie 1974 şi-a început aici activitatea. 28 de ani urma s-o îndeplinească, înainte de a se lăsa la vatră în anul 2002.
Parohul Stefan Göllner a fost urmaşul lui. Era un copil al oraşului şi împlinea şi funcţia de preot pentru tineret din regiune. Din păcate a murit neaşteptat la vârsta fragedă de 46 de ani. Al cincilea în această serie a fost parohul Herrmann Richard. La vârsta de 49 de ani a preluat parohia St. Canisius la 1 mai 2008. Deja la 8 martie 2009 ziarul local DONAUKURIER a comunicat: „Parohul Richard Herrmann a renunţat la parohia St. Canius din Ingolstadt. În expunerea de motive se precizează că nu s-ar fi dezvoltat o relaţie de încredere cu părţi ale parohiei.“
Succesiunea sa a fost începută la 1 septembrie 2009 de parohul Reinhard Peter Neumair. În prima scrisoare parohială sub îndrumarea sa a recunoscut: „Îndeosebi am fost impresionat de serbarea mare a parohiei, aproape fără precedent. Am simţit în St. Canisius o mare vitalitate şi aici există un angajament deosebit.“ Mai este şi acum aici, de fapt în locul său de baştină, fiind născut în anul 1964 la Ingolstadt.

Und alle sechs Priester hatten sich am ersten Tag des Ringseeer Pfarrfestes unter dem Turm der St. Canisius-Kirche eingefunden. Als allegorische Figuren waren sie die Hauptpersonen des Singspiels Oh Gott Herr Pfarrer. Schließlich versinnbildlicht jeder der sechs Priester eine kürzere oder längere, glücklichere oder schwierigere Ära der 75-jährigen Geschichte dieser Pfarrei im Südosten Ingolstadts.

Şi toţi cei şase preoţi se adunaseră în prima zi a serbării parohiale din Ringsee sub turnul bisericii St. Canisius. În calitate de figuri alegorice, au fost personajele principale a înscenării muzicale Oh Doamne, domnule parohi. Doar simbolizează fiecare dintre cei şase preoţi o eră mai scurtă sau mai lungă, mai fericită sau mai grea din istoria de 75 de ani a acestei parohii din sud-estul oraşului bavarez Ingolstadt.

Bei gutmeinendem Wetter hatten sich auch die Gläubigen bei bayrischer Verpflegung im Pfarrhof eingefunden. Traditionelle Blasmusik. Bier und gute Laune. Um Schlag 21:00 Uhr betrat Pfarrer Reinhard Peter Neumair die Bühne. Er stellte das folgende Singspiel kurz vor und verwies darauf, dass Altpfarrer Hans Eichenseer leider wegen einer schweren Krankheit diesen Abend, der vor allem auch seinem 80. Geburtstage gewidmet sei, nicht mit der Pfarrgemeinde, seiner Pfarrgemeinde, feiern könne. Sicher sei man sich aber, dass er viel Spaß an der folgenden Darbietung gehabt hätte, eben seinem offenen und stets fröhlichen Wesen gemäß.

La o vreme binevoitoare, şi credincioşii veniseră în curtea parohiei la o masă bavareză. Muzică traditţională de fanfară. Bere şi voie bună. Fix la ora 21:00 parohul Reinhard Peter Neumair s-a urcat pe scenă. El a prezentat pe scurt următoarea înscenare muzicală şi a amintit de faptul că parohul pensionar Hans Eichenseer din păcate nu poate să sărbătorească împreună cu comunitatea parohială, comunitatea sa, din motive de boală această seară, care este dedicată în primul rând şi serbării zilei sale de naştere - 80 de ani. Dar este incert că ar fi avut multă bucurie cu această înscenare, conform firii sale deschise şi îndeobşte voioase.

Was folgte war wirklich eine beeindruckende Darbietung. Der Handel zwischen dem Eichenseer Hans und dem Boanlkramer, alias Tod, war eine szenische und darstellerische Höchstleistung. Und als der Hans den Tod mit seiner oberpfälzischen Schläue im wahrsten Sinne des Wortes hinters Licht führte, war die Belustigung der Pfarrfestgäste auf dem Höhepunkt und alle waren sich einig: Der Hans bleibt uns noch lange erhalten.

Ce a urmat a fost într-adevăr o prezentare impresionantă. Tocmeala între Eichenseer Hans şi Boanlkramer, alias Moarte, (renumita figură din povestirea lui Franz von Kobell, Der Brandner Kasper, scris în dialectul bavarez) a fost o interpretare scenică şi artistică de o calitate deosebită. Şi când Hans a jucat Morţii o festă prin viclenia sa palatină, veselia oaspeţilor era la culme şi toţi au fost de aceeaşi părere: Hans va mai rămâne mult timp în mijlocul nostru. 

Anton Potche – Anton Delagiarmata


Mittwoch, 18. Juli 2012

Audi Bläserphilharmonie – 21. Juli und 29. Juli 2012


Konzertmatinee im Klenzepark

Seit 50 Jahren hat Audi ein Blasorchester. Seine Entwicklung verlief von der traditionellen Blaskapelle über das Werkorchester zur heutigen Audi Bläserphilharmonie. Damit verbunden ist auch der Slogan „50 Jahre Kultur bei Audi“. Aus diesem Anlass lädt das Orchester am 21. Juli 2012 zu einer Open Air Matinee in den Ingolstädter Klenzepark. Das Konzert beginnt um 11.00 Uhr und wird von Irene Anda dirigiert. Die Moderation hat Wolfgang Binder übernommen.

Programm:

Alexander Comitas: Der König der Vögel – Vorspiel
Alfred Reed: El Camino Real
Leroy Anderson: Belle of the Ball
Otto Schwarz: Man in the Ice
Irving Berlin: There’s no Business like Showbusiness
John Williams: Star Wars
Hirotaka Izumi: Omens of Love
Klaus Badelt: Pirates of the Caribbean

 
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Singspiel „Der König der Vögel“

  Im Rahmen der von Audi veranstalteten Sommerkonzerte 2012 präsentieren die Audi Bläserphilharmonie & Chöre des Reuchlin-Gymnasiums das Singspiel „der König der Vögel“ von Alexander Comitas (Musik) und Rudolf Herfurtner (Libretto).

Regie führt Bernhard Jugel. Die musikalische Leitung hat Christian Lombardi inne.

Die Premiere des Singspiels findet im Großen Haus des Stattheaters Ingolstadt am 29. Juli 2012 um 17.00 Uhr statt.

Eintrittspreise für Erwachsene: 20 €
                         Kinder: 10 €


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Resonanz
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Nur ein Amateurvideo kündet von der Matinee im Klenzepark.
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Das Singspiel "Der König der Vögel" ist bei der Kritik gut angekommen. Es gab im DONAUKURIER vom 31. Juli 2012 nur lobende Worte für alle Akteure. Die Audi Bläserphilharmonie habe sich ganz "der spannungsgeladenen Musik Alexander Comitas'" hingegeben, schreibt Anja Witzke. BR-Klassik hat Aufzeichnungen von dem Singspiel gemacht und wird sie am Sonntag, den 12. August 2012, um 17:05 Uhr in der Sendung für Kinder "Do Re Mikro" ausstrahlen. Die DONAUKURIER-Kritik Flug ins Abenteuer macht Hoffnung auf eine kurzweilige Sendung.

Und dieser Link führt zur Sendung: http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/br-klassik/mp3-download-podcast-doremikro.shtml 

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Dienstag, 17. Juli 2012

O parohie, serbarea ei şi un rămas bun deosebit al unui preot – Eine Pfarrei, ihr Fest und der außergewöhnliche Abschied eines Priesters – I


Ziarul DONAUBOTE din Ingolstadt a publicat la 2 ianuarie 1936 pe prima pagină o ştire sub titlul Legile de la Nürnberg în vigoare. La 30 septembrie 1938 se putea citi pe acelaşi loc, dar cu litere şi mai mari: Tratatul de la München – Convorbirea istorică a celor patru oameni de stat încheiate cu success – Mâine începe ocuparea ţării sudeto-germane. Manşete proaste. Astăzi o ştim. Printre ele se afla anul 1937. Nici el nu a scăpat de a tot stăpănitoarea ştampilă politică a cămăşilor brune. O cronică din anul 2000, dedicată serbării a 750 de ani de existenţă a oraşului Ingolstadt, consemnează pentru anul 1937: Construcţie nouă pentru administraţia Uzinelor Orăşeneşti. – Sfat judeţean a Partidului Naţional-Socialist German de Muncă la Ingolstadt. – Cetatea Ingolstadt desfiinţată oficial prin „Ordin de Führer”.

Die Ingolstädter Zeitung DONAUBOTE vom 2. Januar 1936 titelte auf der ersten Seite: Die Nürnberger Gesetze in Kraft. Am 30. September 1938 hieß es an gleicher Stelle, aber in noch größeren Lettern: Das Abkommen von München – Die historische Besprechung der vier Staatsmänner erfolgreich abgeschlossen – Morgen Beginn der Besetzung des sudetendeutschen Landes. Keine guten Schlagzeilen. Heute wissen wir es. Dazwischen lag das Jahr 1937. Auch es kam ohne den alles beherrschenden politischen Stempel der Braunhemden nicht aus. Eine Chronik anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Ingolstadt aus dem Jahre 2000 vermerkt für 1937: Verwaltungsneubau der Städtischen Werke. – NSDAP-Kreistag in Ingolstadt. – Die Festung Ingolstadt durch „Führerbefehl“ offiziell aufgelöst.

Şi totuşi mai exista şi viaţa cealaltă, acolo, în afara organzaţiilor mărşăluitoare. De exemplu dincolo, în sud-est de porţile oraşului Ingolstadt. Acolo se afla aşezarea de feroviari Ringsee între satele de luncă Kothau, Rothenturm şi Unsernherrn. Şi nu avea biserică, aşezarea lângă calea ferată spre München. Şi nu aveau o patrie bisericească, oamenii din Ringsee şi Kothau. Au fost de mai multe ori „transferaţi de la o parohie la alta“. Dar într-o istorie locală de Ferdinand Mack se poate citi constatarea: „La 19 aprilie 1929 parohul Koeniger a învitat populaţia din Ringsee şi Kothau în hanul Göbel (Jagdschloß) pentru înfiinţarea asociaţiei de construire a bisericii. După ce a stat la dispoziţie un teren de construcţie destul de mare şi erau plătite datoriile pentru el, trebuiau create acum condiţiile financiare pentru construcţia însuşi.“ 

Und doch gab es noch das andere Leben, dort, außerhalb der marschierenden Organisationen. Zum Beispiel draußen, im Südosten, vor den Stadttoren Ingolstadts. Dort lag die Eisenbahnersiedlung Ringsee zwischen den Audörfern Kothau, Rothenturm und Unsernherrn. Und sie hatte keine Kirche, die Siedlung an der Eisenbahnlinie nach München. Und sie hatten keine kirchliche Heimat, die Menschen in Ringsee und Kothau. Sie wurden öfter mal „umgepfarrt“. Aber in einer Ortsgeschichte von Ferdinand Mack kann man den Eintrag lesen: „Am 19. April 1929 lud Stadtpfarrer Koeniger die Bevölkerung von Ringsee und Kothau in das Gasthaus Göbel (Jagdschloß) zur Gründung des Kirchenbauvereins ein. Nachdem ein genügend großer Bauplatz zur Verfügung stand und die Schulden dafür bezahlt waren, sollten nun die finanziellen Voraussetzung für den Bau selbst geschaffen werden.“

Această evoluţie nu se mai putea stopa. Politică încoace sau încolo. Deci se puteau citi totuşi veşti bune în ziarele din regiune. Aşa, ziarul ST. WILLIBALDS-BOTE din Eichstätt ştia să informeze la 25 iulie 1937: „Duminică era (4 iulie) şi pe deasupra o minunată zi de duminică însorită, îmbibată într-un flux luminos de soare. Asta a fost pe drept ziua care era demnă de a dărui inaugurării a noii biserici St. Canisius orele şi cadrul.“

Diese Entwicklung ließ sich nicht mehr stoppen. Politik hin oder her. Also kam es doch noch zu guten Nachrichten in den Zeitungen der Region. So wusste der ST. WILLIBALDS-BOTE aus Eichstätt am 25. Juli 1937 zu berichten: „Sonntag wars (4. Juli) und dazu ein herrlicher Sommersonnentag, getaucht in flutendes Sonnenlicht. Das war so recht der Tag, der würdig war der Weihe der neuen St. Canisiuskirche in Ringsee die Stunden und den Rahmen zu leihen.“

Şi de atunci stă biserica St. Canisius, în sensul adevărat ca şi în cel figurat al cuvântului, în mijlocul cartierului Ringsee, aparţinând din 1959 de oraşul Ingolstadt. Aşa nu se termină numai basme, ci din fericire şi poveşti adevărate din viaţă. Istoria bisericească de 75 de ani de la St. Canisius este un astfel de basm, care conţine toate aspectele frumoase şi tulbure ale vieţii.

Und seit damals steht die St. Canisius-Kirche, im wahrsten wie im übertragenen Sinne des Wortes, in der Mitte von Ringsee, seit 1959 Stadtteil von Ingolstadt. So enden nicht nur Märchen, sondern zum Glück auch wahre Geschichten aus dem Leben. Die 75-jährige Kirchengeschichte von St. Canisius ist so ein Märchen, das alle schönen und trüben Seiten des Lebens beinhaltet.

La 14 şi 15 iulie parohia St. Canisius Ingolstadt – Ringsee şi-a celebrat jubileul cu serbarea parohială şi în acelaşi timp a sărbătorit cea de-a 80-a aniversare a preotului pensionat Hans Eichenseer.

Am 14. und 15 Juli 2012 feierte die Pfarrgemeinde St. Canisius Ingolstadt – Ringsee ihr Jubiläumspfarrfest und gleichzeitig den 80. Geburtstag ihres Altpfarrers Hans Eichenseer.



Anton Delagiarmata - - Anton Potche

Mittwoch, 11. Juli 2012

Zeitgenössische Literatur aus Rumänien in der Literaturzeitschrift „Die Horen“


Friedrich Schiller gründete im Jahre 1795 die Literaturzeitschrift Die Horen. Nach zwei Jahren war bereits Schluss. Aber anspruchsvolle Zeitschriftenliteratur wird heute noch mit Schillers publizistischer Tätigkeit verglichen. Wen wundert’s, wenn zu den Textlieferanten Namen wie Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottlieb Fichte, Johann Gottfried Herder oder Wilhelm von Humboldt gehörten. Von Schiller selbst sind Briefe und Abhandlungen bekannt, die seine endgültige Abkehr von der Philosophie, besonders von Emanuel Kant, und Hinwendung zur Literatur festhalten. In den Horen erschien 1795 eine Reihe von Briefen unter dem Titel Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Darin kann man das Credo des deutschen Klassikers klar erkennen: „Nur der Dichter ist der wahre und eigentliche Mensch, nur von ihm ist für die Sache der Menschheit Ernsthaftes und Heilsames zu erwarten. Der beste Philosoph ist nur eine Karikatur gegen ihn.“

Selbst wenn wir mal Abstand von der Vorstellung nehmen, welche Reaktionen eine solche Aussage heute im Feuilleton auslösen würde, müssen wir Schiller ein gesundes Selbstbewusstsein zugestehen. Ohne das kann man auch heute keine Literaturzeitung über eine längere Zeitspanne am Leben erhalten. Man muss von der Literatur und ihrer Wirkung auf die Gesellschaft überzeugt sein. Und das ist möglich, ohne dass man sich gleich die selbstherrliche Einstellung des Sturm-und-Drang-Protagonisten aneignet. Der beste Beweis dafür sind die horen selbst. Es gibt sie nämlich auch heute noch. 1955 hat der Schriftsteller Kurt Morawietz (1939 – 1994) die Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik die horen gegründet. Der Schrift nach urteilend, hat der Gründer an kleinere Schwestern der schillerschen Horen gedacht. Vielleicht war es eine Verneigung vor dem Schöpfer des Don Carlos, Wilhelm Tell, der Räuber usw. Die Namen, die man seither aber in den horen findet, sind auch aller Ehren wert: Bertolt Brecht, Franz Fühmann, Günter Grass, Peter Härtling u.v.a.

Im Internet-Auftritt der Zeitschrift heißt es: „Zum Themenspektrum der Zeitschrift gehören nahezu alle Aspekte zeitgenössischer Literatur. [...] Zum Markenzeichen geworden sind die Auswahlbände zur fremdsprachigen Literatur, vorwiegend mit deutschen Erstübersetzungen.“
Eins dieser Bände ist im 3. Quartal 2009 erschienen. Es handelt sich um den Band Nr. 235 mit dem Titel Die halluzinogene Katze / Träume, Realien – Stimmen & Stimmengewirr aus der Gegenwart Rumäniens. Zusammengestellt wurde diese Ausgabe der horen vom Leiter des Berliner Literaturhauses, Ernest Wichner. Er gibt in der Einführung dieser interessanten Blumenlese zu, dass „diese Auswahl alles andere als repräsentativ sein kann. Sie liefert eine von mehreren möglichen Perspektiven auf das, was heute und in den letzten eineinhalb Jahrzehnten in Rumänien geschrieben wurde und wird.“ Dass die Qualitätsansprüche dieser Zeitschrift ohne hervorragende Literaturübersetzer nie und nimmer befriedigt werden können, dürfte jedem Leser einleuchten. Dieser Band wurde durch die Übersetzerarbeit von Georg Aescht, Michael Astner, Jan Cornelius  und Gerhardt Csejka erst ermöglicht. Auch Wichner hat einige Texte aus dem Rumänischen übersetzt.

Und so setzt das literarische Blumenbukett sich zusammen:
Petru Cimpoeşu (*1952): Ein Schriftsteller aus Bukarest ist gekommen – Über soviel Aufmerksamkeit, wie diesem Schriftsteller aus Bukarest zuteil wurde, würde sich so mancher Autor freuen. Besonders wer die Verhältnisse im kommunistischen Rumänien kannte, wird beim Lesen dauernd affirmativ schmunzeln.
Ioan T. Morar (*1956): Lindenfeld – Man kann gegen die Erinnerung nicht ankämpfen. Aber man kann auf sie hereinfallen, wenn andere die Phantasie, das Talent und den Mut zur Wiederauferstehung eines böhmischen Dorfes haben.
Niemand weiß besser wie Ioan Es. Pop (*1958), dass es zwischen Im-Kreis-Fahren und Gar-nicht-Fahren kaum einen Unterschied gibt. Năneşti heißt die Ortschaft, die sich für die Beweisführung in reimlosen Versen regelrecht anbietet.
Und dann sind sie da, Gedichte, die niemand versteht, aber ohne die keine Literaturzeitschrift, die etwas auf sich hält, auskommt. Ion Mureşan (*1955 ) hat sie geschrieben und man kann zumindest annehmen, dass Ernes Wichner ihren Sinn erfasst hat. Sonst wäre aus der Übersetzung ins Deutsche nichts geworden.

Lucian Dan Teodorovici (*1975): Unser Zirkus - Das ist einer jener Texte, bei denen man nicht so richtig weiß, wie man sie einordnen soll. Man liest eine verrückt anmutende Provinzpostille, die etwas von der Trostlosigkeit der rumänischen Übergangsgesellschaft, auch Transformationsgesellschaft genannt, – wie lange noch? – transportiert.
Dan Lungu (*1969): Infraenergie - Mieter-Vermieter-Verhältnisse sind nicht immer von gegenseitigen Sympathiebekundungen geprägt. Das kann schon mal ins Auge gehen. Aber wer am längeren Hebel sitzt, klärt sich auch hier schnell auf.
Gheorghe Săsărman (*1941): Die Narbe – Den rumänischen Schriftstellern scheint der magische Realismus zu liegen. Auch in diesem Text balanciert der Autor auf dem schmalen Grat zwischen Magie und Realität, wobei die Pointe erst im Gruseligen ihre wahre Wirkung entfaltet.
Daniel Bănulescu (*1960): Der dritte Tag: „Nicht lügen” – Diese in Wohnsilos entstandenen und auch dort spielenden Geschichten haben sich in der rumänischen Literatur zu einem eigenen Genre entwickelt. Man kommt schon mal schnell von der Anspielung zur Tat, also ins Bett. Wie heißt das so schön? Es bleibt doch in der Familie.
Ioana Bradea (*1975): Freitag abend – In diesem Fragment kommen alle in Rumänien gängigen euphemistischen Invektive zur Geltung, was den Übersetzer leicht ins Schwitzen hätte bringen können. Das ist die reinste Pornosprache á la Roche. Dass auch ein Ernest Wichner diesem schwachsinnigen Zeitgeist verfallen ist, wundert mich schon ein wenig. Na ja, wer auf einen repräsentativen Querschnitt der zeitgenössischen Literatur hinaus ist, der muss halt auch solche Texte berücksichtigen.
Cezar Paul Bădescu (*1968): Eine Reise im Morgengrauen – Oh, was haben wir denn da? Pornohorror. Oder Horrorporno. Egal. Alles dreht sich um einen abgeschnittenen und wieder angenähten Schwanz. Ein bisschen Sex, ein bisschen Geheimnis – Tja, so ist das nun mal mit dem Erstenmal und einer großen Pause danach. Wir lesen ein mit viel gutem Humor verfasstes Bekenntnis. So geht es auch: ohne eine Spur von Obszönität. Gute Literatur.
  
Gedichte von Daniel Bănulescu (*1960) und Caius Dobrescu (*1966) sorgen für Abwechslung in dem Sinne, dass man sich als Leser Interpretationen nach eigenem Gusto leisten kann. Wie das bei der Gegenwartslyrik eben so ist, in allen Sprachen und über alle Kontinente hinweg. Experimentieren, experimentieren, experimentieren.

Mircea Cărtărescu (*1956): Jenseits von Raum, Zeit und Erinnerung – Der rumänische Literaturstar schlechthin. Im deutschen Feuilleton. Nicht gleichzusetzen mit Deutschland, kümmern sich doch schätzungsweise nur fünf Prozent der Deutschen um Kultur. Wie viele davon sich für Literatur interessieren – als solche vom Feuilleton anerkannte –, ist statistisch nicht erfasst. Also darf man annehmen, dass stark autobiografisch geprägte und reichlich mit Fantasie angereicherte Texte - wie der hier veröffentlichte und Jenseits von Raum, Zeit und Erinnerung stehende - nicht in besonders vielen deutschen Bücherregalen überleben werden. Auch da gilt: Wer als Rumäniendeutscher mal über die Grenzen seines Dorfes hinausgeschaut hat, kann mit dieser Literatur dann doch etwas anfangen.

Es folgen Gedichte von Claudiu Komartin (*1983) und Teodor Dună (*1981). Reflexionen und besonders letzterem kann man eine gewisse Todessehnsucht nicht absprechen.

Somona Popescu (*1965): Häutungen – Dieser Text ist wohl das Intimste, was man mit Sprache aus sich herausholen kann. Ich fand es (angenehm) merkwürdig, dass man einen so ichbezogenen Text dermaßen leicht lesen kann.

Cristian Popescu (*1959): Über Vater und uns – Das ist eine skurrile Familiengeschichte. Die Sinne spielen verrückt, werden dauernd vermischt und ausgetauscht, so dass ein spürbarer Synästhesieeffekt entsteht.

Radu Vancu (*1978) und Mariana Marin (1956 - 2003) schreiben / schrieben epische Gedichte. In Vancus „Versen” klingen sozialkritische Töne mit, während in der Poesie Marins die in der Dichtkunst so oft angetroffene Selbstreflexion dominiert.

Simona Popescu (*1965): Sie glauben nicht daran, dass es (auch) eine poetische Realität gibt – Man könnte hier von einem Traktat, in Prosa und Versen, über die Poesie sprechen. Mugur Grosu (*1973) präsentiert in ich erinnere mich an die Kollateralfrau schwer verdauliche literarische Kost. Was man heutzutage so alles Literatur nennt...

Iulian Tănase (*1973): Abgrunde – Der Autor bemüht sich, den Schlaf als den Idealzustand unseres Seins darzustellen. Nur in ihm können wir Träume haben, die „unsere Persönlichkeit und Identität prägen“ und „uns tatsächlich zu realen Wesen machen“.

Dan Sociu (*1978) schreibt Liebeslyrik. Besonders wer seine glücklosen Liebesjahre noch nicht vergessen hat – es sei denn, er hat seine Jugendliebe geehelicht -, weiß wovon dieser Dichter schreibt.
Natürlich kann man sich anhand von drei Gedichten keine Meinung von einem Dichter bilden. Aber auf den ersten Blick scheint T. S. Khasis (*1975) ein Meister der Belanglosigkeit zu sein.

Nora Iuga (*1931): Der kleine Dichter ist tot – Dieser Nachruf auf Bobiţă stimmt nur eins: traurig. Constantin Virgil Bănescu ist 2009 im Alter von nur 27 Jahren gestorben. In dieser horen-Ausgabe kann man 22 seiner Gedichte lesen. Und wie das in der Lyrik so ist, feiert auch hier die Eigenart fröhliche Urstände. Was um Himmels Willen bedeutet „schagrat” oder „kartari” oder „swapua”?

Der Band bietet auch etwas fürs Auge. Man kann Zeichnungen von Tudor Jebeleanu (*1949) und Vignetten von Dan Perjovschi (*1961) bestaunen oder bewundern.

Nicht ins Konzept dieses Heftes passt eine von Gerald Sammet (*1949) geschriebene Einführung zu einer Ausstellung von Peter K. Kirchhof (*1944) in Bremerhaven.

Ansonsten, nur Gutes zu dieser rumänischen Anthologie in der Zeitschrift die horen.

Anton Potche

Freitag, 6. Juli 2012

Lebensgefühl aus einem anderen Kulturkreis

Zwei Regierungen und einen Staatspräsidenten in fünf Monaten zu stürzen, das ist nur in einem Land möglich, dessen „demokratische“ Institutionen nach anderen Regeln als die bei uns im Westen bekannten funktionieren. Rumänien heißt dieses Land, dessen Eintritt in die EU auch ich euphorisch begrüßt habe.
  
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Wer mag es mir auch verübeln? Man hat eben seine Wurzeln und schaut nicht weg. Heute hat das Parlament in Bukarest den Präsidenten Traian Băsescu vorübergehend seines Amtes enthoben. 256 Abgeordnete stimmten für die Stilllegung des Mandats und 116 waren dagegen. Nicht dass ich dem guten Mann die Stange halten will. Um Gottes Willen. Der hat natürlich auch Dreck am Stecken wie alle rumänischen Politiker. Sollte es aber doch einige „saubere“ geben, so dienen die nur als Bestätigung der Regel.

Nun machen sich alle Sorgen in Brüssel und auch in Berlin, wie man ersten Reaktionen entnehmen kann. Schließlich hat man genug Sorgen in der EU. Nicht nur mit Euro-Staaten. Die Ungarn spinnen seit geraumer Zeit ihre nationalistischen Netze. Jetzt spinnen die Nachbarn im Südosten. Nur das in Bukarest keine Rechtsnationalen ihr Unwesen treiben, sondern ein Bündnis aus Sozialdemokraten und Liberalen.

Dabei folgen die Rumänen doch nur alten Gepflogenheiten. Nach ihrem nach 1989 entwickelten Demokratieverständnis macht jede neue Regierung erstmal Tabula rasa. Wo es nur irgendwie geht, wird jeder nicht parteiloyale Beamte ausgewechselt, vom kleinsten Bürgermeister bis eben zum Präsidenten. Der war nämlich schon Vorsitzender der Demokratischen Partei (PD), die jetzt die Oppositionsbank drückt und bei den Kommunalwahlen im Juni erneut eine katastrophale Niederlage eingefahren hat.

So gesehen, sind die Sorgen in Europas Hauptstätten eigentlich unbegründet. In Bukarest vollzieht sich zurzeit ein uns etwas fremd anmutender politischer Akt, den man auch unter dem Aspekt „anderer Kulturkreis“ einordnen kann. Laut Verfassung  wird das Volk am 29. Juli an der Wahlurne entscheiden, ob die Suspendierung vom Amt Gültigkeit behält. Damit das Parlament keine zweite Schlappe erfährt, hat es schon mal etwas vorgebaut. In einer Eilverordnung – auch eine der vielen rumänischen Originalitäten – hat man beschlossen, dass  die Mehrheit der aktiven und nicht die der eingetragenen Wähler für eine Amtsenthebung ausreicht.

Obwohl im Land eine spürbare Anti-Băsescu-Stimmung herrscht, ist noch keineswegs sicher, dass der Präsident auch wirklich sein Amt verliert, denn der Mann ist lange zur See gefahren und hat auch so manchen politischen Sturm überlebt. Seine Reaktion auf den Parlamentsbeschluss spricht Bände: „Observ un salt calitativ apreciabil în clasa politică. V-aş ruga să vă aduceţi aminte că în 2007 am fost suspendat cu 322 de voturi, acum am fost suspendat cu 256. Dacă aş mai avea un mandat, nu ar mai reuşi să mă suspende. – Ich stelle einen beachtenswerten qualitativen Sprung in der politischen Klasse fest. Ich würde Sie bitten, sich zu erinnern, dass ich 2007 mit 322 Stimmen suspendiert wurde, jetzt mit 256. Wenn ich noch eine Amtsperiode hätte, könnten sie mich nicht mehr suspendieren.“

Da ist wahrlich keine Spur von einer Zerknirschtheit à la Christian Wulff zu spüren. Eben ein Lebensgefühl aus einem anderen Kulturkreis.
Anton Potche

Donnerstag, 5. Juli 2012

Vom Atelier in den öffentlichen Raum


Die Künstlerin Sieglinde Bottesch (*1938) nennt ihr Atelier lieber „Arbeitszimmer“ und empfindet es als „Ort des Rückzugs, der Sammlung, des Probierens, des Findens, Kokon des Selbstvergessens“. Genauso stellen wir Kunstbetrachter – mit mehr oder weniger Sachverstand – uns Orte der Schöpfung vor. Um diesen Räumen in unserer Fantasie aber Entfaltungsmöglichkeiten zu gewähren, brauchen wir den Kontakt mit der Frucht des künstlerischen Schöpfungsaktes. Ausstellungen sind die Orte der Begegnung zwischen dem Geist aus dem Atelier und dem nach Schönheit oder auch Anstößigem durstenden Menschenkind.

Die Exerzier- und die Reithalle im Ingolstädter Klenzepark gehören zu diesen für Kunstpräsentationen prädestinierten Orten. Zum zweiten Mal haben sie heuer die kunstmesse ingolstadt beherbergt. Als Organisator engagierte sich wieder der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberbayern Nord und Ingolstadt e.V., ein Regionalverband des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Deutschland. Die Palette der ausgestellten und zum Kauf angebotenen Kunststücke war ebenso vielfältig wie thematisch und genrebezogen abwechslungsreich: Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Bildhauerei, Edelmetallbearbeitung, Schmuckobjekte, Fotografie, Bildhauerei, Holzschnitzkunst, Textil, Bienenwachs auf Leinwand, Kunststofffiguren, Tapisserie, Video, Keramik, Papierrelief, Plexi, Computergrafik, Multimediakunst u.s.w.

Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, schreibt im Grußwort der Begleitbroschüre zu dieser Messe: „Abgesehen vom Lob durch Kauf bietet die kunstmesse ingolstadt ’12 ihren Besuchern aber auch die einzigartige Möglichkeit, direkt mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen. Diesen Dialog halte ich für die zeitgenössische Kunst, die ihrem Publikum oft ein paar Schritte vorauseilt, für außerordentlich wichtig und begrüßenswert.“ Wie wahr!

Über hundert Künstler hatten sich für die Messe beworben. 77 von ihnen konnten ihre Arbeiten präsentieren. In der Ausstellungkoje E19 lernte ich einen der Künstler kennen, ein untersetzter, freundlicher Herr, mit dem ich mich über die Abkaufsumme aus Rumänien der Ceauşescu-Zeit unterhielt. Unter anderem. Aber auch das ist auf solchen Messen möglich und macht sie zu einem Gesellschaftshort, in dem Begegnung, Kennenlernen und Dialog, wie der Minister sagt, genauso wichtig sind wie die Kunst an sich. Ja, mehr noch, diese gewinnt dadurch an Akzeptanz, ihr Weg aus dem Atelier zum Volk ist ein gewinnbringender, wenn auch nicht immer sofort finanziell lohnender, denn er verdrängt die Scheu des Volkes vor dem Gottbegnadeten, dem mit Talent Gesegneten. Ideelle Werte wirken in die Zukunft, sie sind nicht von ungefähr „ihrem Publikum oft ein paar Schritte voraus“. 

Die Wurzeln des Mannes mit dem Vollbart und dem freundlichen, entgegenkommenden Blick liegen in Rumänien. Lucian Binder-Catana hat im Jahre 1963 in Chieşd, eine seit 1461 am nordwestlichen Rand Siebenbürgens (Rumänien) urkundlich attestierte Ansiedlung, das Licht der Welt erblickt. In Hermannstadt besuchte er das Kunstlyzeum, kam 1990 nach Deutschland, studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in Augsburg und lebt und arbeitet in den benachbarten Donaustädten Vohburg und Ingolstadt.   

Skurril fände ich seine Bilder, sagte ich dem Künstler. Das höre er immer wieder, bekam ich mit einem verständlichen Lächeln zur Antwort. Ja, es sei schon eine Botschaft von Hilflosigkeit (besonders bei Kindern), Verletzlichkeit, von beunruhigten Seelen zu spüren, erläuterte der Maler mir seine Bilder: Acryl auf Leinwand, Tusche und Tempera auf Glas. Schon, schon. Aber nicht nur. Das Gefühl von Traurigkeit kommt beim Betrachten dieser Bilder gar nicht auf. Nachdenklichkeit eher. Und dieser „symbolistische Expressionismus“ des Meisters beinhaltet immerhin genügend Aspekte, die dir ein wohlgefälliges Schmunzeln abringen. Ganz spontan. Ohne viel über Maltechniken, tiefsinnige Botschaften und dergleichen zu philosophieren. Bilder eben, von denen man gerne das eine oder andere in seiner Wohnung hängen hätte.

Ob er denn von seiner Kunst leben könne, fragte ich Lucian Binder-Catana. Dabei hatte ich das Urheberrechtsgejammer der Verlage und Literaten im Hinterkopf, ohne es allerdings zu erwähnen. Natürlich nicht, bekam ich zur Antwort, als wäre es das Natürlichste dieser Welt. Und doch lebt dieser Maler, Graphiker, Zeichner etc. ohne spektakuläre Öffentlichkeitsaktionen á la Anselm Kiefer in den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Symbolismus des Lucian Binder-Catana strahlt eine spürbare Erdung aus. Der Mann lebt im Jetzt und hält Schritt mit seiner Zeit. Kunst bedeutet für ihn viel mehr als das, was in seiner Künstlerkoje auf der Messe zu sehen war.

Es ist diese Verankerung im Zeitgeist – ohne abzuheben oder kitschigen Trends zu hofieren-, die Lucian Binder-Catana letztendlich das Überleben ermöglicht. Der Kommunikationsdesigner ist seit 12 Jahren geschäftsführender Gesellschafter von Hyperscreen GmbH für digitale und klassische Medien, eine Agentur, die er selber mit einem Kollegen gegründet hat. Wer sich mit ihm unterhält, spürt die Faszination, die von einem modernen Künstler, der selbstsicher die Bereiche Print, Web, Multimedia und bildende Kunst beackert, ausgehen kann. 

Anton Potche