Samstag, 24. Dezember 2011

Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2012!


Noapte de iarnă – Winternacht – Winternaacht

de Nikolaus Lenau - von Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau - vum Lenau Niklos

Aerul de frig amorţeşte,
Sub paşii mei trosneşte zăpada,
Suflarea abureşte şi barba zăngăneşte:
Mereu înainte, tot mai departe!

Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost! Gfreer mer ins Herz nin,
Bis tief in die Leidenschaft!
Dass es endlich mol ruhich werd drin
Wie do in der Naachtlandschaft!

Tradus de Anton Delagiarmata – Kopiert von Anton Potche – Iwersetzt vum Berns Toni



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(Fotos & Video: Anton Potche)

Montag, 19. Dezember 2011

Seppi und Peppi unterhalten sich über Frau Edith und Tante Tamara

Seppi und Peppi trinken Kaffee im Bahnhofscafé des trostlosesten Bahnhofs einer deutschen Großstadt. Und sie reden nicht nur über die FDP.



- Glaubst du, dass der Christian Wulff etwas verkehrt gemacht hat?
- Keine Ahnung. Ich habe keine Freunde, die mir soviel Geld leihen könnten.
- Aber man wird sich in diesem Land doch wohl noch helfen dürfen.
- Ja schon, aber es darf nicht nach Korruption oder, etwas milder gesagt, nach Bevorteilung aussehen. Ob es dann letztendlich genau das ist, steht auf einem anderen Blatt.
- Jetzt haben wir halt auch einen Fall Frau Edith.
- Was heißt auch? Haben den andere auch?
- Na nicht genau den, aber doch so einen ähnlichen.
- ??
- Ja die Rumänen hatten seit ein paar Jahren schon den Fall Tante Tamara.
- Hatten?
- Ja, jetzt haben sie ihn geschlossen. Der Ex-Premier Adrian Năstase ist unschuldig. Sein aus Korruptionsfällen vermutetes Vermögen gehört rechtmäßig seiner Frau.
- Und die heißt Tamara.
- Nein, Diana.
- ??
- Die hat angeblich von Tante Tamara, einer alten Frau, die in Bukarest in bescheidenen Wohnverhältnissen lebt oder gelebt hat, eine Million Euro geerbt.
- Wieso? Ist sie schon gestorben?
- Wahrscheinlich. Denn das war schon 2005. Und die Tante hatte damals bereits 97 Jahre auf dem Buckel. Außerdem erbt man ja erst wenn der Erblasser gegangen ist. Aber darum geht es eigentlich gar nicht.
- Sondern?
- Adrian Năstase hatte irgendwann von irgendwoher plötzlich 400.000 Euro auf seinem Konto, das auch noch rechtfertigt werden musste.
- Und das gehörte auch seiner Frau, nehme ich an.
- Richtig. Die hatte es aus dem Verkauf einiger Wertsachen der Tante Tamara erzielt. Von wertvollen Bildern und anderen Kunstgegenständen ist die Rede.
- Und die Richter haben jetzt gesagt, es ist alles im rechten Lot und die Akte wird geschlossen?
- Ja.
- Und was sagen die Rumänen?
- Die warten auf das politische Comeback ihres Ex-Premiers und fragen sich, an wem er sich zuerst rächen wird.
- Na klar. Jemand hat ja Anklage erhoben. Ob es im Fall Frau Edith wohl auch zu einer Anklage kommen wird?
- Wer weiß?! Wenn DER SPIEGEL noch eine Tante aus dem Ärmel zaubert...
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Leise rieselt der erste Schnee.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Ein Plädoyer für die Religionsfreiheit

Filep Karma ist 52 Jahre alt. Seit 2004 sitzt er in einem indonesischen Gefängnis. Sein Vergehen - er hat an einer Zeremonie teilgenommen, bei der die „Morgenstern-Flagge“, ein Symbol für die Unabhängigkeit Papuas, gehisst wurde. Dafür wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Das ist nur eines von mehreren Beispielen, wie Menschenrechte weltweit missachtet werden. Tagtäglich. Amnesty International setzt sich für solche Einzelfälle ein. Seit dem 10. Dezember 1948 gibt es die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, ein Dokument der Vereinten Nationen. Es bildet die Grundlage für die Tätigkeiten vieler Menschenrechtsorganisationen weltweit.

In Ingolstadt wird seit 15 Jahren um den 10. Dezember ein „Tag der Menschenrechte“ abgehalten. Federführend ist stets Amnesty International aus Ingolstadt, Eichstätt und Pfaffenhofen. Beteiligt sind in vielfältiger Weise aber noch viele andere soziale, kulturelle und kirchliche Einrichtungen, zusammen mit der Stadtverwaltung Ingolstadt.

Menschenrechtsvereine präsentieren ihre Arbeit, es gibt Musik und kulinarische Spezialitäten wie auch einen Festredner. Heuer war es Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, der nach besinnlichen Begrüßungsworten des Ingolstädter Kulturreferenten Gabriel Engert das Wort ergriff.

Tauziehen um die Religionsfreiheit – ein Menschenrecht in der Krise? Diese programmatische Frage zu beantworten, hatte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt sich für diese Veranstaltung vorgenommen – oder auch nicht. Denn nach seinem Vortrag wollte eine Frau aus dem Auditorium nur wissen, wer eigentlich bestimme, was Religion sei. Und da kam dann die salomonische Antwort: „Eine schwierigere Frage hätten Sie sich nicht ausdenken können.“ Es hänge bei der Beantwortung dieser Frage doch weiterhin sehr viel von der „Selbstverständlichkeit des Einzelnen“ ab.

Also ein sehr schwer zu beackerndes Feld, auf dem der Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen- Nürnberg tätig ist. Dabei ist Heiner Bielefeldt sozusagen der Fachmann für Religionsfragen schlechthin. Seit August des vergangenen Jahres ist er auch UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfragen. Als solcher weiß er sehr wohl, was so alles in der Welt im Namen der einen oder anderen Religion passiert. Und das ist, weiß Gott, nicht immer das Menschengerechteste.

Religionsfreiheit steht natürlich für mehrere Freiheiten. So müssen Menschen selbst bestimmen dürfen, welcher Religion sie angehören wollen. Die Freiheit der Sinnsuche muss jedem Menschen gewährt sein. Er muss auch das Recht haben, über seine Religion zu sprechen. Und er hat einen Anspruch auf Präsenz seiner Religion im öffentlichen Raum. Genauso frei muss er aber auch sein, seine Religion wechseln zu können. Inbegriffen ist auch das Recht auf Atheismus.

Dass diese doch so logisch klingenden Menschenrechte in der Praxis zu vielen Missdeutungen und Missbräuchen führen, gibt dem Referenten die Gelegenheit, oder zwingt ihn zu Analysen über Staatsreligionen, religiösen Phobien, Universalismus, Klientelismus, Stigmatisierungen, Indoktrination und, und, und.

Alle diese erschlagenden Schlagwörter wurden von dem frei sprechenden Prof. Dr. Heiner Bielefeldt mit beredten Beispielen belegt. Das war dann natürlich für das Auditorium oft auch bedrückend, obwohl der Referent eine sehr lockere Vortragsweise pflegt, die manchmal auch mit einem Schuss Selbstironie bereichert ist.

Dieses Thema ermöglicht natürlich kein Fazit, da es eigentlich nie ganz ausdiskutiert werden kann. Besonders darum, weil „alle Religionen sowohl Opfer- als auch Täterreligionen sind“. Daher ist „die Religionsfreiheit ein Menschenrecht unter Druck, besonders in der Praxis“.

Dass viele Menschenrechte unter Druck sind zeigt uns der Fall Filip Karma. Der Mann hat laut Amnesty International nur „sein Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch genommen.“ Dafür sitzt er seit sieben Jahren im Gefängnis. Ich habe mich angestellt und auch einen Aufruf für seine Freilassung unterschrieben.

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Noch eine Weile habe ich Djatou Touré, ihrem Vater Souleymane Touré am Schlagzeug und Frank Schellenberg am Keyboard zugehört. Dann bin ich gegangen, über den schneelosen Christkindlmark. Und ich habe dabei an meinen muslimischen Arbeitskollegen türkischer Abstammung gedacht, der ganz entschieden einen „Tannenbaum“ an Weihnachten ablehnt. „Warum“, habe ich ihn gefragt, „das ist doch nur Folklore. Dein Glaube muss davon nicht beeinträchtigt sein.“

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Saßen Securitatespitzel auch bei der Springer-Presse?

Das behauptet auf jeden Fall Neculai Constantin Munteanu in einem Artikel auf der Website des Radiosenders Europa Liberă (Freies Europa). Der Enthüllungstext ist auch  auf der Website der rumänischen Zeitschrift REVISTA 22 erschienen. Vielleicht wäre es bei dem Material angebrachter über Charakterisierungen zu reden oder auch über Abrechnungen mit ehemaligen Verrätern, als über einen wissenschaftlichen Text, wie ihn Historiker, realitätsnah und mit je weniger Pathos, verfassen würden.

Verständlich wäre es, denn der 1941 geborene rumänische Journalist war in Ceauşescus Rumänien berühmt berüchtigt für seine aus dem Münchner Studio von Radio Freies Europa übertragene Sendung Actualitatea românească (Rumänische Aktualität). Millionen Rumänen haben ihm täglich geheim zugehört. Umso verhasster war der 1977 aus Rumänien emigrierte Dissident beim Regime des Diktators. Dass er jetzt immer wieder Material in den zur Einsicht freigegebenen Securitateakten findet, das ihm das (volle?) Ausmaß der Bespitzelung und auch die Akteure von damals vor Augen führt, ist also nicht verwunderlich.

Top 5 die widerlichsten Informanten überschreibt N. C. Munteanu seinen Artikel. Zu den fünf zählt er auch einen gewissen Ivan Deneş. Der Mann hat nachweislich 51 Jahre lang für den rumänischen Geheimdienst gearbeitet. Da werden so manche bekanntgewordenen rumäniendeutschen Spitzel mit ihren armseligen Mitarbeiterjährchen vor Neid erblassen. Vier Sprachen soll er gesprochen haben: Deutsch, Englisch, Ungarisch und Französisch.

Ivan Deneş ist 1971 nach Israel emigriert. Dass er dort für die Securitate unter dem Cod „GX-36” tätig war, ist erst jetzt aus den Akten ersichtlich geworden, genauso wie seine Spitzeltätigkeit in Deutschland. Hier hat er es als „Kraus” und „Konrad” zu trauriger Berühmtheit gebracht – post mortem, denn er ist „geldgierig, frauensüchtig und als Alkoholiker” gestorben. Nur massive Proteste von Exilrumänen hatten eine Einstellung des rumänischen Geheimdienstinformanten beim Radio Freies Europa in München verhindert. Fast wäre es der Securitate gelungen, einen ihrer Spitzel in die rumänische Abteilung des amerikanischen Senders als festen Mitarbeiter einzuschleusen.

Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Mann vor seinem Probeeinsatz in München und besonders danach beim Axel Springer Verlag als Journalist arbeitete, ohne Verdacht zu erwecken. Schließlich lebte man ja in Europa in einem Zustand des Kalten Krieges. Dass der Spitzel bei seinen häufigen Kontakten mit rumänischen Gewährsleuten in „Bukarest und anderen europäischen Städten” nichts über den Springer Verlag erzählt hat, ist unwahrscheinlich, zumal N. C. Munteanu sich heute noch besonders über das doppelte Gesicht dieses Spitzels aufregt. Der hätte von Freies Europa Geld für Informationen aus Bukarest kassiert und ebenso von den Rumänen Geld für Informationen über den Sender und besonders die Mitarbeiter aus München.

Blauäugig schienen in jener Zeit viele zu sein. Und das hat es Ivan Deneş ermöglicht „sich in seinen glorreichen Träumen als ein Richard Sorge des Kalten Krieges zu sehen”, schimpft Neculai Constantin Munteanu.