Montag, 16. April 2018

Unterhaltungsliteratur eben

Johannes Mario Simmel: Der Stoff aus dem die Träume sind, Roman; Bertelsmann, Reinhard Mohn OHG, Gütersloh (ohne Jahreszahl); 768 Seiten, Hardcover; (bei Internetanbietern erhältlich)

Es war in den 1970er Jahren. Und ich kann mich im Ungefähren erinnern, dass, während Herta Müller, Richard Wagner, Horst Samson & Co, von der Wiener Gruppe um Artmann, Achleitner, Jandl & Co. schwärmten, in Jahrmarkt unter den Lenau-Schülern Bücher von Konsalik und Simmel kursierten. Unterhaltungsliteratur eben. Sie befand sich im Gepäck von Touristen und blieb nach deren Abreise im Land. Einige dieser Bücher trugen noch einen DAAD-Aufkleber (Deutscher Akademischer Austauschdienst) und waren mit der Post in das noch nicht ganz verdunkelte Rumänien gelangt.

Der Simmel-Band, den ich soeben zugeschlagen habe, stammt aus der Ingolstädter Stadtbücherei und landete nach einer Bücher-nach-Kilogramm-Aktion (1 kg = 1 Euro) in meinem Bücherregal. Jetzt habe ich die 768 Seiten geschafft und bin selber geschafft.

Johannes Mario Simmel (1924 – 2009) hat den Roman Der Stoff aus dem die Träume sind 1971 geschrieben. Inspiriert hat er sich dabei aus einer wahren Begebenheit, aber die Handlung so verschlüsselt, dass es „unmöglich“ ist, „auch nur einem einzigen Menschen zu schaden“, wie es in einer kurzen Einleitung heißt.

Durch sieben Kapitel zieht sich die Handlung des Romans dahin, mal hurtigen Fußes, mal träge und für den Leser recht mühsam. Es sei denn, man findet an abstrakten, unlogischen, ins Reich der Fantasie verfrachtete Geschichten seine Freude.

Der Roman würde auch ohne Luise Gottschalk sehr gut funktionieren. Nicht aber ohne zwei andere Gestalten. Der 36 Jahre alte Journalist bei BLITZ (Simmel hat jahrelang für die Münchner Illustrierte QUICK gearbeitet), Walter Roland, und sein Kollege Bert Engelhardt, Fotograf, fahren in ein Flüchtlingslager in der Nähe von Bremen, eine sumpfige Gegend, um für eine Sozialreportage zu recherchieren. Man schreibt das Jahr 1968 und nicht nur in Deutschland, sondern auch hinter dem Eisernen Vorhang, besonders in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR) ist einiges los. Die Zeit ist also wie geschaffen, um aus einem normalen Journalistenunterfangen, eine Spionagegeschichte mit allen Zutaten, oft auch unappetitlichen, entstehen zu lassen. Zur Unterhaltung der Leser, was die voll goutierten und auch heute noch schätzen. Simmels 35 Romane haben bis 2016 eine Auflage von ca. 73 Millionen verkauften Exemplaren erreicht.

Als epische Großform bietet auch dieser Roman Spielräume für verschiedene Abläufe, deren Verortungen Einblicke in unterschiedliche Milieus ermöglichen. Da wäre zum einen die Redaktion von BLITZ mit ihrer Arbeitsweise und vorgegebener Politik (von wegen unabhängiger Journalismus), das Leben in einem Flüchtlingslager für Kinder und Jugendliche aus dem Ostblock, das Hausen in einem Fünf-Sterne-Hotel und nicht zuletzt das Privatleben der Protagonisten. (Wenn ich so viel gesoffen hätte wie Roland, wäre ich schon längst unter der Erde.)

In der Spionagegeschichte sind die Hauptakteure des kalten Krieges, Russen und Amerikaner, die Strippenzieher im Hintergrund. Die Drecksarbeit, inklusive Messer in der Brust, machen Handlanger des gewaltsamen Todes.

Versucht man, diesen Stoff aus dem die Träume sind nach den Substanzschichten Handlung, Figur und Raum zu beurteilen, so schwankt man zwischen Handlung und Figur als wertsteigerndes Element. Ich würde schlussendlich leicht für die Figur tendieren, denn dieser Journalist und Säufer Roland gibt als literarische Person schon etwas her, was aber nicht heißt, dass man ihn gleich in eine Reihe mit Don Quijote (de Cervantes), Werther (Goethe)oder gar Hyperion (Hölderlin) stellen muss. Dieser Simmel-Roman ist ja auch nur Unterhaltungsliteratur. Aber gute.
Anton Potche

Montag, 9. April 2018

Erinnerungen und hinkende Vergleiche

Dieser Film hat mich an meine Jugend erinnert: Die Freibadclique. Und wie immer, wenn die Erinnerungen sich hinter meiner Stirn breitmachen, begannen auch diesmal die Vergleiche verrückt zu spielen. Auch ich verbrachte meine Jugendjahre in einer Diktatur. Auch wir hatten ein Freibad, wir nannten es Strand, im Dorf. Auch dort traf sich so manche Jugendclique. Auch dort plusterten sich die Jungs auf wie die Pfauen. Ich gehörte dazu, ist doch klar. Und bildete mir natürlich ein, dass aller Mädchen Augen nur auf mich gerichtet waren. Wie schön es doch sein kann, in der Vergangenheit zu schwelgen. Wäre da nicht, die Nüchternheit, die früher oder später einsetzt. Sie ließ auch bei mir nicht lange auf sich warten.
 Fotoquelle: http://www.daserste.de/

Friedemann Fromm hat diesen Film nach dem Roman gleichen Titels von Oliver Storz (1929 – 2011) verfilmt. Die ARD hat die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt und damit (mir zumindest) bewiesen, dass meine Fernseh- und Rundfunkgebühren nicht (immer) für die Katz sind. Nüchtern betrachtet, lässt der Film (Erstausstrahlung am 28. März 2018 in der ARD) eigentlich kaum Vergleiche mit meiner Jugend zu. Und das, obwohl die fünf Jungs aus der Freibadclique genauso Spitznamen trugen, wie die Buben aus meinem Dorf. Im Film sind es Onkel (Jonathan Berlin), Bubu (Andreas Warmbrunn), Zungenkuss (Joscha Eißen), Hosenmacher (Laurenz Lerch) oder Knuffke (Theo Trebs). In dem Dorf meiner Kindheit und Jugend hießen solche aus der Pubertät wachsende Jungs Tschango, Scharka, Tschisko, Batzo, Zatza, Schnürchen, Jamaika usw. Aber damit sind die Vergleiche auch schon fast erschöpft. Besonders was die Rahmenbedingungen anbelangt.

Kommunismus versus Nationalsozialismus. Kalter Krieg versus Weltkrieg. Hier nach weiteren Vergleichen zu suchen, wäre vermessen. Und doch drängen sie sich auf, wenn man bedenkt, dass erste Liebeserfahrungen da wie dort im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend waren. Aber danach wird es wirklich eng mit den Gemeinsamkeiten. Die Jungen in einer schwäbischen Kleinstadt – ihre Sprache verrät untrügerisch ihre Heimat – gehören zum letzten Aufgebot des Führers. Sie leben in ständiger Angst, doch noch zur Waffen-SS einberufen zu werden. Da fühlen sich erste Liebeserfahrungen bestimmt anders an als meine oder die meiner Altersgenossen hinter dem Eisernen Vorhang im Südosten Europas. Schwaben hin oder her, ob aus dem Ländle oder dem Banat.

Die Freibadclique aus dem Schwäbischen muss doch noch in den Krieg. Und trifft sich dezimiert nach dem Einmarsch der Amerikaner wieder im Freibad. Drei haben überlebt. Beschädigte Biografien. Und dann wieder der aufdringliche Vergleich. Nein, die Gegensätze können nicht größer sein und überwiegen. Auch in meinem Freibad, an meinem Strand, wurden die Cliquen von Mal zu Mal kleiner. Ihre Mitglieder überwanden den Eisernen Vorhang (oft unter Lebensgefahr), um dorthin zu gelangen, wo die schwäbelnden Jungs einst vom 10-m-Turm sprangen. Klingt nach einer Gemeinsamkeit. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass die einen zum sinnlosen Sterben getrieben wurden (der Film lässt hier keine Zweifel offen), während die anderen todesmutig die Westgrenze Rumäniens überwanden (was leider nicht immer gelang) oder sich aus der kommunistischen Diktatur freikauften. Freiwillig!

Die Freibadclique bleibt auch mit drei Mitgliedern nach dem Krieg bestehen. Doch die Nachkriegszeit in Deutschland ist nur bedingt ungefährlicher als die Kriegszeit. Auch sie wird von starken Gefühlen, Erotik und Freundschaft, geprägt und verlangt noch ein Opfer, wo doch die Waffen längst schweigen. Der Film beginnt mit dem Blick in ein intaktes Klassenzimmer eines Gymnasiums. Und er endet mit dem gleichen Blick am ersten Schultag nach dem Krieg. Ein Antonym von intakt wäre (in diesem Fall) wohl partiell. In einem partiellen Klassenzimmer bleiben viele Sitzhocker leer.

Auch die Cliquen an meinem Strand gibt es nicht mehr. Aber zwischen der Freibadclique und den Strandcliquen liegen heuer immerhin 73 Jahre und einige Mitglieder Letzterer treffen sich wahrlich noch ab und zu bei der einen oder anderen Jahrgangszusammenkunft.

Was Oliver Storz niedergeschrieben und Friedemann Fromm auf die Leinwand gebannt hat, ist klassische Antikriegsliteratur und -film. Zumindest eins von beiden sollte man sich nicht entgehen lassen. Es sind die Gefühle unserer Großväter und Großmütter und – wer hätte das gedacht – sogar teilweise unsere eigenen. Zumindest solange uns die Erinnerung noch nicht abhanden gekommen ist.

Die Freibadclique – Drehbuch & Regie: Friedemann Fromm, Musik: Annette Focks, Produktion: Marc Müller-kaldenberg, Darsteller: Jonathan Berlin, Theo Trebs, Andreas Warmbrunn, Laurenz Lerch, Joscha Eißen u. a. 

Anton Potche

Samstag, 31. März 2018

März 2018 – Giarmata in den Medien


Es kann losgehen
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 05.03.2018
Călin Dobra, Vorsitzender des Kreisrates Timiș / Temesch und Sorin Maxim, Direktor der Regionalen Entwicklungsagentur West (ADR Vest) haben den Finanzierungsvertrag für den Ausbau der Kreisstraße 691, die die Lippaerstraße in Temeswar mit dem Autobahnanschluss bei Giarmata verbindet, unterzeichnet. Zu den umfangreichen Straßenbaumaßnahmen, die vor allem die Erweiterung auf vier Fahrbahnen betrifft, soll laut Călin Dobra auch „die Optimierung des Bahnübergangs bei Giarmata“ gehören.
+ + + Mindestens vier Jahre müssen die Autofahrer sich aber noch gedulden. Die Kreisstraße führt durch Dumbrăvița und dort liegt der Hund begraben. Dort fährt nämlich der Trolleybus, und das heißt Masten und Stromleitungen versetzen etc. + + +

Ein Punkt
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 09.03.2018
 Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 16. Spieltag
CS Millenium Giarmata  - AFC Hermannstadt II  3:3 (0:1)
Torschützen: Andrei Pop (Min. 40), Iulian Popa (Min. 48) und Robert Bratu (Min 92)  für die Gäste und Ghighilicea (Min. 50), Marius Călin (Min. 55) und  George Beloescu (Min. 60) für Giarmata
Aufstellung CS Millenium: Robert MiklosSporin, Stupu, Buzdugan, Ştefănescu, Codrea, Rosenblum (Min. 80, Rus), Călin, Ghighilicea, Pricop (Min. 58, Stoica), Beloescu (Min. 89, Grunţă).
Trainer Răzvan Leucă nach dem Spiel: „Leider hat man uns zwei Elfmeter verwehrt. Sogar die Gegenspieler waren erstaunt.“
Tabellenplatz: 12 CS Millenium Giarmata  13
+ + + Die Rückrunde konnte wegen schlechtem Wetter nur mit einer Woche Verspätung beginnen. + + +

Feuer gelegt
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 15.03.2018
Ein 41 Jahre alter Mann hat nach einem seit längerem schwelenden Streit das Haus seiner Mutter in Giarmata in Brand gesetzt.

Und wieder ein Punkt
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 17.03.2018
 Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 17. Spieltag
CS Naţional Sebiş - CS Millenium Giarmata  2:2 (0:0)
Torschützen: Dorin Codrea (Min. 50), Rosenblum (Min. 85) für die Gäste und Onțel (Min. 56), Mărgărit (Min. 94) für die Heimmannschaft
Aufstellung CS Millenium: MiklosSporin, Stupu, Buzdugan, Cherecheș –  Codrea, Rosenblum (87, Rus) – Călin, Ferțu (60, Stoica), Pricop (70, Grunță) – Beloescu (90, Berecki).
Tabellenplatz: 12 CS Millenium Giarmata  14
+ + + Es hat die ganze Spielzeit geregnet.+ + +

Sieg und Unentschieden
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 18.03.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 16. Spieltag
Millenium II Giarmata - Camaro Fibiș  4:4
Unirea Cerneteaz  - Utvin  3:2
Tabelle: 6 Unirea Cerneteaz  28
7 Millenium II Giarmata  25

Hygienemaßnahmen in der Wasserleitung
aus ZiuadeVest.ro, Timişoara / Temeswar; 19.03.2018
Die fürs Giarmataer Leitungswasser zuständige Firma ruft die Bevölkerung auf, sich mit Leitungswasservorrat einzudecken, denn die Zufuhrrohre werden gereinigt. Daher wird aus den Wasserhänen am 21. März von 9 bis 18 Uhr trübes Wasser fließen. Die Bürger sollen das Wasser erst wieder benutzen, wenn es ganz rein aus der Leitung kommt.

Gemeinderatssitzung am 28. März
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 22.03.2018
35 Tagesordnungspunkte warten auf ihre Abarbeitung. Die Themenvielfalt ist gegeben: Machbarkeitsstudien für kommunale Projekte (Park und Prinz-Eugen-Brunnen, Brückenstege und gepflasterte Zugänge zu den Häusern, Straßen in Cerneteaz, Modernisierung der Sportanlage, Errichtung mehrerer Spielplätze im Ort, bessere Ablaufvorrichtungen für das Regenwasser im Frühlingsviertel -  Cartierul Primăverii usw.) Auch soziale Projekte stehen zur Diskussion und natürlich auch Bugetprobleme. Haushalt ist nun mal Haushalt und bleibt für alle Kommunen weltweit eine Dauerdiskussionsquelle. Auch Grundstücksprobleme stehen auf der Tagesordnung. Und nicht nur angenehme. Es geht um den Entzug des Nutzungsrechtes für einige Bürger, die vertraglich vereinbarte Baubestimmungen missachtet haben. Wahrscheinlich geht es um nicht eingehaltene Baufristen in dem neuen Viertel zwischen der Strada Nouă und der Landstraße.
+ + + Bei dieser Themenfülle kann es schon mal spät werden. Die Sitzung beginnt wie fast alle Gemeinderatssitzungen um 16:00 in einem Tagungsraum im Kulturheim - also nicht im Rathaus.+ + +

Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 27.03.2018
 Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 18. Spieltag
Gloria Lunca Teuz Cermei - CS Millenium Giarmata  3-7 (0-3)
Torschützen: Daniel Buzdugan (Min. 5), Dorin Codrea (Min. 8), Mircea Stupu (Min. 35),  George Beloescu (Min. 47) sowie Claudiu Ghighilicea (Min. 65, 74, 83) für die Gäste und Daniel Bulza (Min. 55), Alin Gligor (Min. 72) und Adrian Suslak (Min. 81) für den Gastgeber
Aufstellung CS Millenium: Millenium Giarmata: MiklosSporin, Stupu, Buzdugan, CherecheșCodrea, GrunțăCălin, Ferțu, PricopBeloescu. Eingewechselt wurden Ghighilicea, Rosenblum und Pricop.
Tabellenplatz: 12 CS Millenium Giarmata  17
Trainer Răzvan Leucă sagte nach dem Spiel zu dem Rasen im Stadion: „Ich gleube es ist der beste in Rumänien.“
+ + + Davon könnten sich die Verantwortlichen des teuersten Stadions in Rumänien, „Ion Oblemenco“ in Craiova, eine Scheibe abschneiden. Über dessen Rasen haben sich sowohl rumänische als auch schwedische Nationalspieler nach dem kürzlich ausgetragenen Länderspiel Rumänien – Schweden, das die Gastgeber mit 1:0 gewonnen haben, bitter beklagt. + + +

Heiratsaufgebote im Rathaus von Giarmata im März 2018
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt
1.) Punec Jian-Ionel-Bogdan, 28 Jahre alt, aus Turnu-Severin, Kreis Mehedinți ∞ Tuncu Aurora, 27 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș  (07.03.2018)

Muttertag in Giarmata
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar;  März 2018
Der 8. März ist Muttertag. Er wird in Giarmata gebührend gefeiert. Mit einem Kulturprogramm im Kulturheim. Heuer hat das Programm sechs (6) Stunden gedauert. Alle Kulturgruppen der Ortschaft und viele Kinder der Giarmataer Schule waren involviert. FOAIA DE GIARMATA zitiert einen in Jahrmarkt sesshaften (er hat zumindest ein Haus dort) Italiener, Sebastiano Stoppa, mit dem Fazit: „Die Veranstaltung war sehr emotional und schön. Für mich war es ein Vergnügen, eine für das Schöne so sensible und gefühlbetonte Gemeinschaft wiederzusehen, die die Folklore und die rumänischen Traditionen liebt. Bravo und Glückwunsch!“
+ + + Wie ich noch in die Johrmarker Schul sin gang, hun mer dee Tach aah schun im Kamin gfeiert – mit Lieder, Tänz un Gedichter. Die Omas un Mamas ware im Saal un mer uf der Biehne. Wie lang des schun her is? Na fufzich (50) Johr mindestens. + + +

Montag, 19. März 2018

Mensch, Siegfried!

De Herr Albert Schwab, des is e Hiesicher mit’re Fraa aus Johrmark, hot mer e Mail gschickt mit’re Sendung vum SWR2, e südwestdeitscher Kulturradiosender. Ausgstrahlt wor is die Sendung am Samstach, em 10. März 2018, vun 10 Uhr 30 bis 12 Uhr. Un de Titel vun der Sendung hot mich sofort noch neigeericher gemach, wie ich sowieso schun sin: Treffpunkt Klassik extra – Gast im Studio: Siegfried Jung, Tubist.

Ich hun mer die Sendung onkorcht un sin immer stolzer wor – obwohl des doch gar net mei Verdienst is, e Johrmarker zu sein. Die Sendung war e Mischung aus Interview, meh e lockres Gspräch, un vill sehr, sehr guder Musik. Ich hun mich dabei gfroot, wer vun de Johrmarker Musikante hot’s wohl in seiner Karriere am weidste gebrung. Is es de Metzje Matz, die Safer-Buwe, de Retter Sepp, de Schütt Martin un’s Eva, de Bild Matz, de Turmanns Nicki, de Specks Ossy, sei Nochber vun drunne iwer die Gass, de Potche Siegfried, de Rosner Walter un vill annre… odder de Jung Siegfried. Der is zwar de Jingst vun dee all, hot’s awwer als Oonzicher bis in de Orchestergrawe vum Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth gschafft. Des is forr jede Musiker so e Art „Ritterschlag“, weil dorthin kann merr sich net bewerbe, merr werd beruf. Un desjohr werd er, de Jung Siegfried jun. – so kännt merr aah son, weil sei Vatter haaßt aah Siegfried un war Musikant in Johrmark; dort hatt die Spezifizeerung „sen.“ un „jun.“ schun Tradition ghat -, bei de Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth mitspille. Gut, ich war vor Johre aah schun mol in dem Orchestergrawe – vleicht sogar als eerschter Johrmarker iwerhaupt. Awwer die hun mich net mitblose geloss, norr schaue un staune hun ich därfe. 

Siegfried Jung
Bildquelle: SWR2
So e Sendung kann schun sehr aufschlussreich sein. Merr erfahrt sogar etwas iwer des oon odder anner inwenzich Organ vu’me Mensch, der wu uf so’me große Instrument wie de Bass Musik macht. De Siegfried hot em Moderator Burkhard Egdorf verzählt, dass er e Lungevolumen vun 7 Liter hot, medizinisch geprieft. Asso, wann merr sich die Konzerte vum Jung Siegfried uf YouTube onschaut (do gebt’s einiche), noo werd merr sich net wunnre, dass der vill Luft brauch, um so uf seim Bass – herrisch haaßt des Basstuba – blose zu känne. 

Die Sendung war so konzipeert, dass aah Platz forr Musiksticker war, in dee wu de Jung Siegfried un sei Fraa, es Johanna, des wu Harfe spillt, zu heere sin. Es ware meistens Sticker vun der CD Paesaggio, iwer die ich jo in meim Blog schun was gschrieb hun, awwer aah annre Sticker, uf die de Siegfried große Wert leet. Forr was des so is, hot er in der Sendung erklärt. Un er hot aah iwer sei Musiker-Musikante-Verständnis geredd. Des war ganz intressant. Die zwaa, de Moderator un sei Gast, sin irgendwann aah uf die Volksmusik zu redde kum. De Moderator hot gemoont: „Die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben sind ja auch bekannt für ihre Volksmusik.“ Druf hot unser Johrmarker Landsmann geantwort: „Ich komme nicht unbedingt aus einer Musiker-Familie, aber eben aus einer Musikantenfamilie.“ Un er macht schun ganz bewusst e Unnerschid zwischen Musikante und Musiker, hot er gsaat. E guder Musiker muss noh seiner Meinung net unbedingt aah e guder Musikant sein. Umgekehrt werd awwer e Schuck drauß: Aus’me gude Musikant werd leichter e guder Musiker. 

De Burkhard Egdorf hot de Siegfried aah noh seine „familiäre Beziehungen“ zu Rumänien un besonders ins Banat gfroot. Do is die Antwort: „Meine Eltern sind jetzt fürs Alter zurückgegangen in die alte Heimat. Und ich bin auch sehr gerne da unten, hab auch mittlerweile die rumänische Sprache erlernt, nicht besonders gut, aber so, dass ich mich verständigen kann. Da ich in Deutschland aufgewachsen bin und zu Hause kein Rumänisch gesprochen wurde, hab ich angefangen durch Tätigkeiten als Solist in Rumänien dann auch Rumänisch zu sprechen. Und das macht auch viel Spaß.“ Un de Moderator hatt noch net genuch ghat. Er hot wisse wolle, ob de Siegfried dort unne privat „mehr in den ländlichen Regionen“ is „oder in der Stadt“. Un der hot geantwort: „Privat sind wir natürlich mehr in der ländlichen Region, genau gesagt, da wo wir herkommen, wo meine Familie herkommt vom Dorf. Ja, das Dorf liegt etwas abseits von der Banater Hauptstadt Temeschwar. Das Interessante ist für mich tatsächlich die Stille und die Ruhe dort.“ Des glaab ich ehm gere, weil uf die Puszta zwischen Johrmark un Bentschek is die Hecktik vun der Banader Metropole noch net vorgedrung. Wer troomt eigentlich net geere vun so’me Lewe. Awwer losse mer des, ich moon, ich hun schun wu annerscht mol gschrieb, was mei bessri Hälft vun so’re Traumverwirklichung in der alt Heimat halt. Awwer es Troome kann’s mer jo net verbiede. Un des is gut so.

Beim zwattvunletzte Musikstick aus der Sendung sin ich noo net ins Troome verfall, awwer ins Schwärme. Un wie noch! De Siegfried hatt nämlich e Langspielplatt dabei ghat, die wu er in Rumänien i’me Musikgschäft kaaft hot, ob in Bukarest odder in Temeswar odder in ooner annre Stadt hot er net gsaat. Uf jede Fall is des, was uf der LP (junge Leit wisse heit vleicht gar net, was des is) druf is, e Sensation: die Rhapsodie Nr. 1 vum George Enescu, gspillt vum Sinfonieorchester George Enescu, dirigeert vum Maistro George Enescu (1881 – 1955) heechst perseenlich. Besser geht’s eigentlich net.

Ich kann norr soon: Leit, horcht eich die Sendung on, so lang wie de SWR2 se noch in seim Tonarchiv öffentlich onbiet. Des Gspräch un die Musik känne e Gewinn forr alle Musikliebhaber sein, awwer forr uns Johrmarker nateerlich e doppelter. De Siegfried hot aah uf sei Homepage e Link zu der Sendung gstellt. Dort gebt’s owwedruf noch e Link zu’re Sendung mi’m Siegfried uf RADIO TEMESWAR.

Zum Schluss kann ich norr soon: Mensch, Siegfried! Des host gut gemach. Awwer du host em Burkhard Egdorf net gsaat wie des Dorf „abseits von der Banater Hauptstadt Temeschwar“ haaßt un das des e Musikantedorf war, vleicht es oonzich uf der Welt. Macht nicks, vleicht gebt sich jo wedder e Gelegenheit. Bis dann hall ich des do schun mol fest: Es handelt sich um Johrmark.
Berns Toni